vorbitten,
verb. ,
s. fürbitten
th. 4, 1, 1,
sp. 668; fürbitten,
sive vorbitten,
intercedere, pro salute alicujus verba facere, deprecari apud aliquem Stieler 177; Kramer 1 (1700), 118
b; Steinbach 1, 97;
nd. vorbidden Schiller-Lübben 5, 315
a.
das wort, im ganzen seltener gebraucht als vorbitte,
hält sich ungefähr so lange wie dieses, d. h. bis in die ersten jahrzehnte des 19.
jh. — Campe
verzeichnet auch die natürlich mögliche bedeutung nach vorn bitten. 11)
bittend für jemanden bei menschen oder bei gott eintreten, um ihn vor einem übel (
z. b. strafe)
zu bewahren oder ihm zu etwas gutem zu verhelfen; für jemanden v.: für eine bat jedoch die jungfer vor Hermes
Sophiens reise 1, 581; (
die leute) zu beschützen, zu erheben, für sie vorzubitten Jean Paul 6, 66
R.; ich habe damals auch für euch vorgebeten, als ihr so in noth wart Tieck (1828) 3, 160; die madame läszts mich auch entgelten, dasz sie für mich bei ihm vorgebeten Holtei
erz. schr. (1861) 1, 178. 22)
absolut gebraucht: um ihre vorbitte anzuflehen. sie bittet wirklich vor Grillparzer 16, 172
S.; dank gott, dasz der alte herr vorgebeten Gaudy
w. (1844) 3, 105; der priester kömmt, der küster läuft zu chor, man bittet in der kirche vor Gotter
ged. (1787) 1, 230;
mit abhängigem satz: dasz ifg. uns bei herzog Friedrichen wollten v., dasz wir unser gut zu erb- und eigenen rechten verkaufen möchten Schweinichen
denkw. 232
Ö. 33)
im part. präs.: wann sie (
kapuziner) seine seele ausz dem fegfeuer auff das ehste vorbittend zu erlösen beschäfftigt sein würden Harsdörfer
frauenz.-gesprächsp. (1641
ff.) 2, 141; ich schwehre bey der vorbittenden krafft des Fotoko Ziegler
asiat. Banise (1689) 33; vorbittender Jesu, vertritt mich mit deinem gebethe Schmolcke
schr. (1740
ff.) 2, 384; ihren vorbittenden thränen Wieland 3, 22
akad. ausg.; diese höflichen, vorbittenden ... schmeichelworte Göthe 41, 1, 120
W.; Lippel (vorbittend): Brentano 7, 438. 44)
der inf. substantiviert: auf v. des ehrwürdigen herrn dechanten
verh. d. schles. fürsten u. stände 7, 159; heiszet er, ungeachtet seines vorbittens, ihm die nothwendigkeit zu sterben andeuten Lohenstein
Epicharis, inhalt d. 4.
abh. (1685); auf inständiges v. unsers lieben getreuen professoris Lichtenberg Lichtenberg
br. 1, 253
L.-Sch.; auf mein v. erlaubte sie ihnen, bis vor den wald mitzufahren Göthe 19, 28
W. 55)
eigenthümlich mit dem accus. verbunden, durch den bezeichnet wird, für wen die fürbitte eingelegt wird: wo ihm der lieb herr Jesu Christ alleine nicht genedig ist, so findt er keinen andern nicht, der ihn vorbittet vor gericht Hayneccius
Hans Pfriem 41
ndr. so besonders im nd., s. Schiller-Lübben 5, 315,
wo die bedeutung weiter entwickelt wird zu begnadigen: Knipperdollingk wort vorbeden, dat er gnade krech.
dann freier, vertheidigen, beschützen, vertreten, s. die dort angeführten belege. 66)
hierzu vorbitter, m., s. fürbitter
th. 4, 1, 1,
sp. 668;
precator, ein vorbitter Faber
thes. (1587) 644
b; Corvinus
fons lat. (1646) 656; sich einen vorbitter verschaffen,
deprecatorem sibi parare Steinbach 1, 97;
nd. vorbidder,
auch im sinne von vertheidiger, schützer (
s. unter 5) Schiller-Lübben 5, 315
b; ten Doornkaat-Koolman 1, 537
b. — es solte und müste der freche bube brennen, wann er auch noch mehr v. hette Bucholtz
Herkuliskus (1665) 164; mein unrecht hat zu seinem ursprunge und v. die liebe Lohenstein
Armin. 2, 463
a; nachdem sie ihre gönner und v. am hoffe haben A. Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 112; so musz er (
der fähnrich) zum öfftern der delinquenten v. seyn v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 148; den sie wenigstens schicklicher als v. brauchen können Jean Paul 24, 42
R.; (
dasz ich) v. und protektionen bedurft hätte, um zum genusz des meinigen zu kommen Grillparzer 19, 147
Cotta. —
im geistlichen sinne: von Jesu Christo, dem einigen und ewigen priester, v., mittler und helffer
theatrum diabolorum (1569) 1, 58
a; e. hochgn. excellenz ... v. bey gott Schupp (1663) 3; und hat ja gott in grimmigkeit die thür vor dir verschlossen, so nimm die seelen der vornehmsten propheten zu deine v. an A. Olearius
persian. baumg. 9, 15; wer einen andächtigen v. verlohren hat, der hat ein groszes verloren Scriver
seelenschatz (1737) 1, 713
a; (
ich) hab auch dort in jenem leben vorbitter viel gleichwol darneben W. Spangenberg
anbind- oder fangbriefe 90, 82
B.; da reihten, mit der engel chor vereint, sie sich am thron empor, vorbitter und vertreter der rückgebliebnen beter Rückert (1867
ff.) 7, 237.