unerfindlich,
adj. adv. ,
gegensatz von erfindlich,
aber nicht nur in der th. 3, 800
aufgestellten bedeutung erfindbar.
mhd. unervindelich.
von Schöpper f iiij
d bis auf Frisch
oft und unbeanstandet verzeichnet; sein Gottsched (
beob. 371)
beginnt unwissende sprachmeisterei von der verengten bed. des neueren verb. erfinden
aus dem trefflichen worte sein bürgerrecht grundlos zu bestreiten, leider bis in die neueste zeit nicht ohne erfolg. Günther
recht u. spr. 278. 11)
activ; ohne wahrnehmendes bewusztsein, unempfindlich: das er ... im schlaff unerfindtlich leid, das ich sein böss bein im abschneid Sachs 13, 254, 27
K. G.; in einem unerfindtlichen laborinth geraten (
aus dem man sich nicht herausfinden kann)
act. publ. 2, 133
P. so redet noch Lessing 13, 477
L. von unerfindlichen kabalen.
dann veraltet. 22)
passiv. 2@aa)
im weiteren sinne des mhd. ervinden, unerspürlich, unerförschlich Schöpper;
acumini ingenii non exsuperabile Frisch: wie unervindelich sint dîne wege
predigt d. 13.
jhs. Germ. 7, 339; der, dessen anfang unerfindlich A. Silesius
seel. 279
neudr. auch was sich einfach nicht finden läszt: die bisher ganz unerfindliche instrumentalform J. Grimm
kl. schr. 4, 244.
vgl.c, d; eines möbels, das in Holland in einem zimmer, wo geschlafen wird, überall unerfindlich ist Gutzkow 9, 269.
vor dem poltern der sprachpedanten nicht recht entwickelt. vgl. unerfindsam. 2@bb)
daher erdichtet, vanus, sine fundamento veritatis Frisch; dieweil in obgesatzten schrifften mehrertheils unerfindliche sachen .. beschrieben werden G. Rollenhagen
ind. r. 204; unerfintlich beschrieben Sastrow 2, 166; unerfindliche lügen-schrifften Albertin
hirnschl. 178.
veraltet. 2@cc)
das rechtswort unerfindlich
gehört zu mhd. ervinden
ein richterliches urtheil schöpfen (Fischer 2, 793; Haltaus 388)
und ist gegentheil von erfindlich (erfindlich auch beweislich Haltaus 389); unerfindlich
ist also ursprünglich, was sich richterlichem urtheil, maszgebender beurtheilung und festsetzung entzieht, unbewiesen, unbeweisbar, unerweislich, hinfällig, haltlos u. dgl. vgl. b: die uns mit solcher unerfindlichen aufflegung gegen e. l. beschwerlich angegeben Luther (1556) 2, 267
b; Haltaus 1929; u. auflagen Meyfart
j. ger. 2, 27; Schupp 679; wie diss seine bezychtigung .. unerfindtlich Nas
ant. 1, 225
b; böse und unerfindliche wort Schütz
Pr. 6,
B iv
e; klagartickel Ayrer
proc. 1, 13; du mich als suspect und verdächtig, doch unerfindlicher nichtiger weiss recusirst 25; lügen ist ein unerfindliche warheit Lehman
flor. 1, 508; so unerfindlich, als unwahrscheinlich Leibniz 2, 449; viel unerfindliches Spener
piet. (1710) 74; eine unerfindliche historiette Grupen
bei Savigny gesch. d. r. r. 3, 84.
von Gottsched (
zs. f. d. wf. 3, 260)
als neues geschöpf der reichscanzelisten und publicisten bewitzelt, von Adelung
als oberdeutsch, von Campe
als verwerflich erklärt; doch lebendig (Heynatz
antib. 2, 516): unerfindliche behauptungen, beschuldigungen, beschwerden
u. dgl. die rechtssprache hat also keinen grund, das wort zu gunsten von unbegreiflich (Günther
a. a. o.)
aufzugeben. s. a. feindlich Staub-Tobler 1, 849. 2@dd)
der heutige gebrauch ist das ergebnis dieser entwicklung; während sich die bed. a
abschwächte, gewann das wort zum ausdruck einer gewählt ablehnenden miszbilligung aus bed. b
und c
inhalt und farbe: unerhörte, unerfindliche dinge! J. J. Engel 2, 273; alles erfindliche und unerfindliche wissen Sanders
erg. 201
b.
die beliebte dativische verbindung ist sowohl aus a
als auch aus ähnlichkeit mit unbegreiflich (
sp. 283)
verständlich. es ist unerfindlich, wie man solches behaupten kann
von Adelung
als im hd. unbekannt. warum der schülerwitz .. diesen schwärmer ... fisel nannte, ist mir unerfindlich geblieben Gutzkow 1, 204; es war ihnen unerfindlich, wie er sich mit den rotznasen so viel abgeben konnte Hauptmann
bahnwärter Thiel 16.
wie unbedingt
als mode- und kraftwort (vollkommen, ganz unerfindlich, am unerfindlichsten Günther 45)
etwas entwerthet. 33) Campe
setzt es für unerfindbar, Krünitz 195, 575
für unerfinderisch,
unerfindsam an; beides unbegründet. —