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verschämen

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verschämen verb.

Bd. 25, Sp. 1056
verschämen, verb. in scham versetzen. 11) wie Reinhart wollent jr mich verschemen. Aimon bog. f 3; frauwen und jungkfrauwen schwächen und verschämen. Tacius in Fronsp. kriegsb. 3, 226. das zeitwort ist erstorben, nur noch mundartlich z. b. Stalder 2, 308. in alter zeit war dasselbe beliebter und häufiger. so im mhd. verschemen, wo neben dem oben erwähnten transitiv auch ein intransitiv 'in scham versinken' und ein reflexiv sich zeigt: ob dû denne niht gerner von einem menschen verschamest denne an deme jungesten tage vor aller der werlde. Berth. v. Regensburg 571, 33; mîn dienst gelebet noch diu zît, daʒ ir mich zeinem friwende nemt. ir möht iuch nu wol hân verschemt. Wolfram Parz. 90, 4 Lachmann; aus dem mnd. bringt Schiller-Lübben zahlreiche belege (5, 433b) für die transitive bedeutung. 22) in unserm nhd. haben wir auszer dem obigen reste, sowie mundartlichen überbleibseln nur noch das partic. prät. verschämt, das aus seiner participialen bedeutung ganz in die adjective übergetreten ist. verschämt ist darum derjenige, der in scham, schande gekommen ist. oben 8, 2117 ist nachgewiesen, dasz das wort scham eine doppelte bedeutung hat, eine objective und eine subjective. die objective scham ist die scham, die man, die welt, vor jemand hat; es ist in schlimmer bedeutung, so entspringt verschämt als in schande versunken, vor dem man scham empfindet. scham in subjectiver bedeutung ist die scheu die jemand hat, sich der objectiven scham auszusetzen, verschämtheit, und gilt sittlich als eine tugend. hieraus entsteht verschämt, der die öffentliche beschämung meidet. die subjective, das gefühl der scham, das mir bei den thaten eines andern kommt 'unangenehme sich abwendende empfindung bei wahrnehmung von etwas'. Weigand wörterb. 3, 620. beide bedeutungen sind im nhd. in dem participialen adjective vertreten. 2@aa) verschämt gleich heutigem unverschämt, der die öffentliche schande auf sich geladen: du würdest sehen deinen verschämpten schwantz. Cyrill bl. 77; und ist es nicht ein verschempte lesterung und schmach des heiligen geistes? das sie diesen schönen text .. ziehen und deuten auff eitel eusserlich ding. Luther 7, 190b; das verschampt eerlosz verwegen weib (Rosimunde) gibt gleich den willen darein. Frank chron. (1539) 60a; derhalb ein bischoff, der sein ampt .. nit verwalt, noch seinem namen gnuog thuot nit ein bischoff, sunder ein verschempter hund zuo achten sei. 383a; eyn verschamte stirn, prostituta frons. Dasyp. 232a; adieu welt! wer mit dir redet, wird verschamt. Simpl. 2, 111, 25; der Beelzebub alsbald dahinder lasz zusamen das ärgste geplünder, nähts forn zur spitzschlacht ins spitz ghürn, als die verschamt hörnin hurnstirn, vernähet drein abgötterel, verblendung und verzauberei. Fischart 2, 263, 853 Kurz; bücher haben auch ihr glücke: wenn sie nicht gesaltzen seyn, faszt man dennoch gute würtze, pfeffer oder saffran drein, kümmt es dir, ich bin zu friede, liebes buch, nur auch so gut wann mit dir nur in geheime niemand was verschämtes thut. Logau 2, 157, 96 (361 Eitner). 2@bb) der subjectiv die scham besitzt, der die furcht hat bei andern wegen etwas ihn in ihren augen herabsetzenden eine schlechte meinung zu erzeugen: das verschämte mädchen, der verschämte arme (der aus furcht als arm erkannt zu werden, seine armut nicht bekennt); nach dem bericht dieses geschichtsschreibers war August mit dem dichter so vertraulich, dasz er ihn oft im scherze purissimum penem und homuncionem lepidissimum nannte. der verschämte pastor Lange giebt das erste beywort durch einen artigen bruder Lüderlich. Lessing 4, 12; so bist du doch zum fenster hineingestiegen und die nachbarn habens gesehen, meinst du ihre zunge wird so verschämt seyn, wie deine hand es vielleicht