unfleiszig,
adj. adv. ,
gegentheil von fleiszig.
mhd. unvlîʒic;
mnl. onvlitich;
nl. onvlijtig (
nl. wb. 10, 2162);
schwed. oflitig; Fischer 2, 1566.
die abgrenzung der bedeutungen unterliegt denselben schwierigkeiten wie bei unfleisz. AA.
adj. A@11)
an die grundvorstellung (unfleisz 1)
anknüpfend, non contentiosus: so will ich eyn unstössige (
andere ausg. unfleiszige) und unpeyssige antwort geben Luther 7, 876, 10
Weim.; uff
das geschach das treffen ... darinn hertzog Fridrich unterlag und die kleinod verlor, denn er was unflyssig Tschudi
chron. 2, 7.
vgl. 2. A@22)
inattentus, unachtsam Spanutius 333; Belemnon 116;
incuriosus Maaler 461
a; fahrläszig Frischlin 101
b.
s. unfleisz 2. A@2@aa)
im geistlichen sinne wie unfleisz 2 a,
mit gen. obj.: es (
die überschätzung der ohrenbeichte) ist ein zeichen eins unflissigen menschen sins inwendigen bichtens Tauler
pred. 275, 3
Vetter; serm. (1508) 169
c. so würstu .. unfleiszig und fahest an abzenemen in guoten wercken Keisersberg
baum d. seligkeit (1518) 8
a; weil der gemein pobel ein unvleissig ding ist, höret ymmerdar predigt und lernet nichts Luther 19, 520, 25
Weim.; wirst ... unfleissig befunden Arndt
Thom. v. Kempis 111.
veraltet. A@2@bb)
nicht sorgfältig, sorglos, fahrlässig; wie unfleisz 2 c. A@2@b@aα)
subjectiv, von personen: darumb sollen wir nicht die schlüssel so jnn einander mengen, wie die unvleissigen schleffrigen theologen thun Luther 30, 2, 492
Weim.; dasz kein unfleissiger, unverstendiger oder ungetrewer schichtmeister angenomen werde (1515) Lori
bergr. 169, § 37; procurator Kirchhof
wendunmuth 2, 408; trucker Scheit
heimfart a ii
b; setzer Harsdörffer
gesprechspiele 6, 25.
veraltet. A@2@b@bβ)
objectiv, von sachen (
vgl. das adv.): solches alles dem unfleissigen zilen und halten, welches bei uns inn unsern landen geschicht, zuschreiben Sebiz 231; durch unfleissig auffsehens willen überrascht Kirchhof
mil disc. 45; unfleissige kundschafft, wie starck der feind gewesen Cuspinianus
fama mundi (1620) 2, c 3
b; nachdem diese zeilen bereits mit so unverhoffter genehmhaltung, als unfleisziger ausarbeitung ... an das licht gezogen zu werden, das glück ... gehabt Heräus 13;
der kupferstecher ist dabey willens, weder durch einen unfleiszigen stich, noch durch unsaubere abdrücke die bildnisse majestätischer personen zu entehren Gottsched
das neueste 2, 799.
im heutigen gebrauch dieser verbindungen sind wir geneigt, bedeutung 4
einzumischen: die nicht unfleiszige erstlingsarbeit (
sie zeigt streben) Voss
antisymb. 2, 9; der unfleiszigste abschnitt ist der über die minnelieder Grimm
an Benecke 37
Müller; hang zu unfleiszigem sammeln Humboldt
kosmos 2, 23; eine u. compilation 3, 98.
vgl. 5. A@2@cc)
die verbindung mit gen. obj. (
s. o. Tauler)
veraltet; parcus opera seiner arbeit unfleyssig und theur
noch Frisius 946
a.
sonst mit präpositionen: wirdt nachlessig und gar wercklos in allen sachen, klein und gros, unfleissig Sachs 2, 175, 4
Keller; unfleiszig in seinen sachen sein Kramer (1700) 1, 384
c. A@33)
unbeflissen. liederlich Frisius, Maaler, Spanutius. A@3@aa)
mit erklärendem genitiv oder präpositionen: daz die manhait so unflyszig ist der lernung Stainhöwel
ber. frauen 291; durch solche verzweiflung ... werden die menschen lässig und unfleissig im gotszdinst B. von Chiemsee 268; gantz unfleissig leut haben wir gehabt in historijs auffzuschreiben Franck
chr. Germ. 237
b;
negligens in aliquem unfleyssig gegen eim Frisius 862
b.
