verspilden,
verspilten,
verb. form und verwandtschaft. von spild(i) '
prodigus'
abgeleitet, mit spalten
verwandt, altes germanisches compositum. ahd. farspildan,
expendere, effundere, prodere Graff
sprachschatz 6, 338;
mhd. verspilten, verspilden
mhd. wb. 2, 2, 508
b; Lexer
hdwb. 3, 245;
nhd. verspilten Haltaus
gloss. 1894; verspilden Schottel 647
a; Adelung; Campe.
ebenso niederdeutsch: altsächs. farspildian Gallee
gramm. 2 120;
mnd. vorspilden Schiller-Lübben
wb. 5, 454
b;
mndl. verspilden Verdam
hdwb. 637
a; verspilden,
dilapidare, dissipare, attenuare Kilian (1599) 604
b;
altengl. forspildan,
perdere Bosworth-Toller 318
a;
dän.-norweg. forspilde Helms
wb. 122
c.
daneben erscheint häufiger eine form verspillen, die auf eine germ. nebenwurzel *spell
zu *spelþ
schlieszen läszt (Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 1122).
sie ist ndd. herkunft, fehlt im ahd. und mhd. und taucht erst in den hochdeutschen wörterbüchern des 17.—18.
jahrh. auf. altengl. forspillan
häufiger als forspildan
perdere, disperdere, dissipare Bosworth-Toller 318
a b;
mengl. forspillen Stratmann-Bradley 242
b;
mnd. vorspillen
und mndl. verspillen
seltener als vorspilden, verspilden Schiller-Lübben
wb. 5, 454
f.; Lübben-Walther
hdwb. 524
a; Verdam
mndl. hdwb. 637
a;
neundl. tritt verspilden
zurück bei Kilian (1599) 604
b;
später nur verspillen Kramer
kgl. nider-hoch-teutsch dict. 455
a. spillen, verspillen
brem. wb. 4, 951;
ostfries. Stürenburg 316
a, Ten Doornkaat Koolman 1, 466
a;
hamburg. Richey 282;
holstein. Schütze 4, 170;
pomm. Dähnert 527
a;
in Esthland Sallmann 29
a, 72
b.
schwed. förspilla
ist wohl dem niederd. entlehnt. im hochdeutschen weisen erst die wörterbücher des 17.
bis 18.
jahrh. die form verspillen
auf. Schottel 647
a bucht verspillen
neben verspilden; durchspillen
und verspillen Stieler 2089; verspillen,
dissipare, dilapidare ... verspillet, verspillt,
dissipato Kramer
ital. 2, 869
c;
prodigere, dilapidare ..., dissipare Wachter
gloss. germ. (1737) 1775. verspillen
hat sich im hochdeutschen nicht einbürgern können und ist nach Adelung '
in der edleren schreibart der hochdeutschen'
unbekannt;
auch ist es wohl durch das später auftauchende, sich zu ähnlicher bedeutung (
s. d.)
entwickelnde verspielen
zurückgedrängt worden. in der lautform sind beide nicht reinlich zu scheiden (
s. unter verspielen). Campe
verzeichnet verspilden
und verspillen
als landschaftlich gebräuchlich und lehnt sie an verspellen (
s. d.)
an. Heyse
wb. 2, 1622
bezeichnet alle drei als alt und landschaftlich für versplittern,
mit dem verspilten
enge verwandt ist (
vgl. die mhd. formen splitter: spelter: spilter
nebeneinander in derselben bedeutung Lexer
hdwb. 2, 1078; Kluge
etym. wb. 7 434
b unter spleiszen).
F. L. Jahn
versucht eine künstliche scheidung zwischen verspellen
und verspillen
durchzuführen: verspillen, unterscheidet sich von verspellen, dasz letzteres in kleine teile spaltet und spellet, und dann auch wohl unnützerweise verthut; verspillen das schon gespellte durchbringt
werke 1, 541
Euler. bedeutung. das präfix verstärkt den schon im stammworte liegenden sinn des vernichtens und vergeudens. AA.
transitiver gebrauch ist vorherrschend. A@11)
die grundbedeutung ist '
in stücke spalten, zertrümmern'
: diffindere Haltaus 1894;
mhd. sie begunden ein ander gern vil vientliche mit den spern. der wart iewedereʒ verspilt ûf die ringe durch den schilt daʒ man diu stücke hôhe sach ûf springen Stricker
Karl 11 939
Bartsch. in übertragener verwendung schon altsächs.: al ward farspildit Sodomariki
genesis 321;
nhd. so alles aus mangel volcks beschehen: dessen der administrator, mit einnehm-, vnd besetzung anderer stAedtlein, vnd geringer oerter im ertz stifft, viel verspildet Chemnitz
kgl. schwed. krieg (1648) 151, 2. A@22)
verschütten: ahd. firspildit ist,
effusum est Steinmeyer-Sievers
gloss. 1, 645, 26; spillen
und verspillen,
verschütten, neben abfallen lassen, umkommen lassen brem. wb. 4, 951.
