urquell,
m. , quell
mit ur- C 4 c,
ist erst frühnhd., und zwar in der form urqual (
schatzbehalter [1491] 351
b; B. Federman
Niderlands beschreibung [1580] 24
a;
vgl.quall)
nachzuweisen, woneben schon im 16.
jh. urquell
erscheint; das 17.
jh. verzichtet fast auf das auch früher unhäufige wort, das dann seit der mitte des 18.
jhs. im gewählten stil oft verwendet, völlig eingebürgert ist. vgl. grundquell, -quelle.
ein schw. dat. sing.: in diesem uhrquellen G. Arnold
geheimnisz der göttl. sophia (1700) 2, 55.
ein f. ist unsicher (zu der urquell Brockes
vergnügen 4, 303;
sammlung v. schauspielen [1764
ff.] 4, 84),
weil mit abgeworfenem flexions-e
zu rechnen ist. ein plur. die urquellen hiervon Krämer
seehelden (1681) 724
ist wegen des späten auftretens von urquelle
nicht unwahrscheinlich, im übrigen ungewöhnlich ( Adelung)
und mit dem plur. von urquelle
zusammengefallen. 11)
eigentlich: allda zu gleicher weisz die zwen flüsz Somma und Sambra ihren uhrqual nemmen B. Federman
Niderlands beschreibung (1580) 24
a; '
ein quell, welcher seit undenklichen zeiten aus einem berge rieselt und sich im fortrieseln zu einem groszen flusse heranbildet' Krünitz 202, 344.
im eigentlichen sinne ist urquelle
gebräuchlich [] geworden, urquell
veraltet. doch halten viele verbindungen (
bed. 2)
die sinnfällige grundvorstellung fest; z. b.: anbetung ihm ..., anbetung, dasz aus dem tiefen urquell, wie er es leitet, der sittlichen handlungen ozean herüberströmt Klopstock
oden 2, 12
M.-P.; Tiedge 1, 138; Rückert 8, 484; nur den u. alles seins haben wir gemeinschaftlich fürst Pückler
briefw. 1, 313; manchmal hab ich mich gewundert ..., wie sie (
d. dichter) ein paar blaue augen zum mittelpunkte eines lebens machen konnten, das nach dem urquell alles lebens lechzt H. Laube 8, 90;
daher attribute wie tief Klopstock
oben, rein Tieck 20, 241, voller strömend Justi
Winckelmann 1, 238, fremd G. Freytag 17, 35
und die verbalen verbindungen flieszen Lose
schattenrisse 1, 83, im urquell baden Gerstenberg
ged. eines skalden 359
lit. denkm., die fantasie erfrischen J. H. Voss
antisymb. 1, 33, am urquell schöpfen
M. v. Ebner-Eschenbach 6, 115. dasz dieses volkes blut noch soviel u. durch die adern führt! Kolbenheyer
Paracelsus 3, 11
u. s. w. 22)
uneigentlich. 2@aa)
in kirchlich-theologischen vorstellungen, besonders von gott, Christus: der du bist ... der urqual aller süszigkeit (
fons dulcedinis)
schatzbehalter (1491) 351
b; lieb ist nichts denn glut und streben, sich zum urquell zu erheben A. Gryphius
bei Campe; in summa, nichts kan ich erdenken noch sehen, es ist mir in diesem uhrquellen gegeben G. Arnold
d. geheimnisz der göttl. sophia (1700) 2, 55; gleichwie er nemlich der u. aller ding ist, so ist auch alle gründliche erkänntnisz aus dem erkänntnisz gottes zu leiten Leibnitz
d. schr. 2, 35; ach, dasz ihr den zu tödten übergebet, aus dem des lebens urquell flieszt (
Christus) J. v. Pietsch (1740) 387
B.; dort aber werden wir gewisz den urquell aller weisheit finden Triller
poet. betrachtungen (1750) 6, 389; gottheit, schöpfer, der ewigkeit urquell Wieland I 2, 7
ak. ausg.; den hohen namen ... des urquells der gottheit und aller schöpfung Herder 9, 7
S.; 9, 282
S.; u. aller weisheit 9, 314
S., aller güte Pfeffel
poet. versuche 4, 41, des lichtes Matthisson 1, 19; Hebbel I 7, 78
W.; 6, 294
W.; die entzweiung der seele mit ihrem urquell Vischer
ästhetik 2, 486;
zusammensetzung: urquellrein Chr. Schreiber
religion 13. 2@bb)
diese vorstellungen werden dann im philosophischen und allgemeinwissenschaftlichen denken sowie in der poesie erweitert: den u. des schönen Winckelmann 2, 104; Herder 24, 350
S.; religion ..., wobei jedoch gott als u. des schönen ... erscheint Göthe 46, 61
