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unsicherheit

mhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unsicherheit f.

Bd. 24, Sp. 1383
unsicherheit, f., gth. u. mangel der sicherheit. mhd. unsicherheit; mnd. unsekerheit; mnl. onsekerheit, nl. onzekerheid; n. usikkerhed; schwed. osäkerhet. vgl. unsicherung und (das viel ältere) ungewiszheit. a) rechtssprachlich, vielfach in die folg. bedd. hinüberspielend (s. sicherheit 1, unsicher 1, 2): so sol er (der totschläger) dannothin erkennt werden von fryd in unfryden und von sicherheit in u. (1539) Staub-Tobler 7, 179; u. eines bürgen, schuldners, acceptanten wechselordnung 6, 2; einer geliehenen summe Hohberg georg. 1, 29; J. Möser 5, 60; u. des rechts Savigny beruf unsrer zeit (1814) 79; Treitschke d. gesch. 1, 287; rechtsunsicherheit; u. der obersten gewalt Ranke 14, 97, unsrer staatlichen zustände Bismarck gedanken u. er. 1, 221. scherzend: ich ging dieser tage über den Stefansplatz, da trat mir ein unsicherheitsmann (sicherheitsbeamter, mann der sicherheit Sanders erg. wb. 480b, der den platz unsicher machte) entgegen und arretirte mich Kürnberger siegelringe 279. b) sicherheit 2, unsicher A I 1, II 1 entsprechend: U. v. Richental chron. d. Constanzer concils 60; sintemal nicht elender ding auff erden ist denn unfride, unsicherheyt, unterdruckung, gewalt, unrecht Luther 18, 392, 7 W.; 15, 312, 20 W.; und hilten uns für wagehelse, das wir durch die u. uns wolten wagen F. Fabri eigentlich beschreibung (1557) 6a; in solcher u. und gefahr schlaffen Butschky Pathmos 578; in unruhe und u. leben M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 2, 322; allgemeine u. Eschenburg beispielsammlung 8, 2, 465; veraltete verbale verbindungen: in die höchste u. fallen acta publ. 4, 47 P., in merckliche u. setzen Chemnitz schwed. krieg 2, 34, u. trifft einen Fischer-Tümpel 3, 213; mit erläuterndem genitiv: die u. diser welt heiligenleben summerteil (1472) 152b, der straszen acta publ. 5, 7 P., des besitzes Geigers Göthejahrb. 4, 248, der posten Görres briefe 3, 52, der zustände Hebbel tageb. 3, 348, des lebens und eigenthums G. Freytag 17, 416, des bodens H. v. Barth kalkalpen 442, des erdenglückes Fouqué altsächs. bildersaal 3, 24, der stellung Treitschke d. gesch. 5, 155, des befindens Immermann 18, 83 u. s. w. plur.: unsicherheiten und elendigkeiten Gervinus an J. Grimm 2, 12. c) wie unsicher A I 2, II 2 auf seelisches empfinden bezogen. im geistlichen sinne (vgl. sicherheit 5): Tauler pred. 212, 17 V.; serm. (1508) 139b; es seind vil menschen, die mit groszer unsicherhayt das hailig sacrament enpfahent Keisersberg granatapfel (1510) d 5d; die rohte farbe bedeutet furcht, u. Zesen helikon. rosentahl 30; in der peinlichsten ungewiszheit und u. Göthe 33, 93 W., innere u. Polenz Grabenhäger 1, 250; ein gefühl der reue und u. G. Keller 3, 126; unsicherheitsgefühl Pestalozzi 7, 108; aus seiner stimme klang eine u., die ihm sonst nicht eigen war Storm 5, 86; u. des blickes u. s. w.; plur.: neue unsicherheiten bewegten sich in mir Göthe 29, 157 W.; u. seiner selbst 24, 289 W.; u. im religionswesen Dahlmann gesch. d. fr. revolution 419, im befehlen Moltke 7, 124; jemand in u. lassen; nl. wb. 10, 2231. d) unsicher 3 entsprechend: wenn ich fechte widder yhre uneinigkeit und u. (ihre widerspruchsvollen und unrichtigen meinungen) Luther 26, 266 W.; u. des richters, urtheils; Schleiermacher Platon 6, 312; wegen der u., ob ich nicht bald da bald dorthin gerufen werde Mozart bei O. Jahn 3, 68; dasz ... selbst über Leibnitz verdienst Deutschland noch in der gröszesten u. wäre Herder 17, 298; J. Grimm kl. schr. 2, 22; 1, 364; plur.: unsicherheiten (fälle unsichern urtheils) der älteren poetiker Gervinus gesch. d. d. dicht. 