verwüstung,
f. ,
das verwüsten, das verwüstete; verbalabstractum zu verwüsten.
mnd. vorwôstinge,
mnl. verwoestinge.
im frühnhd. auch in der form verwustnung,
erste dt. bibel 2, 468
Kurr.; 7, 202
u. ö. erste lexikalische nachweise: desolatio verwoystunge (
md., qu. v. 1414), verwustung
vel verlassung (
obd., qu. v. 1512) Diefenbach
gl. 176
b; verwustunge
devastatio, voc. inc. teut. (
um 1485) ii 7
a;
vastatio, vastitas verwüstung Alberus (1540) cc 1
a. AA. '
das verwüsten',
als handlung oder vorgang aufgefaszt. A@11) '
verheerung, zerstörung',
durch die länder und reiche, städte und dörfer, felder und wälder (
u. dgl.)
in eine wüstenei verwandelt werden, vgl. verwüsten A 1.
depopulatio ein verhergung, schleipffung, beraubung, entplünderung, verwüstung Frisius
dict. (1556) 393
a;
vastatio ein wüste oder verwüstung Faber
thes. (1587) 906
b;
expopulatio verhergung, verwüstung Calepinus
XI ling. (1598) 526
a. A@1@aa)
im älteren nhd. besonders in bibelübersetzungen begegnend und auf tempel, städte, feste plätze u. dgl. bezogen: wann der gewalt ist von got zu der verwústnung der vesten (
ad destructionem munitionum)
erste dt. bibel 2, 131
Kurr. (Luther: zu verstören die befestungen 2.
Röm. 10, 4); wenn jr aber sehen werdend Jerusalem belegt mit einem heer, dann merckend, das nahet jr verwüstung
Zürcher bibel (1531) 2, 233
c (Luther: das erbey komen ist jre verwüstunge
Luk. 21, 20); daher dräuet er ihr (
der festung) die verwüstung Bucholtz
Herkuliskus (1665) 23; der (
tempel) aber (
soll) ... nach solcher verwüstung von einem ... fürsten ... wieder aufgeführet worden seyn A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 4, 730; als er aber vernam, dasz ... das römische heer ... die wenig rühmliche verwüstung eines tempels ... so theuer bezahlet hatte, gerieth er in nicht geringen kummer Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1001
a; die verwüstung des tempels ist geschehen auf den 10 tag des monats augusti Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739) 31; da schon Jerusalem, der die verwüstung dreut, so ängstlich zu den bergen schreyt Pietsch
geb. schr. (1740) 391.
allgemeiner von ländern, herrschaftsgebieten und reichen: ewer emsigkeit ... hat vnseren ... könig so fein vberredt, das seine may. vil lieber die verwüstung seiner erblanden ... hat sehen mögen Fischart
binenkorb (1588) a 5
b; dieses jahr hat man seltzame gesichte ... in lüfften gesehen ... welches freylich nachfolgende verwüstungen vnnd verheerungen der länder bedeutet Binhardus
thür. chron. (1613) 25; dahero auch ihm ohne eintzigen grund die verwüstung des römischen reichs beygelegt werde G. Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 134
b; bei den schweren verwüstungen, die dieses gebiet im 16. u. 17. jahrhundert erlitten hat Dehio
gesch. d. dt. kunst (1919) 120.
auch von land und leuten: auch bringt nachred der obrigkeyt auffrur, landskrieg, brand, raub und streyt, ein verwüstung land unde lewt Hans Sachs 3, 349
lit. ver. besonders von bebautem und bewachsenem land, von wäldern, vom baumbestand und den früchten des landes (
oft weniger als beabsichtigte oder mutwillige, sondern mehr aus fahrlässigkeit und unwissenheit begangene tat aufgefaszt): das zimmerholz ... soll ... durch denselben underwaldmaister ... auszaigt werden, wo ... in den schwarzwäldern kain verwüestung beschehe (17.
jh.)
