urplötzlich,
adv. adj. ,
mit ur- C 4 c
gesteigertes plötzlich (
s. d.),
wird erst seit dem 16.
jh. belegt, vorher durch folgende oft mit u.
zusammengeworfenen synonyma der gleichen bedeutungsentwicklung vertreten: urblüpflich s. d.; dazu urpfupfling
ackermann a. B. 32, 41
B.; urblupflingen Keisersberg
passion 3, 25
b; urblupflich (
adv.) Österreicher
Columella 1, 42; urblüpflich H. Sachs 3, 499, 20
K.; urplüflich 16, 472, 5
G.; 20, 418, 5
G.; urblüpfling 19, 341, 29
G. urplümpflich Fischer
schwäb. wb. 6, 302.
urblitzlich, -blitzig, -plitzlich, -plitzig, urblitzling(en) H. v. Sachsenheim
mörin 26; Keisersberg
passion 48
c;
bilger 158
b; Hedio
chron. germ. (1530) C 5
b; H. Sachs 8, 173, 36
K.; Nas
eins u. hundert 2, g 8
b; weil ... ein beständiger friede so uhrplitzlich nicht zu hoffen war Lohenstein
Arm. 2, 9
a; urplitzliche verenderung Ryff
spiegel der gesundheit (1544) 91
a, glück Boltz
Terenz 27
b, schrecken Eyering 3, 407;
vgl. urplützig Staub-Tobler 5, 297.
urplätzlich Hedio
bei Frisch (1741) 2, 401
b; Rompler
erstes gebüsch 104
u. o.; Chemnitz
schwed. krieg 2, 910
a;
vgl.platz,
platsch,
plätsch.
urbürzling var. zum ackermann a. B. 32, 43
B.; vgl. burz,
m. urstupf Schmeller-Fr. 2, 774.
die glossare bieten urblipfling, -blutzlich, -blitzlich Diefenbach 560
a; 492
c,
mundart urplützig Staub-Tobler 5, 297, -blaschlich 5, 160; Keszler
sabbata 160;
vgl. plätschling Staub-Tobler 5, 233. urplötzlich
erscheint in mannigfaltigen varianten (
vgl. die nebenformen von plötzlich
th. 7, 1937).
ohne umlaut: urploszlich
reformationsflugschr. 2, 208
Clemen; urblotzling B. Hertzog
chron. Alsatiae (1592) 2, 3; in uhrploczlichen nöthen
acta publ. 1, 155
Palm; urplutzlich S. Franck
chron. (1551) 1, 267
a; urblutzlich H. Gholtz
lebendige bilder (1557)
vorr. 2
a;
gern mit erweichter tenuis: urblötzlich Achatius
chron. Sleidani 151
a; Helvicus (1611) 1, 49; Birken
Pegnitzschäferey (1645) 18; urblötzlichen (
adv.) H. Sachs 1, 427, 40
K.; urblützlich 1, 440, 12
K.; Scheit
Grobianus 269
ndr.; Schade
satiren 3, 292, 33; Aventin 1, 325, 10
L.; Nas
eins u. hundert 1, 96
b. Luther
bietet urplüczlich 10, 3, 392
W.; ebenso Agricola
sprichw. (1534) b 67
b; Apherdianus
methodus disc. (1601) 157. urplutzling, -plützling
meisterliederhs. 23
nr. 214; Aventin 1, 330, 14
L.; urplötzling Nas
grosze glocke zu Erfurt 46.
adv. urplötzlichen
M. Herr
feldbau 185
b; Fr. A. v. Brandis
ehrenkränzel (1678) 217.
zum gebrauch bemerkt J. J. Pyra
erweis (1743) 44: verwundersam und u. sind an vielen orten gewöhnlich, aber eben nicht provinzial, sondern nur veralternde (
was aber nicht zutrifft) und dabei nachdrückliche worte. Adelung
hielt u.
für '
eigentlich oberdeutsch'. Heynatz
antibarb. 2, 544
bestätigt, dasz u.
von guten dichtern gebraucht und von schlechten zuweilen gemiszbraucht wird; '
was ist z. b. lächerlicher, als wenn einige schreiben: u. will ich wiederkehren
? nur chinesische schatten können u.
wiederkehren'. plötzlich, u., mit einmal Weigand
syn. 2, 518; Sanders
syn. (1882) 165.