veraltet. A@3@bb)
ohne solche bestimmungen: ein vleissig weib ist ein krone jres mannes, aber eine unvleissige ist ein eiter in seinem gebeine
sprüche Salom. 12, 4
mit der randbemerkung: die sich nichts annimpt, als were sie ein gast im hause; so kan sie nit wol leiden, dasz .. das gesynde unfleissig sey Agricola
sprichw. (1534) j viii
a; macht man jhn entweder hailloss und unfleissig oder zu eim dieb und lauren Sebiz 39; einem vertrunckenen, unfleissigen capellan Sandrub
kurzweil 76
neudr.; sie an dem Nerva einen so unfleissigen aufwarter hätte A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 244.
veraltet. A@44)
parum efficax, piger Maaler 461
a.
wie bei unfleisz 4
die heutige hauptbedeutung. A@4@aa)
zwischen 3
und 4
stehen ausdrücke wie unfleiszig im schreiben, im besuch: seyder eine zeit bin ich sehr unfleissig im schreiben geweszen Elisabeth Charl. v. Orleans 2, 291; ob ich schon eine unfleiszige schreiberin bin 1, 502; Schubart
briefe 2, 294. diesen punct können sich die unfleiszigen kirchengänger hauptsächlich zur ursach ihres auszenbleibens bedienen Schmidt
rockenphilosophie 2, 206.
auf die sache übertragen: der unfleiszige besuch des gottesdiensts Miller
predigten fürs landvolk 3, 35. A@4@bb)
ohne unterschied von faul: wir sind faul und unvleissig Luther 32, 533, 27
Weim.; ein unfleissiger (
schüler) ist gleich einem faulen ackermann Moscherosch
insomnis cura 58
neudr. sonst in demselben sinne wie unfleisz 4: sie werden etwas gehört und gesehen haben, dasz ich nicht ganz unfleiszig war Göthe IV 2, 213, 5
Weim.; viele unfleiszige studenten Laukhard
leben 1, 249; arbeiter Gutzkow
ritter vom geiste 7, 267. ein u. arbeiter, der nicht so fleiszig im arbeiten ist, als er es seyn müszte, um mehr zu leisten und dadurch auch mehr zu verdienen; derowegen ist er noch nicht faul; denn der faule sucht sich womöglich ganz der arbeit zu entziehen. unfleiszig seyn, wenig arbeiten Krünitz 195, 606 (1848).
ungewöhnlich unfleiszigen häusern A. W. Schlegel
Athenäum 3, 217.
substantiviert: der träge bleibt zurück, der unfleiszige verstummt Herder 30, 126. A@55)
im wortspiel (
von unfleisz
zeugend. vgl. 2 b
β): darumb ist billich, das epistel und büchlin auch unflettiger (wolt sagen unfleisziger) und hailloszer seiendt Montanus 469. BB.
adverb. mhd. unvlîʒlîche
setzt sich ins ältere nhd. fort: unflyszlich Steinhöwel
Äsop 49;
Terenz (1499) 66
a. unfleyszigklich, unfleisziglich
von Frisius
bis Kramer-Moerbeek (1768)
verzeichnet. für incuriös Spanutius 289. B@11) so hab ich auch .. diese sache nicht unvleyssig (
strenue) gehandelt Luther 23, 128
Weim. B@22) B@2@aa) last uns nicht so unvleyssig (
vgl. 3
undankbar) solch unaussprechliche gabe achten Luther 19, 538
Weim. B@2@bb) es taug doch gar nichts, das man das wort gottis so unvleyssig und ungeschickt ausz lest gehen Luther 10, 3, 176, 6
Weim.; unvleissig und unordenlich beschriben Franck
chron. Germ. 96
2; ain aerzt böszlich und unvleiszig geschaiden Lori
bergr. 261; nicht u. aufflosen Xylander
Polyb. 49;
opera perfunctoria, arbeit, so man unfleiszig hin thut, oben uberhin, wie gesind, das nicht bleiben will oder soll Corvini
fons 374. B@33) vor einen liederlichen man und der sein ampt unfleissig thue, gehalten werden
der wohlgeplagte priester 87. B@44) gehen so schlefferig und unvleissig hin, als kund es uns nicht feilen Luther 32, 508, 19
Weim.; nit unfleissig (
impigre) zusamen getragen Stumpf
Schwytzerchron. 450
a; die kirche unfleiszig besuchen Tholuck
rationalismus 2, 2, 107. —