ungemächlich,
adj. adv. ,
gth. von gemächlich,
seitenstück zum veralteten adj. ungemach (
s. d.).
ahd. ungamahlîh;
an. úmakligr, úmakliga;
altschwed. omaklika,
adv.; mhd. ungemech(e)lich,
adv. ungemechlîche (
vorwiegend aus md. gebieten);
mnl. ongemackelijc,
adv. -like;
nl. on(ge)makkelijk;
dän. umagelig;
oberd. wird einmal das subst. ungemächlichkeit (1788 Staub-Tobler 4, 20),
kein adj. (
adv.)
verzeichnet; dieses Schmitz
Eifel 1, 233; Gangler 316;
Eupen 10
a;
lux. 315
a; Stürenburg 298
b; Doornkaat-Koolman 3, 471
a; Schmidt-Petersen 150
a setzt unmakkelk,
adj. an. die verwendung ist auch in der nhd. schriftsprache sehr ungleich; Stieler
kennt es nicht, Frisch
nur das adv., Göthe
und die schriftspr. des 19.
jhs. scheinen auf u.
im allg. zu verzichten, Adelung
begünstigte seine verbreitung, indem er es (
allerdings grundlos)
als eine abschwächung von ungemach
auffaszte ('
dem ungemach ähnlich und darin gegründet, daher es einen geringeren grad der unangenehmen empfindung ausdrückt als das hauptwort und das veraltete beywort ungemach,
mit einigem ungemach
verbunden').
reichlich vorhandene syn. haben das wort überflügelt; ungemächlichkeit
behauptet sich etwas besser. vereinzelt nicht umgelautet ungemachlich Fischart, El Ch. v. Orleans (
s. u.). ungemeclich (
Daniel 3234
Hübner), ungemachtlich (
aus ungemachtlichkeit Staub-Tobler 9, 19
zu erschlieszen).
gth. von gemächlich 1 a (
vgl.ungemach subst. 1 a): ein ungemechelîcher val Lexer 2, 1848;
adv. unsanft mnl. wb. 5, 614;
u. leben ebd.; wie etliche hörten, dasz er (
gott) am siebenden tage geruhet habe, meinten sie, das sei ihm nichts ungemächliches Paullini
phil. feierabend 812; ein so ungemächliches (
leben) zu ergreifen Lessing 10, 158. die mode mögte mir zu ungemächlich seyn Weichmann
Niedersachsen 3, 119; eine für unsern helden so ungemächliche entschlieszung Wieland 3, 130
Hempel; rolle 3, 157; es ist ein trauriges, ein ungemächliches handwerk um einen schriftsteller Sonnenfels 2, 24; Nicolai
reise 4, 477; het werken valt hem heel ongemakkelyk Kramer-Moerbeek 1, 316
b; die pfarre selbst ist sehr einträglich und für ihren besitzer nicht ungemächlich Kortum
Jobsiade 2, 169; das ungemächliche der langenweile Musäus
volksm. 3, 43.
von gegenständen: auch han sies also zuogerüst, das sie nicht ungemachlich ist wie instrument, die blaszbälg brauchen Fischart
lob der lauten 365, 382
H.; ich finde ein manteau viel ungemächlicher alsz ein grand habit El. Ch. v. Orleans 1, 92; Knigge
umg. 2, 243; sitze Forster 3, 410; tritt maler Müller 3, 64; treppe Gangler 316; haus Kramer-Moerbeek; lage, haltung, stellung
u. dgl. u. sitzen Adelung, wohnen Campe.
beengt Doornkaat-Koolman 3, 471
a.
wie ungemach 1 b
auf krankheit bezogen: gar ein ungemachlicher flusz El. Charl. v. Orleans 1, 58;
unpäszlich lux. 315
a;
nl. ongemakkelijk zwanger; de Bo 672
b;
in ungemächlichkeit (
s. d.)
