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voraussetzen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

voraussetzen

Bd. 26, Sp. 845
-setzen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788a; Steinbach 1, 50; Frisch 2, 407a; Adelung (unter voraus); Campe. aa) im eigentlichen sinne. nur in älterer sprache, voraus in der bedeutung von nach vorn, vorwärts: das erste glied setzt den rechten (fusz), die übrigen drey den lincken v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 240. — wie vorausschicken, -senden, aber weit seltener als diese, von der räumlichen vorstellung eines voran gehenden und nachfolgenden übertragen auf rede und schrift: (Lessing) war nicht geschaffen, ein -ist zu seyn, welche buchstaben man auch dieser endung voraussetzen möge Herder w. 16, 494 S.; erlauben sie mir, dasz, eher ich mein billiges ansuchen zu dero füszen ausschütte, ich die benennung meiner person voraussetze Petrasch lustspiele (1765) 2, 391; unter den tiernamen, die dem wörterbuch des heiligen Gallus vorausgesetzt sind Scheffel w. (1907) 2, 217, 58. — überleitend zu der im folgenden behandelten anwendung: ich musz allem etwas absolutes vorausdenken, voraussetzen Novalis schr. 2, 180 Minor. bb) übertragen auf ein gedachtes nacheinander, einen gedachten zusammenhang: voraus-setzen, presupporre Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 788a; praesupponere Steinbach 1, 50; präsuppositum, das vorausgesetzte Kinderling reinigk. d. d. sprache (1795) 317. — etwas voraussetzen, 'es als wahr, als möglich oder wirklich annehmen' Adelung; wie viele zeit nur (hätte dazu gehört), einen menschlichen kopf einem andern so getreu nachzumahlen, als hier vorausgesetzt wird Schiller schr. 4, 253 G.; da kam das buch in der elegantesten form von der welt, statt eines abgeschabten rockes, wie der verfasser voraussezen liesz Caroline 1, 94 W.; sie haben, wie ich v. darf, einigen sinn für die allegorie E. Th. A. Hoffmann w. 1, 62 Gr.häufige wendungen sind als bekannt v., stillschweigend v. b@aα) eine falsche meinung als wahr v. Kramer teutschital. dict. 2 (1702), 788a; nichts v., sondern alles streng erweisen Campe; das wort kann sich dem sinne von annehmen, vermuten nähern, doch liegt meistens die vorstellung zu grunde, dasz das angenommene für etwas anderes von bedeutung ist, es erklärt, verständlich macht; schärfere ausbildung in dieser richtung s. unten unter β. das subject ist zunächst ein denkendes wesen oder eine kraft seines geistes: dasz dieses nicht die sache beweisen, sondern eine sache als schon bewiesen v. heiszt J. E. Schlegel w. 3, 447; doch hierüber darf ich die vertheidigung des verfassers selbst als bekannt voraus setzen Herder w. 3, 105 S.; lassen sie mich nah und fern ihren antheil immer v. Göthe IV 28, 46 W.; da man es dort schon als etwas ausgemachtes voraussetzt 27, 219; trotz ehrlicher absichten, welche ich doch bei ihnen v. musz Immermann w. 5, 207 B.; eine lateinische abfassung jenes buchs vorauszusetzen, sehe ich aber keinen grund W. Grimm heldensage (1867) 51; so setzte sein schuldbewusztsein den hasz als wirklich v. O. Ludwig schr. (1891 ff.) 1, 199. — sinnliches object: diese benennungen lassen eine enge felspforte v. Moltke schr. 1, 129. — persönliches object: so bedenke man wenigstens, was er dabey für richter v. setzte Lessing w. 8, 20 M.; er gibt den stimmen viel zu arbeiten und setzt gemeiniglich meister v. Schubart ästhetik d. tonkunst 209. — eine falsche vorausgesetzte meinung Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788a; vorausgesetzter maszen Campe; vorausgesetzterweise Schopenhauer w. 4, 342 Gr. — eine blos vorausgesetzte, erdichtete eifersucht Lessing w. 10, 58 M.; der glaube an das ewige ... ist das erste vorausgesetzte in jeder ... vernunft d. museum (1812 ff.) 4, 226; auf eine person bezogen: das auge des vorausgesetzten zuschauers Vischer ästhetik (1846 ff.) 3, 1, 15. — mit abhängigem satz: er setzt v., der mensch tauge von haus aus nichts Göthe w. 42, 1, 18 W.; was dier ziemt zu thun, ziemt mir, erst zu vernehmen, nicht vorauszusetzen Lessing Nathan 4, 4; setzet immer voraus, dasz der mensch im ganzen das beste will, im einzelnen nur rechnet mir niemals darauf Schiller schr. 11, 183 G. b@bβ) die notwendigkeit des zusammenhanges zwischen dem vorausgesetzten und einem wirklichen oder erwiesenen wird schärfer bezeichnet; 'nach einer noch weiteren figur wird etwas vorausgesetzt, wenn es dazu erforderlich ist' Adelung; vgl. unten voraussetzung: (wie) alle nachahmung ein gewisses urbild und muster voraussetzt Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 63; jedes recht setzt eine pflicht v. F. H. Jacobi w. (1812 ff.) 6, 365; gebet und gottesdienst setzen ruhe v. H. W. Riehl d. deutsche arbeit 35; nebelwetter, das doch sicherlich windstille voraussetzt Laistner nebelsagen 9. b@gγ) das part. prät. wird oft, allein oder verbunden absolut gebraucht: nun diese warheiten als bekannt v. gesetzt, last uns weiter gehen Kramer teutsch-ital. dict. (1702), 788a; die gleichheit v. gesetzt, könntest du es freylich mit einigem rechte verlangen Lessing w. 2, 45 M.; den glücksfall vorausgesetzt, den die schlichten worte zu verkünden schienen, war ich doch in der lage, ihn fürchten zu müssen G. Keller w. (1889 ff.) 3, 261. — besonders häufig vorausgesetzt, dasz: vorausgesetzt, dasz diese zwey personen einander leiden können Lessing w. 2, 105 M.; vorausgesetzt, dasz der künstler fähig ist, sich zu ideen zu erheben Göthe w. 47, 14 W.; vorausgesetzt, dasz ihnen ihr fusz ein umhersteigen gestattet Fontane w. I 4, 340. b@dδ) im 18. jh. wird statt voraussetzen auch zum voraus setzen gebraucht: (Homer) setzte zum v., dasz seine leser den ursprung des trojanischen krieges ... schon wissen würden Gottsched versuch einer krit. dichtk. (1751) 27, 69; (bekehrung,) die wunder der ersten kirche zum v. zu setzen scheinet Kästner schr. (1755) 1, 233. —
5733 Zeichen · 126 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Voraussetzenv., trs

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Voraussetzen , v. trs . vor ein anderes Ding, es von demselben entfernend, setzen. Den rechten Fuß vor den linken voraus…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    voraussetzen

    Goethe-Wörterbuch

    voraussetzen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    voraussetzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vor|aus|set|zen vb.tr. mëte danfora, premëte (premët, premetü).

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