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ungläubig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungläubig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 962
ungläubig, adj. adv. , gegenstück zu gläubig (s. d.). ahd. ung(e)loubîg; mhd. ung(e)loubic (ungleubig Heinrich v. Neustadt gottes zuk. 4430); as. ungilôbig; mnd. un(ge)lovich; mnl. on(ge)lovich; nl. ongeloovig. Staub-Tobler 2, 590; Crecelius 845; obers. 2, 599a; lux. 316a, Gangler 317. der umlaut herrscht erst seit dem 19. jh. unbestritten, bis dahin gehen umlautlose formen, von Adelung und Campe als oberdeutsch verworfen, oft bei demselben schriftsteller nebenher (z. b. noch bei Wieland 1, 149 u. o.; Kant 6, 355; Herder 15, 85; Göthe 35, 101 W.; Schiller 1, 168; 4, 259; Hölderlin 2, 145, 33; Hauff 4, 247, 16; Chamisso 3, 41; Grimm sagen 2, 304). die unglaubichen Luther 30, 3, 182 W.; ungläubich Ebner - Eschenbach 4, 226. vgl. ungläubiglich, abergläubig (-isch), abglaube, ab-, after-, anders-, bös-, falsch-, fremd-, halb-, irr-, klein-, lau-, misz-, nicht-, schwach-, schwer-, über-, wahngläubig; glaublos, unglaublos, mnd. un(ge)lovesam, ungelôfsamkeit, glauben(s)los, -leer, glaubenichts. ohne erfolg für die gemeinspr. versuchte Kant 5, 472, 19 ak. ausg. zwischen u. und ungläubisch so zu unterscheiden: ungläubisch seyn heiszt der maxime nachhangen, zeugnissen überhaupt nicht zu glauben; ungläubig aber ist der, welcher jenen vernunftideen, weil es ihnen an theoretischer begründung fehlt, darum alle gültigkeit abspricht. vgl. abergläubig und abergläubisch Wurm 13b. übersetzung von infidelis, incredulus zs. f. d. wortf. 3, 228; profanus Diefenbach n. gl. 305a; bifidus 53; der bed. 1 b steht incredibilis nahe. 11) wie unglaube 1 ohne religiösen begriffsinhalt. 1@aa) activisch; nicht glaubend, zweifelnd, misztrauisch; mhd. einem u. sîn, veraltet. dem ungleubigen Phidippo Boltz Ter. 130b; der unglaubige brunnenmeister Göthe 35, 101 W.; dem ungläubigen Europa Freytag 15, 214; in Spreng Äneis 28a; an Göthe IV 36, 275 W. (hart eigensinn der angeblichen ungläubigen an die physiognomie Lavater fragm. 1, 48); gegen Schiller (einb. ausg.) 684; für Scheffel 3, 221; bei, inbetreff u. dgl.; so ungläubige seelen Schwabe bel. 3, 185; die ohren des menschen wären ungläubiger als ihre augen Gottsched das neueste 9, 631; in der seit dem 18. jh. immer häufigern anwendung auf den gesichtsausdruck mag, wie im nl. (s. wb. 10, 1619 I 1) fr. incrédule, engl. incredulous, -ly eingewirkt haben (das gth. gläubig scheint in dieser bed. seltener; doch auch ain gleubig 'vertraulich, bittend' aluege Seiler Basel 138b): mit unglaubiger miene Wieland 27, 257; mit sehr unglaubigem lächeln Schiller 4, 259; adv. sie lachte u. mädchenhaft Arnim 11, 234; doch auch mit einem ungläubigen erstaunen Wieland Ag. 2, 23; die ungläubige unruhe Herder 3, 187; neutralität v. Müller bei Göthe gespr. 5, 56; rathlosigkeit Peschel völkerk. 118; doch ungläubig flieszt die zähre Lenau 34; der lügenfreund oder der unglaubige (ἀπίστων) Wieland Luc. 1, 149; mit biblischem einschlag Göthe 8, 75, 21 W.; auch die ungläubigsten 41, 239 W. vgl. miszgläubig 2. 1@bb) passivisch. wie im mhd., mnl. und im älteren nl. unglaublich; vgl. miszgläubig 3; Staub-Tobler 2, 590, 2: das allen menschen ungelaubig vor was U. Füetrer b. chron. 185; das sind alles ungleubige wort fur unsern augen Luther 23, 717, 9 W.; ungleubig sachen Fischart Dom. leb. 2138; Olearius pers. baumg. vorr. anm. 14. steigernd: mit ungelaubiger schOene erste d. bib. 7, 93, 60; Lehman 3, 200; eine gantz unglaubige weite Aitinger jagdb. A 3b; thaten Abele gerichtshändel 258; Abr. a St. Clara etwas f. alle 2, 227; der vorboth unglaubiger gnaden n. schauspiele (1771 ff.) 7, 3, 41; adv. unglaubig bewegt Kirchhof wend. 2, 34 (unglaubiger weisz Prätorius Blockesberges verr. 134); ungläubig viel vögel Aitinger 273. veraltet. wie mnl. ongelovich auch unzuverlässig, untreu: acten der ständetage Preuszens 5, 359 (1478). o du hOerte steinin muoter, wie ungelOeübig bist du deinem kind Eberlin v. Günzburg 1, 25 ndr. 22) unglaube 2 entsprechend. vgl. miszgläubig 1. 2@aa) biblisch und allgemein philosophisch: mhd. u. gote, in gote (Hiob 8937 Karsten) sîn veraltet; gottunglaubig J. Paul zs. f. d. wortf. 