verweichen ,
st. v., zu 1weichen (
th. 14, 1,
sp. 485):
cedere Diefenbach
nov. gloss. 82
a; Kramer 2 (1702) 1292,
vgl. ahd. forawîchen, forwîchen
ahd. gl. 2, 33, 50; 35, 73; 775, 38. 11)
selten in verbalem gebrauch: verwîchen
schweiz. id. 1, 907; vorwiken
flüchten nd. jb. 46, 22; zwischen den reuttern und knechten ..., die in eyne mit gräben und eyner kleinen schantze umbgebene wisen verwichen Henricpetri
generalhistorie (1577) 351; (
er ist) von Herode verfolget, in Aegypten verwichen Spee
güld. tugendbuch 102; da der blik ... sich in eine verweichende ferne verlieret
allg. d. bibliothek 3, 1, 256.
von zeitlichen begriffen: ist schon der sommer längst verwichen A. U. v. Braunschweig
Octavia 3, 755; weil nun dreyszig jahr verwichen Treuer
Dädalus 1, 379. 22)
gebräuchlicher ist das adjectivisch oder adverbial verwendete part. prät. verwichen Kramer (1700) 1, 744
c; Steinbach 2, 990; Adelung 4, 1179;
österr. Hügel;
tirol. Schöpf;
bair. Schmeller-Fr. 2, 835;
schwäb. Fischer;
pfälz. Autenrieth;
köln. Hönig;
Aachen Rovenhagen 156;
obersächs. Müller-Fraureuth;
henneb. Reinwald 183;
westf. Woeste;
schlesw.-holst. Mensing. 2@aa)
als adjectivum verflossen, vergangen; von zeitlichem: so vergleiche
ich meinen jetzigen grauen winter mit meinen verwichenen lentzenjahren Harsdörfer
teutsch. secretarius 1, H h vii
a; die schule deutscher rechtsantiquare des verwichenen jahrhunderts J. Grimm
rechtsalterthümer4 1, v; von den gletschern und fluten längst verwichener zeit v. Barth
Kalkalpen 368.
von ereignissen und zuständen: in verwichenen kriegen und zügen Schütz
hist. rer. pruss. 6, r 3
b; der verwichene zustand Opitz
Argenis 2, 170; und nahm ich diese weite und gefährliche reyse um so viel desto begieriger vor, weil die verwichene auf dem mittelländischen meer so glücklich abgangen Grimmelshausen
Simplicissimus 550
ndr.; von verwichner plage Treuer
Dädalus 1, 586.
vereinzelt von personen: den verwichenen Raphael G. Keller 2, 151; dero herrn vater und dero frau mutter verwichener küchenchef G. Hauptmann
Dorothea Angermann 104.
am lebendigsten in adverbialen zeitbestimmungen; im genitiv: der ... unerschrocken kriegsheldt ... ist dieser verwichenen tagen abgeschieden
theatrum amoris (1626) 24; verwichenen abends S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn 1; verwichener wochen Angelika Kaufmann in:
briefe v. u. an Klopstock 295
L. im accusativ: die trostgedichte ..., deren ich verwichenen früling vier bücher in Judlandt geschrieben Opitz
teutsche poemata 168
ndr.; verwichenen sommer Jung-Stilling
s. schr. 1, 225; dass ich verwichene nacht nicht nach hauss kommen Grimmelshausen 4, 554
Keller; mir hat verwichene nacht ein traum um dich, gebieter, viel schwere sorge gebracht Scheffel
ges. w. 2, 181; verwichenen dienstag H. L. Wagner
theaterstücke 60.
in adverbialen verbindungen: in verwichener nacht A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 893; im verwichenen monat Dannhauer
catechismusmilch 1, 509; in verwichener ostermesse Lessing 4, 24
M.; im verwichnen frühjahr Göthe IV 40, 75
W.; am verwichenen 6-ten Maji Schnabel
insel Felsenburg 345
Ullrich; am verwichenen sonntage fürst Pückler
briefw. u. tagebücher 7, 370; ohngefähr um verwichene weynachten Bürger
bei Strodtmann
briefe v. u. an Bürger 1, 64.
mit angabe, dasz es sich um eine kürzlich vergangene zeit handelt: den 25. Martii jüngst hin verwichen Ayrer
hist. proc. juris (1600) 375; kurtz verwichner zeit Rist
neuer teutsch. Parnass 56; am nechst verwichenen mittwochen Schupp
schr. (1663) 191; im letzt verwichenen julio Pietsch
schr. 108
B.; in jüngst verwichner nacht Schiller 13, 215
G. (
jungfrau 1, 10.) 2@bb)
als adverbium, kürzlich, unlängst: Kramer (1702) 2, 1292;
siebenb. Haltrich 49
b;
tirol. Schöpf 807;
henneb. Spiesz 270;
meckl. Mi 103
b; verwichen machte ich einen vers über Martin Bierampel, der sich zu todt trank Holberg
dän. schaubühne 2, 337; ich sag es grad — da haben wir gar einen wackern schlitten hier, grün, gelb und schwarz; — er ward verwichen erst wieder sauber angestrichen Mörike 1, 164
Göschen; wie ich bin verwichen zu meim dirndel gschlichen Nestroy
ges. w. 11, 232; verwichenhin Henrici
ernst-, scherz- u. sat. ged. 4, 144.