-setzen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788
a; Steinbach 1, 50; Frisch 2, 407
a; Adelung (
unter voraus); Campe. aa)
im eigentlichen sinne. nur in älterer sprache, voraus
in der bedeutung von nach vorn, vorwärts: das erste glied setzt den rechten (
fusz), die übrigen drey den lincken v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 240. —
wie vorausschicken, -senden,
aber weit seltener als diese, von der räumlichen vorstellung eines voran gehenden und nachfolgenden übertragen auf rede und schrift: (
Lessing) war nicht geschaffen, ein -ist zu seyn, welche buchstaben man auch dieser endung voraussetzen möge Herder
w. 16, 494
S.; erlauben sie mir, dasz, eher ich mein billiges ansuchen zu dero füszen ausschütte, ich die benennung meiner person voraussetze Petrasch
lustspiele (1765) 2, 391; unter den tiernamen, die dem wörterbuch des heiligen Gallus vorausgesetzt sind Scheffel
w. (1907) 2, 217, 58. —
überleitend zu der im folgenden behandelten anwendung: ich musz allem etwas absolutes vorausdenken, voraussetzen Novalis
schr. 2, 180
Minor. bb)
übertragen auf ein gedachtes nacheinander, einen gedachten zusammenhang: voraus-setzen,
presupporre Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 788
a;
praesupponere Steinbach 1, 50;
präsuppositum, das vorausgesetzte Kinderling
reinigk. d. d. sprache (1795) 317. — etwas voraussetzen, '
es als wahr, als möglich oder wirklich annehmen' Adelung; wie viele zeit nur (
hätte dazu gehört), einen menschlichen kopf einem andern so getreu nachzumahlen, als hier vorausgesetzt wird Schiller
schr. 4, 253
G.; da kam das buch in der elegantesten form von der welt, statt eines abgeschabten rockes, wie der verfasser voraussezen liesz Caroline 1, 94
W.; sie haben, wie ich v. darf, einigen sinn für die allegorie E. Th. A. Hoffmann
w. 1, 62
Gr. —
häufige wendungen sind als bekannt v., stillschweigend v. b@aα) eine falsche meinung als wahr v. Kramer
teutschital. dict. 2 (1702), 788
a; nichts v., sondern alles streng erweisen Campe;
das wort kann sich dem sinne von annehmen, vermuten
nähern, doch liegt meistens die vorstellung zu grunde, dasz das angenommene für etwas anderes von bedeutung ist, es erklärt, verständlich macht; schärfere ausbildung in dieser richtung s. unten unter β.
das subject ist zunächst ein denkendes wesen oder eine kraft seines geistes: dasz dieses nicht die sache beweisen, sondern eine sache als schon bewiesen v. heiszt J. E. Schlegel
w. 3, 447; doch hierüber darf ich die vertheidigung des verfassers selbst als bekannt voraus setzen Herder
w. 3, 105
S.; lassen sie mich nah und fern ihren antheil immer v. Göthe IV 28, 46
W.; da man es dort schon als etwas ausgemachtes voraussetzt 27, 219; trotz ehrlicher absichten, welche ich doch bei ihnen v. musz Immermann
w. 5, 207
B.; eine lateinische abfassung jenes buchs vorauszusetzen, sehe ich aber keinen grund W. Grimm
heldensage (1867) 51; so setzte sein schuldbewusztsein den hasz als wirklich v. O. Ludwig
schr. (1891
ff.) 1, 199. —
sinnliches object: diese benennungen lassen eine enge felspforte v. Moltke
schr. 1, 129. —
persönliches object: so bedenke man wenigstens, was er dabey für richter v. setzte Lessing
w. 8, 20
M.; er gibt den stimmen viel zu arbeiten und setzt gemeiniglich meister v. Schubart
ästhetik d. tonkunst 209. — eine falsche vorausgesetzte meinung Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788
a; vorausgesetzter maszen Campe; vorausgesetzterweise Schopenhauer
w. 4, 342
Gr. — eine blos vorausgesetzte, erdichtete eifersucht Lessing
w. 10, 58
M.; der glaube an das ewige ... ist das erste vorausgesetzte in jeder ... vernunft
d. museum (1812
ff.) 4, 226;
auf eine person bezogen: das auge des vorausgesetzten zuschauers Vischer
ästhetik (1846
ff.) 3, 1, 15. —
mit abhängigem satz: er setzt v., der mensch tauge von haus aus nichts Göthe
w. 42, 1, 18
W.; was dier ziemt zu thun, ziemt mir, erst zu vernehmen, nicht vorauszusetzen Lessing
Nathan 4, 4; setzet immer voraus, dasz der mensch im ganzen das beste will, im einzelnen nur rechnet mir niemals darauf Schiller
schr. 11, 183
G. b@bβ)
die notwendigkeit des zusammenhanges zwischen dem vorausgesetzten und einem wirklichen oder erwiesenen wird schärfer bezeichnet; '
nach einer noch weiteren figur wird etwas vorausgesetzt, wenn es dazu erforderlich ist' Adelung;
vgl. unten voraussetzung: (
wie) alle nachahmung ein gewisses urbild und muster voraussetzt Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 63; jedes recht setzt eine pflicht v.
F. H. Jacobi
w. (1812
ff.) 6, 365; gebet und gottesdienst setzen ruhe v. H. W. Riehl
d. deutsche arbeit 35; nebelwetter, das doch sicherlich windstille voraussetzt Laistner
nebelsagen 9. b@gγ)
das part. prät. wird oft, allein oder verbunden absolut gebraucht: nun diese warheiten als bekannt v. gesetzt, last uns weiter gehen Kramer
teutsch-ital. dict. (1702), 788
a; die gleichheit v. gesetzt, könntest du es freylich mit einigem rechte verlangen Lessing
w. 2, 45
M.; den glücksfall vorausgesetzt, den die schlichten worte zu verkünden schienen, war ich doch in der lage, ihn fürchten zu müssen G. Keller
w. (1889
ff.) 3, 261. —
besonders häufig vorausgesetzt, dasz: vorausgesetzt, dasz diese zwey personen einander leiden können Lessing
w. 2, 105
M.; vorausgesetzt, dasz der künstler fähig ist, sich zu ideen zu erheben Göthe
w. 47, 14
W.; vorausgesetzt, dasz ihnen ihr fusz ein umhersteigen gestattet Fontane
w. I 4, 340. b@dδ)
im 18.
jh. wird statt voraussetzen
auch zum voraus setzen
gebraucht: (
Homer) setzte zum v., dasz seine leser den ursprung des trojanischen krieges ... schon wissen würden Gottsched
versuch einer krit. dichtk. (1751) 27, 69; (
bekehrung,) die wunder der ersten kirche zum v. zu setzen scheinet Kästner
schr. (1755) 1, 233. —