3, 507. e) unsicher 4 entsprechend: u. des spilers, spiels, schützen, schusses, der bewegung, des verfahrens, versuchs, wissens, im dreizählen v. d. Steinen naturvölker Central-Brasiliens 416; eine u. ungeübter kraft G. Freytag 15, 126; bes. in der kunst: u. in den strichen Göthe 24, 370 W., der ersten anlage 48, 187 W., des geschmacks II 1, 334 W., seiner schüler II 2, 283 W., des pinsels, des augenmaszes Justi Winckelmann 1, 421. allgemein: flache emporkömmlinge verrathen ihre u. durch barschen hochmuth Holtei erz. schr. 20, 131. f) wie unsicher 5: Fischart ehzuchtb. 161, 5 H.; die u., oder vielmehr die ungewiszheit des allgemeinen friedens Rist d. friedejauchzende Teutschland vorb. 2a; die u. dieses leitsternes Treitschke aufsätze 1, 308; u. der politischen freunde, der gesinnung, des charakters, der freundschaft, treue, des bündnisses u. s. w. g) unsicher A II 6 entsprechend: die u. dises übels N. v. Wyle transl. 318, 18 K.; pönitentz und busz in das todbettel (sparen) es ist die gröste u. Abr. a St. Clara etwas für alle I, 423; u. der existenz, des zustandes u. dgl. h) unsicher A II 7 entsprechend: u. der nachrichten Hegel 16, 84; die unbestimmtheit, u. der gedanken und der worte Herder 5, 184; Göthe III 10, 69 W.; 45, 290 W.; des zieles 46, 62 W., u. eines numerischen resultats A. v. Humboldt kosmos 3, 47, der berechnung 2, 487, der etymologien W. v. Humboldt 4, 102; u., die über das gewicht .. der bedungenen mark silber herrschen konnte Luschin v. Ebengreuth münzkunde 141; J. Grimm Reinh. Fuchs ccxlviii; letzterer grösze haftet freilich noch bedeutende u. an L. Boltzmann populäre schr. (1905) 44; die momente der u. ausschlieszen Bücher arbeit u. rhythmus4 409; unsicherheitsmoment Simmel philos. kultur 18; viele unbearbeitete felder voll dämmerung, u., unbestimmtheit Lavater physiognom. fragmente 1, 53; einen begriff auszer u. setzen F. H. Jacobi 2, 295; die zeit, während welcher ..., unterliegt keiner u. J. Grimm kl. schr. 3, 184. falschheiten oder unsicherheiten W. v. Humboldt 4, 36; voll unsicherheiten, sagen Ritter erdkunde 1, 437; mischungen und unsicherheiten Gervinus gesch. der d. dicht. 1, 208. i) nach unsicher A II 8: u. ist die seele des handels J. Möser 1, 100; u. unsers sterbestündleins Kramer (1702) 2, 802c, des wetters, der atmosphäre Göthe IV 29, 178 W., des gelingens Müllner 8, 40, der diagnose Sömmerring bau d. menschl. körpers 81, 281, einer anstellung O. Jahn Mozart 2, 304, der zukunft M. Meyr a. d. Ries 2, 204, der zinsen u. s. w. j) u. der mittel, wirkung, des maszstabes (vgl. unsicher A II 9). k) u. des dämmerlichts (unsicher A II 10). l) persönlich: u. dich .. bestehet J. Agricola sprichw. (1534) 6b; Lehmann floril. 4, 259. blosz im bilde: die u., welche sich meiner bemächtigen wollte G. Keller 1, 295. —
6439 Zeichen · 221 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unsicherheitstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    unsicherheit stf. das ungewisse. der sicher durch unsicherheit lât Bon. 9,25.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unsicherheit

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Die Unsicherheit , plur. inusit. die Eigenschaft, da ein Ding unsicher ist, in allen vorigen Bedeutungen.

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unsicherheit

    Goethe-Wörterbuch

    Unsicherheit [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Unsicherheit

    Schweizerisches Idiotikon

    Unsicherheit Band 7, Spalte 179 Unsicherheit 7,179

  5. Spezial
    Unsicherheit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|si|cher|heit f. (-,-en) malsegurëza (-zes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unsicherheit

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Ableitung von unsicherheit 3 Analysen

un- + sicherheit

unsicherheit leitet sich vom Lemma sicherheit ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+sicher+-heit unsicher+-heit

Zerlegung von unsicherheit 2 Komponenten

unsic+herheit

unsicherheit setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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