gewesen ist? Lenz 1, 56; da war ein knäblein ... der hatte die schöne gütige dame auch gar sehr lieb; doch als er gröszer wurde, wurde er verschämt und schüchtern und wagte zuletzt gar nicht mehr perlen aufzulesen. Bechstein mährchenbuch (1845) 195; verschämtere bewerber aus dem künstler- und gelehrtenstand. Spielhagen 18, 50. beliebt ist heute die zusammensetzung mit un, z. b.: dann kein gröszer fräud man findt, als, allzeit böses zu lehrnen sein gesint, zu trincken geschwindt, zu unverschampter sachen ein kind, inn der ehe blind. Garg. 275 (1590); verschämte muse, sags nicht nach was ein erhabnes ungeheuer zu einem frommen weibe sprach! Gellert 1, 240; verschämt mit halb geschlosznem blick nickt ihm das mädchen zu. Wieland 18, 280. adv.: die vielen kenntnisse, die sie besitzt, blicken, wo es unschicklich wäre sie verläugnen zu wollen, so verschämt unter dem schleier der bescheidenheit hervor, dasz .. Wieland 38, 226; er nahm .. verschämt die hände der freunde und drückte sie ihnen, damit er nicht sprechen müsse. J. Paul 21, 13. von dingen und zuständen: das verschämte elend zu suchen, verhehlte thränen zu trocknen. Schiller 311; und herrlich, in der jugend prangen, wie ein gebild aus himmelshöhn, mit züchtigen, verschämten wangen sieht er die jungfrau vor sich stehn. lied v. d. glocke; denn des verschämten busens flor, den shawl mit rosaband verlor sie auf dem luftweg ihrer reise. Thümmel d. heil. Kilian 4; er beschattet eine hütte die verschämt sich in die erde halb versteckt: wie furchtsam flehend schaut dich an das arme strohdach. H. Heine 17, 62; schön ist die armuth. wenn sie keusch verhangen, in rohen sturm als eine jungfrau schreitet, die hüllen sorglich um die blöszen breitet, den feind besiegend mit verschämten wangen. Lenau neue ged. 13. 33) reflexiv: pudicitiam habet in propatulo, sie hat sich verschempt. Dasyp. 91a; sich verschämen, alle scham hindan setzen, depudere, pudorem abjicere. Calepin (1570) 417; wer sich verschempt, dem ist nicht zuvil und nicht sünd, dann was der hencker strafft. Frank sprichw. (1541) 1, 44b; nach zween tagen, als er sich etwas verschembt, fieng er allgemachest an, umbstendt zu suchen, wie er füglich an mich kommen möcht. Thurneisser nothgedr. ausschr. 2, 16 (1584). 44) durch schämen verlieren, nicht erringen, transitiv: last euch das alte lied vom schämen nicht bethören. ein gar zu blödes aug', als offtmals ist geschehn, hat das, was ihm gesollt, versaumt, verschämt, versehn. Logau 2, 12, 37 (234 Eitner).
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verschämenv., ntr, rec, trs

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Verschämen , v. I) ntr . mit haben und rec . 1) Sich sehr schämen, wo ver eine Verstärkung des Begriffs anzeigt. I diese…

  2. modern
    Dialekt
    verschämen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verschäme n 1. verunstalten, entstellen. Di e Wun de verschämt ih ne M. Vgl. verschände n . 2. öffentlich beschimpfen, v…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verschaemen

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Ableitung von verschaemen

ver- + schaemen

verschaemen leitet sich vom Lemma schaemen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verschaemen 2 Komponenten

versch+aemen

verschaemen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — verschaemen kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verschaemen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verschaemen/dwb?formid=V03462
MLA
Cotta, Marcel. „verschaemen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verschaemen/dwb?formid=V03462. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verschaemen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verschaemen/dwb?formid=V03462.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„verschaemen"},
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