unsicherheit,
f.,
gth. u. mangel der sicherheit.
mhd. unsicherheit;
mnd. unsekerheit;
mnl. onsekerheit,
nl. onzekerheid;
dän. usikkerhed;
schwed. osäkerhet.
vgl. unsicherung und (
das viel ältere) ungewiszheit. a)
rechtssprachlich, vielfach in die folg. bedd. hinüberspielend (
s. sicherheit 1,
unsicher 1, 2): so sol er (
der totschläger) dannothin erkennt werden von fryd in unfryden und von sicherheit in u. (1539) Staub-Tobler 7, 179; u. eines bürgen, schuldners, acceptanten
wechselordnung 6, 2;
einer geliehenen summe Hohberg
georg. 1, 29; J. Möser 5, 60; u. des rechts Savigny
beruf unsrer zeit (1814) 79; Treitschke
d. gesch. 1, 287; rechtsunsicherheit; u. der obersten gewalt Ranke 14, 97, unsrer staatlichen zustände Bismarck
gedanken u. er. 1, 221.
scherzend: ich ging dieser tage über den Stefansplatz, da trat mir ein unsicherheitsmann (
sicherheitsbeamter, mann der sicherheit Sanders
erg. wb. 480
b,
der den platz unsicher machte) entgegen und arretirte mich Kürnberger
siegelringe 279. b) sicherheit 2, unsicher A I 1, II 1
entsprechend: U. v. Richental
chron. d. Constanzer concils 60; sintemal nicht elender ding auff erden ist denn unfride, unsicherheyt, unterdruckung, gewalt, unrecht Luther 18, 392, 7
W.; 15, 312, 20
W.; und hilten uns für wagehelse, das wir durch die u. uns wolten wagen
F. Fabri
eigentlich beschreibung (1557) 6
a; in solcher u. und gefahr schlaffen Butschky
Pathmos 578; in unruhe und u. leben
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 2, 322; allgemeine u. Eschenburg
beispielsammlung 8, 2, 465;
veraltete verbale verbindungen: in die höchste u. fallen
acta publ. 4, 47
P., in merckliche u. setzen Chemnitz
schwed. krieg 2, 34, u. trifft einen Fischer-Tümpel 3, 213;
mit erläuterndem genitiv: die u. diser welt
heiligenleben summerteil (1472) 152
b, der straszen
acta publ. 5, 7
P., des besitzes
Geigers Göthejahrb. 4, 248, der posten Görres
briefe 3, 52, der zustände Hebbel
tageb. 3, 348, des lebens und eigenthums G. Freytag 17, 416, des bodens H. v. Barth
kalkalpen 442, des erdenglückes Fouqué
altsächs. bildersaal 3, 24, der stellung Treitschke
d. gesch. 5, 155, des befindens Immermann 18, 83
u. s. w. plur.: unsicherheiten und elendigkeiten Gervinus
an J. Grimm 2, 12. c)
wie unsicher A I 2, II 2
auf seelisches empfinden bezogen. im geistlichen sinne (
vgl. sicherheit 5): Tauler
pred. 212, 17
V.; serm. (1508) 139
b; es seind vil menschen, die mit groszer unsicherhayt das hailig sacrament enpfahent Keisersberg
granatapfel (1510) d 5
d; die rohte farbe bedeutet furcht, u. Zesen
helikon. rosentahl 30; in der peinlichsten ungewiszheit und u. Göthe 33, 93
W., innere u. Polenz
Grabenhäger 1, 250; ein gefühl der reue und u. G. Keller 3, 126; unsicherheitsgefühl Pestalozzi 7, 108; aus seiner stimme klang eine u., die ihm sonst nicht eigen war Storm 5, 86; u. des blickes
u. s. w.; plur.: neue unsicherheiten bewegten sich in mir Göthe 29, 157
W.; u. seiner selbst 24, 289
W.; u. im religionswesen Dahlmann
gesch. d. fr. revolution 419, im befehlen Moltke 7, 124; jemand in u. lassen;
nl. wb. 10, 2231. d) unsicher 3
entsprechend: wenn ich fechte widder yhre uneinigkeit und u. (
ihre widerspruchsvollen und unrichtigen meinungen) Luther 26, 266
W.; u. des richters, urtheils; Schleiermacher
Platon 6, 312; wegen der u., ob ich nicht bald da bald dorthin gerufen werde Mozart
bei O. Jahn 3, 68; dasz ... selbst über Leibnitz verdienst Deutschland noch in der gröszesten u. wäre Herder 17, 298; J. Grimm
kl. schr. 2, 22; 1, 364;
plur.: unsicherheiten (
fälle unsichern urtheils) der älteren poetiker Gervinus
gesch. d. d. dicht. 3, 507. e) unsicher 4
entsprechend: u. des spilers, spiels, schützen, schusses, der bewegung, des verfahrens, versuchs, wissens, im dreizählen v.
