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versüszen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

versüszen verb.

Bd. 25, Sp. 1852
versüszen, verb. , denominativbildung von süsz (s. d.). der ältere gebrauch ist fast ausschlieszlich übertragen. mhd. versüeʒen Lexer 3, 257 (Teichner, Seuse s. u.). nhd. bei Frisius 460a noch süsz machen, edulcare; versüszen, dulcare, etiam de quacumque refectione, relaxatione Stieler 2242; Kramer 2, 1042c; Frisch 2, 357c; Kirsch 2, 314b; Adelung; Campe; schwäb. Fischer 2, 1371; köln. versösze Hönig 194b; mnl. versoeten Verdam 636b; auch intrans.; Kilian 604a; nl. verzoeten; ostfries. fersöten Doornkaat 1, 465b; pomm. versöten Dähnert 527a. dem deutschen entlehntn. forsøde, schwed. försötma. eine von Sanders wb. 2, 2, 1274a gebuchte comparativische bildung versüszern ist literarisch nicht nachgewiesen, kommt aber im lusernischen vor: vorsüasarn Bacher 420. auszer einzelnen reflexiven wendungen zum ersatz des passivs wird das verb. durchweg transitiv gebraucht. die bedeutung ist 'süsz machen'. 11) in der technischen sprache der chemie nach Adelung veraltet für absüszen: 'die schärfe der mineralischen säuren mit wasser oder einem andern flüssigen körper wegnehmen'; nach Campe aber geläufig, besonders in der scheidekunst, vom versetzen der säuren mit weingeist; vgl. Beil technol. wb. 1, 629; (dann) musz man wermuthsaft .. mit etlichen granen versüszten quecksilber vermischen allg. haushalt.-lex. (1749) 2, 479b; der versüszte salpetergeist Liebig chemie 720. in der landwirthschaft: versüszen der teiche, befreien von faulen, stinkenden dünsten Weber öcon. lex. 616b. im täglichen leben speisen und getränke durch zusätze 'süsz und schmackhaft machen', kaum 'zu süsz machen und dadurch verderben', wie Adelung will. der vergleich mit versalzen, mit dem sich heute ohne weiteres verschlechternder nebensinn verbindet, stimmt nicht. in älterer sprache steht süszen häufiger (s. d.). seit dem 16. jh.: dasz die römische kirch ... mög ausz ketzertreck rö. honig machen .. und das bitterst gifft mit röm. honig versüsen Fischart binenkorb 51b; das wasser .. versüszet die feigen, seuret die pflaumen Butschky Pathmos 362; ein hönig-tropffen .. welches die bitterkeit so vielen wermuths nicht versüszen wird Abraham a St. Clara etwas für alle 2, 29; was saltzicht von natur, versüszet keine kunst Lohenstein Ibrahim 43; die begierde — nicht nach dem honig, der den trank versüszte, nein, nach der lippe, die den becher küszte Brentano 6, 212; die Griechen und Römer versüszten auf andere art (als mit zucker) ihre speisen Ritter erdkunde 5, 440. 22) häufiger in übertragenem sinne. den zu freien gebrauch in Bodmers Noah rügt Schönaich ästhetik 133, 300 Köster. darauf nimmt der dichter eine verbesserung vor: oder die rippe, die mir das eitle leben versüszt hat Noah 172 (1752); oder das weib, das mir den wermut des lebens versüszt hat (1765). so richtig dieser einwand vom ästhetischen standpunkt ist, so wenig wird er durch den thatsächlichen gebrauch gerechtfertigt. bisweilen nur wird das bild festgehalten: deszwegen hat er .. seiner straffenden schrifften scharpffe bitterkeit dergestalt versüszet Grimmelshausen 4, 506, 25 Keller; du versüszest mir alle gall' allhier Dach ged. 222 Österley; so träufelst du in den kelch der leiden den tropfen der liebe, der alles versüszt! Göthe 132, 38 Weim. (schutzgeist); deren erinnerung den bittersten schmerz zu versüszen genug ist Wieland Agathon 1, 33. freier 'herbes und unangenehmes mildern und erträglicher machen'; arbeit, schmerzen Stieler. besonders in poetischer sprache: ein solcher tod ist ihm nicht schwer, weil sein gewissen ihn versüszet Weckherlin ged. 1, 497; anjetzt ists zeit, sein angst, doch mäszig zu versüszen Gryphius trauersp. 369 (Stuardus 1, 93); zwei pilger, neigen meine lippen sich, den herben druck im kusse zu versüszen Shakespeare 1, 44 (Romeo 1, 5); wer, als die liebe, kann mir die flüche versüszen, die mir der landeswucher meines vaters verursachen wird? Schiller 3, 371 (kabale 1, 4). seltener 'etwas an sich schon angenehmes oder doch nicht unangenehmes noch angenehmer und lockender machen': wir sollen .. mit reimen die tafel versüszen Birken Pegnitz-schäferey 6; dein zorn versüszt ihm seinen triumph nur Schiller 2, 61 (räuber 2, 1); ihr stimmlein uber berg und thal den gantzen lufft versüszet Spee trutz-nachtigall 119; thut ein schilf sich doch hervor, welten zu versüszen! möge meinem schreibe-rohr liebliches entflieszen Göthe 6, 29 Weim. (divan). von der zeit: bald wolten sie spielend die stunden versüszen, fragten einander, was bringt man herbey? Harsdörffer gesprechspiele 4, c iia; ich sollte ... der gottheit groszes meisterstück verstümmeln, den abend eines prassers zu versüszen? Schiller 51, 121 (Karlos 1798); und wenn sie nicht den traurigen rest meines lebens versüszen hilft, wer soll es denn thun? Lessing 2, 268 (Sara 1, 1). freier 'angenehm umgestalten': und eh der abend kömmt, kann eine frühe nacht, die keine hoffnung mehr zum morgen wird versüszen, auf ewig mir die augen schlieszen Haller ged. 151. 