österr. weisth. 1, 249; ob nicht landstrassen durch die felder gehen, dardurch bey bösem wetter grosser schade geschihet und offt starcke nebenstrassen mit verwüstung des lieben korns gemachet (
werden) Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 10; für Rom sind solche verwüstungen wie das fällen der schönen allee vor Porto St. Angelo ... ein wahrer verlust Moltke
ges. schr. (1892) 1, 194; es ging also nicht an, dasz ... das später reifende haferfeld daneben der verwüstung durch das vieh preisgegeben war Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 42. A@1@bb)
im hinblick auf art und umstände der handlung; anknüpfend an biblische und mythologische vorstellungen, vgl. verwüsten A 1 b
α,
ε: (
gott) ... mit sündfluss der wasser, ... mit verwüstung des fewers ... der sünde gethemmet hat Hedio
chronica (1530) a 2
b; er (
Tamerlan) war ein groszer tyrann, rühmete sich, er wäre gottes brennender zorn und der welt verwüstung Luther
tischr. 5, 568
W.; kann ein sterblicher mann das gericht des ewigen hemmen der, von den sünden der welt gereitzt, verwüstung geredet Bodmer
der Noah (1752) 3.
im vergleich: mit einem unheimlichen gegurgel schlürft der boden die wasserströme ..., es ist wirklich wie eine verwüstung vom allmächtigen W. Raabe
s. w. I 5, 619; zur versöhnung für den gott der meere, der mit Äols kettenlosem heere, Argos küsten mit verwüstung plagt Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 47.
in zusammenhang mit kriegsereignissen, vgl. verwüsten A 1 b
β: haben sie (
die Engländer) doch im geschäfft wider abzihen mussen und ... mit brant und vorwustung vill schadens gethan v.
d. Planitz
berichte 243
Wülcker; ausz krieg und streit kömt hertzenleyd verwüstung drausz entstehet
bei Fischer-Tümpel
evangel. kirchenl. (1903) 2, 528; einige nationen ... haben sich ... den heszlichsten schandfleck selbst angehängt, dasz sie ... sich mit ... ausschickung vieler mordbrenner, verwüstung derer städte ... und sonst anderer grausamkeit beschimpfet Fleming
der vollk. teutsche soldat (1726) 95; wer glaubt doch wol, dasz krieg und liebe sich zusammenstallen? er bringt ja nur verwüstung, hasz und streit Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 250; sechzehn jahre der verwüstung, des raubs, des elends sind dahin geflohn Schiller 12, 8
G.; der krieg war begonnen, die verwüstung des landes nahm ihren anfang H. Grimm
Michelangelo (1890) 2, 377.
als auswirkung von witterungsunbilden und naturkatastrophen; vgl. verwüsten A 1 b
γ: auf ereignende grosse wassersgefahr ... (
ist) unumgenglich die anzüglung des holzes erforderlich ..., damit ... die anligente güeter ... vor allen bevorstehenten gefahren und verwüestung leichter mügen conserviert werden (18.
jh.)
österr. weisth. 1, 331; der nordwind schüttelt von seinen schrecklichen flügeln reif und eis und kälte und verwüstung herab Adelung
magazin (1783) 2, 2, 78; (
die hecken) setzen die fluren gegen die verwüstungen ... in sicherheit Hirschfeld
gartenkunst (1779) 5, 169; ja, vom Jupiter rollt ihr, mächtig strömende fluthen, über ufer und damm, felder und gärten mit fort. einen seh' ich! er sitzt und harfenirt der verwüstung; aber der reiszende strom nimmt auch die lieder hinweg Göthe I 1, 337
W.; (
Opitz) beschreibt den schrecklichen ausbruch ... und die verwüstung, die er (
der Vesuvausbruch) ... brachte
dt. museum (1812) 2, 295
F. Schlegel. A@22)
wenig bezeugt im sinne von verwüsten A 3; '
vernichtung, zerstörung': da sie den vorzug dieser waffen vor den ihrigen, und die verwüstung, welche damit geschehen kann, wohl einsehen J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 213. '
beschädigung, abnutzung, verschwendung'
u. dgl.: abusus ein miszbrauch oder verwüstung der gütern Frisius
dict. (1556) 13
a;
dissipatio zerströuwung, verzeerung, verwüstung, zerstücklung
ebda 431
a;
corruptio verderbung, verwüstung Calepinus
XI ling. (1598) 341
a; verwüstung des seinigen
prodigitas, prodigalitas Stieler
stammb. (1691) 2584; gewalt, den uns der herr gab in bauwung vnd nit in vnser verwústnungen (
dedit nobis dominus in aedificationem et non in destructionem vestram)
erste dt. bibel 2, 131
Kurr. (Zainer: zerstörung, Luther: euch zu bessern, vnd nicht zu verderben
2. Kor. 10, 8); denckest du auch noch wie du mit den gaben gottes, mit verschwendung und verwüstung der speisen ... freventlich vmgegangen Moscherosch
gesichte (1650) 1, 381; manche menschen denken so wenig fein, dasz sie glauben, ... es sey bey bestimmung der miethssumme schon auf die abnutzung und verwüstung mitgerechnet worden Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, 184.
