unschön,
adj. adv. ,
gth. von schön,
in mundarten (Staub-Tobler 8, 857; 1, 298; Fischer 6, 215)
auch dessen steigerung '
sehr schön' (
s.un IV D).
ahd. as. unscôni;
mhd. unschœne, -schône, ungeschône;
mnl. onschone,
nl. onschoon;
dän. uskjøn,
schwed. oskön
aus dem deutschen. zu den formerscheinungen s. schön.
in der ält. spr. nicht unhäufig und mit reich durchgebildeter bed. vertreten, wird u.
im 16.
und 17.
jh. selten und auf bestimmte verbindungen beschränkt; Stieler, Adelung, Schwan
lassen es aus, '
doch sagt man nicht u.' Breitinger
crit. dichtkunst 2, 87;
gegen ende des 18.
jhs. wird es als mittelbegriff zwischen schön
und häszlich ('
nicht schön, aber nicht geradezu häszlich'; u., oft sogar häszlich Tieck
dramaturgische blätter 2, 217),
oft eulogisch, stark entwickelt; gelegentlich sind griech. μὴ καλόν,
engl. unfair
von einflusz gewesen. 11)
das gth. v. schön 1 b
α ist in dem schweizerischen adj. unschonlich Staub-Tobler 8, 866 (
th. 9, 1522)
erhalten; wenn wir von unschönem wetter
oder tage
sprechen, ist bed. 5 a
heranzuziehen; unschöne haut, hautfarbe
sagen wir nach bedeutung 2,
nicht im sinne des Heliand 153.
vgl. M. Meyr
aus d. Ries 3, 123. de win is unschon
turbidum nd. jabrb. 35, 28
a;
siehe schön 1 b
γ. 22)
gth. v. schön 2 a
α/
β; in der älteren stärkeren bed.: daher es kein wunder, dasz diese (
männer) etwas wüster und unschöner sich erblicken lassen E. Francisci
lusthaus (1676) 287;
in der neueren abgeschwächten bed.: eine unschöne frau; sie ist u.; ein unschöner menschenschlag Gaudy 5, 19; Lenau 332
B. subst.: dieser abendländischen schönen und unschönen G. Keller 4, 40; unschön werden Bettine
Günderode 1, 383.
wie schön 2 a
γ: u. in der haltung
u. dgl. wie 2 a
δ: den unschönsten gesichtern Lavater
physiognom. fragmente 4, 211;
von nase, mund
u. s. w.; er hatte kein unschönes äuszere Seidel
vorstadtgesch. 57;
adv.: seine u. geformte mittelfigur H. Laube 3, 96.
wie schön 2 a
ζ ff. von thieren (Fischer 6, 215),
pflanzen, edelsteinen u. dgl. gth. von schön 2 a
ι '
ohne landschaftliche reize': ein gebiet nicht gerade unfruchtbar, aber u., nur an einem einzigen reitzenden punkte mit der see verbunden Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 443; ein unschöner (
unschön gelegener) flecken Weinhold
Boie 102. schön 2 b
α ff. entsprechend: unschöne gebäude; u. gebaut Gutzkow 11, 67; unschönes gerät, schiebefenster Hoops
waldbäume 570;
von kleidung, schmuck; handschrift, umschrift
handwb. der staatswiss. 5, 926; ein unschönes gemälde; unschöne riesenbilder J. H. Voss
antisymbolik 28. schön 2 c
entsprechend: unschöne umrisse Immermann 18, 98; ein unschöner anblick O. Ludwig 5, 42; eindruck G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 11; u. anzusehen Fouqué
alts. bildersaal 2, 451; u. sei es, die stirn ... zu bedecken Justi
Winckelmann 1, 441.
prägnant und eulogisch für unreinlich, widerlich: das beste gericht erregt ekel ... sobald das auge ... etwas unschönes daran entdeckt Muspratt
chemie 6, 6;
finnig v. schweinen Staub-Tobler 8, 857;
unrein von der seele (
vgl. 5)
mnl. wb. 5, 906. 33)
gth. v. schön 3 a
u. b: eine unschöne tongebung, stimme; ein unschöner geschmack, geruch. 44) schön 4
entsprechend: einen unschönen vers Immermann 1, 30; Treitschke
aufsätze 1, 52; häufung Scherer
litgesch. 70; seine (
des heidentums) rohen, nicht unschönen bruchstücke rühren uns J. Grimm
kl. schr. 2, 27; einer u. gewordenen sprache Döllinger
vorträge 1, 43. '
unästhetisch' (
vgl.schön 4 b): ihren werken (
der nachahmer Raphaels) sieht man es an, in wie kalter, unschöner stimmung sie entworfen sind Ranke 37, 319; diese geistreichen empfindler nennen die gesinnung u. Gutzkow
ritter vom geiste 3, 44; O. Ludwig 5, 326; Mommsen
röm. gesch. 1, 458;
adv.: was mir grade schön oder u. vorkommt S. Hensel
familie Mendelssohn 2, 193; Justi
Winckelmann 2
1, 285;
wortspielend: die damalige unschöne literatur Kerner
bilderbuch 285.
