lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

unverfänglich

nhd. bis spez. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
6 in 6 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
1
Verweise raus
3

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unverfänglich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 2026
unverfänglich, adj. adv., gs. zu verfänglich (s. d.). mhd. unvervanclich, -venclich; mnd. unvorvenklich; nl. onvervankelijk. frühnhd. noch mehrfach ohne umlaut; unverfanklichen (adj.) Keisersberg seelenparadies 110a. a) incapax (vgl. verfangen 1): in der Straszburger übersetzung von Luthers de capt. Babylon. verbum dei ..., quod non minus est surdum et incapax Luther 6, 538 a. 1 W. b) wirkungslos. unnütz, bedeutungslos, vergeblich, umsonst u. dgl. (vgl. verfangen 1); Lexer 2, 1970; Haltaus 1966; Ch. Schmidt els. wb. 383a; Fischer schwäb. wb. 6, 265; Sattler phraseologey (1631) 354: darumb sy dann ir herz gar oft und dick gütlich straffte und vermeint sy darvon ze weisen. es war aber an ir unverfengklich Marquart vom Stein spiegel der tugend (1498) b 4a; er sah, das seine red onverfanglich was und sye sich nit daran kertent Keisersberg postille 3, 73a ; dorumb ist disze ursach, die du fürwendest, unverfanglich und hat nit fg noch kraft 4, 79b; last uns von dem nacheilen aufhören, es bedunckt mich unverfengklich sein Aymont (1535) f 5b; dannoch war es u. und half gar nichts Schlusser peurisch krieg (1573) 26; disz lasset sich herumb und hinumb reden, ist u. Kepler 4, 214. adv.: do sie aber ... ieren liebsten man A. oft u. beruffet Steinhöwel ber. frauen 144 Dr. von personen unnütz: H. Seuse d. schr. 301, 8 B. nicht stichhaltig: D. Schilling Berner chron. 127; M. Cronthal d. st. Würzburg im bauernkriege 49. veraltet. c) citra damnum, ... unnachteilig Schöpper h 1c; Haltaus 1966: eines jeden gerechtigkeit unverfencklich Schütz hist. rer. Pruss. 9, L l 3b; der könig ... gab ihm aber einen königlichen brieff, dasz es ihm u. sein solte an seinen ehren Kreckwitz lustwäldlin (1632) 283; eröffne deine schuld, es sol die missethat dir unverfänglich seyn Lohenstein Epich. 42; dasz der feinde macht und drohen, hinterlist und schwärmerey seines scepters hellem schimmer allzeit unverfänglich sey! Chph. H. Amthor bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 55; ich will also diese forderung fahren lassen, und ihnen, jedoch unsern rechten unverfänglich, zugeben, dasz ... Liscow (1739) 500; das ist mir u., kann mir keinen nachtheil bringen Adelung. u. für unbeschadet von Heynatz antibarb. 2, 539 abgelehnt. veraltet. d) non obligatorius, was einen nicht bindet; unverfängliche vorschläge conditiones non obligantes, ab altero nondum approbatae Frisch (1741) 1, 248a; sans prejudice, imprejudiciable (1730) 636; Haltaus 1966: er ... könte dem könige unverfängliche, gütliche, billige handlung zu einem ... allgemeinen frieden an seinem ort leichtlich einräumen Chemnitz schwed. krieg 2, 30; adv.: bitte ich, er ... unverfenglich mit mir handeln wolle Pomarius grosze postilla (1590) vorr. 1b; C. Julius Susanna u. Daniel (1610) 24; wir ... hielten dafür doch unverfenglich per discursum hievon zu reden acta. publ. 2, 208 P.; u. berühren Schottel haubtspr. 104; u. antworten Ziegler Banise (1689) 427. schon zu Adelungs zeit nicht mehr üblich. e) die heutige bed. 'mit keiner gefahr des betruges oder des nachtheils verbunden', Adelung, einwandfrei, unbedenklich, harmlos, gs. zu verfänglich 2, wird im 18. jahrh. gebräuchlich: dasz ich die sache selbst nicht nur vor u., sondern vor geboten halte, ... kommt daher Zinzendorf neueste theol. bedenken (1730 geschrieben, 1741 gedruckt) 43; die katholische kirche, die an sich ganz unschuldig und u. ist Nicolai reise 7, xxi; wenn unsre briefe einem fremden in die hand kämen, müszten sie ihm wenigstens u. scheinen Herder 17, 138 S.; so mochte sie es für u halten, mit einem gegenwärtigen freund ... ein wenig artig zu thun Göthe 27, 284 W.; IV 15, 39 W.; II 9, 153 W.; die art, es an ihn zu bringen, soll u. sein IV 16, 287 W.; eine liebschaft, an sich ganz u. Dahlmann franz. revolution 174; das suchen nach wahrheit ist ja immer ohne arg, u. und schuldlos G. Keller 3, 16; 5, 158; geist ist ein gefährlicher patron ..., gemüth ist unverfänglicher Laube 1, 190. das sei das unverfänglichste Ranke s. w. 31/32, 99. attributiv: unverfängliche unterhaltung, äuszerung, rache, verhältnis, bitte, kunst, gleichnis, taufnamen, ton, schrift, absteigequartier, sinn, frage, fall, einleitung, form u. s. w. Göthe 16, 44 W.; 7, 139 W.; 28, 229 W.; Geigers Göthejahrb. 