von der zerstörung eines textes, der entstellung seines sinns (
s. auch verwüsten A 5 e): auch darff ich frei auszsprechen, das ein wunderbarliche verwustung durch das transferieren ausz dem griechischen in latin, oder sonst das copieren in die alten und neue bucher gekrochen ist Gholtz
lebendige bilder (1557) g 1
b. A@33)
auszerhalb des gegenständlichen bereiches bis in neuere zeit gebräuchlich, meist im sinne von '
zerstörung, zerrüttung, verwirrung'
vgl. verwüsten A 5.
in religiösem sinne auf das heil der seele bezogen: wann was nútzt dem menschen, ober gewúnne alle dise werlt, wann leyt er verwústung seiner sele (
animae ... suae detrimentum patiatur)
erste dt. bibel 1, 64
Kurr. (Zainer: abgang, Luther: neme doch schaden an seiner seele
Matth. 16, 26); gibt's eine stätte denn, die heiliger als menschenherzen? gibt es verwüstung, die entsetzlicher, als wenn das höchste stirbt an matten scherzen? A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 161.
von der auflösung religiös-sittlicher bindungen und ihrer folgen: drüm wenn gott den ehestand nicht regierte und erhielte, so würde ein unendliche verwüstung und zerrüttung Luther
tischr. 6, 274
W.; was sag ich von solchen kleynen dingen, so die verwuostung guoter sytten ... nyrgent grösser vffgestanden Eppendorff
Plinius (1543) 9, 121; dasz die menschliche vernunft ... einer solchen wissenschaft niemals entbehren könne, die sie zügelt und ... die verwüstungen abhält, welche eine gesetzlose speculative vernunft ... in moral sowohl als religion anrichten würde Kant 3, 549
akad. mehr die öffentlich-rechtliche ordnung betreffend: vnd so man nit ein christlich ordination vnd visitation der kirchen vnd schulen vnd ein vffsehen vff die zucht ... vffrichten wirt, ist zu besorgen, es werde ein jämerliche heidnische finsternus vnd verwustung volgen (1544) Luther
br. 10, 570
W.; es ist aber zu hofe eingerissen, dasz die veränderung (
des Sachsenrechts) ohne grosze confusion und verwüstung nicht kann geschehen
ders., tischr. 4, 164
W. allgemein vom menschlichen leben, der lebensgrundlage oder lebensweise, wobei gleichzeitig der konkrete sinn (2)
anklingt; '
das zugrunderichten, die zerstörung des lebens': (
Faust) glaubte nicht genug an dem menschengeschlecht verderben zu können, das, wie er meynte, der verwüstung geweyht sey Klinger
w. (1809) 3, 237; wie diese verwüstung der menschen der hartherzigkeit oder habsucht unbarmherziger oder verschuldeter herren preisgegeben war Arndt
ausgew. w. (1892) 1, 86; hat der kampf eines helden ... sein ganzes leben ergriffen, so ist es ... innere nothwendigkeit, dass man auch die vollständige verwüstung des lebens eindringlich mache G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 120.
