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ungemächlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungemächlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 763
ungemächlich, adj. adv. , gth. von gemächlich, seitenstück zum veralteten adj. ungemach (s. d.). ahd. ungamahlîh; an. úmakligr, úmakliga; altschwed. omaklika, adv.; mhd. ungemech(e)lich, adv. ungemechlîche (vorwiegend aus md. gebieten); mnl. ongemackelijc, adv. -like; nl. on(ge)makkelijk; n. umagelig; oberd. wird einmal das subst. ungemächlichkeit (1788 Staub-Tobler 4, 20), kein adj. (adv.) verzeichnet; dieses Schmitz Eifel 1, 233; Gangler 316; Eupen 10a; lux. 315a; Stürenburg 298b; Doornkaat-Koolman 3, 471a; Schmidt-Petersen 150a setzt unmakkelk, adj. an. die verwendung ist auch in der nhd. schriftsprache sehr ungleich; Stieler kennt es nicht, Frisch nur das adv., Göthe und die schriftspr. des 19. jhs. scheinen auf u. im allg. zu verzichten, Adelung begünstigte seine verbreitung, indem er es (allerdings grundlos) als eine abschwächung von ungemach auffaszte ('dem ungemach ähnlich und darin gegründet, daher es einen geringeren grad der unangenehmen empfindung ausdrückt als das hauptwort und das veraltete beywort ungemach, mit einigem ungemach verbunden'). reichlich vorhandene syn. haben das wort überflügelt; ungemächlichkeit behauptet sich etwas besser. vereinzelt nicht umgelautet ungemachlich Fischart, El Ch. v. Orleans (s. u.). ungemeclich (Daniel 3234 Hübner), ungemachtlich (aus ungemachtlichkeit Staub-Tobler 9, 19 zu erschlieszen). gth. von gemächlich 1 a (vgl.ungemach subst. 1 a): ein ungemechelîcher val Lexer 2, 1848; adv. unsanft mnl. wb. 5, 614; u. leben ebd.; wie etliche hörten, dasz er (gott) am siebenden tage geruhet habe, meinten sie, das sei ihm nichts ungemächliches Paullini phil. feierabend 812; ein so ungemächliches (leben) zu ergreifen Lessing 10, 158. die mode mögte mir zu ungemächlich seyn Weichmann Niedersachsen 3, 119; eine für unsern helden so ungemächliche entschlieszung Wieland 3, 130 Hempel; rolle 3, 157; es ist ein trauriges, ein ungemächliches handwerk um einen schriftsteller Sonnenfels 2, 24; Nicolai reise 4, 477; het werken valt hem heel ongemakkelyk Kramer-Moerbeek 1, 316b; die pfarre selbst ist sehr einträglich und für ihren besitzer nicht ungemächlich Kortum Jobsiade 2, 169; das ungemächliche der langenweile Musäus volksm. 3, 43. von gegenständen: auch han sies also zuogerüst, das sie nicht ungemachlich ist wie instrument, die blaszbälg brauchen Fischart lob der lauten 365, 382 H.; ich finde ein manteau viel ungemächlicher alsz ein grand habit El. Ch. v. Orleans 1, 92; Knigge umg. 2, 243; sitze Forster 3, 410; tritt maler Müller 3, 64; treppe Gangler 316; haus Kramer-Moerbeek; lage, haltung, stellung u. dgl. u. sitzen Adelung, wohnen Campe. beengt Doornkaat-Koolman 3, 471a. wie ungemach 1 b auf krankheit bezogen: gar ein ungemachlicher flusz El. Charl. v. Orleans 1, 58; unpäszlich lux. 315a; nl. ongemakkelijk zwanger; de Bo 672b; in ungemächlichkeit (s. d.) besser erhalten. wie ungemach 1 c α von naturerscheinungen und naturdingen: vom frost Lexer a. a. o.; es sind meer, so fur hitze sehr ungemechlich J. de Acosta America 48; veraltet. wie ungemach 1 c γ feindselig, hart, unbarmherzig, gewaltsam, heftig (as. ungimak infestus; mnl. und altschwed. deutlich ausgeprägt): unde wurden so ungeduldig, so czornig unde so ungemechlichin Wig. Gerstenberg chr. 109; veraltet. auch die bed. von ungemach 1 c ζ flieszt ein: daz ungemecliche leit Daniel 3234 Hübner; schaden mhd. wb. 2, 1, 15a; joch der sünde väterb. 8338 R.; ungemächliche widerwertigkeiten Neumark fortg. lustwald zuschr. 13; hingegen wirst du in deinem gemüthe weit mehr gepeiniget, wenn du ... aus allen denen dingen, die du so heftig liebest, ... so ungemächlich ausscheiden solst Chr. Fr. Richter ursprung u. adel der seele (1739) 174; da musz wohl manche alte mutter ihren nacken beugen und u. arbeiten, während ihr sohn unter den schloszfenstern paradiert Iffland 6, 25; heute euphem. empfunden. wie ungemach 1 d: besorgt Schmitz Eifel 1, 232b; onggemällech hâlen in verlegenheit sich befinden lux. 315a; besorgt sein Gangler 316; vgl.s' ist mir nit gemä(ch)lich ich bin nicht gut aufgelegt els. 1, 640a; nl. auch unzufrieden, nuckig; beunruhigt de Bo 672b; bei uns nicht schriftsprachlich. ebenso wenig entwickelt sind die bedd. ahd. ineptus, nl. ungeeignet, difficilis (oude lieden zijn doorgaans ongemakkelijk; het is een ong. zeeschipp von einem, der lästige angewohnheiten hat Lüpkes seemannsspr. 