W.; Justi
Winckelmann 1, 65; Scherer
literaturgesch. 415; urbild und u. des guten Wieland
Agathon 1, 289; nun gut, es sei dir überlassen! zieh diesen geist von seinem urquell ab Göthe
Faust 324; du (
Venus Urania) wohnst bei mir, urquell der natur 16, 144
W. (
künstlers erdenwallen); wo ist der urquell der natur, daraus ich schöpfend himmel fühl und leben in die fingerspitzen hervor? 2, 186
W.; IV 12, 311
W.; den eigentlichen u. der erscheinungen II 5, 1, 266
W.; entoptischer farben u. III 6, 241
W.; man hat ... keine wahl, sondern ist genöthigt, der absoluten einheit der vollständigen realität als dem urquell der möglichkeit seine stimme zu geben Kant 3, 394
ak. ausg.; eine ... ursprüngliche denkkraft, der u. aller gedanken Herder 16, 478
S.; wohl dem, der da vermag, der dinge urquell (
causas) zu forschen Jung-Stilling
georg. 2, 490. 2@cc)
allgemein ursprung, ursache, grund, ausgangspunkt, herkunft u. dgl. oft mit bewuszter bildlichkeit: summa es ist ein urquell aller verkerung und triegerei im bapstthumb Nigrinus
alte neue zeitunge (1587) A a 4
b; die urquellen
[] hiervon (
den händeln) waren theils verborgen, theils offenbar
M. Krämer
seehelden (1681) 724; der sonne als dem urquell der fruchtbarkeit Winckelmann 7, 396; und doch flieht deinen geist der urquell jener freuden, die mit geringer lust die niedern wesen weiden Wieland I 1, 20
ak. ausg.; urquell aller frohen lieder, schutzgott aller frohen brüder, freudegeber wein! Ebert
episteln (1789) 235; die tradition ... bis zum urquell zu verfolgen Herder 13, 413
S.; der u. unsrer wirkungen Heinse 4, 181
Sch.; kühle nächte, die der meisten feldkrankheiten u. sind Jul. v. Voss
gesch. m. milit. laufbahn 2, 278; sanskrit ... als der u. der sprachen W. v. Humboldt
an Welcker 47; der urquell deiner sünde war der stolz Raupach
dram. w. ernster gatt. 2, 41; jammers u. Droysen
Äschylus 49; die arbeit ... als u. des vermögens Lassalle
ausgew. reden u. schr. 3, 90; L. ... ist der gänzlich ausgeleerten reisekasse durch einen zuschusz beigesprungen, dessen u. auszer ihm nur
F. allein zu kennen scheint Holtei
erz. schr. 28, 54; sein (
des dichters) verständiger sinn durchdringt alles klar und besonnen bis auf den u. R. Wagner 4, 147; der u. der bewegung einer welt versiegte 9, 121; (
der deutsche geist) nach seiner heimkehr zum urquell seines wesens Nietzsche 1, 140; vielleicht lag hier der u. dieser zustände Storm 5, 244; Am u.,
monatsschrift f. volkskunde 1890; Pilsener u.,
ein bier. 2@dd)
von personen: wenn ... das athenische volk seinen unwillen gegen den mann wandte, den es als den urquell alles dieses übels ansah ... A. G. Meiszner
Alcibiades 2, 184; dasz ich des zaubers meisterinn und alles unheils urquell bin Bürger 302
B.; der kaiser, der u. der gerechtigkeit Ranke
s. w. 7, 131; unvermeidlicher weise wandte sich die verfolgung nun auch gegen den mann, der ... als der u. der bäche des verderbens, die über die kirche dahergeströmt seien, bezeichnet wurde 16
2, 23.
ungewöhnlich als logisches object: die versöhnung der idee mit ... dem nein, dem urquell der philister Brentano 5, 394. 2@ee)
kaum üblich von thieren: der u. aller veredelung ... ist das orientalische vollblutpferd gewesen v. Alten 4, 561. 2@ff)
von schriftstücken und büchern: dieweil nun die augspurgische confession beides thut, zeiget uns die fundgrube und urquel unser lehr Nigrinus
papist. inquisition (1582) g 2
a; zwey äuszerst verschiedene angaben: eine bey Livius, der u. der allgemein herrschenden meinung Niebuhr
röm. gesch. 2, 258; dem authentischen urquell der bibel Gutzkow 10, 95; die abenteuer ... des schlauen Odysseus aus dem urquell (
original) genieszen (
vgl.quell 3 d) Holtei
erz. schr. 6, 181.