gth. von Schillers schönem charakter (
vgl.schön 4 c): Kreon ... als unschöner charakter Vischer
ästhetik 1, 317. schön 4 d
entsprechend (
vgl. 5): eine unschöne handlungsweise; u. handeln; o schöne entschlieszungen, o unschöne nichthaltungen S.
Brunner erz. 2, 40; besonders äuszert sich in den frauen das adlige selbstgefühl auf unschönste art Gutzkow 11, 186; Mommsen
staatsrecht 1, 289. schön 4 f
entsprechend: auf diesem wege wird ... manches ungewöhnliche, ja das unschöne selbst gefordert Göthe 49, 42, 6
W.; E. Th. A. Hoffmann 1, 5
Gr.; Hegel II 10, 133; etwas unschönes Fouqué
gefühle 2, 26; unschönes und schönes in einklang zwingend Platen (1863) 2, 235. 55)
gth. von schön 5,
insbesondere '
unerfreulich, abstoszend, widerwärtig': ein unschöner abend, unschönes wetter (
vgl. 1); eine unschöne absicht Schleiermacher I 5, 720; ein unschöner traum, gedanke
u. ä.; zwitterwesen werden ... uns wohl auffallen, aber u. (
vgl. 4) erscheinen Hegel I 10, 169; G. Freytag 16, 166; unsere fahrt, anfangs so reizvoll, gestaltete sich vou Hamm aus einigermaszen beschwerlich und u. Fontane I 5, 267. '
unfair': Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 300
unter undankbarkeit 2,
sp. 432:
vgl. 4. unschöne worte (
vgl.schöne worte geben, schön 5 c),
in ä. zeit '
ungehörige, unanständige, schändliche, ehrenrührige' (
mnl. wb. 5, 907; es saget auch der teter im gefengnis von sich, das in W. sein leben lang kein unschon wort gesaget [1526]
acten zur kirchenpolitik Georgs v. Sachsen 2, 644),
dann abgeschwächt wie unrecht,
adj., 3 e
ζ ('
quidquid displicet' Frisch 2, 219
a; Fischer 6, 215; Schmeller 2, 428;
obers. wb. 2, 600): so wahr ich eine ehrliche frau bin, wenn ich einem ein unschöne wort mein lebetage grosz gesaget habe Chr. Reuter
Schlamp. krankheit u. tod 1, 93; das geringste unschön wort, das ich zu ihm sage, so hab ich ihn gleich am halse Kramer (1700) 1, 598
c; es sind leute zu zwanzig jahren bei dem grafen, die noch kein unschön oder zorniges wort gehört haben Gellert 9, 260; jemand ein unschönes wort geben Petrasch
lustspiele 2, 386; Hauff 3, 86, 6; Auerbach 2, 150;
schriftsprachlich ungewöhnlich. der ä. spr. gehören an: die unschonen '
unbarmherzigen, rohen'
buch der Maccabäer 49
Helm (
vgl. schœniu huote), unschon empfangen werden
hist. volksl. 1, 298, 155
L. (
vgl.schön 5 d
β), unschone varen
th. 9, 1483 (
vgl. mnl. wb. 5, 907), unschone ('
ekel spürend und verbreitend') ropzen
Breslauer arzneib. 137.
die n. schriftspr. verallgemeinert den geistig-sittlichen begriff (
vgl. unfair,
μὴ καλόν): keine schmeichelei, viel weniger etwas unschönes hätte sich an sie heranwagen dürfen Ranke 26, 459; Rückert 12, 63; u. sind dabei nur die selten den tänzen fehlenden unanständigkeiten Ratzel
völkerkunde 2, 133;
auf 4
zurückweisend: derbes verletzt mich nicht, aber unschönes Auerbach 4, 40; das unangemessene ist das innerlich unschöne 7, 92; 5, 108. —