in anlehnung an verwüsten A 2 '
entleerung': wolan, wird auch die kirche und schule wüste von gottes wort, so mügens die hie und am jungsten tage verantworten, so zu solcher verwüstung ursach gegeben haben Luther 54, 282
W. ähnlich, aber auch mit dem nebensinn '
entweihung'
vgl. verwüsten A 5 a: ich finde hier ... den tempel ohne pracht, der göttin bild ist weg ... weiszt du, Hippodamus, von der verwüstung schon? J. E. Schlegel
w. (1761) 1, 57 (
Orest u. Pylades).
in anlehnung an verwüsten A 4 a; '
befleckung': aber nicht das leben, das sich vor dem tode scheut und von der verwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das leben des geistes Hegel
w. (1832) 2, 26.
von der vernichtung geistiger kultur: wiewol diese ... kriege auff einen ... vntergang vnd verwüstung der studien deuten Opitz
teutsche poem. 224
ndr. '
entstellung des sinns': (
er) machet also eine jämmerliche, in einander gezwungene verwüstung des rechten verstandes J. Böhme
s. w. 7, 212
Schiebler. von der verwirrung des ästhetischen urteils: sehr einzeln sind die wahren kenner, ... die das amt eines kunstrichters ... in der edlen absicht übernehmen, um sich jener verwüstung der kleinen geschöpfe mit weisheit und nachdruck zu widersetzen Gerstenberg
recensionen 183
lit.-denkm. A@44)
eine gesonderte entwicklung zeigt das der bibelübersetzung Luthers entstammende greuel der verwüstung
abominatio desolationis (
früher unmenscheit der verwuostunge
Matthias v. Beheims evangelienb. 56
B.; verbannenschafft der v.
erste dt. bibel),
vgl.greuel teil 4, 1, 6,
sp. 212
und die zusammensetzung verwüstungsgreuel,
s. u. ursprünglich wurden mit dieser wendung ganz konkret heidnische standbilder oder altäre bezeichnet, die die kultstätte entweihen (
vgl. verwüsten A 5 a)
und den gläubigen verwirrung und verderben bringen ('der verwüstende greuel'
s. Kautzsch
alt. test. 2, 483): vnd bey den flügeln (
des altars) werden stehen grewel der verwstung Luther
Daniel 9, 27; wenn jr nu sehen werdet den grewel der verwüstunge, dauon gesagt ist durch den propheten Daniel, das er stehet an der heiligen stet
Matth. 24, 15;
Marc. 13, 14; 1.
Makk. 1, 57; steht nicht der greuel der verwüstung da an heil'ger stätte? A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 161.
ähnlich: zu letzt wens endlich wird geschen, das jhr den grewel werdet sehn, der all verwüstung in sich helt ... der denn wird sein ein götzenbild wol bey der lad des bunds gestelt Ringwaldt
evangelia (1581) k 3
a.
auf die verbreitung dieser wendung weist lexikalische verzeichnung: der greuel der verwüstung
l'abominatione della desolatione Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1411
c.
gelöst vom biblischen zusammenhang: Antiochus Epiphanes ... stellete den gräuel der verwüstung, den Jupiter Olympius auf das dach des tempels Herder 19, 155
S.; und so sei denn diese neige (
des weins) dem gräuel der verwüstung als libation dargebracht, ein würdiges opfer für eine solche gottheit, die einzige, welche ich anerkenne Immermann
w. 5, 220
Boxb. ins religiös-innerliche gewendet: am allermeisten soll uns angelegen seyn die grundböse wurtzel der erbsünd, der greuel der verwüstung, die in unsern hertzen verborgen ligt Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 61.
