unzugänglich,
adj. adv. ,
nicht zugänglich.
zur bildung s. unzugangbar und vgl. unzugängig.
mnl. ontoegankelijc, -ganclijc;
nl. ontoegankelijk;
dän. utilgængelig;
schwed. otillgänglig.
vgl. mnd. untogânde
inaccessibilis, mnl. ontoegegangen
inaccessus. inaccessibilis unzugangklich
gemma (1508) m 3
b; Diefenbach
gl. 290
c.
inaccessus u. Frisch (1741)
reg. 52
b.
für inaccessibel Kinderling, Campe; Hoyer-Kreuter 1, 796. 11)
wie mnl. ontoegankelijc (
wb. 5, 1170)
vom licht, von gott, als widergabe des mlat. inaccessibilis; wen seine augen sehen clerer das unczugengliche licht
b. geistlicher gnaden (1503) 9
b; denn das göttliche licht
ist wegen seiner übergroszen warheit ganz u., daher es auch das dunkele genennet wird G. Arnold
beschreibung d. myst. theologie (1703) 168; gott wohnt in einem unzugänglichen lichte
allg. d. bibl. anh. 53/86, 105; Lavater
verm. schr. 2, 144; Schleiermacher II 4, 69; will sich der orient das ... unzugängliche seines (
gottes) wesens denken! licht ist sein kleid! Herder 6, 219
S.; der alleinheilige ..., das unzugängliche licht Jung-Stilling 4, 349.
als philosophischer begriff '
wohin man mit dem verstand nicht vordringen kann, unbegreiflich'
ist es ebenfalls schon bei Ruysbroek (
mnl. wb. 5, 1170)
vorgebildet: an sich ist es (
das absolute ich) u. Fichte 2, 147; in jenem idealismus entwickelten sich die vorstellungen als solche auf eine uns gänzlich unbekannte und unzugängliche art aus dem ich 1, 184.
von dieser bed. aus ergibt sich gelegentlich die einer allgemeinen steigerung: es ist der musen macht, euch unzugänglich zu beleben Weckherlin 1, 110
F. 22)
die neuere entwicklung knüpft an franz. engl. inaccessible an und geht auf die sinnliche grundbed. zurück. 2@aa) zugänglich 1
entsprechend. 2@a@aα)
eigentlich, räumlich erreichbar: kein ort komme ihm u. ... vor Hunold
der europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 1010; ein gebüsch, das u. schien A. v. Haller
Usong 19; die zelle ... wäre ... im winter ganz u. Göthe 42, 2, 45
W.; auf grasplätzen, die für das vieh schlechterdings u. sind 24, 369
W.; je tiefer der winter sich senkte, je wilderes wetter, je unzugänglicher die wege 20, 249
W.; Ratzeburg
ichneumonen 1, 183; den von der natur u. gemachten ort Mommsen
röm. gesch. 1, 38; unzugänglichmachung der abhänge Mothes
baulex. (1882) 2, 319. unzugängliche wälder, wüste, gebirge, höhle, morast Wieland I 1, 138
ak. ausg.; A. v. Haller
Alfred 24; Göthe 19, 75
W.; Bräker 1, 277; Hirschfeld
gartenkunst 5, 260; die entlegensten und unzugänglichsten weltgegenden J. G. Forster 5, 320; ein verborgenes und unzugängliches leck (
im schiff) 1, 92; über brennenden dächern ragte ein unzugängliches hölzernes fachwerk G. Keller 5, 207. steilunzugänglich Scheffel (1907) 3, 241.
mit dat.: dem stolzen besitzer dieses den armen und nothleidenden unzugänglichen palastes Möser 2, 46; Herder 19, 101
S.; Göthe IV 32, 87
W. als bey fortdauerndem regen mein dortiger aufenthalt (
im gartenhause) u. und ungenieszbar geworden Göthe IV 42, 228
W. unzugängliche lage E.
M. Arndt (1845
ff.) 2, 15. der begriff des unzugänglichen Herm. Grimm
Michelangelo 2, 318.
im bilde: dem fleisz ist keine wand zu fest, dem mut kein abgrund unzugänglich Novalis 4, 125
M.; von den unzugänglichen vorratskammern des beweglichen stoffs Schleiermacher
reden über d. religion (1879) 175.
