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unzugänglich

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unzugänglich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 2318
unzugänglich, adj. adv. , nicht zugänglich. zur bildung s. unzugangbar und vgl. unzugängig. mnl. ontoegankelijc, -ganclijc; nl. ontoegankelijk; n. utilgængelig; schwed. otillgänglig. vgl. mnd. untogânde inaccessibilis, mnl. ontoegegangen inaccessus. inaccessibilis unzugangklich gemma (1508) m 3b; Diefenbach gl. 290c. inaccessus u. Frisch (1741) reg. 52b. für inaccessibel Kinderling, Campe; Hoyer-Kreuter 1, 796. 11) wie mnl. ontoegankelijc (wb. 5, 1170) vom licht, von gott, als widergabe des mlat. inaccessibilis; wen seine augen sehen clerer das unczugengliche licht b. geistlicher gnaden (1503) 9b; denn das göttliche licht ist wegen seiner übergroszen warheit ganz u., daher es auch das dunkele genennet wird G. Arnold beschreibung d. myst. theologie (1703) 168; gott wohnt in einem unzugänglichen lichte allg. d. bibl. anh. 53/86, 105; Lavater verm. schr. 2, 144; Schleiermacher II 4, 69; will sich der orient das ... unzugängliche seines (gottes) wesens denken! licht ist sein kleid! Herder 6, 219 S.; der alleinheilige ..., das unzugängliche licht Jung-Stilling 4, 349. als philosophischer begriff 'wohin man mit dem verstand nicht vordringen kann, unbegreiflich' ist es ebenfalls schon bei Ruysbroek (mnl. wb. 5, 1170) vorgebildet: an sich ist es (das absolute ich) u. Fichte 2, 147; in jenem idealismus entwickelten sich die vorstellungen als solche auf eine uns gänzlich unbekannte und unzugängliche art aus dem ich 1, 184. von dieser bed. aus ergibt sich gelegentlich die einer allgemeinen steigerung: es ist der musen macht, euch unzugänglich zu beleben Weckherlin 1, 110 F. 22) die neuere entwicklung knüpft an franz. engl. inaccessible an und geht auf die sinnliche grundbed. zurück. 2@aa) zugänglich 1 entsprechend. 2@a@aα) eigentlich, räumlich erreichbar: kein ort komme ihm u. ... vor Hunold der europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 1010; ein gebüsch, das u. schien A. v. Haller Usong 19; die zelle ... wäre ... im winter ganz u. Göthe 42, 2, 45 W.; auf grasplätzen, die für das vieh schlechterdings u. sind 24, 369 W.; je tiefer der winter sich senkte, je wilderes wetter, je unzugänglicher die wege 20, 249 W.; Ratzeburg ichneumonen 1, 183; den von der natur u. gemachten ort Mommsen m. gesch. 1, 38; unzugänglichmachung der abhänge Mothes baulex. (1882) 2, 319. unzugängliche wälder, wüste, gebirge, höhle, morast Wieland I 1, 138 ak. ausg.; A. v. Haller Alfred 24; Göthe 19, 75 W.; Bräker 1, 277; Hirschfeld gartenkunst 5, 260; die entlegensten und unzugänglichsten weltgegenden J. G. Forster 5, 320; ein verborgenes und unzugängliches leck (im schiff) 1, 92; über brennenden dächern ragte ein unzugängliches hölzernes fachwerk G. Keller 5, 207. steilunzugänglich Scheffel (1907) 3, 241. mit dat.: dem stolzen besitzer dieses den armen und nothleidenden unzugänglichen palastes Möser 2, 46; Herder 19, 101 S.; Göthe IV 32, 87 W. als bey fortdauerndem regen mein dortiger aufenthalt (im gartenhause) u. und ungenieszbar geworden Göthe IV 42, 228 W. unzugängliche lage E. M. Arndt (1845 ff.) 2, 15. der begriff des unzugänglichen Herm. Grimm Michelangelo 2, 318. im bilde: dem fleisz ist keine wand zu fest, dem mut kein abgrund unzugänglich Novalis 4, 125 M.; von den unzugänglichen vorratskammern des beweglichen stoffs Schleiermacher reden über d. religion (1879) 175. terminologisch für bot. impervius Bischoff wb. d. beschr. bot. 99; Hoyer-Kreuter 1, 796. wie bei zugänglich 1 auch verschlossen, verboten, nicht zu erlangen, der kenntnis entzogen u. ä.: unzugängliche, modernde archive Herder 9, 364 S.; von bildern Göthe 49, 412 W. ihre (der natur) werkstätte ist u. schr. d. Götheges. 