verblühen,
verb. bis zu ende blühen, welk werden, ahd. farbluojan Graff 3, 241,
aus dem Notkerischen ferbluot
erschlossen; mhd. verblüejen. ver
hat hier die bedeutung fort, bis zu ende: verblühen,
aus voller entfaltung zur verwelkung übergehen. 11)
von pflanzen: ich verblüe,
defloresco, ich heb an zu verblüen,
effloresco Dasyp. 76
c; verblüyen, das bluost verlieren,
deflorescere. Maaler 415
a; der baum verblüht in 8 tagen. Steinbach 1, 139; der schöne frühling war dagegen für andre dinge gut, zum beispiel für die obstbäume, die konnten vortrefflich verblühen. Keller
sinnged. 21; früh grünen sie (
die menschen), wie grasz die zier der wälder, das bald verwelckt, das in dem morgen stehet und stracks verblüht. Opitz
psalmen 173; verblühet, ihr lauben, wo wir mit innigkeit sprachen von gott und unserer freundschaft. Klopstock
Mess. 2, 766; jetzo fühlst du noch nichts von dem elend, wie grazien lacht das leben dir. auf, und waffne dich mit weisheit! denn, jüngling, die blume verblüht. Klopstock 1, 190; kühle quelle, höre auf zu wallen und vertrockne, dasz diesz immergrün sterb, und alle blumen stracks verblühn. Wieland 18, 323; die leidenschaft flieht, die liebe musz bleiben. die blume verblüht, die frucht musz treiben. Schiller
lied von der glocke; ich seh den sturm schon kommen, seh die blüthe schnell verblühn. Herder
z. lit. (1821) 15, 217;
bildlich: ich habe nichts gesagt vom garten des endes, von dem verblühenden boden abgelaubter freudentage. J. Paul 10, 189; Sebastian hatte weiter nichts zu thun, als in einer sonderbaren kälte, die auf dem ... wege nur durch einige stiche von den alten dornigen spätlingen seines verblühten paradieses untermischt wurde, .. zu gehen. 8, 119. 22) verblühen,
von menschen gesagt. das wort ist nicht eigentlich abstract geworden, wir fühlen vielmehr das bild immer noch durch und so ist verblühen
hier sowol wie in nr. 3
vorzüglich ein poetisches wort geblieben. 2@aa)
von menschlichen körpertheilen: die wangen verblühen und verwelken,
daher welker körper
und ähnliches: ihre sonnenrothe wangen, ihrer augen güldnes licht und ihr himmelrund gesicht sol hie neuen pracht erlangen. pracht, der ewig nicht verblüht und nicht herbst noch winter sieht. S.
Dach 444
Öst.; soll ich sehen des sterbenden angst, die brechenden augen und die todesblässe der wangen, die jetzo verblüht sind? Klopstock
Mess. 5, 542; bald bleicht die kalte furcht die frühverblühten wangen. Wieland 37, 91; und zum erbarmen verblühn ihr in gram die reitzenden wangen. Voss
Odyssee 8, 530,
keine übersetzung, denn griechisch φθινύθουσι παρειαί; vom vergehen körperlicher reize: die wenigen reize, welche vielleicht heute ihr wohlgefallen erregten, werden morgen verblüht sein. Kotzebue
theater (1840) 1, 230;
selten nur von vorübergehendem abnehmen des frischen aussehens: als um Lukas ohren jetzt die worte 11000 Georgsd'ors .. flatterten, stand sein gesicht .. wie zergangen und verblüht da. J. Paul 26, 81. 2@bb)
von den menschen selbst. schon seit alter zeit werden die menschen und ihre geschlechter den pflanzen verglichen, vergl. Homer Il. 6, 146;
körperlich zurückgehen: die orientalinen verblühen schneller als die frauen des abendlandes; Wandstabler hatte drei töchter, deren ... eine die andere so in jahren ablöste, dasz immer, wenn die eine verblüht war, die andere sich .. frisch aufschlosz. Gutzkow
ritter 3, 39; noch in zwanzig jahren, wenn gewisse kleine zopfige puppenköpfe längst verblüht und verhutzelt sind, sieht die noch so aus, dasz .. Heyse
paradies 1, 91; wie die (
brautwitwenthränen) zu flieszen aufhörten, war ich eine unhübsche, rasch verblühte person. 1, 121; unter den augen der (
spartanischen) nation reifte die jugend heran, und verblühte das alter. Schiller
hist.-krit. ausg. 9, 153;
an macht und einflusz zurückgehen: Juxton. Churpfalz ist höchst bemüht, mein könig! ihn zu sehn.
Car. den könig der verblüht? A. Gryphius 2, 395
Palm (
Stuard 2, 519);
so von herunterkommenden geschlechtern: ein längst vernachlässigtes in verfall gerathenes besitzthum verblühender familien. Göthe 23, 16.
daher auch sterben: bei mondenschein ward dann erst diese kaledonische nacht zum tage, untergegangene helden, verblühte mädchen umschwebten uns. Göthe 26, 219; so wills der gebrauch der sterblichen, wann sie verblüht sind. Voss
Odyssee 11, 218;
von vorübergehendem zustande, selten: ach Trudchen wie voll angst und noth verblüht' in todesblässe. Bürger 54
b. 33)
von andern dingen, besonders gern von zeiträumen: aber sie sind nun dahin, die gedanken der frommen entzückung! wie ein lächelnder frühling verblüht, die blume des lebens bald im hoffenden jünglinge stirbt, vor der reife der jahre! Klopstock
Mess. 4, 1037; von pol zu pol erschallt die klage: zu schnell verblühn des menschen tage. Gotter 1, 436; schon hat der lenz verblüht und ausgesungen. Lenau 46,
vergl. frühwelkender lenz Hölty 56
Voigts. dasz sich die verblühte jugend, ihm erneu im liebestraume. Rückert 4, 95; freuden verblühen: so bald verblühn auch die unschuldigsten der lebensfreuden. Herder 6, 7; die sonne verblüht,
geht unter: er stellte sich mit wehmüthiger sehnsucht auf das nackte grab .. und sah in die verblühende abendsonne. J. Paul 4, 45.