Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
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umschranken , häufiger, bes. in jüngerer zeit -schränken (vgl. teil 9, 1638), vb. in trennbarer gestalt bei der übersetzung von usque ad laquearia: untz zuo den umbgeschrenckten trämen erste deutsche bibel 5, 261 lesart, im sinne von 'kreuzweis verschränkt', vgl.schränken 1. sonst untrennbar; selten in älterer zeit getrennte formen wie umbzuschrencken volksbuch vom dr. Faust 71 Petsch; umbgeschrencktes J. A. v. Mandelslo morgenländ. reisebeschr. 173 Olearius. 11) in concret-sinnlicher verwendung: 1@aa) 'mit einer schranke, mauer, einem zaun, wall o. ä. ringsum einfassen, umfriedigen, umhegen'; vallare umbschrencken vel -setzen mit stecken Diefenbach 605c; vallare verbollwercken, umbschrancken, verschantzen, vestmachen Frisius (1556) 1345b; cancellis munire umschränken Wiederhold (1669) 379b: als ir herren iuwer ecker mit eime kranken ziunlîn umbevâhet und umbeschrencket Berthold v. Regensburg predigten 1, 360 Pfeiffer; auff der Hallerwisen, soweit die umbschrannckt, verzewnt, befridt und eingefangen ist (15. jahrh.) bei Baader Nürnberger polizeiordnungen 52; (sie) hand den (markt) umbgraben und umbschranket und stark gemacht (2. hälfte 15. jahrh.) städtechron. 5, 115; (ein schlosz) mit hültzen zeunen und spitzigen pfosten umbschrenckt B. Adelphus türkisch chronica (1513) B 4b; der (hof) ist gerings herumb umbschrenckt mit gefelten grossen beumen S. Franck weltbuch (1534) 215b; Adam mit den seinigen (sonntags) in dem umbschrenckten heine oder weldlein öffentlich solte zusammen kommen, gott ... zu loben Mathesius Sarepta (1571) 7b; (gott) umbschrankt auch das paradeis und baumgarten mit feuer, damit kein mensch fürder darzu kommen Aventin s. w. 4, 48 Lexer; (welcher ort) mit pallisaden umschrenckt war Ziegler asiat. Banise (1689) 285; der Rhein fürchtet ihn, weil er ... seine niedrige ufer mit tämmen umbschrenket Lohenstein Arminius (1689) 1, 336; zum tiergefecht auf rings umschranktem plane ergosz sich zahllos stadt und land Langbein s. gedichte (1841) 1, 78; in dem groszen kaisersaale, in einem umschränkten raume, saszen erhöht die schöffen Göthe 26, 34 W. 1@bb) 'mit armen umfassen, umarmen': peüt deinen munt an meine wang, mit armen mich umschrencke H. Folz meisterlieder 97, 102 Mayer; der gaist umbschrenckt mich mit sein ermlein ... und fürt mich durch die nassen düfft in die spera der klaren lüfft H. Sachs 4, 403 K.; stunden gleicher gestalt drey nackende jungfern, die hatten einander mit den händen gefast und gleich umbschrencket A. Werner chron. v. Magdeburg (1584) 4; wie dasz die Magdalen dasz creutze so umbschrenkt? es ist, weil Jesus dran ihr allerliebster hängt A. Silesius cherubin. wandersmann 93 ndr.; den (Adonis) ich verschwendrisch küste, sein alabaster arm umschränckte meine brüste Hoffmann v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen gedichte 2, 69; wie soll ich ruhe finden? an deiner brust nur, umschränkt von deinen armen Bettine briefw. mit einem kinde (1838) 1, 200; ähnlich: die stellung, wo personen die übereinander geschlagenen knie mit gefalteten händen umschränken C. A. Böttiger kleine schr. 1, 87. von der schlange, 'umschlingen': (dasz ich) mit dem tage erwachend meine glieder häuffig mit schlangen umbschrenckt ... sahe Lohenstein Arminius (1689) 1, 644b. 1@cc) 'etwas umwinden': und das gehört dir (Bachus), ein new gebawt altar, in deiner kirch umbschrenckt mit hörnern gantz und gar M. Opitz teutsche poemata 204 ndr.; bald wenn von desz männleins haaren ihr ein krantz wird angehenckt und ihr haupt damit umbschrenckt, läszt sie alles trauren fahren J. P. Titz deutsche gedichte 109 Fischer; diese wird euch euren klugen schlaff (schläfe) mit eppichkraut umschrencken H. Reinhold reime dich (1673) vorr.; die pyramiden (im garten) ... sind ... mit epheu und andern zierathen umschräncket Hohberg georg. cur. (1682) 1, 593. 