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verweben

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verweben v.

Bd. 25, Sp. 2139
verweben, v. , zu weben texere; seit dem 13. jahrh. belegt: Lexer 3, 297. im älteren nhd. nicht sehr häufig (Stieler stammb. 2450), erst seit dem 18. jahrh. gewöhnlich (Adelung, Campe). mundartlich zuweilen gebucht: schweiz. Stalder 2, 439; elsäss. Martin-Lienhart 2, 779; schwäb. Fischer 2, 1405. von der ursprünglichen starken flexion das part. prät. verweben noch bei Weckherlin ged. 2, 258; 448 lit. v. die neubildung verwoben, im 18. jahrh. noch selten (Winckelmann s. w. 7, 54; bei Herder 12, 373 S. und Göthe 13, 1, 232; IV 35, 81 W. neben viel häufigerem verwebt) gewinnt im 19. jahrh. mehr und mehr raum, ohne dasz verwebt auszer gebrauch kommt. oft finden sich doppelformen beim selben schriftsteller, z. b. verwebt Brentano Godwi 1, 232, verwoben ges. schr. 3, 241; verwebt Fouqué altsächs. bildersaal 4, 289, verwoben gefühle, bilder u. ansichten 1, 275; verwebt Uhland gedichte 1, 4, verwoben 1, 109; verwebt Sömmerring bau d. menschl. körpers 2, 10, verwoben 5, 706; verwebt Ranke s. w. 8, 88; 9, 306, verwoben 4, 65; 15, 150; 16, 236; 17, 169. andere starke formen sind seltener: verwob Scherer litteraturgesch. 413; 514, plural verwoben Chamisso 4, 309; Arent-Conradi-Henckel moderne dichtercharaktere 161. II. nicht sehr häufig in der buchstäblichen bedeutung: I@11) webend verarbeiten: aufweben und verweben, in opus textile fila et pannum insumere Stieler stammb. 2450; der weber hat alles garn verwebet H. Braun wb. (1793) 286b; das bleichen der wolle wird stets nur nach dem ... v. vorgenommen Karmarsch-Heeren techn. wb.3 1, 630. zu etwas v.: verwebt euren flachs zu leinwand für das volk Börne ges. schr. 6, 36; im alten Ägypten war die baumwolle heimisch und wurde ebenfalls zu zeugen verwebt Peschel völkerkunde 183. in etwas hineinweben: solche nester ..., in welche sie (vögel) ... grünes erdmoos v. Naumann naturgesch. d. vögel 2, 1, 504; sie ... hob mit der nadelspitze eifrig bunte perlen auf, diese ... in die arbeit zu v. Holtei erz. schr. 24, 107. I@22) zusammenweben: man macht auch subtile fäden darausz, die man etwan mit baumwullen verwebet S. Münster cosmogr. (1564) 8; die ... zellenstege der geklöppelten Malinespitzen sind hier nachgeahmt durch v. der ... kettenfäden Karmarsch-Heeren techn. wb.3 8, 373. I@33) durchweben: in einem schif von cederholtz und helfenbein reich auszgebawet, ... mit perlein die banier verweben, von gold die ancker starck und dick Weckherlin ged. 2, 258 F. I@44) zuweben: die spinne, die mit ihrem wundervollen gewebe die quadrate meines gitters verwebt Schubart leben und gesinnungen 2, 313. IIII. übertragen unter bildlicher wahrung der eigentlichen bedeutung: webend herstellen: was für tage das schicksal für meine töchter verwebte Bodmer Noah 1, 239. durch gewebe versperren: der tapfre wird in die netze fallen, womit die feigheit die pfade verwebt Göthe 39, 185 (Götz). mit gewebe umgeben: ja, Hannibal ist selbst umbgarnet und verwebt Lohenstein Sophonisbe (1680) 1. einweben: wie der eintrag in den zettel, so ist die sünde in unserer natur verwebt Lavater verm. schr. 2, 278; ja, es gelingt ihm, die fäden akademischer frühzeit ... in seinen übrigen lebensgang zu v. Göthe 40, 276 W. zusammenweben, verflechten: frei soll die phantasie erst schalten, nach ihrem gefallen die fäden verweben Novalis 4, 217 M.; indem dies (England) noch alle fäden seiner alten allianz festzuhalten und mit einer neuen verbindung zu verweben suchte Ranke s. w. 30, 186. IIIIII. meist in freierer übertragung, verschiedene gröszen in engen, unlöslichen zusammenhang bringen. III@11) zusammenweben, verflechten, verknüpfen. III@1@aa) ohne ergänzung. III@1@a@aα) körperlich: in grünen grotten dicht verwebter sträuche Sal. Geszner 1, 14; und wie die ulme, hoch vom felsen her sich niederbeugt, von schlee umrankt und flieder, als hätt ein eifersüchtger sie verwebt H. v. Kleist 4, 26 E. Schm.; die tänze verwebten sich in immer neuen verschlingungen Tieck 8, 233; sie (zwei jungfrauen) saszen traut und schwesterlich verwoben Uhland ged. 1, 109 krit. ausg.; zur zeit der dämmerung, wo ... alle farben und formen sich nebelhaft