terminologisch für bot. impervius Bischoff
wb. d. beschr. bot. 99; Hoyer-Kreuter 1, 796.
wie bei zugänglich 1
auch verschlossen, verboten, nicht zu erlangen, der kenntnis entzogen u. ä.: unzugängliche, modernde archive Herder 9, 364
S.; von bildern Göthe 49, 412
W. ihre (
der natur) werkstätte ist u.
schr. d. Götheges. 7, 255; die mir gleichfalls unzugänglichen drucke Jac. Grimm
Reinhart fuchs clxxxvii; was von anderen über diesen gegenstand geschrieben ist, war mir leider u. H. Brunn
kl. schr. 2, 13;
vgl. Göthe
Faust 9077. 2@a@bβ)
besonders auch von abstracten begriffen: alsdann ist aber die existenz für euren empirischen begriff u. Kant 3, 337
ak. ausg.; die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die gabe, die wissenschaften u. zu machen
schr. der Götheges. 21, 127; II 6, 21
W.; Faust 9077
W.; wie der umgang des fürsten dem pöbel u. ist Schopenhauer 1, 310
Gr.; Immermann 20, 57
B.; Solger
ästhetik 35; blindheit, welche ihnen die wahrheit u. macht Görres
briefe 3, 156; Vischer
ästhetik 3, 1, 66; alles diesz besondere ist ... ebenso u. für unsern verstand wie gleichgültig Justi
Winckelmann 1, 64; G.s zustand sei ... keineswegs ... ärztlicher hilfe u. Roon
denkwürdigkeiten 1, 263; alle die thätigkeiten, welche ... unwissenheit und die unterdrückte lage dem bauern u. machten, fielen den Juden anheim Moltke 2, 100. die unzugänglichen und unmittheilbaren vorrechte der patricier Niebuhr
röm. gesch. 1, 238; unzugängliche und unverständliche gründe fürst Pückler
briefw. 1, 346.
adv.: izo aufs neue springet, siedet er auf der schmerz, der unzugänglich mein leben zerstört G. Chr. Tobler
Sophokles (1781) 1, 51; möge ich sie (
die wolke der impassibilität) immer dichter und unzugänglicher um mich versammeln können Göthe IV 28, 339
W. subst.: im betrachten wie im handeln ist das zugängliche von dem unzugänglichen zu unterscheiden Göthe 42, 2, 181
W.; gespr. 6, 95
B. 2@bb) zugänglich 2
entsprechend. 2@b@aα)
eigentlich von thieren und menschen, an die man nicht herankommen kann: so steht Ruszland ihm (
dem löwen Deutschland) wie ein elefant gegenüber, wie ein fast unzugänglicher und unangreiflicher elefant E.
M. Arndt (1845
ff.) 4, 357; unzugängliche völker Niebuhr
röm. gesch. 1, 298; ein zaubrer ist er (
Fafner). sein geraubtes gold zu hüten, unzugänglich mir und alln, hat er sich in den furchtbarn drachenleib geschmiegt Fouqué
held des nordens 1, 37; E. ist seiner krankheit wegen u. Gutzkow
ritter v. geiste 4, 87; trotz aller meiner vorsichtsmaszregeln, mich unfindbar und u. zu machen Herwegh
briefe (1896) 85; er ... war zuweilen selbst für seinen bruder u. Ranke
s. w. 3, 304.
übertragen: Pausanias ist ein für den heiteren künstlersinn beinahe unzugänglicher schriftsteller Göthe 48, 117
W.; sollte ... der verstokkte als völlig u. für die gnade betrachtet werden ... Schleiermacher I 3, 419; die vermeintliche urheberin ... war gerichtlicher verfolgung u. geworden Holtei
erz. schr. 3, 115; du, der veralterung unzugängliche J. H. Vosz
ged. 3, 275.
