wählung,
f.,
verbalsubstantiv zu wählen,
im spätmhd. und dem 16.
jahrh. gebräuchlich, hauptsächlich von der wahl in ein amt. mit abhängigem genetiv: wir haben gesatzet, daʒ nâh dem tôde des meisteres unseres ordens zuo der welunge eins anderen meisters, der, der in des meisters stat is, den commendûren zesamne rûfen sol.
statuten des deutschen ordens 91, 11 (
gewohnheiten 2
a)
Perlbach; er macht zu Nurenberg die Carolinam, das man nennet die guldin bull, wie sich die fürsten halten solten in welung eines römischen kaisers. Meisterlin,
städtechr. 3, 157, 8; das sy in wOellung der bürgeren an kein person wOellent gebunden sin, sy ze nemmen oder nit.
stadtrecht v. Arau 199, 1
Merz (1534).
ohne abhängigen genetiv: der selbe tugenthafte helt wart zû Velin erwelt. dô die welunge geschach, meister Manegolt vûr dar nâch ... vrôlîch zû Prûʒen wider.
livländ. reimchr. 9737; von manchem lande wâren dar wîse brûdere, daʒ ist wâr, zû der welunge komen. dô wart ein vromer helt genomen und wart zû hôemeistere erwelt. 9765; die kurfürsten erweletent den künig von Engenlant ... an daʒ rich unde verschriebent ime die welunge. Königshofen,
städtechr. 8, 478, 15; welcher zwey teyl der stimmen hatt inn der weelung. Wenc. Linck
bapsts gepreng (1539) C 2
a; wir ... leiden auch, dasz sie (
die weiber) das gemeyn regiment an sich nemmen, und sich auff den rathäusern in die versammlungen und wehlungen mit einmängen. Livius
bei Rihel 453 (1575).
als '
auswahl': auff das mercken, das euch nit verborgen ligen die (
fünf) entia ... die theoric ist euch gantz physicalisch gesetzt, der ihr euch behelfft, und berüret allein das ens naturale an: aber in solcher irrung, das ihr nit mögen verstehn ausz ihnen, wasz ens naturale sey: ausz ursachen, das ihr es untereinander vermischen, wissen selber nit, wo die welung geschehen soll. Paracelsus (
Basel 1589) 1, 8.
im 17.
jahrh. wird das wort von Stieler
angeführt: wehlung, das wehlen,
lectio, electio. 2467,
auch von einigen im 18.
jahrh.: wehlung, wahl,
verkiezing. Kramer (1719) 261; wählung,
electio Steinbach 2, 918,
die meisten, auch Adelung
und Campe,
erwähnen das ungewöhnliche wort nicht. auch in der litteratur kommt es nur selten vor: wer ... in wählung der farben seiner kleider eine annehmliche zusammenstimmung trifft. Gottsched
vern. ladlerinnen2 1, 34; früh aufstehen, zweckmäsziger gebrauch der zeit, wählung der besten mittel zum endzweck, und wenn sie gewählt sind, muntre ausführung. Lichtenberg 1 (1800), 194.
als wahl des schicksals: der jugend unverwelckter mäy, des alters grau-beschneyte haare führt eine wehlung auf die bahre, und reisst sie auf einmahl entzwey: der stirbet in der ersten wiegen, und jener musz im bette liegen, wenn er schon achtzig jahr erlebt. Mühlpforth
teutsche gedichte 313.