7, 255; die mir gleichfalls unzugänglichen drucke Jac. Grimm Reinhart fuchs clxxxvii; was von anderen über diesen gegenstand geschrieben ist, war mir leider u. H. Brunn kl. schr. 2, 13; vgl. Göthe Faust 9077. 2@a@bβ) besonders auch von abstracten begriffen: alsdann ist aber die existenz für euren empirischen begriff u. Kant 3, 337 ak. ausg.; die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die gabe, die wissenschaften u. zu machen schr. der Götheges. 21, 127; II 6, 21 W.; Faust 9077 W.; wie der umgang des fürsten dem pöbel u. ist Schopenhauer 1, 310 Gr.; Immermann 20, 57 B.; Solger ästhetik 35; blindheit, welche ihnen die wahrheit u. macht Görres briefe 3, 156; Vischer ästhetik 3, 1, 66; alles diesz besondere ist ... ebenso u. für unsern verstand wie gleichgültig Justi Winckelmann 1, 64; G.s zustand sei ... keineswegs ... ärztlicher hilfe u. Roon denkwürdigkeiten 1, 263; alle die thätigkeiten, welche ... unwissenheit und die unterdrückte lage dem bauern u. machten, fielen den Juden anheim Moltke 2, 100. die unzugänglichen und unmittheilbaren vorrechte der patricier Niebuhr m. gesch. 1, 238; unzugängliche und unverständliche gründe fürst Pückler briefw. 1, 346. adv.: izo aufs neue springet, siedet er auf der schmerz, der unzugänglich mein leben zerstört G. Chr. Tobler Sophokles (1781) 1, 51; möge ich sie (die wolke der impassibilität) immer dichter und unzugänglicher um mich versammeln können Göthe IV 28, 339 W. subst.: im betrachten wie im handeln ist das zugängliche von dem unzugänglichen zu unterscheiden Göthe 42, 2, 181 W.; gespr. 6, 95 B. 2@bb) zugänglich 2 entsprechend. 2@b@aα) eigentlich von thieren und menschen, an die man nicht herankommen kann: so steht Ruszland ihm (dem löwen Deutschland) wie ein elefant gegenüber, wie ein fast unzugänglicher und unangreiflicher elefant E. M. Arndt (1845 ff.) 4, 357; unzugängliche völker Niebuhr m. gesch. 1, 298; ein zaubrer ist er (Fafner). sein geraubtes gold zu hüten, unzugänglich mir und alln, hat er sich in den furchtbarn drachenleib geschmiegt Fouqué held des nordens 1, 37; E. ist seiner krankheit wegen u. Gutzkow ritter v. geiste 4, 87; trotz aller meiner vorsichtsmaszregeln, mich unfindbar und u. zu machen Herwegh briefe (1896) 85; er ... war zuweilen selbst für seinen bruder u. Ranke s. w. 3, 304. übertragen: Pausanias ist ein für den heiteren künstlersinn beinahe unzugänglicher schriftsteller Göthe 48, 117 W.; sollte ... der verstokkte als völlig u. für die gnade betrachtet werden ... Schleiermacher I 3, 419; die vermeintliche urheberin ... war gerichtlicher verfolgung u. geworden Holtei erz. schr. 3, 115; du, der veralterung unzugängliche J. H. Vosz ged. 3, 275. indem das haus für seine bewohner steht: das unzugängliche haus in N. D. Justi Winckelmann 2, 1, 26. 2@b@bβ) im erweiterten sinne, abweisend, ablehnend, kaltsinnig u. dgl.: zwar lebt er (Göthe) eingezogen und sieht wenig menschen, doch ist er auch nicht u. Peucer in Geigers Göthejb. 