6, 70; Babo schauspiele (1793) 322; H. v. Kleist 4, 93 Schm.; Schopenhauer 1, 178 Gr.; Raupach dram. w. komischer gattung 1, 107; Gervinus gesch. d. d. dicht. 3, 388; Gutzkow (1872 ff.) 11, 177; Laube 2, 71; Scherer kl. schr. 1, 663; Bismarck gedanken u. erinn. 2, 201; 2, 229 volksausg.; G. Keller 6, 109; Treitschke d. gesch. 3, 6; ja, selbst auf diesem weg, dem unverfänglichen, wird er von ferne nahn dem unzugänglichen Rückert 8, 445; in den unverfänglichsten dingen Immermann 13, 278 B.; diesen politisch und kirchlich unverfänglichsten zeitvertreib Justi Winckelmann 2, 269; in einem der unverfänglichsten winkel unter der ofenbank Rosegger (1895 ff.) 9, 18. substantiviert: für etwas unverfänglichs halt ich ihn (den eid) Schiller 12, 181 G. von personen: wer mit thieren, mit kindern, dienstboten und gemeinen leuten nicht im herzlichen rapport steht, der ist nicht der beste, der ist kein unverfänglicher, kein natürlicher, kein frommer, kein echt liebenswürdiger mensch B. Goltz b. der kindheit 438; eine unverfängliche bekanntschaft Gutzkow zauberer 2, 60; Spohr ... ist ja ... hofkapellmeister in K., er ist ganz u. W. H. Riehl Eisele u. Beisele 61. adv.: die frommen superintendenten kriegten gelegenheit, in ihrer diöces ohnverfänglich die warheit bekannt zu machen Zinzendorf (1727) zs. f. brüdergesch. 5, 113; u. verkündigen, rügen, erwähnen, lauten u. s. f. Herder 19, 402 S.; Göthe IV 13, 165 W.; I 48, 174 W.; Ranke s. w. 4, 49; vgl.aufs unverfänglichste Göthe IV 29, 14 W.; auf sehr unverfängliche weise W. Raabe hungerpastor 2, 46. dazu unverfänglichkeit, f., gs. zu verfänglichkeit (s. d.). Schottel haubtspr. 362; sonst zu unverfänglich e: der geist der kraft, der unschuld, der u. Pestalozzi 6, 316; die u. der beziehungen W. v. Chezy erinnerungen 1, 146; die grösze ist die beschaffenheit, an der ein daseyn mit dem scheine von u. ergriffen und wodurch es zerstört werden kann Hegel 3, 452; die u. der sache Schopenhauer 3, 553 Gr., einer äuszerung, bedingung, eines vertrages u. dgl.; unverfänglichkeiten d. romanzeitung 16, 1, 33. —
6363 Zeichen · 210 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unverfänglich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unverfänglich , -er, -ste, adj. et adv. nicht verfänglich, mit keiner Gefahr des Betruges oder des Nachtheiles verbunden…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unverfänglich

    Goethe-Wörterbuch

    unverfänglich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    unverfänglich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|ver|fäng|lich adj. sinzier (-s, -a). ▬ unverfänglich e Fragen domandes sinzieres f.pl.

Verweisungsnetz

9 Knoten, 3 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Kompositum 3 Sackgasse 6

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unverfaenglich

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unverfaenglich 3 Analysen

un- + verfaenglich

unverfaenglich leitet sich vom Lemma verfaenglich ab mit Präfix un-.

Alternativen: unverfangen+-lich un-+verfang+-lich

unverfaenglich‑ als Erstglied (1 von 1)

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „unverfaenglich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unverfaenglich/dwb?formid=U12275
MLA
Cotta, Marcel. „unverfaenglich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unverfaenglich/dwb?formid=U12275. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unverfaenglich". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unverfaenglich/dwb?formid=U12275.
BibTeX
@misc{lautwandel_unverfaenglich_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„unverfaenglich"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/unverfaenglich/dwb?formid=U12275},
  urldate      = {2026-05-19},
}