unmöglich,
adj. adv. ,
gth. v. möglich.
mhd. unmügelich, -lîche(n).
mnd. unmogelik, -liken.
mnl. onmogelijc, -like.
nl. onmogelijk.
an. úmögnligr.
aschwed. omögheliker, -lika.
dän. umuelig.
schwed. omöjlig.
mundartlich weit verbreitet; neben unmuglich Staub-Tobler 4, 115
steht unmögig
ebda 113, Fischer
schwäb. wb. 6, 203 (
vgl. ummig Schmeller 1, 1578).
frühnhd. unmögenlich
ergibt sich aus unmugenlichait Knebel
chron. v. Kaisheim 138. unmöglichen,
adj. Gersdorff
wundarznei 19
b, Parac. 2, 543, Eyering
prov. 2, 479,
act. publ. 1, 4
Palm. ungemöglich
s. d. u. vgl. ungemüszig.
zu den formen s. ferner möglich (unmüglich
noch öfter im 18.
jh.: Frisch
nouv. dict. 628, Weichmann
Niedersachsen 3, 189,
vern. tadler. 1, 257,
n. schausp. [1771
ff.] 10, 4, 10, 71. ummüglich Luther
vorr. z. Römerbr. 7, 436. 437
u. ö. B.; Matth. 19, 26).
vgl.ohn-, nichtmöglich. 11)
activ. unvermögend, kraftlos: du bedarfst mir nit fürheben etlich alt man in die aberwitz gende, schwer, treg, unmuglich
N. v. Wyle
transl. 163, 3
K.; Fischer 6, 203, 2; Staub-Tobler 4, 115, 4 (1674).
vgl. unmöglichkeit;
dazu unmögig Staub-Tobler 4, 113,
mnd. unmogisch, abmögig Höfler 418
b, möglos, un-, übelmögend.
veraltet. 22)
passiv. 2@aa)
gegentheil von möglich 1.
α)
allgemein. prädicativ: on den glauben ist unmüglich gott zuo gefallen
manuale curat. (1516) 93
b;
mit dativ der person: Luther 26, 332
W., der sache: es ist unmüglich menschlicher krafft
ält. katechismen 28
ndr.; elliptisch: mithin sind dergleichen ... bücher ihnen (
anfängern zu verstehen) u. Heppe
lehrprinz 20;
mit präpos.: bei
Lucas 18, 27, Immermann 1, 33; vor Lichtenberg
nachl. 12; für König (1745) 21
u. allgemein; verbale verbindungen: u. fallen
act. publ. 1, 35
Palm, Göthe 46, 73
W., scheinen
Iphigenie 745 (das u. scheinende Scheibe
crit. musicus 1020; Göthe 19, 67
W.); u. machen Kramer (1702) 2, 70
a (u.-machung Mothes
baul. 2, 409), werden
u. s. w. verkürzung: denn unmüglich, dasz Sandrub
kurzweil 15
ndr.; u., sich das denken ... zu untersagen
jb. d. Grillparzerges. 8, 4.
verschlingung der satztheile (
heute unüblich): vil ding, die man gemeint hat u. sein Carbach
Liv. 137
b (
quae impedita natura sunt); dasz es (
mein verhältnisz) u. ist je gestört zu werden Göthe IV 8, 337
W. zusätze: schlecht(hin), schlechter dinge, schlechterdings, platterdings, durchaus, ganz, rein, unbedingt, absolut, pur
u. dgl.; schlechterdings (
simpliciter) und respective u., bedingt und unbedingt u. Zedler 49, 1887
f.; es ist mir wie u. Gellert 10, 167; unmensch- und u.
s. unmenschlich 14; menschenu. Sanders
erg. wb. 388
b.
litotes: Prätorius
anthrop. plut. 2, 147; nicht ganz u. Göthe IV 8, 243
W. attributiv: ummogeliche ding
blume v. Magdeburg 2, 3, 45, gelübde, versprechungen; arbeyt Luther 18, 385
W., aufgabe H. v. Barth
kalkalpen 32;
mit immer stärkerer ellipse: gebirge Staub-Tobler 4, 115, 3, wege Dannhawer
catechism. 1, 13, Moltke 7, 13
u. s. f. die zu übersehen unmögliche flüsse (
unüblich) Lohenstein
Armin. 2, 147
a.
philosophisch: Wolff
von gott 6, Walch 2753.
