unveränderlich,
adj. adv.,
gs. zu veränderlich.
mnl. onveranderlijc;
nl. onveranderlijk;
dän. uforanderlig;
schwed. oföränderlig.
immutabilis Frisius 653
b.
vgl. die entsprechungen von invariabilis, immutabilis in den westl. cultursprachen. für immutable, invariable Spanutius (1720) 284; 299; Campe.
syn. unabänderlich (
s. d.). a)
die bei uns älteste bed. ist theologisch, bezeichnung einer göttlichen eigenschaft; so auch mnl. und nl.: ob gottis versehung verenderlich odder unverenderlich sey Jonas
übers. von Luthers de servo arbitrio Luther 18, 610
W.; Grimmelshausen 4, 707
Keller; gott ist u. Jac. Böhme (1620) 4, 5; Zachariä 6, 268; Giseke 88
Gärtner; dem unveränderlichen gott Schiller 12, 393
G.; Jung-Stilling 3, 554; diesem ewigen, unveränderlichen geist G. Arnold
ketzerhist. 6
a; das ewige licht des unveränderlichen Solger
Erwin 1, 255. b)
philosophisch: die natur sei u. und unverwesentlich Guarinonius
greuel (1610) 36; ideen Dusch (1758) 248; das wort u. ... ist die verneinung einer unvollkommenheit und im grunde ein positiver begriff
M. Mendelssohn 2, 114; gesetze Göthe 43, 5
W.; die unveränderliche verbindung der theile unter einander II 8, 273
W.; in der unveränderlichen struktur der menschlichen seele Schiller 4, 63
G.; das unveränderliche ... nennt man in der philosophie auch die substanz
F. Schlegel
d. museum 4, 230; diese veränderlichkeit selbst ist ... in ihrer wurzel ein unveränderliches
F. H. Jacobi 3, 392; Fichte 2, 147; Hegel 5, 39; Fr. A. Lange
gesch. d. materialismus 391. c)
terminologisch und in wissenschaftlicher spr. überhaupt: derhalben bleibt dieselb vielfeltigende zal unverenderlich Pegius
geburtsstundenb. (1570) A a 5
a; Wolff
math. lex. (1747) 1375; Mothes
baulex. (1882) 4, 396; unveränderliche kraft
in der mechanik Jacobsson 8, 58
a; unveränderlicher widerstand Blaschke
wb. d. elektrotechnik 140; unveränderliche erde, kieselerde Gottsched
d. neueste 1, 314; Oken
allg. naturg. (1839) 1, 136; gewichtsverhältnis Liebig
chem. briefe 43, kupferlösung, münze Muspratt
chemie (1896) 5, 1590;
hwb. d. staatswiss. 5
b, 901; die 8
va ... bleibt allzeit u. Heinichen
generalbasz 101; die selblauter sind ... veränderlich oder u. (
nicht umlautfähig) Bellin
rechtschreibung (1657) 14 (
veraltet); ganz unveränderliche altn. adjectivbildungen Jac. Grimm
kl. schr. 3, 405; inventarien Körte
sprichw. 453; die kirche ist u. Gutzkow (1872
ff.) 6, 282; die unveränderliche idee (
pensée immuable) Frankreichs (
Louis Philipp) 9, 18; 7, 104; 7, 7; dasz die technik des dramas nichts ... unveränderliches sei G. Freytag 14, 3; in S.
