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unansehnlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unansehnlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 157
unansehnlich, adj. adv. , durch un- verneintes oder eingeschränktes ansehnlich (ansehenlich, ansehlich, ansehelich). ein bildungs- oder bedeutungsgeschichtlicher unterschied der formen unansehlich, unansehelich und unansehnlich, unansehenlich ist nicht mehr anzuerkennen; schon mhd. ist bei ansenlich wechselndes n vor -lich vorhanden Weinhold gr.2 294; Fischer 1, 259; Wilmanns gr. 2 § 364 ff. vgl. thunlich und thulich th. 11, 456. wird es in classischer zeit neugebildet, dann tritt -lich wie bei unabsehlich u. s. w. ohne n unmittelbar an den verbalstamm. unansehlich und das häufigere unansehnlich gehen bis ins 17. jh. neben einander her. vnansehnlich Hulsius (1618) 264a; Harsdörffer gesprechsp. 1 e 6b. dann setzt sich das von Luther bevorzugte unansehnlich allgemein durch, gegen ende des 18. jhs. von der neuen ableitung unansehlich Campe 5, 121a, Hilpert 2, 663c nur wenig beeinträchtigt. Luther gebrauchte neben den beiden normalformen öfter unansehelich, Sebiz und Aegidius Albertinus unansehenlich; Neumarks form unanssehnlich hat nur graphischen werth. schweiz. unansehnlich Staub-Tobler 7, 562; unansechlich Luther 7, 564, 8 Weim.; nl. onaanzienlyk, onaanzienlijk, onaanzienelijk Kramer-Moerbeek 2, 359c; nl. wb. 10, 890; auch onaanzienbaar ebd.;n. uanselig; schwed. oansenlig. vgl. anseenlig, anseelig Falk-Torp 1, 26. das nd. unanseenlycke in der nd. bearbeitung von Luthers magnificat-auslegung (Wittenberg 1526), Weim. ausgabe 7, 564, 8 var., ist dem hd. nachgebildet, aber mnd. nicht belegtauch in der bedeutungsentwicklung ist das streben erkenn. bar, einen einheitlichen begriff 'humilis, vilis' zu gewinnen. der übrige begriffsinhalt verarmt darüber. 11) Taulers subst. unansenlicheit pred. 249, 28 Vetter setzt das adj. unansenlich in der bedeutung 'unanschaubar, was man nicht ansieht' voraus, als gegentheil von 'ansehelich, ansichlich tuibilis, ansehlich authenticus' Diefenbach-Wülcker 71; 'ansehnlich, deutlich, offenbar, ersichtlich; augenanséhnlich' Gutzeit (1886) 1, 49b. schlieszt man beim ansehen vom sichtbaren auf nichtsichtbares, so ergibt sich die bedeutung 'unwahrscheinlich': wie es unansehnlich, ja unglewblich ist, das aus einem dorren, faulen stam unnd wurtzel ein schone rutte unnd blume wachsze, so war esz auch nit anzusehen, das Maria .. solt eynis solchen kinds mutter werden Luther 7, 549, 12 Weim. 22) was man nicht ansehen mag, respuendus, verhaszt, verachtet: zwey ding machenn die christenheit unansehelich fur denn juden Luther 8, 19 Weim.; dan bis her hat das ... schentlich leben der geistlichen obern der christen namen bey den vnglaubigen hessig .. vndt vnansehnlich gemacht Hutten 1, 397. hier konnte Voss in der wiedergabe von ἀεικέλιος anknüpfen: anfangs zwar erschien er mir unansehnlicher bildung Odyssee 6, 242 der späteren ausg. hier schlieszt sich ferner der versuch an, unansehlich unmittelbar vom verbum ansehen (th. 1, 453. 454, 1 und 7) in der bedeutung 'unleidlich, abscheulich, so dasz man es nicht ansehen kann' zu bilden. Campe führt unansehlich im gegensatz zu unansehnlich 5, 121a als besonderes wort auf: 'nicht angesehen werden könnend, ein unansehliches scheusal', und danach Hilpert 2, 663c. zu schriftsprachlicher geltung ist das eben so wenig gekommen wie der genau entsprechende versuch im nl.; s. nl. wb. 10, 892. 