10, 24; und aber Adam unglOeubig am wort gottes was Judas Nazarei 4, 20 ndr. u. ö.; ungläubige an Klopstocks Christus Herder 5, 352; wie unglaubig an diese gerechtigkeit des schicksals ist es nicht, dasz ... J. Grimm an Wigand 65; bei J. G. Jacobi 1, 74; gegen, gegenüber u. dgl.; m. dat. dem wort Züricher bib. (1531) 5 Mos. 1 D (hart den unglaubigen der vorsehung J. Paul 45/47, 318); vereinzelt und ir warend unglOeubig des herrn Zür. bib. 5 Mos. 9 D (vgl. Luther unter ungehorsam 2 b). ohne solche bestimmungen allgemein: den unglewbigen menschen Agricola sprichw. A 7a; er wardt ... u. und keiner hoffnung Faust volksb. 31 ndr.; Graf-Dietherr 548, 76, 77. Windhorst, politisch latitudinarian, religiös u., ist durch zufall ... auf die feindliche seite geschoben worden Bismarck gedanken 2, 339 volksausg. die unsinnigen und unglaubigen hertzen J. Arndt Thom. a Kempis 30; Scherer kl. schr. 1, 665; gehirn Lessing 9, 229 u. s. f.; wer nicht ... u. verachtet J. A. Cramer ged. 3, 160; unglaubig thun Hamann 5, 152; ungläubiger Thomas ist zur ra. geworden (Joh. 20, 24—29; erste d. bib. 1, 420, 43; passionssp. aus Tirol 423 W.; Wackernagel kirchenl. 3, 269; J. M. Miller pred. fürs landvolk 2, 325; Bettine dies buch 1, 76): wann ichs sihe, so glaub ichs, ich bin der ungleubig sant Thomas S. Franck sprüchw. (1541) 2, 94b; solch ein ungläubiger Thomas! H. v. Kleist 3, 286; so lies denn, ungläubiger Th. Hebbel I 5, 28; Heine 1, 297; sie bleiben ein u. Th. Alexis ruhe 1, 92; Staub-Tobler 2, 586; lux. 316a; Gangler 317; Binder 194; nl. wb. 10, 1620; dazu thomaselen, thomaselei. nun, herr Ungläubig, werden sie sich doch davon überzeugen? Kretschmann 4, 2, 159. subst.: vil ungleubiger Zwingli v. freiheit d. sp. 7 ndr.; Bismarck gedanken 2, 182. in der schelte: ym hertzen aber waren sie (die pharisäer) die ungleubigsten hunde Luther 20, 517, 22 W.; Pape bettel u. garteteuffel A a 1; ein grüner ungläubiger Schönaich ästhet. 172; Pansner 73b. von nichtpersönlichem: von den falschen, gleyssenden, phariseischen unglawigen guten werken Luther v. d. g. werken 9 ndr.; von solichem unglaubigen glauben Eberlin v. Günzburg 2, 90 ndr.; misztrawen Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 13; thränen Wieland I 2, 199. philosophisch, oft nur 'aufgeklärt', oft erweitert 'atheistisch': in diesen ungläubigen zeiten Gottsched d. neueste 7, 596; leute Lessing 2, 73, 1; dem ungläubigen Berlin Thümmel reise 1, 120; dem aufgeklärten, durchaus ungläubigen sohne Treitschke d. gesch. 4, 19; ich habe ... katholiken und protestanten und juden und auch ganz ungläubige gepflegt Auerbach 18, 186 (atheos Frisius 132a). der aller ungläubigste Englands Klinger 11, 120. 2@bb) abergläubisch, im nhd. durch dieses verdrängt. Lexer 2, 1844; mnd. wb. 5, 48a; mnl. wb. 5, 601, 1b; miszgläubig Staub-Tobler 2, 590. 2@cc) irrgläubig (ahd. irrigaloubari haereticus), unglaube 2 c entsprechend: die waz unglaubig und kein kristin Arigo 234, 9 K.; Fischart Eulensp. 4500; sie hassen die Perser mehr, hielten sie auch für viel ungläubiger als die christen Olearius verm. reisebeschr. 353b; die ungelaubig schar Sachs 11, 115, 24 K.; juden Luther 26, 147; Freytag 9, 286; indianer Nas antip. 2, F 4a; mauren vern. tadl. 2, 319; in unsern ungläubigen protestantischen ländern Nicolai reise 1, 48; himmel Lichtenberg br. 2, 319; scheltend: ir ungläubigen hünd (heiden) N. Manuel todtentanz 86 Bächtold; Murner adel 26 ndr. die ungläubigen, ein ungläubiger bes. von muhamedanern: mnl. wb. 5, 598; städtechr. 3, 166; Wigand Gerstenberg chron. 131; nemlich das ir solt nemen an wider die unglaubingn ein zug Teuerdank 289, 81 G.; tartaren Rätel schles. chron. 69; türken Göthe 3, 214 W.; Ritter erdk. 1, 224; Ranke 25, 28; Moltke 1, 112. umgekehrt von nichtmuhamedanern im munde der muhamedaner Zimmermann nationalstolz 38. ungläubiger! vom juden A. W. Schlegel Shak. 4, 124 (kaufm. v. Venedig 4, 1). allgemeiner den heyden und ungleubigen, so gottes wort nicht haben Luther 34, 1, 71, 36 W.; die heyden, unglaubigen und unchristen theatr. diab. 41b; Prätorius Blockesberges verr. 120; M. Mendelssohn 1, 155; gläubige und ungläubige (s. sp. 26, 3, heute veraltet): Luther 34, 2, 80, 18 W.; Hedio chron. G. H 6a; Zwingli d. schr. 1, 96. —
8416 Zeichen · 267 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungläubig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Ungläubig , -er, -ste, adj. et adv. in den Bedeutungen des vorigen Hauptwortes, und als der Gegensatz von gläubig. 1) Ab…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungläubig

