verkappen,
verb. mittels einer kapuze, einer mütze verdecken, unkenntlich machen. nachgewiesen seit beginn des 16.
jh.; in den wörterbüchern zuerst bei Stieler 1103
aufgeführt. zusammensetzung zu dem seltneren kappen (
theil 5, 197),
dessen bedeutung nicht wesentlich in der zusammensetzung geändert wird. 11)
mit einer kappe, kapuze versehen: mancher ist verkappt inn ein mönchskutt, trägt doch ein Mönch Ilsungischen landsknechtsmut, mancher trägt ein pfaffenschlappen, trüg billicher ein reuterskappen.
Garg. 31 (1590).
weidmännischer kunstausdruck den falken verkappen,
dem falken eine kappe aufsetzen. Adelung 4, 1452. Kehrein
weidmannsspr. 305; die augenverkappen: einer ist auf dieser erden gleich einem falken, dessen augen verkapt sind. Olearius
pers. baumgarten vorr.; bildlich: so läszt er vom manne, dem er den raub überläszt, sich wieder die augen verkappen. Stolberg 7, 114. 22)
mit einer kappe (
abschlieszenden spitze)
besetzen: strümpfe, stiefel verkappen. 33)
durch verkleidung unkenntlich machen: der Chrysippus verkapte einen alten mann, führte seinen sohn hernach in das gemach und fragte, ob er auch seinen vatter kenne? er sagte: ja. da sagte Chrysippus: kennestu den mann, der allda verkapt und vermummet ist? Schuppius 815.
besonders oft partic. prät. und partic. constructionen: so waren über zwanzig verkappte nachträuber umbs haus herumb.
polit. stockf. 210; könnte es nicht einer von den verkappten räubern gewesen seyn? Lessing 1, 331; zu Delfi fehlte wenig, dasz sie ihn den nachstellungen eines verkappten Apollo preis gegeben hätte. Wieland 2, 222; der verkappte herr da mag sich die ehre anthun für herrn Burchel zu gelten. Göthe 25, 348; (
man) muszte sich denn mehr, als sonst geschehen wäre, unter die verkappte menge (
des carnevals) hinunter drängen, welche denn trotz aller künstlerischen ansicht oft einen widerwärtigen unheimlichen eindruck machte. 29, 285; diese hülle (
pekesche mit schnüren) hatten sich mehrere durch den krieg versprengte preuszische officiere zu einer interimsuniform beliebt .. indessen hatte man in Carlsbad einige dieser verkappten officiere ausgewittert, und nun deutete gar bald dieses ausgezeichnete costüm auf einen Preuszen. 32, 23; jetzt wimmelte es in jeder ansehnlichen stadt von verdächtigen ankömmlingen, verkappten spionen. Schiller
hist.-krit. ausg. 7, 211; es musten sich die waaren, der kauffmann noch dazu mit groszer angst befahren, dasz sie der räuber rott auf teufels ahrt verkapt in grühner heid ergriff und alles guht erschnapt. Rist
Parnasz 836; verkappter Lucifer, das hilft dir nichts, dein urtheil ist gesprochen! Wieland 10, 340; ich wäre dann aufs sicherste verkappt dabei und hinge stets den schleier vor. Platen 268 (4, 59: 1848); hier steh ich verkappt als brittisches weib; doch kommt mir das englische hart
an. 271 (4, 67: 1848).
bildlich: narren, die sich mit ihrer narrheit brüsten, auf der andern seite verkappte heuchler, denen die kutte entnommen werden musz. Herder
lit. u. k. 11, 192 (1821); es ist spaszhaft, wie die verkappten pfäffchen jetzt .. mit der rothen Jacobinermütze koketieren. H. Heine 8, 69.
von verzauberten, in andere gestalt verwandelten: Dämonassa .. wurde, je länger sie dieselbe beobachtete, durch tausend kaum merkliche kleinigkeiten, die den verkappten centaur verriethen, in ihrer vermuthung bestärkt. Wieland 38, 123; der verkappte Föbidas .. war eitel genug alles .. zu seinem vortheil zu deuten. 38, 124.
mit angabe dessen, wohinein man sich vermummt: wenn auch verkappt in einen gaunerkittel. Platen 100 (2, 124: 1848).
selten von dingen: ihr blindes volk, wie seyd ihr so bethöret? wie, dasz ihr der gerechtigkeit verkaptes bild, den blinden götzen ehret? Lohenstein
Agrippina 18.
übertragen, verstecken, verbergen: einige, die mich rezensieren müssen und die den geschlechtnamen eines autors ausplaudern und ihren eignen verkappen. J. Paul 17, 16;
partic. prät.: ich zwar sagte, der teutsche name Mummelsee gebe genugsam zu verstehen, dasz es um ihn wie um eine mascarade ein verkapptes wesen sei.
Simplic. 1, 50, 20
Kurz; siehe auch
hievon den verkapten Alexandrum Patricium Armacanum in Marte Gallico c. 2, p. 20. Hahn
historie 1, 13
not. p; unser vater ... brachte endlich ... einen talismanischen spiegel zu stande, der die wunderbare tugend besitzt, reine liebe von verkappter eigenliebe durch ein untrügliches zeichen zu unterscheiden. Wieland 38, 88; alle verirrungen des menschlichen verstandes, alle gräuelvolle scenen, die von wilden oder verkappten leidenschaften gespielt worden, aller verlarvte betrug musz .. zuletzt auf grundsätze der wahrheit führen. Herder
phil. u. gesch. 7, 15 (1820); in ihr (
der hofwelt) mag alles aus verkappter eigenliebe gedacht, gesagt, geheuchelt und gethan werden, wäre deszhalb eigenliebe das einzige princip aller menschlichen handlungsweise?
lit. u. kunst 12, 39; am fernsten sei von uns bettelnde ruhmsucht, schulen- und kabalenmacherei, und wenn uns diese nicht gelingt, verkappter groll, kriechende verläumdung. 12, 475; heimliche, für Engländer gehaltene emigrirte, verkappte vornehme und wer sonst noch zu bemerken wäre, machen ein barockes bild, das auf die nachwelt zu kommen verdient. Göthe 32, 109.
mit angabe dessen, womit man verkappt ist: der gelehrte Menage hat unter seinen lateinischen gedichten eine vortrefliche und scharfe satyre auf den unter dem namen des Gargils verkappten Monmort. Günther 491.
reflexivum, sich verkappen,
velare caput, aliam personam induere, rica abscondere faciem. Frisch 1, 500
c; da hub er an zu sinnen auf arge list und trug. ihn dünkt, sie zu erschnappen, seys noth, sich zu verkappen. Bürger 22
a.
mit angabe der verkappung: denn ich hatte mich gleich einem bergmann verkappet.
Jucund. 150.
übertragen: dieser schwur auf seinem baume, vor einem solchen vater sich ewig zu verkappen. J. Paul 26, 68; die welt bleibt immer welt, wie sehr sie sich verkappet. Chr. Gryphius
poet. w. 2, 135; der teufel, der sich in einen schafbock mit langem schwanz verkappt! Hölty 12. 44) verkappen,
hammeln Weber
termin. öcon. wb. nachtr. 78.
zu kappen (
kapaunen)
theil 5, 197.