besser erhalten. wie ungemach 1 c
α von naturerscheinungen und naturdingen: vom frost Lexer
a. a. o.; es sind meer, so fur hitze sehr ungemechlich J. de Acosta
America 48;
veraltet. wie ungemach 1 c
γ feindselig, hart, unbarmherzig, gewaltsam, heftig (
as. ungimak
infestus; mnl. und altschwed. deutlich ausgeprägt): unde wurden so ungeduldig, so czornig unde so ungemechlichin Wig. Gerstenberg
chr. 109;
veraltet. auch die bed. von ungemach 1 c
ζ flieszt ein: daz ungemecliche leit
Daniel 3234
Hübner; schaden
mhd. wb. 2, 1, 15
a; joch
der sünde väterb. 8338
R.; ungemächliche widerwertigkeiten Neumark
fortg. lustwald zuschr. 13; hingegen wirst du in deinem gemüthe weit mehr gepeiniget, wenn du ... aus allen denen dingen, die du so heftig liebest, ... so ungemächlich ausscheiden solst Chr. Fr. Richter
ursprung u. adel der seele (1739) 174; da musz wohl manche alte mutter ihren nacken beugen und u. arbeiten, während ihr sohn unter den schloszfenstern paradiert Iffland 6, 25;
heute euphem. empfunden. wie ungemach 1 d:
besorgt Schmitz
Eifel 1, 232
b; onggemällech hâlen
in verlegenheit sich befinden lux. 315
a;
besorgt sein Gangler 316;
vgl.s' ist mir nit gemä(ch)lich
ich bin nicht gut aufgelegt els. 1, 640
a;
nl. auch unzufrieden, nuckig; beunruhigt de Bo 672
b;
bei uns nicht schriftsprachlich. ebenso wenig entwickelt sind die bedd. ahd. ineptus, nl. ungeeignet, difficilis (oude lieden zijn doorgaans ongemakkelijk; het is een ong. zeeschipp
von einem, der lästige angewohnheiten hat Lüpkes
seemannsspr. 60, 368),
mnl. intractabilis, incompositus(?),
an. für undeserving. doch findet sich eine spur der steigernden bed., die nl. (ongemakkelijk
wb. 10, 1628, I B 1 c, II 2; ong. boos
ungemein böse)
und lux. 315
a (
stark, fest, grob)
entwickelt ist: so winckete ich ihme (
dem bocke) mit einem fusze etwas u., dasz er auf seite gehen solte Lindenborn
Diog. 1, 151;
im lux. liegt die nebenvorstellung '
verrätherischer weise' (Gangler)
oder '
mit schlimmen folgen'
dabei vor (en onggemälleche strech
ein starker schlag mit schlimmen folgen auf eine empfindliche körperstelle, lux. 315
a). —
dazu ungemächlichkeit, f., gth. der gemächlichkeit
und seitenstück zum subst. ungemach.
heutiges sprachgefühl bezieht i. a. ungemächlichkeit
vorwiegend auf zustand und eigenschaft, ungemach
auf das, was diese verursacht. die beliebtheit der concreten plur.-bildung theilt es mit syn. wörtern wie unbequemlichkeit, unbild, unannehmlichkeit, ungelegenheit
u. a. seit dem 16.
jh. bezeugt. nl. ongemakkelijkheid (
auch schwierigkeit, mürrisches wesen; s. ungemächlich);
dän. umagelighed; Staub-Tobler 4, 20.