60, 368), mnl. intractabilis, incompositus(?), an. für undeserving. doch findet sich eine spur der steigernden bed., die nl. (ongemakkelijk wb. 10, 1628, I B 1 c, II 2; ong. boos ungemein böse) und lux. 315a (stark, fest, grob) entwickelt ist: so winckete ich ihme (dem bocke) mit einem fusze etwas u., dasz er auf seite gehen solte Lindenborn Diog. 1, 151; im lux. liegt die nebenvorstellung 'verrätherischer weise' (Gangler) oder 'mit schlimmen folgen' dabei vor (en onggemälleche strech ein starker schlag mit schlimmen folgen auf eine empfindliche körperstelle, lux. 315a). — dazu ungemächlichkeit, f., gth. der gemächlichkeit und seitenstück zum subst. ungemach. heutiges sprachgefühl bezieht i. a. ungemächlichkeit vorwiegend auf zustand und eigenschaft, ungemach auf das, was diese verursacht. die beliebtheit der concreten plur.-bildung theilt es mit syn. wörtern wie unbequemlichkeit, unbild, unannehmlichkeit, ungelegenheit u. a. seit dem 16. jh. bezeugt. nl. ongemakkelijkheid (auch schwierigkeit, mürrisches wesen; s. ungemächlich); n. umagelighed; Staub-Tobler 4, 20. ohne umlaut ungemachlichkeiten Krämer und El. Charl. v. Orleans (s. u.). wie ungemach (subst.) 1 a: und ist solches angesehen von wegen der ungemechlichkeit, die jnen, wann sie bei den diensten bleiben, widerfahren möge J. de Serres franz. histori (1574) 240a; unsere bisher gehabte mühe und ungemächligkeit zu versüszen Zesen verm. helikon 1, 146; nicht ohne tausend ungemächligkeiten Dapper America 198a; den weisheits-trieben war kein fernes land zu weit, sie überwältigten die ungemächlichkeit Weichmann Niedersachsen 5, 218; die ungemächlichkeiten der reise Lessing 18, 12; 18, 5; gefahren und ungemächlichkeiten Schmidt g. d. Deutschen 3, 357; u. und arbeit Bode Mont. 3, 91; ohne u. Knigge umg. 1, 47; in gottes namen kehrt er ein, durchmustert lang im mondenschein die ungemächlichkeit der trümmer und bettet sich im tafelzimmer Boie 355 Weinhold; im bett Knigge umgang 1, 90; beim umzug schr. d. Götheges. 4, 87; des seelebens Chamisso 1, 234; im fahren verschwindet bald jede anfängliche u. Auerbach 13, 117. gern kleine ungemächlichkeiten Knigge rom. 3, 3; Castelli 10, 260; alltägliche Fouqué gefühle 1, 74; die geringste Dusch verm. kr. schr. (1758) 159; Sulzer theorie 3, 402 u. dgl. besser schlecht gefahren als gut gegangen, u. ist leidentlicher als beschwerden Schellhorn sprichw. 14. wie ungemach 1 b: dieszer fürst musz endtwetter eine u. haben, so nicht zum heurahten tauglich ist, oder ein phenix sein El. Charl. v. Orleans br. 2, 262; wen man alt wirdt .. kommen viel ungemachlichkeiten 7, 4; Rabener 6, 11; Lessing 9, 368; Herder 16, 174; vgl. 13, 327; 5, 114; J. G. Jacobi 8, 122; kachexie Herder 18, 367; Klinger 3, 101; mattes übernächtiges wasser ... zu trinken, ist eine grosze u. Nicolai reise 2, 429 (also auch was u. verursacht); sie kommen ihre u. zu begrüszen? — euer durchlaucht! die u. hatte nie eine so glänzende gestalt! H. Beck quälgeister 6. wie ungemach 1 c α: den ungemächlichkeiten des wetters Nicolai S. Noth. 1, 127; des klima Moritz reisen in It. 2, 166; sie sind auch wider kälte, hitze, hunger, durst und alle ungemachlichkeiten so erhartet, dasz Krämer leben u. t. thaten 193. wie ungemach 1 c ε: zu obgemeldten ungemächlichkeiten kommet auch noch diese hinzu, dasz die sinne ... nicht allein habil und fähig sind Ch. Fr. Richter urspr. u. adel d. seele 125; Herder 1, 231. 229; 21, 211; mein platz, ich will's euch nur gestehn, hat seine ungemächlichkeiten Wieland 11, 45 Hempel; diese u. der enharmonischen gänge Knigge bei O. Jahn Mozart 3, 472; die ungemächlichkeiten und unkosten des prozesses Gentz 2, 100; Oken naturg. 7, 1802; im amte ..., wo uns die dürre philisterei von Paulus und consorten auch manche ungemächlichkeiten verursacht (unangenehme scherereien) Görres br. 3, 168. mildernd: eine müllerstochter? alle ungemächlichkeiten sind ihr doch ersetzt? Iffland 11, 227; vgl. 1 b und Herder 13, 327. wie ungemach 1 c ζ: die u. (das unglückselige) meiner äuszern lage Bürger br. 3, 705. wie ungemach 1 d: er (d. christ) leidet auch die ungemächlichkeiten freudig allg. d. bibl. anh. 1—12, 510; Hippel lebensl. 1, 264. ungemach 1 e entsprechend: die menschen sind alle zu gleichen .. ungemächlichkeiten berufen kreuz- und querzüge 1, 226; einem meer von u. Herder 13, 327 mit anklang an 1 b. —
8846 Zeichen · 230 Sätze

