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vorherrschen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorherrschen verb.

Bd. 26, Sp. 1197
vorherrschen, verb. , vorherschen, predominari voc. von 1482 m m 2b; trotz dieser frühen bezeugung fehlt das wort in den nhd. wörterbüchern, erst Campe verzeichnet es; es scheint überhaupt erst im 18. jh. im schriftgebrauch aufzukommen (beleg aus Herder unter 2 b), und zwar unter dem einflusse des fremdwortes prädominieren. hieraus erklärt es sich, dasz v. unendlich öfter in uneigentlichem, als in eigentlichem sinne gebraucht wird.ungetrennte form: es vorherrscht ein groszer lügenwust Varnhagen v. Ense Rahel (1834) 2, 558. 11) im eigentlichen sinne, 'vor andern an grösze und umfang der herrschaft sich auszeichnen, über andere herrscher hervorragen' Campe; dann auch freier, vor andern herrschaft, macht ausüben: (alle,) denen es vortheilhafter ist, dasz ihr vorherrschet als die Samniter Niebuhr m. gesch. (1811) 3, 375; man spricht vom nahen rücktritte der bisher vorherrschenden oberhofmeisterin Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 2, 123; auf einem vertraulicheren verständnisz der vorherrschenden fürsten hat von je die einheit von Deutschland beruht Ranke (1867) 2, 114; die mitbürger, die sich der vorherrschenden partei nicht fügten 40/41, 361. 22) weitaus häufiger, wie schon bemerkt, im übertragenen sinne, 'vor andern kraft, einflusz, wirksamkeit haben und zeigen, an innerer stärke übertreffen' Campe. diese definition paszt mehr auf ein persönliches object, das verbum wird aber fast ausschlieszlich (doch s. unter b) auf unpersönliches bezogen, wenn der sinn ist: sich geltend machen, mehr als anderes wirksam hervortreten u. ä. besonders verbindet es sich mit abstracten subjecten. bei weiterer abschwächung des in herrschen liegenden sinnes wird das übergewicht des in gröszerem masze vorhandenseins bezeichnet, diese bedeutung tritt besonders hervor, wenn das verbum auf sinnlich wahrnehmbares bezogen wird. 2@aa) es ist ein unvergleichliches naturell, was in ihm (Wieland) vorherrscht Göthe gespräche (1889) 3, 56 B.; wo eine so bestimmte empfindung vorherrsche, solle sich der mensch keinen zwang anthun Tieck (1828) 17, 111; dort herrschten also die kosmogonischen erinnerungen an das feuchte element in der symbolik vor Creuzer symbolik u. mythol. (1810) 1, 378; das wehmütige, das noch immer in seinem wesen vorherrschte Hauff (1890) 3, 85; die sauberkeit, die in demselben (einem kleinem hofe) vorherrschte Holtei erz. schr. (1861) 4, 9; bei dem v. der innerlichkeit Hamlets O. Ludwig (1891) 5, 198. in Wien herrschte eine entgegengesetzte stimmung vor Ranke (1867) 30, 235; der französische geist, der an seinem hofe ausschlieszlich vorherrschte Moltke ges. schr. (1892) 2, 183. 2@bb) wird das verbum auf sinnlich wahrnehmbares oder körperliches bezogen, so kann die meinung sein, dasz etwas besonders in die augen fällt, sich den sinnen aufdrängt, mehr als anderes hervortritt und wirkt, in gutem oder schlechtem sinne: diese farbe herrscht auf eine unangenehme art vor Campe; für uns ist das v. der blechinstrumente ... um so befremdlicher, als u. s. w. O. Jahn Mozart (1856) 1, 530; ging von diesen (landschaften) auf solche über, in denen ein einzelnes vorherrschte G. Keller (1889) 1, 174; teppich, in dem das typische rot vorherrschte Fontane I 1, 188. — freier in folgenden stellen: es stehen meist philologische sachen darin (im meszkatalog), die bestimmt vorherrschen J. u. W. Grimm briefw. (1881) 322; bei dem v. der blanken waffe Mommsen m. gesch. (1854) 1, 510. — ganz eigentümlich: (bardit) weniger von barde abgeleitet, als mit ihm derselben wurzel entstammend, die noch in unsrer hülfssylbe bar deutlich vorherrscht Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 200. — abgeschwächt bis zur bedeutung des in stärkerem masze oder gröszerem umfange, gröszerer masse vorhandenseins: die briefform herrscht vor (in einem schriftwerke) Herder 18, 518 S.; so besonders von gegenständen der natur: bei den reptilien beginnt ... ein immer gröszeres v. des rückenmarkes (hier aber zugleich die bedeutung 2 a bezeichnend) Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839) 4, 110; je nach dem v. oder fehlen dieser zellenbildungen 8, 1, 247: die feigenbäume scheinen uns darin vorzuherrschen Chamisso (1836) 2, 118; während im untern Innthal ... die runden formen vorherrschen, ist hier das antlitz (der mädchen) länglich und schmal Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 228; vorzüglich in gegenden, wo der sandstein vorherrscht Raabe schüdderump (1870) 1, 96. — in diesem sinne kann dann aber auch das verbum auf lebende wesen und personen bezogen werden: in der fauna eines landes herrschen die vögel, in einer bevölkerung herrschen die blonden und blauäugigen vor. 2@cc) in allen bisher behandelten bedeutungen wird besonders gern das part. präs. gebraucht, so ist es beliebt, v. durch vorherrschend sein zu umschreiben; vorherrschend in den alten dichtungen ist das unverhältnisz zwischen sollen und vollbringen Göthe 41, 1, 59 W.; bei andern war eine scheu und furcht vorherrschend anzustoszen Görres br. (1858) 3, 103; dieser eindruck der verletzung des nationalen ehrgefühls ... war in mir so vorherrschend, dasz u. s. w. Bismarck ged. u. erinn. 