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urquell

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

urquell m.

Bd. 24, Sp. 2497
urquell, m. , quell mit ur- C 4 c, ist erst frühnhd., und zwar in der form urqual (schatzbehalter [1491] 351b; B. Federman Niderlands beschreibung [1580] 24a; vgl.quall) nachzuweisen, woneben schon im 16. jh. urquell erscheint; das 17. jh. verzichtet fast auf das auch früher unhäufige wort, das dann seit der mitte des 18. jhs. im gewählten stil oft verwendet, völlig eingebürgert ist. vgl. grundquell, -quelle. ein schw. dat. sing.: in diesem uhrquellen G. Arnold geheimnisz der göttl. sophia (1700) 2, 55. ein f. ist unsicher (zu der urquell Brockes vergnügen 4, 303; sammlung v. schauspielen [1764 ff.] 4, 84), weil mit abgeworfenem flexions-e zu rechnen ist. ein plur. die urquellen hiervon Krämer seehelden (1681) 724 ist wegen des späten auftretens von urquelle nicht unwahrscheinlich, im übrigen ungewöhnlich ( Adelung) und mit dem plur. von urquelle zusammengefallen. 11) eigentlich: allda zu gleicher weisz die zwen flüsz Somma und Sambra ihren uhrqual nemmen B. Federman Niderlands beschreibung (1580) 24a; 'ein quell, welcher seit undenklichen zeiten aus einem berge rieselt und sich im fortrieseln zu einem groszen flusse heranbildet' Krünitz 202, 344. im eigentlichen sinne ist urquelle gebräuchlich [] geworden, urquell veraltet. doch halten viele verbindungen (bed. 2) die sinnfällige grundvorstellung fest; z. b.: anbetung ihm ..., anbetung, dasz aus dem tiefen urquell, wie er es leitet, der sittlichen handlungen ozean herüberströmt Klopstock oden 2, 12 M.-P.; Tiedge 1, 138; Rückert 8, 484; nur den u. alles seins haben wir gemeinschaftlich fürst Pückler briefw. 1, 313; manchmal hab ich mich gewundert ..., wie sie (d. dichter) ein paar blaue augen zum mittelpunkte eines lebens machen konnten, das nach dem urquell alles lebens lechzt H. Laube 8, 90; daher attribute wie tief Klopstock oben, rein Tieck 20, 241, voller strömend Justi Winckelmann 1, 238, fremd G. Freytag 17, 35 und die verbalen verbindungen flieszen Lose schattenrisse 1, 83, im urquell baden Gerstenberg ged. eines skalden 359 lit. denkm., die fantasie erfrischen J. H. Voss antisymb. 1, 33, am urquell schöpfen M. v. Ebner-Eschenbach 6, 115. dasz dieses volkes blut noch soviel u. durch die adern führt! Kolbenheyer Paracelsus 3, 11 u. s. w. 22) uneigentlich. 2@aa) in kirchlich-theologischen vorstellungen, besonders von gott, Christus: der du bist ... der urqual aller süszigkeit (fons dulcedinis) schatzbehalter (1491) 351b; lieb ist nichts denn glut und streben, sich zum urquell zu erheben A. Gryphius bei Campe; in summa, nichts kan ich erdenken noch sehen, es ist mir in diesem uhrquellen gegeben G. Arnold d. geheimnisz der göttl. sophia (1700) 2, 55; gleichwie er nemlich der u. aller ding ist, so ist auch alle gründliche erkänntnisz aus dem erkänntnisz gottes zu leiten Leibnitz d. schr. 2, 35; ach, dasz ihr den zu tödten übergebet, aus dem des lebens urquell flieszt (Christus) J. v. Pietsch (1740) 387 B.; dort aber werden wir gewisz den urquell aller weisheit finden Triller poet. betrachtungen (1750) 6, 389; gottheit, schöpfer, der ewigkeit urquell Wieland I 2, 7 ak. ausg.; den hohen namen ... des urquells der gottheit und aller schöpfung Herder 9, 7 S.; 9, 282 S.; u. aller weisheit 9, 314 S., aller güte Pfeffel poet. versuche 4, 41, des lichtes Matthisson 1, 19; Hebbel I 7, 78 W.; 6, 294 W.; die entzweiung der seele mit ihrem urquell Vischer ästhetik 2, 486; zusammensetzung: urquellrein Chr. Schreiber religion 13. 2@bb) diese vorstellungen werden dann im philosophischen und allgemeinwissenschaftlichen denken sowie in der poesie erweitert: den u. des schönen Winckelmann 2, 104; Herder 24, 350 S.; religion ..., wobei jedoch gott als u. des schönen ... erscheint Göthe 46, 61 W.; Justi Winckelmann 1, 65; Scherer literaturgesch. 415; urbild und u. des guten Wieland Agathon 1, 289; nun gut, es sei dir überlassen! zieh diesen geist von seinem urquell ab Göthe Faust 324; du (Venus Urania) wohnst bei mir, urquell der natur 16, 144 W. (künstlers erdenwallen); wo ist der urquell der natur, daraus ich schöpfend himmel fühl und leben in die fingerspitzen hervor? 