1, 353; er ist ein fester, starrer, unzugänglicher charakter Schiller 6, 89 G.; o gott im himmel! steht nicht da, schroff und unzugänglich, wie die felsenklippe, die der strandende vergeblich ringend zu erfassen strebt Schiller 12, 496 G. (Maria Stuart 3, 4). solch eine eintönigkeit ... liegt in deutschen charakteren, welche daher in ihrer verschlossenheit störrich, widerborstig, u. ... erscheinen Hegel II 10, 205; S. ist als grob und u. verrufen, wie ich selbst es bin Hebbel br. 6, 32 W.; besten dank für ihre liebevolle beschäftigung mit meiner etwas unzugänglichen individualität 4, 125 W.; schon war ein minder unzugänglicher freund dienstfertig zur stelle v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens 1; denn leider musz berichtet werden, dasz der nun verhärtete hagestolz nicht immer so u. war und den lockungen einst nur allzuwenig widerstanden hatte G. Keller 6, 149; ihre gebieterin war verstimmt, miszzufrieden, u. Scheffel (1907) 2, 205; Ranke s. w. 1, 257; wenn K. diesen harten zug um den mund bekam, war sie u. Polenz Grabenhäger 1, 81. der schroffe, unzugängliche sophist Holtei erz. schr. 8, 76; von unzugänglichkeit zeugend: stille, verschloszne, unzugängliche, unheilbare melancholie Lavater physiognom. fragm. 2, 185; artigkeit (des obersthofmeisters) G. Freytag 7, 274; haltung der partei Bennigsen nationallib. partei 128. insbesondere einwirkungen auf geist, gemüt, charakter, sittliches handeln nicht zugänglich: seine (Philipps II.) seele war dem mitleiden u. Schiller 4, 105 G.; er sah bald ein, dasz dieser mann, so ganz vom thörigsten adelstolz, von niedrigem geiz nur beseelt, jedem edlern eindruck u. sey H. v. Chézy erz. 2, 174; Häuszer d. gesch. 2, 702; Gutzkow (1872 ff.) 6, 129; die baronin selbst habe ich jeder versuchung u. gefunden G. Freytag 2, 205; ich war schon damals solchen erwägungen nicht u. Bismarck ged. u. erinn. 1, 165 volksausg.; für naturgenusz, dem die Franzosen und Spanier ganz u. sind briefe an s. braut 375; leute, die sich mit ihrem lose zufrieden fühlten, waren für die agitation u. Polenz Grabenhäger 2, 305. der cultur bis dahin unzugängliche nationen Fr. A. Lange materialismus 79; die sonst fremdem einflusz so unzugänglichen Briten Treitschke d. gesch. 4, 3. dazu (unzugänglich 2) unzugänglichkeit, f., mangel der zugänglichkeit und ihr gs.; früher auch unzugängnis (die u. der berge) Valvassor ehre d. h. Crain 4, 2, 71). nl. ontoegankeligheid; n. utilgængelighed; schwed. otillgänglighet. unzugänglich 2 a entsprechend: u. der festungswerke Hoyer kriegsbaukunst 3, 215; E. M. Arndt (1845 ff.) 4, 88; Roszmäszler der wald 554; der aufenthaltsörter K. E. v. Bär reden u. aufs. 1, 215; Brehm thierl. (1890 ff.) 6, 459; Ranke s. w. 142, 17; der zinnen, berge H. v. Barth Kalkalpen xv; 419; Rosegger (1895 ff.) 3, 116; eine gasuhr ... u. für gasdefraudation Muspratt chemie (1896) 5, 572; u. der archive, einer zeitschrift archäolog. zeitg. 1, 146. wie unzugänglich 2 b: stolz und u. des neuen cardinals Ranke s. w. 35, 135; durch ... u. hatte er sich viele feindschaften zugezogen 152, 159. in seiner u. für fremden rath wies S. misztrauisch auch das unzweifelhaft bessere zurück Häuszer d. gesch. 3, 407; D. Fr. Strausz 10, 162. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unzugänglich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unzugänglich , -er, -ste, adj. et adv. wovon doch das letzte am üblichsten ist, mit keinem Zugange versehen, wozu man ni…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unzugänglich

    Goethe-Wörterbuch

    unzugänglich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    unzugänglich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|zu|gäng|lich adj. 1 inazessibl (-i, -a), nia azessibl 2 ‹fig› (verschlossen) saré (sará, sarada).

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Ableitung von unzugaenglich 2 Analysen

un- + zugaenglich

unzugaenglich leitet sich vom Lemma zugaenglich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+zugang+-lich

unzugaenglich‑ als Erstglied (1 von 1)