underschêⁱt -schît,
m.,
n. (Pl. -schê(i)de, -schê(i)dens): 1. Unterschied, Verschiedenheit, „Vndersched differencia” (Voc. Strals. ed. Damme 442), „Vndersched diiudicium discrecio” (
ebd. 443), „Distinctio distinctie vnderscheyt / vnderscheyd” (De Man 150b), „Et is to wetten, dat de schape syn in dryerleie vnderscheide, vnde dar na weidet se de herde in dryerhande wijs” (Jord. v. Quedlinbg. 43), „De düdeschen ... begunden erem Exempel tho volgende, vnde was also schyr kein vnderscheydt twisschen Fründen vnde vyenden” (Russow Livl. Chr. 1584, 100), „Vppe dat men nv ok wete den vnderscheͤt der deͤrthe, dede dar reyne zynt eder nicht” (Locc. Hist. 116), (Klangfarbe:) „Wente der stemme lud Ne brochte neen vnderscheet vth” (Leyen Doctr. ed. Ljunggren 134); — unterscheidendes Merkmal, Kennzeichen, „En herschilt is en vnderscheed der ridderschap” (J. v. Buch 1, 147); — Unterscheidung, „de sassen hadden an irme volke vier hande underscheid: edele lude, vriherren, vrie lude unde knechte” (Sächs. Wchr. 263), „Vmme wetenheit vnde vnderscheed to hebbende twyschen erlyken vnde vnerlyken wandelbaren frowen, so scholen de wandelbaren frowen ... in desser stadt nycht dreghen corallensnore” (Hamb. StR ed. Reincke 125), „he ... hadde kein underscheidt der tidt edder stede” (Renner ed. Klink 1, 172). 2. Fähigkeit zu unterscheiden, Urteilskraft, „Unde desse pyne myn unde meer noch wyesheyt unde underscheet schal denen in allen zaken” (Ub. Bremen 5, 323), „vnde dy gegeuen heuet zele vnde lyff, synne vorstantnisse vnde vnderscheit gudes vnde quades” (Langenberg 77), „dre puncte holden eyn lant yn eyn gud bestant, alse wol vorseen, underschet unde truwe” (Nd. Jb. 6, 5). 3. Abteilung, Aufteilung, Textabschnitt, „Interstitium vnderschet” (Dief. 74), „Vndersched des rumes distinccio intersticium” (Voc. Strals. ed. Damme 442), „Jntersticium vnderscheyt” (De Man 135b), „Dat wi in Apocalipsi lesen Am XIII. und XVII. underscheide, Mag man van Sost nu verstan mit bescheide” (D. v. Soest 280), „Vorhen in den andern Underscheedt / hefft men gelehret / wo men de Mißwysinge dorch twee Peyling finden schal” (Tangermann Wechwyser 55); — Trennlinie, „Eyn kynne dat ghestalt ys alze effte yd tweuach were / yn dem myddele eyn vnderscheidt effte eyn kuͦleken hebbende” (Schaph. Kal. 1523, 96v); — Vbdg. mit underschê(i)de
[]stückweise, „do verkofte he des biscopes sael myt vulborde des capittels, men nycht to male, mer myt underschede” (Münst. Gqu. 1, 135). 4. Entscheid, Festlegung, „dat wie von der erwerdigen unser gnedigen vrouwen ebdeschen ... hebben tu leyne virdehalve huͦve landes tusamme benomet tu Plezege up deme velde mit disme underscheide, alze hirnach stet beschreven” (Cod. Anh. 5, 84), „Hyr na is ey vnderscheit ghe scriuen We inder stat to ruden richten moghe” (Rüth. Stat. 66), „Item dat de taxeronge der loesen mit unterscheide bynnen desen neisten zukommende 3 wechen ... mynem g. heren oeverschickt werde” (Chr.