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Úngemaechlich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Úngemaechlich , -er, -ste, adj. et adv. dem Ungemache ähnlich, und darin gegründet, daher es einen geringern Grad der un…

  2. modern
    Dialekt
    ungemächlich

    Rheinisches Wb.

    un-ge-mäch-lich: 1. unbequem, unhandlich, unpraktisch; en ongem. Stöck (Land) unbequem gelegenes Feldstück; en o.ə Schöp…

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Komposita & Ableitungen mit ungemaechlich

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Ableitung von ungemaechlich 3 Analysen

un- + gemaechlich

ungemaechlich leitet sich vom Lemma gemaechlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+gemaech+-lich ungemach+-lich

ungemaechlich‑ als Erstglied (1 von 1)

Ungemächlichkeit

Campe

ungemaechlich·keit

Die Ungemächlichkeit , Mz. — en . 1) Der Zustand eines Dinges, da es nicht gemächlich ist; ohne Mehrzahl. 2) Eine ungemächliche Sache, ein b…

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APA
Cotta, M. (2026). „ungemaechlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ungemaechlich/dwb?formid=U07094
MLA
Cotta, Marcel. „ungemaechlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ungemaechlich/dwb?formid=U07094. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „ungemaechlich". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ungemaechlich/dwb?formid=U07094.
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