1@dd) 'umstellen, umzingeln', meist militärisch als 'belagern'; circumvallare umblegern, belegern, umbschrancken, umbschäntzen Schöpper synonyma (1550) h 3a: er umbschrencket dise stat zuo wasser und land S. Franck chronica zeytbuch (1531) 206b; sobald er entschlaffen, umbschrenckten wir in (Protheus) mit groszem geschray Schaidenreiszer Odyssea (1537) 17a; hinderkam sie der sultan auff all seitten und umbschrenckt sie gleich in einer clausz verschlossen, das sie weder für sich noch hinder sich mochten S. Franck chronicon Germaniae (1538) 147a; must man endlich diese auffrührische schwermer mit blockhäusern umbschrencken ... und auszhungern lassen Mathesius Luther (1600) 107b; weil die feinde mich umbschränkt und mit list und macht umbgeben A. Silesius seelenlust 101 ndr.; ihre wahl wäre ringsum mit spissen der Marckmänner umschrenckt, also rathsamer gewest, mit ihrer meynung hinter dem berge zu halten Lohenstein Arminius (1689) 2, 1296b; Zulthan, der ... die stadt zu stürmen denkt, sucht, wie er von allen seiten ihrer mauern kreis umschränkt Chr. O. v. Schönaich Heinrich der vogler (1757) 129; sieh die alliierten mächte an, wie sie dich tun umschränken (1793) bei Hartmann histor. volkslieder 3, 71. in freundlicher gesinnung wie 'umringen': streuet (blumen) auf das liebe paar, tanzet um ihr buntes zimmer und umschränkt sie ganz und gar P. Fleming deutsche gedichte 1, 302 Lapp. 1@ee) übergehend in die allgemeinere bedeutung 'umgeben', nach 2 hin neigend, teilweise noch mit dem nebensinn des einengens, abschnürens: der abgrund umbschrancket mich (abyssus vallavit me) erste deutsche bibel 10, 64 (lesart); hat mich der pful der todten schon umbschrenckt? Lohenstein Sophonisbe (1680) 15; den (schwanz) gleiche haut umschränket J. A. Schlegel vermischte gedichte (1787) 2, 152; der vorige künstler hatte ... uns mit einem engen raum umschränkt, indem er die scene durch die mauern von Troja begränzte Schiller 10, 530 G.; gern bei landschaftlichen beschreibungen: also daz zwai meer sind, der eins die erden umbschrenckt G. Alt buch der cronicken (1493) 8a; ain schloss mit vil tannen und aichbeumen umbschrencket Schaidenreiszer Odyssea (1537) 37a; (das meer) mit nahen ufern auch hin und her ümbgeschrenckt T. Hübner siebentageszeit (1661) 115; das königreich Nacataas, das vorzeiten allein die gräntzen China, so sich nun sehr weit erstrecken, umschrenkte F. M. Pinto wünderliche reisen (1671) 153; den (hügel) die welle ... des meers ... umschränkt Gries Bojardos verliebter Roland (1835) 1, 198; so sind wir beide hand in hand ins deutsche gebirge gestiegen und dort von felsenriesen umschränkt Fulda neue gedichte (1900) 141; inhaltlich gesehen als 'enthalten, besitzen': manches kraut, so im garten grühnet und was mehr vor artzenei diese welt ümschränkt Zesen vermehrter Helikon (1656) 2, 75. 