verspunden,
verspünden,
verb. ,
von spund (
th. 10, 2, 230)
abgeleitet. form. die ältere form verspunten,
entsprechend mhd. spunt(es),
erscheint bis ins 16.
jh., obd. noch heute erhalten: schwäb. verspunte
n,
mit dem spunten
verschlieszen Fischer 2, 1351.
mhd. wb. 2, 2, 554
a und Lexer
hdwb. 3, 247
setzen verspünden
als grundform an; thatsächlich aber weisen die mhd. belege die umlautlose form auf, so auch: verspunten, verschoppen,
obstruere, obturare, opilari vocab. v. 1482 i i 8
b;
linere, bestreichen o. klaiben o. verspuntten als die vasz Diefenbach
gloss. 331
a. verspunden, spunden (ein fasz),
een vat (
ton)
verbommen, bommen ..; 't toestoppen met een bom of stopzel Kramer
niderhochteutsch. dict. 247
b.
daneben kommt die form versponten
vor: bestreichen o. kleyben o. verspontten Diefenbach
gloss. 331
a; du wirst mir zwölff lägel des besten siessesten weins einfüllen, und die wol versponten Schaidenraisser
Odyssea (1537) 8
a.
an anderer stelle verspuonden: ich muste unter zweien bösen das beste erwelen, steig in die tonne, und liesz mich verspuonden Krüger
Clawert 68
neudr. häufiger ist, besonders in jüngerer sprache, die umgelautete form: verspünden,
operculare Schottel 647
b; verspünden, zuspünden,
turare Kramer
ital. dict. 2, 898
b; ich verspünde,
operculo Steinbach 2, 650; verspünden oder zuspünden,
obturare orificium dolii Frisch 2, 312
a; Adelung; Campe; Schmeller. Kirsch 2, 313
b hat verspünden
neben verspinden,
operculare. dieses verspinden
ist wohl durch entrundung aus verspünden
entstanden, so auch im schles.: der gärte pracht den beumen ist geraubet, und alles obst zum reinsten abgeklaubet. was dauren kan wirdt in ein fasz verspindt, das ander sich gedörrt in kasten findt W. Scherffer
ged. (1652) 496.
doch ist die grenze zwischen verspünden
und verspinden (
sp. 1429)
nicht genau zu ziehen, da spund '
splint'
auch eine mundartliche ablautsform zu spint (spind)
ist (Falk-Torp
etym. wb. 1126).
zur bedeutung vgl. unten I 2
b.
die neuesten wb. verzeichnen theils verspunden (Paul 591
a, Fischer),
theils verspünden (Paul 516
a, Heyne).
thatsächlich werden beide in der umgangs- und handwerksprache nebeneinander gebraucht. in der neueren literatur überwiegt verspünden.
ungewöhnlich ist ein prät. verspundte
bei Tieck: hätt' ich ihn nur einmal so allein im keller, .. ich verspundte ihn in das grosze oxhoftfasz
schriften 3, 53. Schmeller
2 2, 678
belegt aus Konrad von Megenberg
f. 66
a ein starkes part. prät.: als der wein sucht (
sich luft zu machen) aus einem veichten köpflin das do verspunden ist;
statt dessen in Pfeiffers ausgabe 108, 28: reht sam der wein seugt auʒ ainem viehteinne väʒlein und dâ verspunt ist.
bedeutung und gebrauch. II.
das stammwort bildet spund,
verschluszzapfen in einer öffnung (
th. 10, 2, 231). I@11)
vermittelst eines spundes .. verschlieszen, zuspünden Adelung. I@1@aa) ein fasz wol verspünden; ein wol verspündet fasz Kramer
it. dict. 2, 988
b; Campe; ein fasz verspünden,
sowohl vermittelst des spundes, als auch des eingespündeten bodens Adelung; die gefäsze verspünden,
vasa operculare Steinbach 2, 650; man verspundet das fasz Karmarsch-Heeren
techn. wb. 3, 168; man soll das pulver in guoten gehäben und wol verspunten fassen führen Fronsperger
bei Fischer
schwäb. wb. 2, 1351; unser curiosus .. liesz die fäszlein verspündet in den keller tragen
medizin. maulaffe (1719) 295; das fasz lag wohl verspundet .. im keller H. Kurz 10, 129; alsbald verspundet man das gefäsz und läszt den qualm ein paar tage darin sein wesen treiben Steub
drei sommer in Tirol 2, 235. I@1@bb)
von anderen gegenständen, bei denen eine öffnung verschlossen wird: wie man in hatte in einen sarck gelegt und er noch unverspündet gewesen Luther
tischreden 440
a; so er (
der schwarzspecht) wahrnimmt, dasz das nest wohl verspündet sei, wird er mit ängstlichem geschrei um den baum schwirren Musäus
volksmärchen 2, 106; und zu Marie, die den ofen verspündete, sprach sie gebietend ... J. H. Voss
ged. 2, 282. I@1@cc)
bildlich, den mund stopfen: was ists, dasz andern sie geschwind anhülfflich ist zu weib und kind, und keinmal sich mit sich abfindt, der hohn-zusprecher mund verspindt W. Scherffer
ged. (1652) 389; so gieb, dasz mit dem spunde der beschämung der lügenmund des leugners sei verspündet!