β)
abgeschwächt difficillimus (Stieler 202):
Amadis I 30
K.; mit comparativ: Henricpetri
generalhist. 426,
theater d. Deutschen (1768) 7, 15, Göthe IV 27, 17
W.; die unmöglichsten pläne und ansprüche
jb. der Grillparzerges. 3, 61; kan er (
d. feldscher) mit dem specill die kugel u. (
nicht gut) fühlen v. Fleming
soldat 324; daran können sie wohl u. schuld sein Göthe 24, 74
W. γ)
unthunlich, unausführbar (
impracticable, out of question Murray 5
2, 103
b, 3): ehen, die jeder für u. hält Deinhardstein 1, 200; Grabbe 1, 56; Romeo in die verbannung zu senden, war dem drama u. (
ging im dr. nicht an) G. Freytag 14, 32.
wie im franz. enthält das ist mir u.
oft kaum mehr als ablehnung: Gryphius
lustspiele 1, 268
Palm; Stelzhamer 1, 113; ich kan sie (
d. einladung) u. annehmen Lichtenberg
briefe 2, 5;
vgl. 3. 2@bb)
gth. v. möglich 2.
α)
eigentlich. prädicativ: so u. es sey, dasz am firmament könten zwo sonnen seyn, so unmüglich sey es, dasz in der welt könten zwey Alexandri seyn Schupp
freund in d. not 28
ndr., Göthe 46, 48
W.; A. W. Schlegel
Athen. 1, 20. es ist u.! Gottsched
gedichte 37; u.! bei allen liebesgöttern u.! Fr. L. Schröder 1, 36.
zusätze: wie bei 1 a; von natur u. Arndt
nachf. Christi 91, an sich Ranke 2, 12, physisch, logisch, philosophisch, moralisch
u. s. w. schmerzu. Sanders
erg. wb. 358
b.
attributiv: einer anderen unmöglichen geburt nach lauf der natur Zwingli
d. schr. 1, 96; eine wunderbare, nicht aber unmögliche errettung Herder 12, 69; alle mögliche und unmögliche vorkommenheiten 3, 326 (
vgl. sp. 26, 3); fall Lenz 1, 19
Tieck, sache D. Fr. Strausz 6, 16
u. s. w. β)
unwirklich, was es nicht geben kann, phantastisch, imaginär, unglaublich, wunderbar, sonderbar, fremdartig u. ä.: unmüglich fablen J. Strausz
christenlich unterricht b 3
a, dinge Chr. Weise
überfl. gedanken 187
ndr., grösze (
mathem.) Krünitz 199, 21, Müllner 8, 22, stellung Göthe 22, 208
W., Stratz
dienst 7; eine frau, die in einer ganz unmöglichen sprache redet Storm 1, 283; ein unmöglicher berg (
auf einer vermessungskarte) Moltke 1, 22; name, titel,
an e (
ende)
rührend. ein kunstwerk, das immer unmöglicher scheint, je länger man es ansieht Göthe IV 40, 219
W.; das unmöglichste bauwerk IV 40, 283
W.; fährlichkeiten Raabe
hungerpastor 2, 45; gebilde des falschen, unmöglichen, willkürlich vorausgesetzten Gutzkow
ritter v. geiste 1, 6.