22) in übertragener, abstracter verwendung: 2@aa) 'bewahren, beschützen' von gott: das ein yglicher beide fur sich selbs keusch lebe und dem nehisten auch dazu helffe, also das gott durch dis gepot eines yglichen ehelich gemahl wil umbschrencket und bewaret haben, das sich niemand daran vergreiffe Luther 30, 1, 161 W.; im achten (gebot hat gott) unsern namen und gerücht umbschrencket und verwaret, das uns böse leut daran nicht sollen schaden zufügen S. Artomedes erklerung der catechismi (1605) 117; (du wollest mich) und mein betrübtes hausz verwahren und umschrencken mit deiner heiligen verheiszung J. Arndt paradiszgärtlein (1626) 62; Gott, der die throne der mächtigen gründet, der sie umschrencket, kronen aufsetzet und schwerdter anbindet, hat euch beschencket A. Gryphius gedichte 507 Palm; (ich) anders nichtes mich verseh zu meinen lieben gott, als dasz umbschrancke mich dein schutz J. M. Dilherr bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 5, 170; umschräncke (gott) mich mit deiner macht, so wird mein lauff recht wohl vollbracht Schmolcke s. trost- und geistr. schr. (1740) 1, 830; wenn mich eine unsichtbare hand nicht umschränkt hätte, ... (hätte ich ein ungeheuer) werden können Göthe 22, 313 W. 2@bb) 'einschränken, beengen', deutlich bei personalem object: welcher (der papst) so lang nach dem primat mit list und ernst gestrebet hat, bis er in mit gewalt erlangt, wiewol in gott selber umbschranckt und hat im ziel und mass gesatzt Nigrinus vexamen (1582) G 2b; belege deine unterthanen selten mit neuen vorschriften, ... umschränke sie nicht mit entbehrlichen befehlen Haller Usong (1771) 375; in mannigfacher sonstiger anwendung: denen, so mit den anderen in der religion nicht ubereinstimmen, drewe man ihnen ihre freiheit zu vermindern und zu umbschrencken H. Rätel beschreib. des krieges (1590) o 3a; welche (leiblichen sinne) das liecht unsers verstands so sehr umschränken und verfinstern W. Serlin beobachtungen (1672) 1, 217; der reim umschrencket die weitausschweiffende gedancken Morhof unterricht von der deutschen sprache (1682) 1, 570; mein freyseyn ward umschrenckt durch fremde macht der waffen Ziegler asiatische Banise (1689) 820; ungeachtet ... seine könige mit vielen grundgesetzen ... umbschräncket sind Lohenstein Arminius (1689) 1, 142b; seine gemüthsregungen (waren) mit der tugendhafftesten mässigung umschränckt Besser schr. (1732) 1, 48 König; wahr ists, dem menschen ist verstand genug geschenket, sein flüchtig denken ist kaum von der welt umschränket Haller gedichte 45 Hirzel; es schien, als ob für dich gar nichts zu heilig wäre: die triebe deiner brust umschränkte gar kein ziel Gottsched anmuth. gelehrsamkeit (1751) 1, 264; sein geist, den nichts umschränkt, will allen ruhm umfassen J. E. Schlegel w. (1761) 1, 223; bei präpositionalem zusatz 'einengen, einschlieszen in etwas': gottes rechte lest sich nicht nach dem circkel abmessen oder in ein gewis refier umbschrencken H. Roth catechismipredigt (1573) 177b; lass mich die freude in deinen schosz ausschütten, die ich in meinem gemüthe nicht umschrencken kan Chr. Weise überflüssige gedanken (1668) 2, 505. die bedeutung des einengens ist kaum spürbar: (gott habe) diese mit gewisser masz umbschrenckte ordnung und weise, das menschliche geschlecht zu vermehren, verordnet W. Dilich ungarische chronica (1606) 110; ists beste, dass man sich der kurtze befleiszige ... behalten wir das am besten, was mit kurtzen umschrenket ist Reinicke fuchs (1650) 316. das participium umschränkt nähert sich adjectivischem gebrauch: sein macht und gewalt (ist) umbschrencket J. Gigas