versporen,
verb. ,
abgeleitet von spor '
schimmel',
das seinerseits zu ahd. spôri '
mürbe, faul',
mhd. spœre, '
trocken, rauh',
obd. spör '
ausgetrocknet, spröde'
gehört (Kluge
wb. 7 435
a).
das wort erscheint in den formen verspohren, versporren, versparen, verspüren. Adelung
setzt 4, 166
für das einfache verb. die formen sparen
und spuren
an. selbst innerhalb einer mundart wechseln die formen auffallend, so im elsäss. fərpýrə, ferpỉrə, fərpórə, fərpôrə Martin-Lienhart 2, 547
a.
im schlesischen schwankt es zwischen versporen
und verspüren Weinhold
handschriftl. nachlasz S
bl. 390
a.
für das bair., schwäb., lothring., rheinhess. ist versporen
angesetzt Schmeller
2 2, 682; Fischer 2, 1344; Follmann 153
b; Kehrein 1, 431.
das wort ist im obd. zuhause und zieht sich ins mitteldeutsche gebiet hinein. die flexion ist schwach, der gebrauch intransitiv; am üblichsten ist die form des part. prät. ältestes lexikal. zeugnis: verspuren,
humore hebetari, debilitari Stieler 2109.
die literarischen belege stammen in der mehrzahl aus Grimmelshausen.
die bedeutung ist: '
vermodern, durch feuchtigkeit faulen, verschimmeln',
jüdisch auch '
von den motten verzehrt werden' Martin-Lienhart 2, 547
a; '
sich mit schimmelsporen überziehen, verschimmeln, vertrocknen, verfaulen, vermodern' Fischer 2, 1344; '
sporflecken bekommen, verfaulen' Kehrein 1, 431; '
verschlimmeln, fleckig werden infolge der feuchtigkeit' Follmann 153
b. 11)
im buchstäblichen sinne von gegenständen. holz: elsäss. dis holz is
t in dem nasse
n këller ganz versport Martin-Lienhart 2, 547
b;
schwäb. Fischer 2, 1345;
schles. der baumstamm war hol und versport, die möbeln sind versport (
vermorscht) Weinhold
handschriftl. nachlasz S
bl. 390
a; vnd die stücke gar blosz, nichts verwahret, die reder vom regenwetter gar verspüret, zu erachten, das die stücke kaum einen schus auszstehen ... möchten
verhandl. d. schles. fürsten u. stände 1, 8
Palm; auf den wehren die stück gar blos stehen, vom regenwetter die reder vnd anders gar versporet vnd falsch 9; als das pferd .. den stützen, woran es gebunden, unten am boden, da er zimlich faul und versporrt war, entzwey brach Grimmelshausen 2, 486, 15
Keller; viertens, dasz es schon so alt und doch nicht wie andere vegetabilia verspohrt, wormstichig worden oder verdorben ist
Simpl. 4, 292, 12
Kurz. stroh, leder, stoffe, wäsche, kleider; insbesondere von der feucht in den schrank gelegten wäsche: elsäss. das stroj verspürt in dëre füchte; dass de verspoorst, du ledder; de mues
t die nastüecher z
uerst tröckne
n, sust v. si
e; un der (
winter) hat jo s'hemp verspohrt, hat nix weg ze schmeisse Martin-Lienhart 2, 547
a;
schwäb. bes. von kleidern, leinwand, wäsche; versport,
morsch, von geweben und geflechten Fischer 2, 1344; es waren ... in einem versporten ledernen sack achtzig von den Aeltisten Joachimsthalern
Simpl. 241
Kögel; 1000 doppelte ducaten .., welche goldene schlangen-rippen gar erfreulich durch das abgenutzte und zum theil versparte zeug herfür schimmerten 3, 435, 11
Kurz. metall, geld: seine verlegene munition, die allerdings faul und versport war, und keinen effect mehr thun konte, gosz ich gleichsam wieder von neuem um 454
Kögel; sie schertzten böhmisch, man müste leut haben, die das geld wieder unter den gemeinen mann bringen, es möchte sonst vielleicht in des königs schatzkammern versporen 4, 814, 33
Keller. backwerk: schwäb. von kuchen Fischer 2, 1344; wann er nach seinem tod .. das liebe brod zu dem cadavern seines stinckenden madensacks einschliessen und in dem wust seines unflats dem getrewen gott zu trutz versporen läst 4, 265, 4
Kurz. 22)
in übertragenem gebrauch: (
dasz) alle deine geschicklichkeit dir im leib versporet were Moscherosch
Philander (1640) 1, 89;
elsäss. faul werden, von menschen; part. verspurt,
faul Martin-Lienhart 2, 547
a.