33) wie ansehnlich das ist, was in die augen fällt und daher als bedeutend erscheint (menschen augen .. sehen nach dem ansehelichen, scheynenden, prachtigem wesen und standt Luther 7, 560, 22 Weim.), so ergibt sich für unansehnlich die entgegengesetzte bedeutung 'was nicht oder wenig in die augen sticht, nicht angesehen, ziemlich bedeutungslos, bescheiden, gering ist, humilis, vilis, tenuis'. die litotes nicht unansehnlich bezeichnet gern etwas von mittlerer grösze oder bedeutsamkeit. ähnlich nl. niet onanzienlijk 'tot de hoogere standen behoorende, vrij anzienlijk, belangrijk, anmerkelijk, niet gering' nl. wb. 10, 890 ff.; Kramer (1678) 1146b; (1719) 1, 226b; 2, 223b; bei Stieler fehlt es; Dentzler 321b; Steinbach 2, 566. synonym: arm, gering, verachtet, unbekannt, zart, bescheiden, mager, klein, unstudiert, genielos, flach, still, alt, zottig, langsam, eng, sumpfig, unschön u. s. w. attributive verwendung herrscht vor, seltener steht es im prädicat mit sein, werden, vorkommen, sich denken u. ä. verbunden. die unten geschiedenen bedeutungen greifen vielfach in einander. 3@aa) mit wahrung der sinnlichen grundbedeutung, von personen: es sind meine sieben töchter, welche zwar anfAenglich gar zart und unansehnlich waren, nunmehr aber sind sie .. grosz und frtreflich Rist das friedejauchzende Teutschland 149; hingegen scheinen einige (menschen) so unansehnlich als die reiffen feigen Lohenstein Arminius 2, 757b; die kleinen leute hingegen sind wegen ihrer kleinen statur gar zu verächtlich und unansehnlich, haben aber offters doppelt so viel herz als die langen Fleming der vollk. teutsche soldat 145 § 1; was für eine kleine, unansehnliche, gebrechliche schöne ist der nordische aufseher Lessing 8, 242; glauben sie wohl, dasz ich ihrer fräulein tochter einen unansehnlichen mann bringen werde, der etwa so hoch wie mein bein wäre sammlung von schauspielen (1764) 6, 24; ihre bewohner, .., sind freilich ein unansehnlicher, unschöner menschenschlag Gaudy 5, 19; er war unansehnlich, pockennarbig, litt an asthma, hustete immer Ranke 38, 205; zwei unansehnliche gestalten mit fahlen, verlebten gesichtern und glanzlosen augen traten herein Freytag 10, 214. von thieren: eyn esel ist zwar eyn .. vnansehnlich thier Sebiz feldbau 161; er ritt ein .. unansehnliches pferd theater der Deutschen 15, 530; das deutsche hornvieh soll aber .. klein und unansehnlich gewesen seyn Schmidt gesch. der Deutschen 1, 5; bei tage ist es ein kleines unansehnliches käferlein; aber bei nacht hat es den wunderschönen schein Chr. v. Schmidt 2, 52. von sachen, gegenständen der natur und menschenhand: diesen vnansehnlichen filtzhut achte ich höher denn 2 königreich engl. comedien u. tragedien 7b; vnansehnliche grabschrift Chemnitz schwed. krieg 2, 462; diese mescolantz, wie ihr sie vorgebracht habt, wird in umschütteln untereinander gehen und ein unansehnlich mischmasch machen mediz. maulaffe 285; seit der zeit .. kommt mir die see .. flach und unansehnlich vor Petrasch 1, 179; man verachtet keinen baum wegen seiner unansehnlichen blüte Lessing 8, 14, 23; im unansehnlichen rohre quillt der süszeste saft Herder 26, 318 anm.; noch musz ich anführen, dasz ... das haus ... keineswegs so schwarz und unansehnlich ist, wie hier gezeichnet Göthe IV 37, 14 Weim. u. o.; man erräth, dasz ich von ihren (einer Chinesin) unbedeutenden, unansehnlichen füszen, von diesem sonderbarsten aller verjüngten maszstäbe, sprechen will Gutzkow 6, 199; dazu ein nicht unansehnliches fasz mit bier Ludwig 2, 502; mit klugen, .. augen sah er herab auf das unansehnliche ... stück menschenthum Raabe hungerpastor 2. 3@bb) erweitert und übertragen auf äuszere, besonders gesellschaftliche stellung: nu haben wir droben gnug gesagt, wie die zarte junckfrau sey unansehlichs weszens und stands gar unvorsehens zu disser ehre kummen Luther 7, 561 Weim. u. o.; arme und unansehnliche menschen Arndt Thomas a Kempis übers. a 2a; der uhrsprung des adels .. hat gemeiniglich von unansehnlichen und unbekannten geschlechtern seinen anfang genommen Treuer deutscher Dädalus 1, 47 u. o.; der dürftigste bürger, wenn er nur dem staat nützen kan, wird durch seinen unansehnlichen stand nicht gehindert Heilmann gesch. des pelop. krieges 216; unansehnlich von auszen, fühle er den beruf in sich, dem kranken menschengeschlecht gesundheit zu bringen Herder 19, 314; wie wäre es ohne einen solchen zauber gedenkbar, dasz ein kleiner, unansehnlicher mensch, .. die menschen, völker, fürsten auf seine seite bringen konnte Immermann 5, 214; niemand konnte ahnen, dasz dieser stille, unansehnliche greis (Stüve) derselbe mann sei, der .. den .. kampf für das verfassungsrecht bestanden hatte Döllinger akademische vorträge 2, 177. 