indem das haus für seine bewohner steht: das unzugängliche haus in
N. D. Justi
Winckelmann 2, 1, 26. 2@b@bβ)
im erweiterten sinne, abweisend, ablehnend, kaltsinnig u. dgl.: zwar lebt er (
Göthe) eingezogen und sieht wenig menschen, doch ist er auch nicht u. Peucer
in Geigers
Göthejb. 1, 353; er ist ein fester, starrer, unzugänglicher charakter Schiller 6, 89
G.; o gott im himmel! steht nicht da, schroff und unzugänglich, wie die felsenklippe, die der strandende vergeblich ringend zu erfassen strebt Schiller 12, 496
G. (
Maria Stuart 3, 4). solch eine eintönigkeit ... liegt in deutschen charakteren, welche daher in ihrer verschlossenheit störrich, widerborstig, u. ... erscheinen Hegel II 10, 205; S. ist als grob und u. verrufen, wie ich selbst es bin Hebbel
br. 6, 32
W.; besten dank für ihre liebevolle beschäftigung mit meiner etwas unzugänglichen individualität 4, 125
W.; schon war ein minder unzugänglicher freund dienstfertig zur stelle v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens 1; denn leider musz berichtet werden, dasz der nun verhärtete hagestolz nicht immer so u. war und den lockungen einst nur allzuwenig widerstanden hatte G. Keller 6, 149; ihre gebieterin war verstimmt, miszzufrieden, u. Scheffel (1907) 2, 205; Ranke
s. w. 1, 257; wenn K. diesen harten zug um den mund bekam, war sie u. Polenz
Grabenhäger 1, 81. der schroffe, unzugängliche sophist Holtei
erz. schr. 8, 76;
von unzugänglichkeit zeugend: stille, verschloszne, unzugängliche, unheilbare melancholie Lavater
physiognom. fragm. 2, 185; artigkeit (
des obersthofmeisters) G. Freytag 7, 274; haltung der partei Bennigsen
nationallib. partei 128.
insbesondere einwirkungen auf geist, gemüt, charakter, sittliches handeln nicht zugänglich: seine (
Philipps II.) seele war dem mitleiden u. Schiller 4, 105
G.; er sah bald ein, dasz dieser mann, so ganz vom thörigsten adelstolz, von niedrigem geiz nur beseelt, jedem edlern eindruck u. sey H. v. Chézy
erz. 2, 174; Häuszer
d. gesch. 2, 702; Gutzkow (1872
ff.) 6, 129; die baronin selbst habe ich jeder versuchung u. gefunden G. Freytag 2, 205; ich war schon damals solchen erwägungen nicht u. Bismarck
ged. u. erinn. 1, 165
volksausg.; für naturgenusz, dem die Franzosen und Spanier ganz u. sind
briefe an s. braut 375; leute, die sich mit ihrem lose zufrieden fühlten, waren für die agitation u. Polenz
Grabenhäger 2, 305. der cultur bis dahin unzugängliche nationen Fr. A. Lange
materialismus 79; die sonst fremdem einflusz so unzugänglichen Briten Treitschke
d. gesch. 4, 3.
dazu (unzugänglich 2)
unzugänglichkeit, f., mangel der zugänglichkeit und ihr gs.; früher auch unzugängnis (die u. der berge) Valvassor
ehre d. h. Crain 4, 2, 71).
nl. ontoegankeligheid;
dän. utilgængelighed;
schwed. otillgänglighet. unzugänglich 2 a
entsprechend: u. der festungswerke Hoyer
kriegsbaukunst 3, 215; E.
M. Arndt (1845
ff.) 4, 88; Roszmäszler
der wald 554; der aufenthaltsörter K. E. v. Bär
reden u. aufs. 1, 215; Brehm
thierl. (1890
ff.) 6, 459; Ranke
s. w. 14
2, 17; der zinnen, berge H. v. Barth
Kalkalpen xv; 419; Rosegger (1895
ff.) 3, 116; eine gasuhr ... u. für gasdefraudation Muspratt
chemie (1896) 5, 572; u. der archive, einer zeitschrift
archäolog. zeitg. 1, 146.
wie unzugänglich 2 b: stolz und u. des neuen cardinals Ranke
s. w. 35, 135; durch ... u. hatte er sich viele feindschaften zugezogen 15
2, 159. in seiner u. für fremden rath wies S.
misztrauisch auch das unzweifelhaft bessere zurück Häuszer
d. gesch. 3, 407; D. Fr. Strausz 10, 162. —