33) selten in der bedeutung 'erquicken', zumal bei persönlichem object: das süszeste, so an dir ist, musz ich, ungerne zwar, verschweigen, doch kann es über alles steigen, was je die sterblichen versüszt geharnschte Venus 131 neudr.; wan dyn hertz mit dem süszen lyden so gar versüszet was der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) xxxiiia; ein kind kann leichter eine ganze familie versalzen als versüszen Jean Paul werke 15/18, 241. 44) ungewöhnlich ist das part. prät. als adj.: so haben sie (die korallen) eine versüszende kraft Hohberg curiosa 3, 507b. übertragen: gleich wie die poesis .. ein süs schmekkendes gericht .., also .. gleichfals dero rechte gehörige versüszende ausrede (aussprache) Schottel haubtsprache 114. adverbial: wie wir versüszend (beschönigend) auch den dummen eine gute seele nennen Schleiermacher Platon 6, 190. das part. prät. hat in älterer sprache den sinn 'überzuckert, süsz': sú die versüsztú gift also verblendet, daʒ sú deʒ groszen schaden under dannen vergessent Seuse 137, 24; eyn eyniges hinfälliges versüset gelüstlin mit todsgefahr zuwegen zupringen Fischart ehzuchtbüchlin 287 Hauffen; wenn die welt mit wollustiren, und versüster bitt', auf den sündentrit, ihn wil unvermerket führen Neumark lustwald 1, 92; die nützlichsten wahrheiten gleichsam versüszt, der jugendlichen seele beyzubringen Abbt 5, 62. 'süszlich': hier ein versüszter Winkelmannischer kopf Lavater phys. fragmente 4, 175. seit dem 19. jh. durch versüszlicht (s. unten) ersetzt. 55) reflex. gebrauch ist nicht häufig: weil auch der bittere mandelbaum durch das peltzen sich versüszet Hohberg georgica 1, 432; im winter, der wahren hiesigen regenzeit, soll sich alles noch viel mehr versüszen Kohl reise nach Istrien 1, 230; als der erste bittere eindruck sich etwas versüszte, trat eine andere stimmung in Göthe ein Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 367; sein ganzes wesen mildert und versüszt sich unter den strahlen einer solchen sonne gleich einer frucht im herbste Nietzsche 4, 349. — versüszerin, f., ungebräuchliche bildung bei Zesen: die deutsche dicht- und reimkunst, als eine versüszerin der andern haubt- und lehr-arbeit Helikon 1, 1. — seltene bildungen tadelnden sinnes sind versüszeln, versüszgen, versüszlichen. versüszeln entstammt dem 16., die andern beiden dem 18. jh. im eigentlichen sinne nur versüszelt, 'überzuckert, zu süsz': der musz (mus, speise) versotten, .. versüszelet, verröstet, verräset, verbrant plunder Fischart Garg. 82 neudr. sonst übertragen, 'zu süszlich': im weinerlichen gethue knechtischer ergebung, womit versüszelte feiglinge die unkraft zu ehren heucheln möchten F. L. Jahn 2, 315; wie das vorige (gesicht) versüszget, polirt, frisirt; — so diesz verwildert, verhärtet Lavater phys. fragmente 3, 160; dasz es nicht übertrieben erhöht, durch hymnen versüszlicht .. werde Göthe 49, 16 Weim.; etwas mord und todtschlag, mondschein und sonnenuntergang, diesz mit liebe und empfindsamkeit versüszlicht Tieck schriften 14, 164.
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    Neuhochdeutsch
    versüszenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    versüszen , verb. , denominativbildung von süsz ( s. d. ). der ältere gebrauch ist fast ausschlieszlich übertragen. mhd.…

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Komposita & Ableitungen mit versueszen

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Zerlegung von versueszen 2 Komponenten

versus+zen

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Cotta, M. (2026). „versueszen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/versueszen/dwb
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Cotta, Marcel. „versueszen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/versueszen/dwb. Abgerufen 16. May 2026.
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Cotta, Marcel. „versueszen". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/versueszen/dwb.
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