F. Rückert 11, 454. I@22)
mittels eines spundes in einem behälter einschlieszen (
vgl. versperren II A 1
sp. 1402).
der behälter wird bisweilen mit in
und dat. oder acc. näher bezeichnet. I@2@aa)
in einem fasse verschlieszen, verwahren: mehl verspünden,
einfüllen Weber
terminol. wb. 616
a;
wein: der propf, womit in voller jugendkraft held Bacchus seinen rebensaft verspündete, blieb unbeweglich stecken Kretschmann (1784) 6, 313.
einen körper oder menschen: meister Peter habe .. den cörper in ein fasz verspündet Happel
akad. roman (1690) 649; der scharffrichter ... hette in im keller durch die mauer herauszer gehauen, denselben in ein fasz verspündet und in die see führen lassen Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 126; daʒ si in vorspunten in eime vaʒʒe und furten in ûʒ der stat heimlîchen in einen walt
d. mystiker 1, 103, 24
Pfeiffer; 'we uns, wir han gesundet!' so werden si verspundet, und verbunden wirt ir schoʒ dort mit ungewiter groʒ Tilo v. Kulm 5998
Kochendörffer. I@2@bb)
in einem baume einschlieszen, eine art zaubermittel (
vgl. verspinden I 1
sp. 1429): sie stochert sich mit einem splitter von einem sarge oder sonst einem andern höltzgen, welches sie in die rinde eines grünen baumes verspünden lässet
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 327; sie .. nach dem astloche eines feigenbaumes zu tragen, worin sie durch einen vorgestopften pflock verspündet wurde Immermann 2, 83.
in einer grube festhalten: man soll nicht errathen, dasz es aus der grube aufstieg, in welcher ich den könig Enzian verspündete 1, 29. I@2@cc)
bildlich, im herzen verschlieszen: (
ob ich) verloukene myne sunde und sy gar in mir verspunde, in dem herzen min verdage oder velschlich mich ir entsage
md. paraphrase des buches Hiob 11878
Karsten. IIII.
im folgenden liegt spund
in der bedeutung '
zapfenstück eines balkens, brett mit falz am rande'
zugrunde (
th. 10, 2, 232);
rand am holze mit fuge (
falz)
oder nut Weigand-Hirt 2, 937;
ein aus mehreren zusammengespündeten theilen bestehendes werk Adelung.
daraus ergeben sich die einzelnen verwendungen. II@11)
in der sprache der zimmerleute: bretter, planken verspunden,
sie durch einen falz, eine nuthe ineinander fügend verbinden Sanders
wb. 3, 1161
a;
beim bau der orgel: diese cancellen (
der windlade) werden alle mit einander .. am untern theil fest verspündet Mattheson
vollkomm. capellmeister (1739) 460. II@22)
mit etwas, das man zusammenspündet, mit spundwerk versehen und dadurch verwahren; eine wand mit brettern verspünden Campe.
im bergbau: strecken, schächte verspünden,
in denselben eine verdämmung aus holz oder mauerwerk anbringen, um die zudringenden wasser abzuhalten Veith
bergwb. 538; das ort war bis zur inbetriebsetzung der ... dampfkunst .. durch eine mauer verspundet gewesen ..; absperren der baue von dem durchschlagspunkte durch sicher haltbare dämme oder verspünden
ebd. in übertragener verwendung: essigaale .., denen die essighaut die luft verspündet Jean Paul
briefw. 76; ich habe rezeptivität ihr anliegen in mein herz aufzunehmen und zu bewahren, es ist rund um wohl verspündet, und rinnt nicht aus, wie ein durchlöchert fasz Musaeus
physiogn. reisen 4, 88.