3@cc) eine anwendung auf das eigentlich sittliche, wie bei ansehnlich, scheint bei unserem wort nicht stattgefunden zu haben; abstracte begriffe, zahl- und gröszenbegriffe lassen sich dagegen wohl als unansehnlich betrachten: aus einem fast geringen und vnansehnlichen anfang Chemnitz schwed. krieg 1, 39; und wissen weder aus noch ein, weil unsre verhoffte union, darauf wir stets getrotzet han, so klein und unansehnlich worn Opel-Cohn 115; diejenigen .. haben sich so viel weniger an diese unansehnliche erinnerung zu kehren Heräus 15; glaube übrigens nicht, Callias, dass der orden der sophisten einen unansehnlichen theil der menschlichen gesellschaft ausmacht Wieland Agathon 1, 122; ein nicht ganz unansehnliches honorar Müllner 8, 45; seine nicht unansehnliche bibliothek Steffens 1, 10; nicht unansehnlich waren die vortheile Ranke 15, 75; eine nicht unansehnliche einnahme Mommsen m. gesch. 1, 244; ich habe ein nicht unansehnliches vermögen gesammelt Gutzkow ritter vom geiste 7, 58; bald dampfte eine nicht unansehnliche bowle auf unserm tisch R. Wagner 1, 138. 44) seltener adverbial, z. b. unansehnlich wenig: denn obgleich das haus alt und unansehnlich aussieht, so ist es dennoch fest gebaut Keller 3, 256. 55) steigerungsformen: kopf und unterrücken bekleidet ein lichteres ... aschgrau ... was auch viel unansehnlicher als am männchen ist (beim wachholderdrosselweibchen) Naumann naturgeschichte der vögel 2, 1; unlang hernach schickt dieser ausz den seinen nit die unansehnlichste leut Kirchhof wendunmuth 2, 71; statt wie früher der bestgekleidete und vornehmste meiner mitschüler zu sein, war ich in meinen grünen jäckchen, welche ich aufs äuszerste ausnutzen musste, nun einer der unansehnlichsten und bescheidensten, und das nicht nur in betracht der kleidung, sondern auch des benehmens Keller 1, 129. 66) substantiviert: der unansehnliche Neumark palmb. 230; das gold seiner vermOegenheit mit was unansehnlichem berfirnszen Lohenstein Arminius 1, 137b. so das unansehnliche der erscheinung, stellung, des auftretens u. s. w.
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    Unansehnlich

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    Unansehnlich , -er, -ste, adj. et adv. nicht ansehnlich, kein gutes äußeres Ansehen haben. Ein unansehnlicher Mensch. Da…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unansehnlich

    Goethe-Wörterbuch

    unansehnlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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    unansehnlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|an|sehn|lich adj. 1 (unbedeutend) da nia, pice (pici, picia/picera), insignificant (-nc, -a), ri (ri, ria) 2 modest (…

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Wortbildung

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Ableitung von unansehnlich 2 Analysen

un- + ansehnlich

unansehnlich leitet sich vom Lemma ansehnlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+ansehnen+-lich

unansehnlich‑ als Erstglied (1 von 1)

unansehnlichkeit

DWB

unansehnlich·keit

unansehnlichkeit , unüblich unansehnlichkeit, f., subst. zum vor. adj. unansehnligkeit Kramer (1678) 1146 b ; unansehnlichkeit Steinbach 2, …

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Cotta, M. (2026). „unansehnlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unansehnlich/dwb?formid=U04869
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Cotta, Marcel. „unansehnlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unansehnlich/dwb?formid=U04869. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „unansehnlich". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unansehnlich/dwb?formid=U04869.
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