wälschen,
verb. ein in allen südd. mundarten verbreitetes wort: schweiz. weltsche Stalder 2, 432. Tobler 439. Hunziker 286. Seiler 309,
in Vorarlberg wälscha Frommann 3, 300,
elsäss. welsche Martin - Lienhart 2, 824,
schwäb. welsche Schmid 526,
bair.-österr. walschn Schmeller 2, 905. Schöpf 797. Lexer 249. Unger-Khull 616
b (
steir. auch wallaschen),
hessisch welsche Crecelius 903,
in Waldeck (
hd. sprache) welschen Bauer-Collitz 181.
der von Adelung
und Campe
noch nicht verzeichnete ausdruck begegnet in neuerer zeit (
zuerst bei Göthe
und Voss)
auch in der litteratursprache. 11)
italienisch oder französisch reden: die krieger (
Franzosen) welschten unter einander. Auerbach
dorfgesch. (1846) 1, 52; man heiszt ihn so (
Franzos), weil er ein jahr im Elsasz das sattlerhandwerk gelernt hat und davon ein wenig welscht. Herm. Kurz
der sonnenwirth 1, 120; Bozen ist die grenze der deutschen sprache, hier wälscht schon der hausknecht und die kellnerin. Vischer
briefe aus Italien4 12. 22)
französische worte einmischen (
so kaum in der volkssprache, doch vgl. elsäss. welschele): wälschen ist fälschen, entmannen der urkraft, vergiften des sprachquell. Jahn
turnkunst xxii; statt des vaterländischen übereifers der sprachreiniger eine zur schau getragene sprachmengerei, die selbst das wälschen der süddeutschen kammerredner überbot. ... lediglich aus eitelkeit, weil sie alles französische für vornehmer hielten. Treitschke
d. gesch. 4, 433. 33)
sehr verbreitet ist in den mundarten die allgemeinere bedeutung '
eine unbekannte, fremde sprache sprechen': den kampfbereiten mann that er (
der Sachse Ekkefried) erst spöttisch necken; 'bist du gefestet, unhold? trügst du durch luft und wind? bist ein waldteufel du? bist du ein menschenkind?' — hohnlachend rief Walthari: 'ich kenne solches welschen, ihr seid das rechte volk zum trügen und zum fälschen ...' Scheffel
Ekkeh. 409; nun aber wollen dir (
muttersprache) die weltgestalter entziehn ein ganz geschlecht nach ihren launen, und dänisch welschen soll's im neuen alter. Geibel 1, 241; wo er gangen und gestanden ist, hat er mit sich selber gewelscht in lauter fremden sprachen. Auerbach
neues leben 2, 60.
auch nur '
unbekannte ausdrücke gebrauchen, schwer zu verstehende reden führen': die herren doktoren und professoren hatten in beschaut und befragt, hatten geweltscht und einander angeblickt, und darauf hiesz es: er soll die kutte wieder anziehen und abtreten. Gotthelf 4, 260 (
Käthi); es kam an jeden auch die reih, und wie sein bruder wälscht und sprach, durft' er auch wälschen eins hernach. Göthe 56, 21 (
der ewige Jude). 44)
undeutlich, unverständlich reden (
die gewöhnlichste bedeutung),
auch häufig in zusammensetzungen: s' eben (
in Frankfurt) alles ganz anders als bei uns (
Schwaben) ... wenn einer so im vorbeischieszen was an dich hinwelscht, — bis dir eine antwort eingefallen ist, ist der schon über alle berg'. Herm. Kurz
der sonnenwirth 2, 18; ich seh das alte dumme weib noch vor mir, ... wie sie alles wie kraut und rüben durcheinander wälschte; gott weisz, wo sie es aufgesammelt hatte! Storm
werke 4, 318 (
im brauerhause).
übertragen von thieren: nei loset, wiener (
der storch) welsche cha! verstoht men au ne wörtli dra? Hebel
der storch 9. 55)
nicht auf die sprache bezieht sich wälschen
an folgender stelle '
wälsche (
italienische)
art zeigen': sei stets, auch eifernd, ungefälscht, du sohn von Teut und Mana! nicht schlau gehöfelt, noch gewälscht mit tückischer tofana! Voss 5, 46.