unregelmäszig,
adj. adv. ,
gth. v. regelmäszig.
noch nicht bei Stieler,
der regelmäszig
verzeichnet; dann bei Kramer 2 (1702), 295
b (
meist in der form unregulmäszig);
doch literarisch erst nach 1750
häufiger. nl. onregelmatig
germanismus. dän. uregelmæssig,
schwed. oregelmessig
aus dem deutschen. in bed. a
u. b
weniger stark als regellos, regelwidrig;
mehrfach für irregulär (
ml. irregularis,
franz. irrégulier,
engl. irregular; unregularen regungen
disc. d. mahlern 1, 1) Adelung, Campe.
lux. 319
a.
vgl.ungeregelt,
ungeordnet,
unordentlich.
wie regelmäszig: aa)
von unrichtig errichteten oder abgetheilten körpern und dingen. attributiv: eine unregulmäszige vestung (
irregolare) Kramer; Krünitz 199, 85; 87; figur Herder 22, 42; fünfeck Heinse 7, 26; dachschieferbrüche Göthe IV 26, 58
W.; ein altes unregelmäsziges schlosz 23, 5, 28
W.; mit unregelmäszigen fenstern G. Freytag 12, 181; straszen Nicolai
reise 3, 131; schattenmasse Raabe
hungerpastor 3, 86. unregelmäszige, gemeine gesichtszüge (
traits irréguliers) G. Forster 1, 223.
substantiviert: Eschenburg
entwurf 23.
prädicativ: unregelmäsziger waren die angebäude Göthe 23, 6
W.; 30, 200
W.; Arnim 11, 219; Ebner - Eschenbach 4, 275.
adv.: u. bauen, befestigen Kramer, schreiben Cronegk 1, 260, verteilen Fontane I 1, 60; u. eiförmig Göthe II 10, 15
W., u. aufgethürmt Storm 2, 237.
als term. techn.: u., fr. irregulier alles dasjenige, was nicht nach den regeln der kunst (
vgl.b) gemacht ist. man sagt eine unregelmäszige zeichnung, stellung, ein unregelmäsziges gebäude in der baukunst. in der malerey sagt man lieber eine zeichnung, die korrekt oder nicht korrekt ist Jacobsson 4, 486
b;
naturwissenschaftlich: unregelmäszigste abweichungen Göthe II 9, 99
W. (
vgl.b); Oken
naturgesch. 6, 457; Schönermark - Stüber 731; unregelmäszige blumen Göthe II 6, 54
W.; Röhling-Martens-Koch 1, 192; Bischoff
wb. 108; Karmarsch-Heeren 6, 201. bb)
der vorschrift oder richtschnur, der gewohnten, herkömmlichen, gesetzmäszigen ordnung u. dgl. nicht entsprechend: vielleicht wundern sie sich über meinen unregelmäszigen antrag Rabener 3, 280; der unregelmäszigsten halben stunde meines lebens Grabbe 3, 232; weil jedes geheimnisz etwas unregelmäsziges an sich hat Hippel
lebensläufe 1, 409; einen sehr fehlerhaften, unregelmäszigen und schlecht ausgesonnenen plan Wieland
Agathon 2, 192; begebenheiten, die ihm hier u. schienen A. G. Kästner 1, 14; Herder 20, 156; unregelmäszige applicaturen Schachtner
bei O. Jahn
Mozart 1, 34, brechung Göthe II 2, 163, rückzug Droste-Hülshoff 2, 365, (lauf)bahn Scherer
kl. schr. 1, 7
u. s. w.; in Indien hat der barometer fast immer denselben stand, bei uns ist er unregelmäsziger Hegel I 8, 184; u. gedacht Göthe II 5
2, 268, 8
W.; manches drückende und unregelmäszige 40, 272, 5
W. an '
ungesetzlich'
reichend: eine unregelmäszige macht Gottsched
d. neueste 7, 377, verfahren Schiller 4, 160, kriegführung, einwirkung Ranke 4, 31; 1, 223; geburt (
die der erbfolge im wege steht) G. Keller 6, 58; man könnte zwar glauben, dasz noch eine sechste person als zeuge zugezogen wäre, was u. seyn würde Savigny
gesch. d. r. rechts 2, 105.
als term. techn.: ein unregelmäsziges verbum, eine unregelmäszige declination Kramer (1702) 2, 295
b; Leser 54;
vgl. unregelrichtig; heterokliton ... unregelmäsziges nennwort Kinderling 178; die unregelmäszigen griechischen verba Hauff 2, 127, 10. wendungen, die, ohne gezwungen zu sein, auszerordentlich und u. scheinen Ramler
einleitung 3, 23; je roher also eine sprache, desto unregelmäsziger ist sie in diesen bestimmungen Herder 5, 83.
in künsten u. kunstwerken Gottsched
beobachtungen 256; strophen
d. neueste 7, 85; gedicht 2, 57; stück Herder 18, 123; duett Göthe 22, 66, 22
W.; bühne Gottsched
d. neueste 9, 555; poesie Novalis 3, 8; er ziehet aus dem ... unregelmäszigen in seiner sprache öfters schönheiten Nicolai
litbr. 4, 230; wenn einige nachlässige oder unregelmäszige schriftsteller gefallen haben Dusch (1758) 249. ein unregelmäsziger priester (
irregularis nach canon. recht) Laukhard
leben 3, 43; unregelmäszige truppen Häusser
d. gesch. 1, 66; Alten
handb. für heer u. flotte 1, 560;
in beiden fällen ziehen wir irregulär vor. als sittlicher tadel: ein unregelmäsziges leben Kramer; Meinecke
Boyen 1, 58; betragen Göthe III 13, 103, 20
W.; sitten H. Meyer
gesch. d. bild. künste 3, 411; das unregelmäszige und lächerliche in den menschlichen handlungen Cramer
nord. aufs. 1, 126; unregelmäszig leben Kramer; G. Freytag 3, 15; Liskow starb gar bald, verschollen als ein unruhiger, unregelmäsziger jüngling Göthe 27, 74
W.; F. war auch in der liebe eine völlig unregelmäszige natur Laube 2, 202; unregelmäszige genies (
nach dem franz. génie irrégulier) Gervinus
gesch. d. d. dicht. 4, 70. cc)
von abfolge in der zeit: unregelmäszige zeiten, bewegung Göthe 28, 205; IV 5, 49
W.; flug, galopp J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 5, 4; G. Freytag 5, 6; zwischenräume Ebner-Eschenbach 4, 72; das hirn sei klein, das athemholen langsam und u. G. Forster 5, 337; dürftig und u. ist der verkehr G. Freytag 17, 4.
adv.: die schläge fielen manchmal u. Göthe 18, 146
W.; Gentz 1, 207; u. wechselnd Schopenhauer 2, 300; u. zahlen Moltke 2, 84; besuchen Bismarck
br. an s. braut 2. unregelmäszige wintergäste Wimmer
d. boden 357, kirchenbesucher.