ungenosse,
ungenosz,
m. und adj. (
adv.),
i. a. gth. von genosse,
genosz;
über das verhältnis des subst. zum adj. s. genosse,
genosz 1
d. mit dem verfall des alten rechtslebens veraltet und im wesentlichen auf wissenschaftliche spr. beschränkt ist das adj. adv., ahd. mhd. ungenôʒ,
mnl. ongenoot, Staub-Tobler 4, 821.
vgl. ungenössig, ungenoszsam, genoszlos (Schmeller 1, 1763).
in einigen fällen kommt bei der form ungenossen
abschwächung aus ungenossam
in frage (Staub-Tobler
a. a. o.),
in andern (durch gelehrte und ungenoszne männer Möser 1, 379)
anlehnung an das part.-adj. (
s. u.).
ohne gemeinsame nutznieszung (
s.genosz 2): eines guots nit teilhafftig, ungenosz Frisius 653
a; auszgenommen,
expers Maaler 462
b; Henisch
th. 4, 1, 2, 3476, 2 b; 4 b
α; 4 i;
ἀμέτοχος Decimator;
vgl. genoszlos. genosz 4
entsprechend von rechts- und standesverhältnissen: desz eelichen stands u. Frisius 512
a; das man einem etwas rAechtes u. erkenne und auszschliesse oder erlasse 554
a; adenlichen titels (1606)
quelle bei Staub-Tobler 2; ungenosse erben, käufer
ebd. 1; hende Haltaus 1890
u. verschweigen; gut Staub-Tobler
a. a. o.; von hof- und alpgenossenschaft, von leibeigenschaft
ebd.; von '
ungenossenschaft'
überhaupt (
es werden auch einige belege mit angeführt, in denen substantive auffassung möglich ist): so well er doch mit einem im ungenossen, der ein verräters bösewicht sig .., nit kämpffen Tschudi 1, 23; Möser
zog das alte wort wieder hervor, s. th. 4, 1, 2, 3475: unsre vorfahren waren ... so genau, dasz
sie denjenigen sofort für einen knecht hielten, der von eines ungenossen menschen ausspruch abhangen muszte
mit der fusznote: es ist dies ein altes deutsches wort, wofür ich kein bessers zu finden weisz. ein französischer und deutscher edelmann können einander ebenbürtig sein, sie sind aber einer des andern ungenosz. bürger aus verschiedenen städten sind ebenfalls einander u. 1, 378; als u. angesehen werden 1, 383; ungenossen richtern 1, 385; (gerichtsgenosz 1, 376;) fremde, ungenosse richter Raumer
Hohenst. 5, 325; der jude konnte als ungenosz keine andere sicherheit durch realrechte erlangen Wigand
bei Grimm
rechtsalt. 2, 167; Lexer 2, 1855; Staub-Tobler
a. a. o. 1;
adv. u. wiben (1464)
ebd. im übrigen s. d. rechtswb. im erweiterten sinne ungleichartig Paracelsus
th. 4, 1, 2, 3475. 3480, 4 g;
nicht zusammenstimmend Hug
unter ungemäsz 2 a; ungenôʒ
minor patre secundum humanitatem Graff 2, 1126; '
vorzuziehen'
mnl. wb. 5, 637.
es heftet sich auch verachtung daran: liegen und triegen seind so grosz, sie machen manchen ungenosz Brant
Freidank (1539) 31 (
anders Freidank 167, 19);
vgl. sie (
Maria) sach irn sun verlassen sterben mit den ungenossen (
schächern)
rüefbüchl. hs. v. j. 1601, 82
b.
entwickelter, noch bis ins 19.
jh. von wbb. verzeichnet und in wissenschaftl. darstellung nicht ungebräuchlich ist das subst., mhd. ungenôʒ,
mnd. ungenote,
ostmnl. ongenoot, genote. Schottel 415; Stieler 1353, 1354; Frisch 2, 19
a; Haltaus 659; Schwan 2, 844
a; Voigtel 3, 472
a; Voigt
geschäftsf. 2, 524; Krünitz 196, 284.
von Adelung, Heynatz, Campe
als oberd. abgelehnt. Staub-Tobler 4, 819, 821; Fischer 3, 365; Schmeller 1, 1763.
über die im mhd. nicht mehr bezeugten älteren bed. '
übler gefährte, wer nicht seinesgleichen hat, untheilhaftig ist'
s. die wbb. der ä. spr.; mit bezug auf rechts-, standes-, staats-, zweckgenossenschaft: ein zu den hörigen eines andern herrn gehöriger, ein ungenôʒman Lexer 2, 1855; Fischer 3, 366;
ein einer andern hofgenossenschaft angehöriger Staub-Tobler 4, 821;
wer an den rechten einer gemeinschaft nicht theil hat ebd. 819;
s. genosz 4 a;
wer ungleichen standes, unebenbürtig, geringerer herkunft, geringeren rechtsstandes, nicht wappensgenosz u. dgl. ('ungenossen seyn
will sagen, von solchen eigenschaften seyn, vermöge deren man nicht im genusz oder mitantheil eines rechts, rangs, vortheils seyn kann' Westenrieder 602)
ist: so schametent sich guote lute, daʒ ir ungenoszen sü soltent (
zu grabe) tragen
städtechron. 8, 121, 12; etliche durchlchtige herren zwang er, die tOechteren den ungenossen von schlAechtem harkommen ze vermAecheln Tschudi 1, 23; Meichszner
land- und lehenrecht 38
b; Zobel
sächs. lehenr. 57
a; Schottel
kurzer tractat (1671) 356;
vgl.über-
und untergenosse, ungenossin; ein dienstmann hilft auch seinen ungenossen Graf-Dietherr 457, 510; einzig der reichsdienstmann hat das besondere vorrecht, dasz er dem übergenossen wie dem ungenossen hilft
ebd. 464;
dedititii, adscriptitii, extraneus, peregrinus Stieler;
kein Schweizer eidgenosse Heynatz
antib. 2, 521; die vereinigung aller Seelande gieng auf gemeinsame vertheidigung gegen unrechtmäszige gewalt eines ungenoszen Eichhorn
rechtsg. 2, 267; peinliche strafen gingen in ältester zeit nicht an leib und leben, weil man dies in der genossenschaft nicht preisgeben, sondern besser daran seyn wollte, als der ungenosse und der feind Raumer
Hohenst. 5, 338; zwang auch gegen den ungenossen (
des deichverbandes) zur nothilfe bei überschwemmungsgefahr
hwb. d. staatsw. 3, 142. der markungenosse Graf-Dietherr 74; 69, 49.
s. d. rechtswb. —