in Esthland verspillen,
verschütten Sallmann 29
a;
mnd. thom achten sollen de bussenschutten nen kruidt vnnutte vorspillen eder vorscheten
oldenburg. urk. von 1547
bei Schiller-Lübben 5, 455
a; vielleicht ist es nicht undienlich zu erinnern, .. die blase ja von vitrioloel entfernt zu halten, das zuweilen bey diesen operationen verspillt wird Lichtenberg
briefe 2, 100; so wie es also bey dem becher sehr viel rathsamer gewesen wAere, ihn erst so hoch als mOeglich anzufllen, und dann allenfalls das, was verdampft, oder sonst verspillt wird, mit vorsicht wieder nachzutragen, ebenso auch hier
schriften 5, 313. A@33)
an mitteln aufwenden und ausgeben, schon ahd.: expendimus Pa. farspildemes
gl. K. firspilthumes Steinmeyer-Sievers
gloss. 1, 94, 11;
expendit, farspildit 487, 37;
expendi, farspildta, farspildita 278, 64;
mnd. vtgesproken, offt de van Bremen wes vorspylden van bussen, van crude, van stenen, van pylen vnde van allem reschuppe, dat se dar myt syk hebben
brem. urk. von 1432
bei Schiller-Lübben 5, 455
a; he vorspildede dar manighe grote cost
lüb. chron. 1, 216
ebd.; vor dusse tit hadde men lange tit nicht geschattet (
schosz bezahlt) in der stad, aver nu moste men schotten, umme des willen dat men dissen dotslach aflegen mochte, und ok umme des willen dat men to voren mit dem bischope vorspildet hadden
d. städtechronik. 7, 200, 23 (
Magdeburg a. 1330);
mndl. verspilden, -spillen,
uitgeven, te koste leggen of besteden aan, verteren Verdam
hdwb. 637
a. A@44)
dann gewinnt es den sinn '
unnütz verwenden, verthun, besonders so fern solches in mehreren kleinen theilen geschiehet' Adelung;
brem. wb. 4, 951. weinich vordels beschaffet, men dat se an beyden syden grot volk und gelt vorspildet hebben
hamburg. chronik 314; eines erb. rahts vnd gemeiner stadt gelde nicht vnnützlich verspillen
braunschweig. quelle von 1598
bei Haltaus 1894; es ist zu nichts ntze, herr, zeit vnd geld zu verspilden, vmb eine solche gestalt zuweg zu bringen Bastel v.
d. Sohle
harnisch aus Fleckenland (1648) 223; kumpstu hen ynn eyn ander landt, vnd heddestu Solomonis schadt, vorwar, du wordst vorspilden dat B. Waldis
der verlorene sohn 18, 372
neudr.; ndl. zyn geld verspillen Kramer
kgl. nider-hoch-teutsch dict. 455
a; das seinige verspillen,
lacerare rem suam et confringere Stieler 2089; das geld verspillen Kramer
ital. 2, 869
c; verspillen,
prodigere, dilapidare bona Wachter
gloss. 1775; verspilten ...
dissipare, effundere, profundere ... nummos Haltaus 1894; viel geld verspilden,
unnütz in kleinen posten ausgeben, oft auch für verschwenden
überhaupt Adelung.
derselbe gebrauch ist für das niederländ. und das schwed. bezeugt. ndl. auch zyne krachten aan iets verspillen,
seine kräfte verschwenden, i. e. schwächen an etwas Kramer
kgl. niderhoch-teutsch dict. 455
a.
eine weitere übertragung liegt in der wendung worte verspillen (
vgl. verspellen): verspilten,
per metaph. dissipare, effundere, profundere verba Haltaus 1894; wie viel worte ich auch darnach verspildet
quelle v. 1598
ebd.;
ndl. veel woorden verspillen,
viel worte verschwenden, mit dem wind fechten, in den wind, ins leere hinein reden Sicherer-Akveld 1189
c. A@55)
auf die zeit angewandt, '
vergeuden': die zeit verspillen Stieler 2089; Kramer
ital. 2, 869
c; seine zeit verspilden Adelung;
mnd. he vorspildet men unnutte tît
Reinke de Vos 3879; de mesters do in den gilden mochten neyne tiit vorspilden, vor arbeyt eghede he lon
d. städtechronik. 16, 156; 'nun setz dich', sagte der deichgraf, 'damit wir nicht unnöthig zeit verspillen' Storm
werke 7, 195;
mit instrumentaler oder causaler angabe: als er, der nur die zeit mit predigen verspillt Gottsched
beyträge z. crit. historie 4, 553; weil es mir gar nicht gelegen ist, meine zeit die ich wohl besser anwenden kan, durch unnOethigen streit zu verspillen 1, 561;
auch ndl. zijn tijd verspillen
und schwed. förspilla tiden.
zeit und vortheil ungenutzt lassen: Pakorus wolte hieselbst weder zeit noch vortel verspillen, lies 350 reuter in zween hauffen ... auf die grOeste feindliche schar ansetzen Buchholtz
Herkuliskus und Herkuladisla (1665) 500. A@66)
mit dativ der person, einem andern etwas verschleudern, ihn um etwas bringen (
vgl. einem den prozesz verspielen II A 6): (
dieser unwille rührte her) van itlicker guldenen unde sulveren pande de desulven von Alvensleve in vortiden to Brunswigk Sale deme joden gesettet laten hebben unde one von dem rade to Brunswigk in des jodden schattinge vorspildet unde entfromdet schullen worden syn, so se gesecht hebben, des de rad van Brunswigk nicht bestaan heft
d. städtechronik. 16, 173
anm. 1 (
Braunschweig a. 1489);
dän. forspilde en hans lykke,
einem sein glück vereiteln Helms
wb. 122
c. A@77)
ganz vereinzelt steht die ahd. glosse: prodimur, farspildit werden
bei Steinmeyer-Sievers 2, 646, 25. BB.
selten ist intransitiver gebrauch: verkommen, unnütz umkommen (
vgl. spilden, spillen
intr. th. 10, 1,
sp. 2481).
mnd. sammelt de brosmen, dat sy nicht vorspilden
Ravensteiner quelle bei Schiller-Lübben 5, 455
a.
in der mundart von Fallersleben sagt man verspillen
von kühen, die zu früh kalben Frommanns zeitschr. 5, 295;
vgl. die folgenden wörter.