d. Steinen
naturvölker Central-Brasiliens 416; eine u. ungeübter kraft G. Freytag 15, 126;
bes. in der kunst: u. in den strichen Göthe 24, 370
W., der ersten anlage 48, 187
W., des geschmacks II 1, 334
W., seiner schüler II 2, 283
W., des pinsels, des augenmaszes Justi
Winckelmann 1, 421.
allgemein: flache emporkömmlinge verrathen ihre u. durch barschen hochmuth Holtei
erz. schr. 20, 131. f)
wie unsicher 5: Fischart
ehzuchtb. 161, 5
H.; die u., oder vielmehr die ungewiszheit des allgemeinen friedens Rist
d. friedejauchzende Teutschland vorb. 2
a; die u. dieses leitsternes Treitschke
aufsätze 1, 308; u. der politischen freunde, der gesinnung, des charakters, der freundschaft, treue, des bündnisses
u. s. w. g) unsicher A II 6
entsprechend: die u. dises übels
N. v. Wyle
transl. 318, 18
K.; pönitentz und busz in das todbettel (
sparen) es ist die gröste u. Abr. a St. Clara
etwas für alle I, 423; u. der existenz, des zustandes
u. dgl. h) unsicher A II 7
entsprechend: u. der nachrichten Hegel 16, 84; die unbestimmtheit, u. der gedanken und der worte Herder 5, 184; Göthe III 10, 69
W.; 45, 290
W.; des zieles 46, 62
W., u. eines numerischen resultats A. v. Humboldt
kosmos 3, 47, der berechnung 2, 487, der etymologien W. v. Humboldt 4, 102; u., die über das gewicht .. der bedungenen mark silber herrschen konnte Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 141; J. Grimm
Reinh. Fuchs ccxlviii; letzterer grösze haftet freilich noch bedeutende u. an L. Boltzmann
populäre schr. (1905) 44; die momente der u. ausschlieszen Bücher
arbeit u. rhythmus4 409; unsicherheitsmoment Simmel
philos. kultur 18; viele unbearbeitete felder voll dämmerung, u., unbestimmtheit Lavater
physiognom. fragmente 1, 53; einen begriff auszer u. setzen
F. H. Jacobi 2, 295; die zeit, während welcher ..., unterliegt keiner u. J. Grimm
kl. schr. 3, 184. falschheiten oder unsicherheiten W. v. Humboldt 4, 36; voll unsicherheiten, sagen Ritter
erdkunde 1, 437; mischungen und unsicherheiten Gervinus
gesch. der d. dicht. 1, 208. i)
nach unsicher A II 8: u. ist die seele des handels J. Möser 1, 100; u. unsers sterbestündleins Kramer (1702) 2, 802
c, des wetters, der atmosphäre Göthe IV 29, 178
W., des gelingens Müllner 8, 40, der diagnose Sömmerring
bau d. menschl. körpers 8
1, 281, einer anstellung O. Jahn
Mozart 2, 304, der zukunft
M. Meyr
a. d. Ries 2, 204, der zinsen
u. s. w. j) u. der mittel, wirkung, des maszstabes (
vgl. unsicher A II 9). k) u. des dämmerlichts (unsicher A II 10). l)
persönlich: u. dich .. bestehet J. Agricola
sprichw. (1534) 6
b; Lehmann
floril. 4, 259.
blosz im bilde: die u., welche sich meiner bemächtigen wollte G. Keller 1, 295. —