wahnschaffen,
part. adj. nicht recht gebildet, unschön, albern u. s. w., zu dem adj. wahn.
ein nd. wort, das aber auch ins md. übergreift und neuerdings von schriftstellern niederdeutscher herkunft gebraucht worden ist. mnd. wanschapen (
auch wantschapen) Schiller-Lübben 5, 593,
jetzt überall in den mundarten lebend. brem. wb. 5, 176. Richey 331. ten Doornkaat Koolman 3, 509. Strodtmann 386. Schambach 286. Bauer-Collitz 111. Schütze 4, 327. Danneil 244.
auch ndl. wanschapen (
Teuthonista 93. Kilian 652).
auszerhalb des nd. wird es angegeben von der Eifel Frommann 6, 20,
aus Schlesien Weinhold 103
und Preuszen Frischbier 2, 455 (wandschaffen).
die nd. form erscheint zuweilen in der litteratur: es gibt männer, ... die ein von pocken zerrissenes und groteskes, oder, wie der Holländer es nennt, wanschapenes, (gleichsam im wahn, im traume gedachtes) gesicht haben. Kant 10, 333 (
anthrop. § 87)
mit falscher deutuug des wortes; euer sohn, das kleine wantschapene ding, hat mir schöne streiche gespielt. Tieck 5, 579.
das hd. wahnschaffen
wurde von Adelung (
aus dem '
gemeinen leben')
ins wörterbuch eingeführt. bedeutung. 11)
misgestaltet, häszlich, von personen und dingen. 1@aa) wanschaffen, ungestalt, ungeschaffen, ayschlich,
indispositus, difformis, incompositus. voc. theut. (1482) mm 8
b; Diefenbach
gl. 356
b monstruosus, wanschaffen (
aus einem handschriftl. glossar); we den andern wundet an dem antlate, dat he darfan wantschapen wert.
Rigaer stadtrecht 21
bei Schiller-Lübben 5, 593; er (
don Karlos) sult doch wanschaffen van leib und sinnen gewest sin, wie man sagt, das im herkomen were van einem falle, den er getain hat.
buch Weinsberg 2, 184
Höhlbaum; bis wanschaffen leude (
krüppel, bettler) des ortzs komen, in doit funden. 4, 206 (
v. j. 1594); die Prisken und die Casken sind wesenlose masken; die Casken und die Prisken wahnschaffne basilisken. A. W. v. Schlegel 2, 248. 1@bb) hier sind sie (
die sprichwörter) auf wahnschaffene gedichte angewandt, die Horaz mit fieberträumen vergleicht. Voss
Virgils ländliche ged. 147; ich kenne gar nicht wahnschaffneres, als diese griechischen gegenden, in denen ein beschwerlicher berg nach dem andern kommt, wo man keine aussicht auf canäle und wiesen hat. Immermann
Münchh.2 2, 98.
in engerem sinn: wahnschapen, schief,
gauche, de biais. Schrader
deutsch-franz. wb. II, 2 (1784), 1579
c; wahnschaffen ... wird besonders von übelgerathenen arbeiten der handwerker, welche schief oder sonst ungestalt sind, gebraucht. es ist in diesem sinn der gegensatz von dem ndsächs. ausdruck ein rechtschaffen stück arbeit. Heynatz 2, 608. 1@cc)
auch als adv. '
unordentlich': et lag alles wânschâpen dôr enander. Schambach 286. 22)
geistig genommen, einfältig, albern, thöricht, unvernünftig (et is en recht wânschâpen bengel).
auch gesteigert, toll, wahnwitzig. Weinhold 103. 33)
auf das benehmen bezogen, wüst, ausgelassen (Frommann 6, 20)
oder grob, ungeschliffen (Frischbier 2, 455).
das wort ist auch in die skandinavischen sprachen übergegangen, dän. vanskabe
verunstalten, entstellen, davon das part. dän. vanskabt,
schwed. vanskapad
misgestalt, verunstaltet.