in neuerer sprache meist als '
schrecken der verwüstung'
in sehr verschiedenem sinne aufgefaszt: nichts schien natürlicher, als dass nach dem gräuel der verwüstung das baudepartement an den wiederanbau denken musste Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 313; o, so wollt' ich doch lieber in meinem hause des todes sterben, als immerfort den gräul der verwüstungen ansehn: wie die fremdlinge dort mishandeln, die mägde des hauses zur abscheulichen lust in den prächtigen kammern umherziehn J. H. Voss
Odyssee 294
Bernays; der schwedische kommandant eilt furchtlos dahin und dorthin, bis ihn eine falconetkugel niederstreckt. nun beginnt der gräuel der verwüstung Immermann
w. 18, 38
Boxb.; und wo der gräuel der verwüstung (
durch einen wildbach) mitleid und trauer erregt hatte, da sprossten bald nachher wieder schöne saaten Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 290.
in veränderter syntaktischer fügung: eine solche zeit des greuels und der verwüstung hatte die welt noch nicht gesehen (1869) W. Raabe
s. w. I 6, 208.
verniedlicht: (
sie) hatten sich zu guter letzt noch in trab gesetzt, ihren weihnachtlichen pflichten zu genügen und aus den spielwaren ... -läden, wo an diesem tage greuel der verwüstung herrschten, einiges zu entnehmen H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 82. BB.
das ergebnis der handlung, den zustand bezeichnend: '
das verwüstete'
; vastitas verwüstung oder einöde Calepinus
XI ling. (1598) 1513
b;
doch klingt in älteren belegen verbaler vorstellungsgehalt noch an, vgl.: du hettest geschlagen Syri vntz zu der verwuostung (
percussisses Syriam usque ad consumptionem)
erste dt. bibel 5, 404
lit. ver. (Luther: bis sie auffgerieben weren
2. kön. 13, 19); nachdem desselben verstorben guter bisher vngebawet gelegenn und in vorwustung kommen
qu. v. 1499
bei Diefenbach-Wülcker
hd.-nd. wb. 571;
in neuerer zeit von A
deutlicher geschieden. B@11)
im bereich des konkreten und sinnlich wahrnehmbaren. von landstrichen, gebieten, städten u. dgl., die zerstört, oft auch verlassen daliegen, meist als folge gewaltsamer einwirkung von menschenhand: damit ich die grosze begierde, die ich allezeit gehabt hatte, die prächtigen verwühstungen däs alten Rohms ... zu sähen, büszen möchte Ph. v. Zesen
Ibrahim (1645) 1, 51; glücklich stirbt, wer deine verwüstung zu sehen zu früh stirbt, o mein vaterland! Cronegk
schr. (1766) 2, 68; euer herz bricht euch beym anblick der verwüstung Miller
predigten f. landvolk (1776) 1, 113; verwüstung zeichnet ihre (
d. feindesheere) bahn Eschenburg
beispielsamml. (1788) 4, 300; die verwüstung, die ruinen, nichts verhindre deinen gang Göthe I 16, 373
W.; verkohlte baumstümpfe und balken ... bedeckten den boden ... und je näher den stadtmauern, desto ärger erschien die verwüstung W. Raabe
s. w. I 6, 320; die ausgehende nacht war still, das mondlicht glättete alle (
durch den krieg hervorgebrachten) verwüstungen Anna Seghers
d. toten bl. jung (1950) 37; nach etwa zehn minuten seien sie weiter gegangen und so bis an den ort der verwüstung (
des waldes durch baumfrevler) A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 288.
vom schauplatz eines verbrechens: der aufzuckende lichtschein enthüllte eine grauenvolle verwüstung. mord, mord! Lene lag in ihrem blute, das gesicht unkenntlich, mit zerschlagener hirnschale Gerhart Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 62.
durch witterungsunbilden hervorgerufene vernichtung: im emporsteigen konnten sie recht die verwüstungen des frostes betrachten, wie noch rückgebliebene blätter rostbraun oder blutroth oder vergelbt am strauchwerke hingen Stifter
s. w. 1 (1904) 309.