εἰκῆ (
sine causa Matth. 15, 9) u., umbsust, vergeben Zwingli
freiheit d. sp. 39
ndr. γ)
steigernd. adv. wie mhd. mnd.: gar fast und unmüglich lachen Hartlieb
Alexander 120
a; unmüglich grosz Binhardus
thür. chron. 80; Staub-Tobler 4, 115, 5; Fischer 6, 203; Schmeller 1, 1578; onmeugelk nijt! = volstrekt niet! Molema 304
a. unmöglichkurz Sanders
erg. wb. 358
b.
von menge, wesenheit u. eigenschaften: mnd. wb. 5, 65
a; Staub-Tobler 4, 116; Fischer 6, 203; Crecelius 847; Autenrieth 144 (
vgl. 3); unmogliche beswerunge
städtechron. 17, 344, 28;
vgl.d; eyn unmöglich geld, gut Nigrinus
pap. inquisition 596;
Daniel 368.
vgl. franz. gagner l'impossible. veraltet u. mundartlich, in n. schriftspr. verdunkelt: unmögliches (
höchstes) begehren Göthe
Faust 7488; 2, 84
W.; die rohheit der wilden, die uns u. däuchte E.
M. Arndt 2, 65 (
vgl.β); unmöglich glück! Platen 1, 509;
deutlicher: und hatte er die wirbelnden gedanken bis ins unmögliche und ungeheure matt gehetzt Mörike 3, 64; Scherer
litgesch. 159.
auch ausdrücke wie eine unmögliche schandtat, ein unmöglicher fehler, kerl, dünkel (
s.c)
haben etwas steigerndes. 2@cc)
nach mögen 8 '
ekelhaft, widerlich'
; nauseosus mnl. wb. 5, 833, 5; unmögig
unangenehm Staub-Tobler 4, 113, 3,
unliebenswürdig Fischer 6, 203.
vgl. mhd. unmugende
abneigung Tauler
pred. 74, 20
V.: die verfluchte zunge, die manche gabe gottes ... unmüglich hinein geschlukket hat Butschky
Pathmos 460;
vgl. Kilian
th. 6, 2464.
veraltet. 2@dd)
nach mögen 5, 6, 7 '
gegen recht und billigkeit, ungerecht, ungebührlich'
u. ä. Haltaus 1946, 1361
ff.; Söderwall 2, 162
b;
mnl. wb. 5, 832, 2; 833, 4; gijn onmeugelk woordje Molema 304
a; '
anzüglich' Woeste
westf. 281
a : dasz aber baiden obgenant thail unmüglich und unbillich gethan haben (1454) Lori
bergr. 44; grafe Ernst tete das gar unmogelich Stolle
thür. chron. 12; 155; das düncket mich ein grosze unmasz an euch und ist darzu unmüglich
b. d. liebe 87
d; unmögliche conditiones
acta publ. 1, 255
Palm; es ist keines weges meine meinung, als ob ich das disputiren an sich selbst vor schädlich oder zum wenigsten vor unmüglich (
unzulässig) hielte Chr. Gerber
unerk. sünden 52; unmögliche auflage, befehl, satz
u. s. w. Zedler 49, 1890
f. veraltet. 2@ee) möglich 3
entsprechend. wie im nl., liegt französische beeinflussung (
se rendre impossible, '
terme de politique' Littré)
vor, doch fehlt es daneben nicht an eigener entwicklung: '
unverträglich' Staub-Tobler 4, 115, 2;
unerträglich: dein Schelling und dein Fichte .. sind mir ganz unmögliche kerle Bettine
Günderode (1840) 1, 15,
vgl.c.