2, 186 W.; IV 12, 311 W.; den eigentlichen u. der erscheinungen II 5, 1, 266 W.; entoptischer farben u. III 6, 241 W.; man hat ... keine wahl, sondern ist genöthigt, der absoluten einheit der vollständigen realität als dem urquell der möglichkeit seine stimme zu geben Kant 3, 394 ak. ausg.; eine ... ursprüngliche denkkraft, der u. aller gedanken Herder 16, 478 S.; wohl dem, der da vermag, der dinge urquell (causas) zu forschen Jung-Stilling georg. 2, 490. 2@cc) allgemein ursprung, ursache, grund, ausgangspunkt, herkunft u. dgl. oft mit bewuszter bildlichkeit: summa es ist ein urquell aller verkerung und triegerei im bapstthumb Nigrinus alte neue zeitunge (1587) A a 4b; die urquellen [] hiervon (den händeln) waren theils verborgen, theils offenbar M. Krämer seehelden (1681) 724; der sonne als dem urquell der fruchtbarkeit Winckelmann 7, 396; und doch flieht deinen geist der urquell jener freuden, die mit geringer lust die niedern wesen weiden Wieland I 1, 20 ak. ausg.; urquell aller frohen lieder, schutzgott aller frohen brüder, freudegeber wein! Ebert episteln (1789) 235; die tradition ... bis zum urquell zu verfolgen Herder 13, 413 S.; der u. unsrer wirkungen Heinse 4, 181 Sch.; kühle nächte, die der meisten feldkrankheiten u. sind Jul. v. Voss gesch. m. milit. laufbahn 2, 278; sanskrit ... als der u. der sprachen W. v. Humboldt an Welcker 47; der urquell deiner sünde war der stolz Raupach dram. w. ernster gatt. 2, 41; jammers u. Droysen Äschylus 49; die arbeit ... als u. des vermögens Lassalle ausgew. reden u. schr. 3, 90; L. ... ist der gänzlich ausgeleerten reisekasse durch einen zuschusz beigesprungen, dessen u. auszer ihm nur F. allein zu kennen scheint Holtei erz. schr. 28, 54; sein (des dichters) verständiger sinn durchdringt alles klar und besonnen bis auf den u. R. Wagner 4, 147; der u. der bewegung einer welt versiegte 9, 121; (der deutsche geist) nach seiner heimkehr zum urquell seines wesens Nietzsche 1, 140; vielleicht lag hier der u. dieser zustände Storm 5, 244; Am u., monatsschrift f. volkskunde 1890; Pilsener u., ein bier. 2@dd) von personen: wenn ... das athenische volk seinen unwillen gegen den mann wandte, den es als den urquell alles dieses übels ansah ... A. G. Meiszner Alcibiades 2, 184; dasz ich des zaubers meisterinn und alles unheils urquell bin Bürger 302 B.; der kaiser, der u. der gerechtigkeit Ranke s. w. 7, 131; unvermeidlicher weise wandte sich die verfolgung nun auch gegen den mann, der ... als der u. der bäche des verderbens, die über die kirche dahergeströmt seien, bezeichnet wurde 162, 23. ungewöhnlich als logisches object: die versöhnung der idee mit ... dem nein, dem urquell der philister Brentano 5, 394. 2@ee) kaum üblich von thieren: der u. aller veredelung ... ist das orientalische vollblutpferd gewesen v. Alten 4, 561. 2@ff) von schriftstücken und büchern: dieweil nun die augspurgische confession beides thut, zeiget uns die fundgrube und urquel unser lehr Nigrinus papist. inquisition (1582) g 2a; zwey äuszerst verschiedene angaben: eine bey Livius, der u. der allgemein herrschenden meinung Niebuhr m. gesch. 2, 258; dem authentischen urquell der bibel Gutzkow 10, 95; die abenteuer ... des schlauen Odysseus aus dem urquell (original) genieszen (vgl.quell 3 d) Holtei erz. schr. 6, 181.
7470 Zeichen · 206 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Urquèll

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Urquèll , des -es, plur. inus. der ursprüngliche Quell in figürlichem Verstande, derjenige, in welchem alles übrige …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Urquell

    Goethe-Wörterbuch

    Urquell [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit urquell

4 Bildungen · 1 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von urquell

ur- + quell

urquell leitet sich vom Lemma quell ab mit Präfix ur-.

urquell‑ als Erstglied (1 von 1)

urquellen

DWB

urquellen , v. , entspringen: der Cropp ... urquellet natürlich als wie aus einem groszmächtigen kessel von stein, oberhalb denen hammersgew…

urquell als Zweitglied (2 von 2)

naturquell

DWB

natur·quell

naturquell , m. natürlicher quell oder ursprung: die ältesten dichter, die zunächst am naturquell der eindrücke lebten und ihre sprache dich…

Ableitungen von urquell (1 von 1)

urquelle

DWB

urquelle , f. , ist später als urquell, m. ( s. d. ) entwickelt, seit Kramer (1702) 2, 1221 c verzeichnet und erst gegen ende des 18. jhs. h…