verweben Heine 3, 282 E.; stämme brüderlich verwoben Eichendorf 1, 381; sie (nebelschleier) ziehen durch die luft, mattscheinend, zerflieszend, sich wieder verwebend G. Freytag ges. w. 5, 4. das part. prät. auch als naturwissenschaftlicher fachausdruck: 'verwebt, contortu plicati, unter verschiedenen winkeln verflochten' Illiger thier- u. pflanzenreich 67; 'verwebt, intricatus, wenn pflanzengebilde, besonders stengel nach allen richtungen sich durchkreuzen' Behlen forst- und jagdkunde 6, 144; er (der darg, eine schicht der marscherde) besteht aus einer kompakten ... dunkelbraunen schicht von blättern, halmen und wurzeln des gemeinen rohres, welche torfartig verwoben ..., aber noch völlig erkennbar sind Allmers marschenbuch 1/2, 66; die knochen werden äuszerlich von einer aus verwebten sehnenfasern bestehenden haut ... mehr oder weniger überzogen Sömmerring bau d. menschl. körpers 2, 10. III@1@a@bβ) von geistigem und abstractem: so miszt ihr doch überall den geist, der die theile so verwebt, dasz jeder ein wesentliches stück vom ganzen wird Göthe 37, 287 W.; reflexiv: mit schönheit wird die wahrheit sich verbünden, und fleisz und glück verwebe sich zum strausz Fr. Kind ged. 2, 15; ich träumte, ich wäre in Schönhausen, wo sich kinderzeit und gegenwart unerfreulich verwebten Bismarck br. an braut u. gattin 308. das part. prät. als adjectiv: der vortheil des bischofs, der deinige, der meinige, sie sind so verwebt Göthe 8, 75 (Götz 2); scherz und ernst ist verwebt Hippel über die ehe 215; in den reichsstädten, wo alte sitte und schlendrian innig verwebt sind Knigge umgang mit menschen 1, 113; oft ist die erzählung und reflexion verwebt, oft die beschreibung und das gespräch Novalis 3, 16 M. III@1@bb) vorwiegend poetisch ist die verbindung mit dem dativ: ach, ich fühle ihrem wesen meine seele tief verwoben Cl. Brentano ges. schr. 3, 241; meinen stoff ..., der mir vielleicht als inhalt nicht genügt haben würde, wenn mir die form, die ich der anmuth zu v. strebte, nicht den werth dazu geliehen hätte Bettine Günderode 2, 134; denn die züge, die ich liebte, sind zerstoben, aber nicht die liebe, die dich mir verwoben Rückert 2, 75. III@1@cc) gewöhnlich ist mit etwas v.: er weisz die wahrheit mit der wahrscheinlichen erdichtung so zu v., dasz er uns auf die angenehmste weise hintergehet Lessing 6, 270 M.; er führte die augurien und andre wahrsagungen ein, die religion des volks mit den geschäften des krieges und staats innig verwebend Herder 14, 161 S.; wird er (der einzelne) seinem ganzen seyn und wesen nach damit (mit dem organisierten ganzen) verwebt? Fichte 3, 204; Renart le nouvel ... spinnt die ... leicht ermüdende idee von belagerung und krieg zwischen den thieren langweilig aus und verwebt sie mit allegorien und satire Jac. Grimm Reinhart fuchs cxlvii; aber mit dem niedrigen genusz verwob er den höchsten Scherer litteraturgesch. 514. reflexiv: ihre (anderer menschen) angelegenheiten verweben und stoszen sich mit den unsrigen Lavater physiogn. fragm. 1, 153; um in Rom ein Römer zu sein, um sich innig mit dem dortigen dasein zu v. Göthe 46, 31 W. am häufigsten das part. prät.: glick zu, du hof und du hofleben, da wenig trauben und viel reben, da weder warheit, trew noch zucht, des prachts, lists und betrugs erbsucht mit schalckheit und torheit verweben Weckherlin ged. 2, 448 F.; ihre (der Ägypter) mit der religion innig verwobne verfassung Winckelmann 7, 54; wir erblicken sie (die höhere welt) auf das innigste mit der irdischen natur verwebt Novalis 4, 177 M.; dies arme träumerische wesen (der gott der pantheisten) ist mit der welt verwebt und verwachsen Heine 1, 486 E.; die mit lügen verwobne lobhudelei Jac. Grimm briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 74; sein eigenster, mit seinem kaiserlichen selbstgefühl verwobener gedanke Ranke s. w. 4, 65; in dem fürsten aus altem stamme, dessen leben mit dem schicksale der nation verwebt ist 8, 88. III@1@dd) nur mhd. zu etwas v. im selben sinne: ich hân mîn lîp und mîn leben zuo ir alsô verweben Weingartner hs. 332. nhd. drückt die verbindung mit zu die grösze aus, zu der mehrere einzelgröszen zusammengewebt werden: die bande ..., womit die natur selbst ... die menschen zu einem brüderlichen geschlechte verwebt