versengen,
verb. ,
brennen machen, etwas anbrennen, so dasz es zum theil, ein wenig, an der oberfläche durch die hitze oder durch den brand verzehrt wird, mhd. versengen
mhd. wb. 2, 2, 299
b. Lexer
mhd. handwb. 3, 225;
mnd. vorsengen Schiller - Lübben
mnd. handwb. 5, 442
b;
neund. fersengen ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 463
a;
nld. versenghen,
urere, adurere, ustulare; versenght,
adustus, ustulatus. Kilian 2, 724
b (1777); anbrennen, versengen,
adurere. Henisch 500, 52; vorherbrennen, versengen,
praeurere. 501, 14;
adurere, anbrennen, versengen. Corvinus
fons lat. 757 (1660); versengen,
ustulare; das har ist ihm versenget,
comae ejus igne torridae sunt; das gesicht ist ganz schwarz versenget,
igneo squalore et favilla nigra est facies ejus. Stieler 2011;
in gleicher bedeutung ansengen, besengen, versengen
bei Kramer
deutsch-it. dict. 2, 771
a b; Steinbach 2, 346
schreibt versängen: beym feuer sich die haare versängen; die haare mit einem glühenden eisen versängen; er versängt die haare auf den beinen mit schwefel; vom blitze versängt werden; unversängt.
bei Frisch: das absengen, besengen und versengen,
adustio, ambustio. 2, 264
b; versengen, '
durch sengen von den äuszeren theilen verderben'. Adelung; versengen,
durch feuer oder glühend heiszen körper an der oberfläche verderben, beschädigen; sich den rock am ofen versengen. Campe;
er kennt auch intransitiven gebrauch: an einem erhitzten eisernen ofen versengen wollene und andere stoffe leicht.
aus den angeführten zeugnissen der lexicographen ist zu ersehen, in welcher weise die bedeutung des verbums abgeschwächt und umgrenzt wird; an sich kann das wort völliges verbrennen bezeichnen: (
sie) vorhertin und vorsengetin alliʒ, daʒ darinne was. Nicolaus von Jeroschin 164
a (24059); ist Wolfenbeutel hart bedrengt? haben sie schier die rüben umbher versengt? Schade
sat. u. pasqu. 1, 58, 143; dat de kerke mit den papen vorbrand were unde sach dat hilghedom .... vorsenghet.
beleg bei Schilier-Lübben
mnd. wb. 5, 442
b;
in fester verbindung kann das wort noch heute so gebraucht werden: die feinde verheerten und versengten das ganze land.
gewöhnlich ist das wort aber eingeschränkt auf eine leichtere, auf die beginnende wirkung des feuers, der hitze, auf die wirkung an äuszeren theilen, an der oberfläche, bisweilen aber wieder stärker: zu asche brennen; in diesem stärkeren sinne auch übertragen, s. unter 2. 11)
im eigentlichen sinne. 1@aa)
wirkung des feuers oder berührter glühend heiszer körper: es wird nicht ein fewer sein, das sie nur ein wenig röste oder versenge. Luther 7, 141
b; wie faden, die das fewr versenget hat.
richter 15, 14; jr heubthar nicht versenget.
Daniel 3, 27; die haare der linken seiten sind etwas versenget von den blitzen seiner feurschieszenden augen. A. Gryphius
Horribilicribrifax 9
neudruck; wie eine alte vom blitz versengte eiche unter halb erwachsenen fichten steht. Wieland 8, 238 (
Danischmend 28); indem er den alten mit durch die flamme risz, der ihm mit versengtem barte unwillig folgte. Göthe
Wilhelm Meisters lehrjahre 5, 13 (22, 216
Weim. ausg.); der himele viur darinne (
im busche) enbran, sîn este und ouch sîn loup nie wart versenget.
