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verspinden

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verspinden verb.

Bd. 25, Sp. 1429
verspinden, verb. , auch in der form verspünden; vgl. unter I 1. II. von spint (th. 10, 1, sp. 2549) abgeleitet, einem westgermanischen worte, das zunächst 'fett, speck' und dann besonders den jungen weichen, weiszen holzstoff zwischen rinde und kern eines baumes bezeichnet. I@11) es ist nach demselben muster wie versperren u. ähnl. gebildet. verspinden lebt in ostmitteldeutschen mundarten als kunstausdruck für eine art volksthümlicher krankheitsbehandlung: schles. verspinden Weinhold handschriftl. nachlasz S bl. 383a; vuospinn Knothe wb. d. schles. mundart in Nordböhmen 122; obersächs. fršpin Göpfert 61. es bedeutet wie vergraben (fehlt sp. 483 ff. s. unten), vernageln (sp. 906), verpflöcken (fehlt sp. 970, s. unten) zunächst 'ein übel, eine krankheit festbannen': der wunderdoktor ritzt dem kranken mit einem federmesser die haut, tupft das blut mit watte oder einem läppchen ab und verspindet es in einen baum im neumond Drechsler sitte, brauch und volksglaube in Schlesien 278; man bohrt für den kranken ein loch in einen baum, tut die krankheit hinein und verschlieszt das loch mit einem pfropfen; überwächst dieser, so gesundet der kranke ebd. ähnlich berichtet Knothe wb. 122 aus Markersdorf: der wunderdoktor bohrt ein loch in einen balken, spricht geheimnisvolle worte hinein, wodurch er die krankheit des menschen hineinbannt, und verschlieszt die öffnung mittels eines spundes; obersächs. ein geschwür, zahnschmerzen, äuszere krankheiten verspünden, indem man die kranke stelle mit einem läppchen streicht, dies in die öffnung eines baumstammes legt und die letztere mit einem zapfen, spunde verschlieszt Göpfert 61. dieselbe bedeutung bezeugt Schultze idiot. d. nordthüringischen mundart 33 für verpflöcken. ursprünglich bezeichnet das stammwort spint in verspinden vielleicht die weiche holzmasse, worin die krankheit versenkt wird, doch kann spint auch von vornherein wie pflock in verpflöcken den pfropfen darstellen, der zunächst aus dem weichen holzstoff verfertigt sein muszte. dann erscheint verspinden in form und bedeutung von verspünden (spund für spint th. 10, 2, sp. 232) beeinfluszt, dem es wohl auch sein d für t verdankt. im schles. erscheint umgekehrt verspünden häufig in der form verspinden Weinhold handschriftl. nachlasz S bl. 383a. sonst hat das häufigere verspünden eher das seltenere verspinden verdrängt: sie stochert sich mit einem splitter von einem sarge oder sonst einem andern hOeltzgen, welches sie in die rinde eines grnen baumes verspnden lAesset die vernünftigen tadlerinnen (1725) 1, 327. I@22) die auffassung 'das übel festbannen' schlägt dann begreiflicherweise, wohl auch durch die anschauung vertreiben befördert, in die bedeutung 'das übel wegbannen, bannend beseitigen' um: vuospinn, krankheiten auf geheimniszvolle weise vertreiben Knothe wb. 122; man sucht die krankheiten durch besprechen ... oder stillschweigend durch segnen, versegnen ... oder durch verspinden zu vertreiben ... spruch und handlung werden meist dreimal und unter verwendung des kreuzzeichens angewendet Drechsler sitte, brauch und volksglaube in Schlesien 277; man kann die krankheit aus jedem körperteil verspinden, wenn man diesen durch eine gespaltene junge eiche steckt ... krankheiten werden ferner vergraben 279. schlieszlich können die krankheiten dadurch auf andere übertragen werden: manche krankheiten wird man los, wenn man sie auf andere menschen oder auf tiere oder auch auf pflanzen ... durch verspinden, verpflöcken, durchziehen ... überträgt 277. IIII. an anderer stelle scheint spint = splint in der bedeutung 'span, keil, haken' vorzuliegen, so mhd.: daʒ güʒbette verblaten und in einander verspinten (das gieszbett mit steinplatten einfassen und diese verkeilen) Mones anzeiger f. d. kunde der deutschen vorzeit 2, 652. das von Kirsch 2, 313b gebuchte verspinden 'operculare' kann auch für verspünden stehen. vgl. Leopold germanist. abh. 27, 70 und 127 und unten verspünden.
3966 Zeichen · 71 Sätze

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    verspindenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    verspinden , verb. , auch in der form verspünden; vgl. unter I 1. I I. von spint ( th. 10, 1, sp. 2549) abgeleitet, eine…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verspinden

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Ableitung von verspinden

ver- + spinden

verspinden leitet sich vom Lemma spinden ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verspinden 2 Komponenten

ver+spinden

verspinden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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