unlieblich,
adj. adv.,
gegentheil von lieblich.
mhd. unlieplich (Rudolf v. Ems
weltchron. 30 118), unlieplîche,
adv.; mnl. onlievelijc,
nl. onliefelijk.
adv. unlieblichen (Frisius 1115
b, Rivius
Vitruv 342)
veraltet. vgl. unbelieblich,
unliebig,
unliebsam, unlieb
u. s. w. 1)
gth. von lieblich 1; unlieblich, den man nit lieben kan Maaler: und ist unmüglich, das u. sei, das von got geliebt ist Staupitz
ain säliges newes jar (1518) a 3
a; die (
natur) da offt yhr gunst wirfft auff eyn unlieblich ding Luther 10
1, 420
W.; sie war mir nicht u., ja eigentlich meinem herzen nah Brentano 4, 88; meine geringfügige und unliebliche person G. Keller 4, 49.
unüblich. mit bed. 2
verbunden: was ist sonst unlieblicher dann das gesetz Calvin
institutio (1572) 229;
vgl. unliebsam. 2)
gth. v. lieblich 2; u. sein
accidiari Diefenbach
gl. 7
c;
inhumanus Schöpper,
severus Frisius,
morosus, difficilis Frischlin,
austerus Faber,
malplaisant, maussade, malgracieux Rädlein: mit unlieplichin sitin (
mit hasz) R. v. Ems
weltchron. 30 118; er gibt auch dem ritter mancherlai unlieplicher namen Neidhart
Eun. 201
F.; mit unlieblichen worten Guarinonius 563; die unliebliche gewohnheit A. Olearius
reisebeschr. (1696) 190; einer unlieblichen aversion Ch. Weise
pol. redner 730; welchem sie sich u. zu erscheinen understehen werden Borstel
v. d. l. Astreae u. Celadonis 2, 459.
mit 3
verschmelzend: sie that alles, was er befahl und anordnete, aber auf die unlieblichste weise von der welt Göthe 27, 197
W.; der unliebliche mohrenritter Fouqué
zauberring 2, 137; vögel ... lieblich und unlieblich
faustae, infaustae Parac. 2, 453
C; also mus die kwälle unserer gedanken ... unter einer unlieblichen lufft nicht gleich versiegen Butschky
Pathmos x 4
a.
verengt in heutiger mundart zur bed. nachlässig, unordentlich, unreinlich Staub - Tobler 3, 993.
schriftsprachlich veraltet, vielfach durch unliebsam
ersetzt. 3)
gth. v. lieblich 3. u. heszlich Meichszner, unholdselig, unangenem,
ἀχαρίεις,
inamabilis, inamoenus, ἀνήδιος,
injucundus, ἀηδής,
insuavis, frigidus Decimator,
illaetabilis Frisius,
inelegans Maaler,
illepidus Schönsleder,
absurdus Frisius,
invenustus Reyher
u. dgl.; allgemein: also das er (
der esel) ye elter ye ungstalter wirt, da er in der jugend nit so gar u. Gesner-Herold-Forer 41; andern leutten werden dise 4 folgende blätlein zuo lesen u. sein Nas 5, 49
b; keine unliebliche und unlustige hendel G. Rollenhagen
ind. reysen 64; Schottel
haubtspr. 27, 67, verse Morhof
unterricht 1, 318, schreibart Liscow 250, ernst H. Meyer
g. d. bild. künste 1, 63, vorstellung Stifter 4
1, 7, erinnerung G. Keller 1, 93
u. s. w.; ort Schaller
theol. herold 420; die lange, unliebliche norddeutsche heide Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 129; dunkel und u. ist das alter Herder 11, 298; zum lieblich unlieblichen pfingstfeste die beste innere zufriedenheit Göthe IV 25, 326
W.; adv.: u. (
putide) reden Frisius;
heute nur noch stark gefühlsbetont: doch unlieblicher ward kein abendschmausz noch gefeiert Voss
Odysee 382
B.; u. anmuten Scheffel 2, 198.
mit besonderer beziehung auf luft u. wetter: da der lufft ungesundt und u. ist J. de Acosta
America 49; unlieblich wetter Kramer (1700) 1, 952
a; es ist u., bei sturm und regen ... eine halbe stunde zu verwandern Zschokke 25, 275.
von gesichtseindrücken: unlieblichen anblicks Heyden
Plin. 234; unliebliche farb Gesner-Herold-Forer 2, 68
a; u. anzusehen Hippel 1, 8; aussehen H. v. Kleist 1, 326.
vom gehör: so ist dem hörenden nüt unlieplichers dann ... Riederer
rhet. g 3
b; unliebliche und grobe diphthongos Faber
Saxonia 1
b, stimme J. A. Naumann
naturg. d. vögel 10, 30; unliebliches Klopstock
oden 2, 154, 9; u. klingen Rist
n. t. Parnasz b v i j
a.
vom geruch: Toxites
horn des heils j 6
a; u. riechen v. Fleming
soldat 331.
vom geschmack: Eppendorff
Plin. 172; unliebliche speysen Frisius 1081
b; es (
salz) ist aber sehr u. zu nehmen Glauber
de natura salium 87; der wein würt aber zwar etwas unlieblicher Sebiz
feldb. 521; unlieblicher wein Schwan.
von geruch und geschmack: also auch lieblich oder u. die excremente verordnet seind Parac. 1, 771 A.
dazu unlieblichkeit, f., mangel u. gth. der lieblichkeit. lieblichkeit 1
entsprechend: frigus Frisius 585
b; er erinnerte mich stets an Auerbachs u. E. Devrient
br. an s. frau 352.
gth. v. lieblichkeit 2: die unlieplicheit diser sach Riederer
rhet. g 5
b; Hedio
Augustinus 43
b; ausz unlieblicheyt oder widerstendigkeyt der purgation Ryff
sp. d. gesundheit 157
a; des klanges Bendeler
organopoeia f 2
b; u. in seinen zügen Rückert 8, 335.
concreter plur.: der buckel und ein von pocken zerstörtes auge waren noch die kleinsten unlieblichkeiten der jungfrau Zschokke 16, 296. —