minnes. 3, 55
b Hagen; rauff doch, rauff doch nicht ab die versengten haare. A. Gryphius 1, 175 (1698); ihr prächt'ges reisekleid sogar, ja alles, bis aufs hemde, war (so wie Pervontens ganze habe) bekanntlich blosze feengabe, und fiel demnach dem armen weib auf einmahl wie versengt vom leib. Wieland 18, 214; in der dunstluft unten versengt dir fliegendes feuer den bart. Voss 2, 135 (1825); ich versenge dich mit heiliger lohe! Göthe
Faust I (14, 66
Weim. ausgabe). 1@bb)
von den strahlen der sonne: die sonne versengt das gras,
dürrt es aus; vom sonnenbrand versengte fluren
u. ä. sie schieszt ihre strahlen umher, wie die sonne die ihrigen ergieszt, unbekümmert wohin sie fallen und wie sie wirken, ob sie erwärmen und beleben, oder auftrocknen, versengen und zerstören. Wieland 33, 164 (
Aristipps briefe 1, 13); muszt darum du zum Wolgastrand und Vandaliciens versengten leeden, die kinder mit stiefmütterlicher hand fortpeitschen, und der mutter haus veröden? Göckingk
ged. 3, 113 (1782), darnach sahe er sieben dünne und versengte ehern aufgehen. 1
Mos. 41, 6 (
tenues et percussae uredine. vulg.). 1@cc)
an andern stellen versteht Luther
unter versengeten ähren
gedörrte, geröstete. vgl. die randglossen zu Jos. 5, 11
und oben sange
th. 8,
sp. 1789: wie Moses schreibet im dritteu buch, das man solt versengete und gederrete ehren nemen, und zustoszen, und auff den altar legen.
schriften 4, 33
b. 22)
freierer, bildlicher gebrauch und übertragene anwendung; hier gern in kräftigerem sinne: grosz zu pralen, und meine stille tugend am licht der bewunderung zu versengen. Schiller
kabale u. liebe 2, 3; (
der) die gefühle des herzens an dem kalten lichte des verstandes versengt hat. Klinger 3, 128; mich mit empfindungen zu schmücken, die ich mit fleisz versengte.
theater 4, 155 (1787); ihre gegenwart, ihr schicksal, ihre teilnehmung an dem meinigen preszt noch die letzten thränen aus meinem versengten gehirne. Göthe
die leiden des jungen Werther 2 (19, 153
Weim. ausg.); secht des wart ime sin reine brust versenget von der hitze (
der begierde).
pass. 294, 32
Hahn; komm nit zu streng, mich nit verseng, nit brenn mich gar zu kohlen. Spee
trutznachtigall 5, 29
Balke; wer nie sein hirn erfror, wems nie der sternenhund versengte. Gotter
ged. 1, 300 (1787); flieht! eh' euch der rache zackenblitz versengt. Schubart
ged. 2, 47 (1829); das holde geschöpf, das mich versengend erquickt. Göthe 1, 233
Weim. ausg.; kennst du das herrliche gift der unbefriedigten liebe? es versengt und erquickt, zehret am mark und erneut'
s. 349. 33)
besonderes. 3@aa)
auch der frost versengt
die pflanzen: eine blume ... in ihrer entwicklung vom reif versengt. Wieland
suppl. 4, 49 (
Timoklea); frühzeitige triebe ... durch milden himmel hervorgelockt, werden durch nachfolgende kälte versengt. Voss
Virgilius ländl. ged. 1, 355 (1797); dasz einschleichender regen sie nicht, und der heftigen sonne ungestüm, noch des nords durchdringender frost sie versenge (
aut Boreae penctrabile frigus adurat. georg. 1, 93). 3, 10 (1800); der flühluft hatte die blüthe versengt. Gotthelf
schuldenbauer 210 (1854).
dann von pflanzen, die das erdreich ausdörren, auszehren: denn es versengt leinsaat das gefild', es versengt sie der haber (
urit enim lini campum seges, urit avenae. Virg. georg. 1, 77.) Voss
Virgils ländl. ged. 3, 9 (1800); 3@bb) versengt,
sphacelatus, '
sind sehr trockenheutige und strohartige pflanzengebilde, z. b. hüllenblättchen mancher pflanzen oder blumenkronen einiger syngenesisten.' Behlen
lex. d. forst- u. jagdkunde 6, 138. 3@cc) sich versengen
heiszt bei den jägern so viel als sich vermauszen,
die mausze beenden, die alten federn abwerfen und neue bekommen. Kehrein
wb. d. weidmannssprache 309.