ohne umlaut ungemachlichkeiten Krämer
und El. Charl. v. Orleans (
s. u.). wie ungemach (
subst.) 1 a: und ist solches angesehen von wegen der ungemechlichkeit, die jnen, wann sie bei den diensten bleiben, widerfahren möge J. de Serres
franz. histori (1574) 240
a; unsere bisher gehabte mühe und ungemächligkeit zu versüszen Zesen
verm. helikon 1, 146; nicht ohne tausend ungemächligkeiten Dapper
America 198
a; den weisheits-trieben war kein fernes land zu weit, sie überwältigten die ungemächlichkeit Weichmann
Niedersachsen 5, 218; die ungemächlichkeiten der reise Lessing 18, 12; 18, 5; gefahren und ungemächlichkeiten Schmidt
g. d. Deutschen 3, 357; u. und arbeit Bode
Mont. 3, 91; ohne u. Knigge
umg. 1, 47; in gottes namen kehrt er ein, durchmustert lang im mondenschein die ungemächlichkeit der trümmer und bettet sich im tafelzimmer Boie 355
Weinhold; im bett Knigge
umgang 1, 90;
beim umzug schr. d. Götheges. 4, 87; des seelebens Chamisso 1, 234; im fahren verschwindet bald jede anfängliche u. Auerbach 13, 117.
gern kleine ungemächlichkeiten Knigge
rom. 3, 3; Castelli 10, 260; alltägliche Fouqué
gefühle 1, 74; die geringste Dusch
verm. kr. schr. (1758) 159; Sulzer
theorie 3, 402
u. dgl. besser schlecht gefahren als gut gegangen, u. ist leidentlicher als beschwerden Schellhorn
sprichw. 14.
wie ungemach 1 b: dieszer fürst musz endtwetter eine u. haben, so nicht zum heurahten tauglich ist, oder ein phenix sein El. Charl. v. Orleans
br. 2, 262; wen man alt wirdt .. kommen viel ungemachlichkeiten 7, 4; Rabener 6, 11; Lessing 9, 368; Herder 16, 174;
vgl. 13, 327; 5, 114; J. G. Jacobi 8, 122;
kachexie Herder 18, 367; Klinger 3, 101; mattes übernächtiges wasser ... zu trinken, ist eine grosze u. Nicolai
reise 2, 429 (
also auch was u.
verursacht); sie kommen ihre u. zu begrüszen? — euer durchlaucht! die u. hatte nie eine so glänzende gestalt! H. Beck
quälgeister 6.
wie ungemach 1 c
α: den ungemächlichkeiten des wetters Nicolai
S. Noth. 1, 127; des klima Moritz
reisen in It. 2, 166; sie sind auch wider kälte, hitze, hunger, durst und alle ungemachlichkeiten so erhartet, dasz Krämer
leben u. t. thaten 193.
wie ungemach 1 c
ε: zu obgemeldten ungemächlichkeiten kommet auch noch diese hinzu, dasz die sinne ... nicht allein habil und fähig sind Ch. Fr. Richter
urspr. u. adel d. seele 125; Herder 1, 231. 229; 21, 211; mein platz, ich will's euch nur gestehn, hat seine ungemächlichkeiten Wieland 11, 45
Hempel; diese u.
der enharmonischen gänge Knigge
bei O. Jahn
Mozart 3, 472; die ungemächlichkeiten und unkosten des prozesses Gentz 2, 100; Oken
naturg. 7, 1802; im amte ..., wo uns die dürre philisterei von Paulus und consorten auch manche ungemächlichkeiten verursacht (
unangenehme scherereien) Görres
br. 3, 168.
mildernd: eine müllerstochter? alle ungemächlichkeiten sind ihr doch ersetzt? Iffland 11, 227;
vgl. 1 b
und Herder 13, 327.
wie ungemach 1 c
ζ: die u. (
das unglückselige) meiner äuszern lage Bürger
br. 3, 705.
wie ungemach 1 d: er (
d. christ) leidet auch die ungemächlichkeiten freudig
allg. d. bibl. anh. 1—12, 510; Hippel
lebensl. 1, 264. ungemach 1 e
entsprechend: die menschen sind alle zu gleichen .. ungemächlichkeiten berufen
kreuz- und querzüge 1, 226; einem meer von u. Herder 13, 327
mit anklang an 1 b. —