hat Wieland I 3, 70 ak. ausg.; seel an seele, ros an rose sind zum hellen kranz verwebt Fouqué altsächs. bildersaal 4, 289. III@1@ee) im gleichen sinne in eins v.: die welt seines innern und die da drauszen ... sie traten traulich zueinander und verwebten sich in eins Storm 5, 311; religion und freiheit hat gott unzertrennlich in eins verwebt Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 11. III@22) hineinweben. III@2@aa) in ähnlichem sinne wie zusammenweben; mhd.: ein ritter und ein frouwe guot die hæten leben unde muot in einander sô verweben Konrad v. Würzburg herzmäre 31. nhd.: weil sie ihr philosophisches system darein (in die religion) verweben wollen Lessing 8, 17 M.; welch ein schelm! das heiligste in seine lüge zu verweben! Göthe 17, 196 W. (groszcophta 3, 9); ich werde in meine schilderungen viel individuelles verweben Immermann 18, 34 B.; B. hat ... das historische material so vollständig als möglich in den text verwoben Justi Winckelmann 1, 198. reflexiv: tausend grüsze von Gotha verweben sich in die meinen Göthe IV 9, 321 W. das part. prät.: eine fabel, in welche so besondere griechische und römische sitten ... verwebet sind Lessing 10, 194 M.; ich sage dir nicht, wie du in jeden meiner gedancken verwebt bist Göthe IV 5, 325 W.; sie (die religion) ist also nicht mehr so innig in die staatsverfassung verwebt W. v. Humboldt 1, 52 ak. ausg. zuweilen auch mit intralocaler construction: ihre gute frau und kinder, in welchen ich mir sie so innig verwebt so gern denke Lessing 18, 270 M.; in solchen allgemeinen verhältnissen ist sein eignes poetisches verwebt Göthe 41, 1, 86 W. ineinander v.: so viele auftritte (in der geschichte), worin grausamkeit, aberglaube, treulosigkeit und schwäche so in einander verwebt sind M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 196; für einen, der in unzähligen komödien mitwirkte, kann es ja keine hexerei sein, ein halbes dutzend scenen in einander zu verweben Holtei erz. schr. 36, 164. III@2@bb) in etwas verstricken, verwickeln: volle tröstung den seelen, die in lichtdürftige zweifel sich verwebten! Klopstock Messias 301; wann ein böser traum die sinnen in erneuten gram verwebt Schönaich in d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 3, 495; sie sehn und das gefühl, an sie verstrickt, in sie verwebt zu sein war eins Lessing 3, 98 M. (Nathan 3, 8); der in dunkeln gedanken verwebten seele J. G. Forster s. schr. 7, 254; so dasz wir uns in ein ungeheures lügennetz verwoben und verstrickt sahen G. Keller 1, 119.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verwëbenstv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    ver-wëben stv. BMZ verweben, vereinigen, tr. verw. in mit dat. Trist. H. 6885, mit acc. Herzm. 31. Kolm. 59,25. ich hân …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verwêben

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verwêben , verb. regul. act. 1. * Von weben in der veralteten weitern Bedeutung der Bewegung war es ehedem so viel, als …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verweben

    Goethe-Wörterbuch

    verweben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verweben

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verwebe n aufweben, durch Weben aufbrauchen. s Garn is t alles verwebt Bf. K. Z.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verweben

2 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von verweben

ver- + weben

verweben leitet sich vom Lemma weben ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verweben 2 Komponenten

verwe+ben

verweben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verweben als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von verweben (1 von 1)

unverwëben

Lexer

un-verwëben part. adj. BMZ unverwebt Frl. 147,17.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verweben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verweben/dwb?formid=V06165
MLA
Cotta, Marcel. „verweben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verweben/dwb?formid=V06165. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verweben". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verweben/dwb?formid=V06165.
BibTeX
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