verspinden,
verb. ,
auch in der form verspünden;
vgl. unter I 1. II.
von spint (
th. 10, 1,
sp. 2549)
abgeleitet, einem westgermanischen worte, das zunächst '
fett, speck'
und dann besonders den jungen weichen, weiszen holzstoff zwischen rinde und kern eines baumes bezeichnet. I@11)
es ist nach demselben muster wie versperren
u. ähnl. gebildet. verspinden
lebt in ostmitteldeutschen mundarten als kunstausdruck für eine art volksthümlicher krankheitsbehandlung: schles. verspinden Weinhold
handschriftl. nachlasz S
bl. 383
a; vuospinn Knothe
wb. d. schles. mundart in Nordböhmen 122;
obersächs. fršpin Göpfert 61.
es bedeutet wie vergraben (
fehlt sp. 483
ff. s. unten), vernageln (
sp. 906), verpflöcken (
fehlt sp. 970,
s. unten)
zunächst '
ein übel, eine krankheit festbannen': der wunderdoktor ritzt dem kranken mit einem federmesser die haut, tupft das blut mit watte oder einem läppchen ab und verspindet es in einen baum im neumond Drechsler
sitte, brauch und volksglaube in Schlesien 278; man bohrt für den kranken ein loch in einen baum, tut die krankheit hinein und verschlieszt das loch mit einem pfropfen; überwächst dieser, so gesundet der kranke
ebd. ähnlich berichtet Knothe
wb. 122
aus Markersdorf: der wunderdoktor bohrt ein loch in einen balken, spricht geheimnisvolle worte hinein, wodurch er die krankheit des menschen hineinbannt, und verschlieszt die öffnung mittels eines spundes;
obersächs. ein geschwür, zahnschmerzen, äuszere krankheiten verspünden,
indem man die kranke stelle mit einem läppchen streicht, dies in die öffnung eines baumstammes legt und die letztere mit einem zapfen, spunde verschlieszt Göpfert 61.
dieselbe bedeutung bezeugt Schultze
idiot. d. nordthüringischen mundart 33
für verpflöcken.
ursprünglich bezeichnet das stammwort spint
in verspinden
vielleicht die weiche holzmasse, worin die krankheit versenkt wird, doch kann spint
auch von vornherein wie pflock
in verpflöcken
den pfropfen darstellen, der zunächst aus dem weichen holzstoff verfertigt sein muszte. dann erscheint verspinden
in form und bedeutung von verspünden (spund
für spint
th. 10, 2,
sp. 232)
beeinfluszt, dem es wohl auch sein d
für t
verdankt. im schles. erscheint umgekehrt verspünden
häufig in der form verspinden Weinhold
handschriftl. nachlasz S
bl. 383
a.
sonst hat das häufigere verspünden
eher das seltenere verspinden
verdrängt: sie stochert sich mit einem splitter von einem sarge oder sonst einem andern hOeltzgen, welches sie in die rinde eines grnen baumes verspnden lAesset
die vernünftigen tadlerinnen (1725) 1, 327. I@22)
die auffassung '
das übel festbannen'
schlägt dann begreiflicherweise, wohl auch durch die anschauung vertreiben
befördert, in die bedeutung '
das übel wegbannen, bannend beseitigen'
um: vuospinn,
krankheiten auf geheimniszvolle weise vertreiben Knothe
wb. 122; man sucht die krankheiten durch besprechen ... oder stillschweigend durch segnen, versegnen ... oder durch verspinden zu vertreiben ... spruch und handlung werden meist dreimal und unter verwendung des kreuzzeichens angewendet Drechsler
sitte, brauch und volksglaube in Schlesien 277; man kann die krankheit aus jedem körperteil verspinden, wenn man diesen durch eine gespaltene junge eiche steckt ... krankheiten werden ferner vergraben 279.
schlieszlich können die krankheiten dadurch auf andere übertragen werden: manche krankheiten wird man los, wenn man sie auf andere menschen oder auf tiere oder auch auf pflanzen ... durch verspinden, verpflöcken, durchziehen ... überträgt 277. IIII.
an anderer stelle scheint spint = splint
in der bedeutung '
span, keil, haken'
vorzuliegen, so mhd.: daʒ güʒbette verblaten und in einander verspinten (
das gieszbett mit steinplatten einfassen und diese verkeilen)
Mones anzeiger f. d. kunde der deutschen vorzeit 2, 652.
das von Kirsch 2, 313
b gebuchte verspinden '
operculare'
kann auch für verspünden
stehen. vgl. Leopold
germanist. abh. 27, 70
und 127
und unten verspünden.