d. d. St. 24, 163); — testamentarische Bestimmung, „sterft dhe man, dhe vruwe mit eren kinderen, the se van eme hevet, unde mit eres mannes ersten kinderen the umberaden sin, the scolen nemen liken deel in erve unde an gode, dhar ne si en ander underschet ane maket, dhat men bewisen moghe mit hantvestinghe ether tughen mit sworenen” (Brem. Rqu. ed. Eckhardt 44), „Hedde he overst underscheit daran benomet, alze na synem (erem) dode, unde behelde darmede to donde unde to latende, so sturve de morgengave myt merem up den man unde nycht up der frouwen vader” (Zs. Hamb. Gesch. 15, 269). 5. Auskunft, Bescheid, „Doch hebben wi vornomen, dat Hinrik Spanyart und Richart Lange vor olderlude stonden, do de troinisse bekummert worden, de mogen dar underscheid af weten” (Livl. Ub. I 4, 720), „Vort so dot wal unde spreket mit Goderde van der Landeskronen, dat he zich to vrede zette van des geldes weghene ... bit na desser hochtid, so wil wy eme al unterscheit scriven unde van der rekenschap” (Ub. Dortmund 3, 177), (Aussage eines Angeklagten:) „Wert en ghesculdighet vor gherichte, unde sprikt de beclaghede man: ich bekenne des mit dissem underschede, unde benömt wudanwis dat underschet si, unde sinen ed dar to do dat it also si, des scal men eme ghelöven” (Gosl. StR ed. Ebel 133). 6. Bedingung, Einschränkung, „Conditio / egenschap, vnderscheit” (De Man 153a), „underscheit — condicio” (SL: Hamb. dt.-
lat. Gl.), „de ander prior her Emersleve wolde sik dar in geven mit alsodane underscheide, dat he in der weken dre dage moste vleisch eten” (Chr.
d. d. St. 7, 397), „Wat hir enboven is ... dat gheve ek mynem sonen Hanse unde sinen erven mit alsodannem underschede, weret, dat sin to kort worde er min, so scholden mek sine erven gheven alle jar dre marc” (Ub. Brschwg. 5, 445), „It. hebbe wy heten toscriven H. B. unde sinen rechten erven sin hus unde erve ... myt underschede, dat B. unde sine nakomelinge den waterlop unde drupval
[]scolen sulven sik beholden” (Anklam Stb. 216); — Vbdgg. âne/sunder u. ausnahmslos, ohne Einschränkung „de summen und renten hebben de vorweser eres berichtens samtlich und ane underscheit utgedan” (Pomm. Kirchenvis. 1, 238), „dat plach he ok to predigen ... und straffede de sunde, wo recht is, ane allen underscheit und frochten” (Oldecop 40), „Liet ok en herre en gut enem manne sunder underscheit, svat dar gebuwes uppe is, dat is des mannes mit sament deme gude, als it des herren was” (Ssp. 1, II 21 § 5), „dat wii ... verkofft hebben dat dorp ... sunder allerlie underscheet, vor drehundert olde marck Riges paymentes” (Livl. Güter-Uk. 1, 471). 7. Beispiel, typischer Einzelfall, „Ein wîs man underscheit des gaf mit enem vromden bispele” (G. v.
M. ed. Seelmann 11), „Ein jowelk lant heft sinen sede; ein underscheit gev ik darmede” (
ebd. 20). 8. Einzelteil, Bestandteil, „so scolen de slote Bart vnde Grimme ... mit al eren vnderscheden sik an vsen vorbenomeden om vnde sine eruen holden in aller wis, also vore screuen is” (Meckl. Ub. 13, 431), „Wy ... hebben vntfangen tuͦ eme rechten lene de gantze herscap tuͦ Putlest mit deme huse vnde mit der stad vnde manscop vnde mit al eren vnderscheiden” (
ebd. 552); — zugehöriges Privileg, „vsen leuen truͦwen deneren vnde ghesinde ... de voghedye, richte vnde tollen in der stat tuͦ der Wismer mit allen eren vnderscheden, mit broke vnde mit aller rechtecheyt” (
ebd. 14, 338).