urgeist,
m. ,
erst im letzten viertel des 18.
jhs. auftretend, noch von Adelung
der gemeinspr. abgesprochen ('
ein nur bey den mystikern und goldmachern übliches wort, worunter die ersten, wenn sie anders selbst einen verstand damit verbinden, doch wohl nichts anders als gott verstehen können')
; bes. das 19.
jh. hat in zss. mit ur- C 4 c
der ungeheuern entfaltung des geistesbegriffs (
s. geist)
zu folgen gesucht. vgl. all-, grund-, natur-, schöpfer-, weltgeist;
auch ungeist (
das sich doch schon einmal bei S. v. Birken [Fischer-Tümpel 5, 100 ]
belegen läszt). 11) geist II 4/7
entsprechend: in ansehung der geisterwelt sey diese zeit die zeit der ersten ... schöpfung jener urgeister, die in jener eben das sind, was in der natur die gestirne Schelling I 8, 335; wenn dich ein ungeheuer ansieht, will der urgeist dich nur artig necken Immermann 11, 236
B. 22)
eigentliches wesen; vgl. geist II 8 g: wir (
geister) tragen keine formen, auszer die des elements, wovon wir seel und urgeist (
tragen) H. Heine 2, 229
E.; wenn man '
sind'
ergänzt, käme bed. 1
in frage. 33)
gott als u.;
vgl. geist II 9
und 30: o, namen hat er nicht ... anbetung nur! anbetung nur der allumfassenden, almessenden gestaltkraft des urgeists! Lavater
physiognom. fragm. 2, 172; wer sah dir, o urgeist, in das angesicht? Herder 29, 207
S.; nur der urgeist denkt sich absolut Seume
ged. 29; überall schweben des urgeistes J. G. Jacobi 4, 62; Bettine
frühlingskranz 277; W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 216; Platen 1, 502
R.; Rückert 8, 489; Holtei
erz. schr. 16, 236;
F. ... dringt darauf, dasz die absolute weltursache als freier, intelligenter u. ... gedacht werden müsse fürst Pückler
briefw. 9, 127. 44)
als heil. geist; geist II 10: sie (
d. apostel) redeten (
am pfingstfeste) die zaubersprache des urgeistes Herder 20, 108
S. 55) u.
der natur, der wesen, elemente; geist II 11 c/d: ach, da hat aus seines lichtes klarheit dich der wesen urgeist angeblickt Schubart
s. ged. 3, 3; die musik ... der u. aller elemente Bettine
Günderode 1, 294; wiedervereinigung mit dem urgeiste der natur C. G. v. Brinckmann
ansichten 280;
ähnlich: die sprache des urgeistes Gutzkow
ritter vom geiste 8, 408. 66)
an geist II 12, '
essenz' (
vgl. Adelungs
bemerkung über die spr. der goldmacher, oben)
rührt: bei einer übersetzung verdampft viel vom urgeiste Hippel
über die ehe 5, 224. 77)
ursprüngliche geistesart (geist II 29 b;
vgl. 20 e, 27): des volks ursprünglicher u. Fr. L. Jahn 1, 340
E.; doch zürnend kam der alte urgeist (
der Deutschen) wieder, der wackre geist, so kräftig und so bieder Langbein
ged. 3, 211; Vischer
ästhetik 3, 2, 267; Gutzkow (1872
ff.) 8, 167;
undeutlich und fast concret: der erste schaffende u. der sprachen war eine sammlung weniger ... schälle Herder 6, 360
S. 88)
origineller geist Campe: spähet, wo urgeist walt Cludius
bei Campe;
genie: zur weltkenntnisz gehört eben so viel u. (genie) als zu jeder andern wissenschaft K. v. Eckhartshausen
der prinz u. sein freund (1789) 53;
im plur.: wie grosz ... waren doch jene urgeister des menschengeschlechts, welche ... die grammatik der sprache erfanden! Schopenhauer 5, 582
Gr. geist II 22.
nicht durchgedrungen. 99) geist II 30
entsprechend (
vgl. oben 3): alles beginnt doch im geiste, im urgeiste, in der ewigen idee gottes B. Goltz
jugendleben 3, 144. —