im sinne von '
verwirrung, unordnung': wenn ein mensch in einem finstern zimmer sitzt, und es ist darin viel staub, und herrscht darin grosze unordnung und verwüstung, so kümmert ihn die sache nicht viel, denn er sieht und weisz es ja nicht L. Hofacker
pred. (1852) 471; Kilian Brustfleck ... hat eine schauderhafte verwüstung (
in den theatergarderoben) einreiszen lassen Holtei
erz. schr. (1861) 19, 180. B@22)
aus dem gegenständlichen bereich übergreifend in andere bezirke. von zerrütteter glaubens- und gesellschaftsordnung; vgl. verwüsten A 5 a: 'weddergebaren werden uth dem water' unnde nicht 'slecht ingestecken vnde vth getagen ...' (
bei der taufe), wo men in der pawstliker vnde wedderchristesscher vorwöstinge den kinderen doit Rotmann
restitution 46
ndr.; als man aber sah die verwüstung (
der christl. lehre) im zanke, so stellte man concilia an, und machete gesetze, dasz jederman die halten sollte J. Böhme
s. w. 3, 369
Schiebler; lasse nie auf unsre cantzel falsche lehr und lehrer gehn, unsre kirchen, unsre schulen, ferne von verwüstung stehn. lasz ... unsere versammelung durch kein ärgernisz verwüsten Schmolck
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 1, 13.
von theologischen disziplinen: dogmatik, hermeneutik, exegetik, unparteiische kirchengeschichte, lag damals in der verwüstung Schubart
leben 1 (1791) 290.
von den lebensumständen; vgl. verwüsten A 5 d: öde und finster, verworren und lästig ist mir die gegenwart. wenn aber jener sonnenstrahl, auf den ich hoffe, durch die verwüstung bricht, ... will ich weinend auf die kniee fallen Tieck
schr. (1828) 6, 189.
vom zustand des menschen, doch mit betonung der äuszeren erscheinung, vgl. verwüsten A 4 b: und eine traurige verwüstung, eine traurige menge häszlicher, verzogener gesichter, carikaturen aller arten treff ich an Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 69; sie sah noch immer blass, aber auch in der verwüstung noch schön aus Eichendorff
s. w. (1864) 2, 259. B@33)
in neuerer zeit oft in der redewendung 'verwüstung anrichten': eine verwüstung anrichten
far' una desolatione Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1411
c; (
zu verwüsten A 1): was für verwüstung in dem land hat der herr angerichtet Weckherlin
ged. 1, 341
lit. ver.; Dschengis Chan ..., welcher in Persien mehr verwüstung anrichtete als irgend ein sturmwind hätte bewirken können Göthe I 7, 55
W.; ergriff eine im benachbarten bischofshof ausgebrochene feuersbrunst die baugerüste der fassade ... richtete an der inneren ausstattung schwere verwüstungen an Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 34.
besonders in weniger gebräuchlichen und übertragenen verwendungen (
zu verwüsten A 3 c): denn sie hatte ihm einen von den liebestränken zu trinken gegeben, ... die in dem körper ... auszerordentliche verwüstungen anrichten
anmuth. gelehrsamk. 8 (1758) 593
Gottsched; ein einziges kindbette pflegt oft beym frauenzimmer gräuliche verwüstungen anzurichten Hippel
über d. ehe (1774) 133; dirnen, durch welche das tobendste gift der Venusseuche sich ... verbreitet, und die schreklichsten verwüstungen anrichtet Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 383. (
zu verwüsten A 5 b): es ist ... klar, dass das accentuationssystem ... grosse verwüstungen angerichtet hat K. O. Müller
Etrusker (1828) 1, 63; (
zu verwüsten A 5 d): das ist es denn auch, was unsern weibern gefällt und wodurch sie (
die Engländer) in den herzen unserer jungen dämchen so viele verwüstungen anrichten Göthe
gespr. (1889) 6, 294
Biederm.; ihre reitze haben eine fürchterliche verwüstung angerichtet — der arme mensch sitzt in der melancholie drinn, wie ein fisch in der böhmischen sauce Meisl
theatr. quodlibet (1820) 2, 157; in diesen rohen seelen voll lebhafter empfindung hat der 'parteigeist' furchtbare verwüstungen angerichtet G. Freytag
ges. w. 15 (1887) 76.