stand das barometer auf u. Göthe III 3, 214
W.; Rückert 1, 491. d)
allgemein: eines jeden zihl vöst u. Weckherlin 2, 317
F.; ein unveränderliches geheimnusz Chr. Weise
polit. redner (1677) 115, glück Lohenstein
Arm. 1, 139
a, erfahrung Scheibe
crit. musicus (1745) 975, gebrauch Breitinger
crit. dichtk. 1, 106, grundsatz Sturz 2, 128, kreislauf G. Keller 4, 9; alles, was sich auf ein beschränktes local gründet, ist und bleibt u. Göthe IV 13, 188
W.; I 21, 104
W. e)
von charaktereigenschaften, gemütszuständen, willensbethätigungen u. dgl.: kennet ihr Palladii unveränderlichen vorsatz nicht? Gryphius
Horribiliscribrifax 43
ndr.; gemüth, würdigung, schlusz, liebe, verdienst, gleichgültigkeit, treue, maxime, betragen, freundlichkeit, gesinnung, ernst
u. s. w. Lehmann
florileg. (1662) 3, 113; Harsdörfer
secret. 1, 376;
seltzame liebeshändel (1691) 793; Ziegler
Banise 744; Petrasch
lustsp. 1, 262; Triller
poet. betrachtungen 2, 239;
theater d. Deutschen (1768
ff.) 9, 4;
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 291; Archenholz
England u. Italien 1, 1, 226; Holtei
erz. schr. 7, 48; Pückler
briefw. u. tageb. 3, 366; Hebbel
tageb. 2, 399
W.; was hilfts? die zeit verändert sich; mein leid ist unveränderlich Triller
poet. betrachtungen (1750) 6, 598; meine antwort bleibt u.: nimm mich, wie ich bin! Holtei
erz. schr. 3, 120. f)
von personen (
s. veränderlich
th. 12, 71
und vgl. hier g): ist es aber möglich, ... dasz man geliebt werde und in sich gantz u. bleibe? Lohenstein
Arm. 2, 45
b; er ist u. in seiner zusage,
stat promissis Stieler 303; dadurch macht es (
d. gefühl der andacht) so u., so heiter Herder 16, 396
S.; u. und allezeit unverändert erscheinen Ranke
s. w. 9, 171; mein unveränderlicher freund Schubart
leben 2, 66; dem unveränderlichen lebenszuschauer sind stern und unstern gleich kurzweilig G. Keller 2, 93; selbst die unveränderlichsten litten hier erschütterungen Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 353; der unveränderliche
gesellschaftsname des fürsten Christian zu Anhalt. g)
im briefstil (
vgl. f): disz schikket dir ausz dem lager in P. dein unverenderlicher Chirander Stieler
geharnschte Venus 8
ndr.; dein bis in den tod unveränderlicher L. Bäuerle
kom. theater 1, 38; bleiben sie mir immer die liebe, unveränderliche von ewigkeit zu ewigkeit Göthe IV 3, 78
W.; ich verharre übrigens mit unveränderlicher hochachtung ... Bürger
an Klopstock 252
L.; ich schliesze mit den empfindungen der hochachtungsvollsten, unveränderlichsten treue Knigge
roman m. lebens 2, 56;
adverbial: ich bin u., wie sie wissen, ganz der ihrige Lessing 18, 40
M.; wie u. ich ihnen ergeben bin Göthe
schr. d. Götheges. 17, 52; u. theuer, getreu Schiller
br. 1, 212
J.; jahrb. d. Grillparzerges. 6, 14. h)
von sinnlichen gegenständen: Loths hauszfrau, die in ein unverenderlichen stein ist verwandelt worden Nigrinus
von zäuberern (1592) 175; denkmahl, grenze, stadt, wolke
u. dgl. Stifter 5, 1, 165; Ratzel
völkerkunde 2, 77; Justi
Winckelmann 2, 1, 21; Laistner
nebelsagen 347; gelten nicht diese länder (
Elsasz und Lothringen) für urdeutsch und u.? Laube 5, 307. i)
unabänderlich: fatalmente, durch gottes vorsehung nöhtig, u. Hulsius (1618) 2, 148
a; nach dem unveränderlichen schlusz des allmächtigen Butschky
Pathmos 8; keine unveränderliche nothwendigkeit Lohenstein
Arm. 1, 63
b; was nothwendig ist, das ist u. Chr. Wolff
gedanken v. gott (1720) 17; bey unveränderlichen sachen
insel Felsenburg (1768) 2, 354; die gesetze sind u. Göthe 8, 38
W.; unveränderliche strafen Niebuhr
röm. gesch. 2, 70; ultimatum, der endliche, unveränderliche beschlusz Voigt
geschäftsführung (1807) 2, 524.
veraltet. k)
unverändert: ehe ich meine arbeit ... u. in das publicum sende Bürger 1, 183
B.; so dasz ich von der unveränderlichen (
eigentlich: die sich nicht änderte) farbe schon früh den namen grüner Heinrich erhielt G. Keller 1, 91. l)
adv., soweit nicht schon oben berücksichtigt (
vgl. g): gleichwol ist darneben dieses war, das zu gleicher weise ... durch gantz Franckreich ... gewisz und u. gelte, das eyn meszrut zwölf daumen begreiffe Sebiz
feldbau (1579) 470; die morgenröthe nahe sich und lob ihn unveränderlich A. Silesius
seelenlust 215
ndr.; weil sie (
d. magnetnadel) sich u. nach einem einfachen gesetze richtet Göthe II 5, 1, 76
W.; u. feststehen W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 6; die treuen blauen augen lachten unverändert und u. aus dem ehrlichen ... gesichte Holtei
erz. schr. 21, 114; u. getreu, närrisch, starr
u. dgl. Bräker 1, 86; Gutzkow
zauberer 4, 302; H. v. Barth
Kalkalpen 95. —