vgl. noch allzu-, über-, wunderplötzlich. uhrplotz,
m., Scherffer 1, 679
rückbildung. 11)
adv.: aber man mus solchs vor hin dem volk wol predigen, dan also urplüczlich abzuthun, das wil doch nit gehen Luther 10, 3, 392
W.; da u. aber des glöckleins klang ... die überreitenden gehöret Kirchhoff
wendunmuth 2, 41
Ö.; u. erhaschen Fronsperger
kriegsb. 1, 181
a, aufwischen Fischart
bienenkorb 173
b, überfallen Stumpf
Schweizerchron. 28
b; Dannhauer
catechismusmilch 5, 1302
u. o.; hett in ein starkes liecht vom himmel u. umbgeben Ayrer
processus juris (1600) 633; verständige leute ... jetzt u. anfingen närrisch zu thun Grimmelshausen
Simplic. 82
Kögel; da sey er u. in eine krankheit gefallen
Reinicke fuchs (1650) 177; du durchschautest dich selbst und dachtest, da wurden urplötzlich himmel voll geistiger wesen Wieland 2, 7
ak. ausg.; urplötzlich wimmelte see und bach von zahllosen schwärmen von fischen Zachariä 8, 48; von einem manne, der nur eben versucht hatte, über einen kohl, den er zum siebenundsiebzigstenmale aufwärmte, eine deutsche brühe zu gieszen, ward herr Klotz u. zum allgemeinen kunstrichter der schönen wissenschaften Lessing 10, 433
M.; das wort ... des herrn ... regt die ganze gesellschaft u. gewaltsam auf Göthe 49, 295
W.; was ihr als unterpfand der befreiung erschien, u. wirkt es als magische verschreibung 40, 108
W.; da entreiszen urplötzlich die wolken dem auge der Trojer himmel und tag Schiller 1, 122
G.; was wars, das so urplötzlich euch ergriff? H. v. Kleist 2, 228
Schm.; da fiel mir alles, alles urplötzlich ein
M. v. Ebner-Eschenbach 1, 196; der bewährte alte pächter ... machte u. bankerott Polenz
Grabenhäger 1, 224; nicht u., ... sondern schrittweise ... rückte die neue kriegsgefahr heran Treitschke
d. gesch. 1, 382; dann im wol bewuszt, dasz, sobald ein könig in Frankreich stirbet, uhrplötzlich (
sofort) ein ander sich findet Fischart
discours (1589) b 4
b. '
in unerwarteter abwechslung': urplötzlich sind der felsen graue rücken zu tempeln und palästen ausgehöhlt Ramler
lyr. ged. 39; in ernteliedern ... hiesz es nun u.: 'nun bindet eure zöpfe' G. Keller 6, 92.
mit ausgelassenem verbum satzbildend: durchdrungen erwartest du die erscheinung — und u.! — 'sei licht'! und 's ward licht Herder 6, 7
S. die ursprüngliche schallvorstellung ist im sprachgefühl erloschen und auch in beispielen wie: entstunde u. ein ... starker sturmwind A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 1089; u. sprang die stubenthür auf Langbein 31, 19
kaum spürbar. 22)
als adj.: in dem jar kam ein urplötzlich wetter zuo Augsburg S. Franck
chron. Germ. (1538) 261
a; urplötzliche grosze regen Herr
feldbau 44
a; die urplötzliche bliz Weckherlin 2, 41
F.; ein uhrplötzlicher, groszer, heller blitz Micrälius
Pommerland 3, 624; ankunft Rist
friedejauchz. Teutschland 46, unwetter Zesen
adriat. Rosemund 12, arten seltzamer urplötzlicher und grausamer tödt Grimmelshausen 4, 672
Keller, eroberunge Chemnitz
schwed. krieg 1, 156, abscheidung Lohenstein
Arm. 1, 1315
b, schröcken Gottsched
das neueste 4, 157, durchpeitschung Kerner
bilderb. 326, flug Pyrker
Tunisias 1, 186, stille Rückert 12, 346
u. s. w. urplötzlich ausbrechend oder eintretend: von welchem urplötzlichen feur und unversehnlichem klapf ... ich ... erschröckt ward Grimmelshausen
Simplic. 18
Kögel; in urplötzlichen fällen Lohenstein
Arm. 2, 72; durch urplötzlichen jammer bewegt Platen 1, 252
H.; er lachte vor sich hin, der urplötzlichen heiterkeit gedenkend, mit der er ... die seelen ... erfüllt hatte Auerbach 11, 10;
urplötzlich umschlagend, unbeständig, wankelhaft: was aber gegenwürtig, das ist unbestendig und uhrplützlich J. Lorichius
von weltlicher eitelkeit verachtung (1596) 14. 33)
substantiviert: das urplötzliche seines ersten winkes Herder
bei Campe; die kräftige ... wirkung, die dem urplötzlichen des ereignisses entspricht Welcker
alte denkmäler 1, 266; das urplötzliche in den situationen der schlachten Gutzkow (1872
ff.) 5, 122; Brehm
thierl. (1890
ff.) 6, 386. —