    Goethe-Wörterbuch

    ungläubig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ungläubig

    Rheinisches Wb.

    un-gläubig -E- Saarl , Merz ; -ā:- Trier-Stdt : nach dem Nhd.

  4. Spezial
    ungläubig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|gläu|big adj. 1 (nicht gläubig) che ne crëi nia, incredul (-ui, -a), malcredënt (-nc, -a), ateist (-s ć , -a) 2 (zwei…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unglaeubig

5 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von unglaeubig 3 Analysen

unglaeubeln + -ig

unglaeubig leitet sich vom Lemma unglaeubeln ab mit Suffix -ig, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Alternativen: un-+glaeubig un-+glauben+-ig

unglaeubig‑ als Erstglied (4 von 4)

Ungläubiger

Wander

Ungläubiger 1. Des Ungläubigen Gott ist der Zufall. 2. Ungläubige stehen gleich Heiden und Juden. – Graf, 548, 76. Stehen nämlich der Kirche…

ungläubigkeit

DWB

unglaeubig·keit

ungläubigkeit , f. , mangel der gläubigkeit und ihr gth. mhd. ungeloubecheit, ungeloubikeit; mnd. un(ge)lovicheit; mnl. ongelovicheit; nl. o…

ungläubiglich

DWB

unglaeubig·lich

ungläubiglich , adj. adv. , gth. v. gläubiglich. mhd. ungeloubeclich incredibilis; mnl. ongelovichlike heretice: wiewol nun disz ungleubigli…

Ableitungen von unglaeubig (1 von 1)

Ungläubige

GWB

Ungläubige [bisher nicht publizierter Wortartikel]