2, 106 volksausg.auf sinnlich wahrnehmbares bezogen (2 b): deszwegen sind die weniger refrangibeln strahlen in dem ... zurückgeworfenen lichte vorherrschend Göthe II 2, 193 W.; die helle haarfarbe ist durchaus vorherrschend A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 369; das letztgenannte (flachrelief) ist seit dem mittelalter für münzen vorherrschend Luschin v. Ebengreuth münzk. 44. — prädicat. in andern wendungen: (das talent,) das er in sich vorherrschend fühle H. v. Kleist 5, 294 E. Schm.; vorherrschend blieb doch die meinung, dasz u. s. w. Treitschke dt. gesch. (1897) 5, 449. — gesteigert: wird die erzählung (als form) vorherrschender Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 127. 2@dd) auszerordentlich häufig in attributiver anwendung: der vorherrschende geschmack, die vorherrschende meinung Campe; (naturell,) in welchem empfindung und einbildungskraft vorherrschende bestandtheile sind Schubart br. 1, 33 Strausz; bei vorherrschender religiosität J. G. Jacobi (1807) 6, 103; spuren ... der vorherrschenden verstandesrichtung der neuern poesie Fr. Schlegel (1846) 5, 36; bei vorherrschendem einflusse der erhitzten welfischen jugend Platen 3, 251 H.; dem vorherrschenden schicksale französischer frauen, dem schicksale des dickwerdens Laube (1875) 16, 81; (ein geschlecht, das sich) zu einem vorherrschenden ansehen aufschwang Ranke 8, 16; zweierlei unterbrach die vorherrschende nüchternheit Fontane I 1, 119; die im süden leider noch heute vorherrschende unkenntnis der norddeutschen zustände Treitschke histor. u. polit. aufsätze (1886) 1, 218. — auf sinnlich wahrnehmbares bezogen (2 b): (kleinere säle,) wo oft nur ein einziges bild die vorherrschende figur war Böttiger kl. schr. (1837) 2, 12; namentlich das übermäszig vorherschende i J. Grimm kl. schr. 6, 211; (die nase,) welche sich vor der vorherrschenden kinnmasse wie zerschmettert zurückzog G. Keller (1889) 5, 135; der längs der ganzen südküste von England vorherrschende kalk- und kreidefels Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 300. — ungewöhnlich: wir wählen die vorherschende lesart Voss krit. bl. (1828) 1, 164; Opheltes, der ... in der vorherrschenden sage aber ein sohn des Lykurgos heiszt Gerhard akad. abh. (1866) 1, 6. 2@ee) als adv.: wenn also z. b. der rachen des krokodils so vorherrschend hervortritt, dasz alles ebenmasz verschwindet Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 1, 336; bei vorherrschend lichtbraunem oder blondem haare A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 351 Cotta. 33) hierzu: vorherscher, predominator voc. von 1482 m m 2b; ihre vorherrscher im indischen reich Mommsen m. gesch. 5 (1894) 352.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorherrschenv., intrs, ntr, ntr

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Vorherrschen , v. intrs . u. ntr . mit haben , vor andern herrschen, vor andern an Größe und Umfang der Herrschaft sich …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorherrschen

    Goethe-Wörterbuch

    vorherrschen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    vorherrschenschw.

    Pfälzisches Wb.

    vor-herrschen schw. : wie schd. Volksgl.: Wo de Wind in de Karwoch herkimmt, doher heʳʳscht er 's ganz Johr voʳ [ KU-Bed…

  4. Spezial
    vorherrschen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vor|herr|schen vb.intr. predominé (-nëia), prevalëi (prevel, prevalü).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorherrschen

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Zerlegung von vorherrschen 2 Komponenten

vorherr+schen

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Cotta, M. (2026). „vorherrschen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorherrschen/dwb?formid=V13463
MLA
Cotta, Marcel. „vorherrschen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorherrschen/dwb?formid=V13463. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vorherrschen". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorherrschen/dwb?formid=V13463.
BibTeX
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