übrigens ist der gebrauch auch im franz. und engl. neu. bezug auf gesellschaftliche anschauungen waltet vor. gebildetes sprachgefühl empfindet den ausdruck als elliptisch (Murray 5
2, 103
b): die redensart 'sich u. machen' war damals (
zu Rückerts Berliner zeit 1841—48) noch nicht in den täglichen kurs gesetzt
grenzboten 1866, 14, 17 (H. Rückert
kl. schr. 2, 295); durch nichts macht sich Thiers unmöglicher, als durch ... (26. 4. 1842) Gutzkow 7, 319; E. meinte, dasz man ihn ... u. machen wolle Ranke 17, 131; da richten sie soviel unheil an, dasz sie sich känzlich u. machen G. Hauptmann
biberpelz 60. Beckerath und Mevissen werden als u. angesehen für unser ministerium (1848) Varnhagen
tageb. 5, 143; nicht blosz die fürsten, die minister, die geheimräthe haben eine geringere furcht vor gott als vor dem entsetzlichen schicksal, wie sies nennen 'unmöglich zu werden', sondern selbst der arbeiter in der zuckerfabrik; wie ein groszes castrirmesser schwebt der mordstahl dieser furcht über allem, was männlich ist auf erden H. Leo 1856
bei Gombert
zs. f. d. wortf. 8, 137; er hielt den prinzen (
kartätschenprinzen) ... für u. Bismarck
gedanken u. er. 1, 55; dasz ein schlecht angezogener mensch in der welt u. ist Ebner-Eschenbach 4, 386; dieser mensch ist u. Stratz
dienst. 27.
attributiv; von personen: der unmögliche diplomat Treitschke
d. gesch. 4, 705. ein unmöglicher mensch, diener, beamter.
von äuszerst unpassenden, unausstehlichen, höchst unerträglichen, lächerlichen u. ä. gegenständen u. abstracten begriffen: ein unmögliches kleidungsstück, werkzeug
u. dgl., ein unmöglicher kratzfusz, witz, hochmut, ein unmögliches programm, unmögliche verhältnisse, stellungen
u. s. w. noch nicht recht schriftsprachlich: die einleitung ist ganz und gar u.; dann werden auch (
bei der akadem. jugend) die veralteten spaltungen mit ihrem unmöglichen dünkel fortfallen O. Braun
der student u. die neue zeit (1920) 47.
vgl.b
γ. 33)
das adv. vertritt und unterstreicht oft wie im franz. conventionell oder kraftwortmäszig die verneinung: er könnte unmüglich abkommen
polit. maulaffe 100; Chr. Reuter
Schelmuffsky 33
ndr. u. o.; Göthe
Faust 2044;
vgl. 2 a
γ; unsre vorfahren waren u. leute, die ...
portraits (1779) 263; u. dürfe man Ranke 4, 75; ich hab' jetzt u. zeit Nestroy 1, 14. unmöglicherweise Holtei 40
jahre 1, 292;
vgl. par l'impossible. im gemeinen leben antiphrastisch für '
vermuthlich' Rüdiger
zuwachs der sprachkunde 2, 125. unmüglich
ausdruck des wohlgefallens oder der verwunderung über etwas vorzüglich schönes und gutes v. Klein 2, 207 (
Pfalz, Elsasz)
; vgl. 2 b
γ. unmüglich nimmer Fischer 6, 203. 44)
subst. (
soweit nicht schon oben berücksichtigt): unmüglich müglich machen Weckherlin
th. 6, 2468; Lessing 2, 64; nichts unmögliches A. Olearius
pers. reisebeschr. 3, 1; das unmögliche hält einen widerspruch in sich Schwabe
belustigungen 2, 214; alles mögliche und unmögliche G. Keller 4, 43; das wort u. Auffenberg 1, 112; Droysen
Alex. 140.
wie impossibilia tentare Stieler 1202,
venari impossibilia (Wander 4, 1465),
franz. tenter, entreprendre, faire u. s. w. l'impossible: nach dem unmöglichen streben
disc. d. mahlern 1, 2; der ehemann musz das unmögliche thun, sie ihrem stande gleich zu halten Haller
Fabius und Cato 138; Göthe 24, 201, 10
W.; s. möglich 1 b; das unmögliche zu versuchen (wie man bei einer gewissen nation, die in allen ihren komplimenten sehr hyperbolisch ist, zu sagen pflegt) Wieland 3, 155; Lessing 2, 411; das unmögliche wird von ihm gefordert, nicht das unmögliche an sich (
vgl. 2 b), sondern das, was ihm u. ist (2 a) Göthe 22, 76
W.; wagen Tieck 1, 110
u. dgl. anderes redensartliche und sprichwörtliche: Stieler 1202; Wander 4, 1654; G. Hauptmann
biberpelz 102.
dazu