postilla (1595) 1, 90b; am meisten aber sind wir princessinnen so genaue umschrenckt, dasz wir blosse werckzeuge, die länder an einander zu verknüpffen, sein müssen A. Bohse Olorena (1694) 25; ein guter herrscher ... thut um desto mehr gutes, je weniger er umschränkt ist Haller Alfred (1773) 118; zum teil ergeben sich eigene bedeutungen: wie diese jahr nicht unbeschrenckte jahr sein, welche mit keinen gewissen beschriebenen und umbschrenckten terminis ausgesprochen wären J. W. Petersen warheit des reiches Jesu Christi (1693) 1, 71; ein majestätisches, doch ümschrencktes ansehn Paullini philosoph. feierabend (1700) 397; die menschliche einsicht so umschräncket und unvollkommen ist, dasz sie nicht alles auf einmahl übersehen kan curiöse unterredungen im reiche der todten (1732) 2, 69; dem begriffe des endlichen, welches man durch umschränkt erkläret Gottsched anmut. gelehrsamkeit (1751) 4, 897; in die stelle des wohls vom ganzen trat schon das umschränkte wohl seiner familie Herder 12, 298 S.; mein hiesiger gesichtskreis ist gar zu sehr umschränkt Bürger briefe 1, nr. 282 Strodtmann. 2@cc) etwas sprachlich, gedanklich fassen, zunächst noch als 'einschränken, enger fassen': Christus wil hie mit diesen worten der apostel ampt umschrancken und gleich zumessen, was sie die getaufften christen leren sollen Nigrinus examen ... bruder Joh. Nasen (1571) c 4a; (er) umbschränckte ... seine erklärung mit unterschiedlichen bedingen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 290; etwas mit gewissen bedingungen umschränken to circumscribe or limit a thing with certain conditions Chr. Ludwig teutschengl. lex. (1716) 2229; specieller 'umreiszen': die keiserlichen reichsgesetze, befehliche, ordinantien und maszgebunge, die uns das onus vel munus hospitationis mit klaren buchstaben auszdrücken, beschreiben, umbschrancken und reguliren A. Mengering quartiermeister (1639) 9; (es) könten demnach obengesätzte regeln also ümschränket wärden: ... Bellin hochd. rechtschreib. (1657) 76; 'umschreiben, paraphrasieren': da waren alle wörter gantz weitläufftig umbschrenckt als nemlich: einen fisch nennete dieser poet ein geschuptes wasserpferd, eine ofengabel eine zweigespitzte gutschen Jan Rebhu weltkucker 1, 117; 'geistig erfassen, verstehen': diesz ist uns ein tieffes meer, fellt uns auszzugründen gar zu schwer. wir wollen deinen sinn umbschränken, meinen, also soll es gehn, wie wir thoren es verstehn S. Dach 136 Österley; wenn man einem verfasser nicht unrecht thun will, so musz man seine worte so umschräncken und ihnen den begriff beilegen, den der verfasser hie und da selbst damit verbindet S. G. Lange historie vom gehörnten Siegfried (1747) 132. 2@dd) übergehend in die allgemeinere bedeutung 'umfassen, umgeben', s. o. 1 e: ein traum umbschrencket mich so frembd und wunderlich H. Sachs 1, 345 K.; dieselbe bitte stehet im vaterunser, mit andern bitten umbschrencket M. Neander menschenspiegel (1560) 33; ich schwere, dass diss blatt nichts falsches in sich führet, besondern jedes wort umschrenckt der treuste sinn Ziegler asiatische Banise (1689) 310; gern von 'not, angst, weh' o. ä., wobei der sinn des einengens wieder hervortritt: (gott) sich an, wie wir mit mancher noth umbschrenckt seyn und beladen N. Elerd in Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 2, 507; wen die verdammnisz hat umbschrenckt P. Gerhardt ebda 3, 415; itzt hat es not umschrenkt W. Scherffer geistl. und weltl. gedichte (1652) 1, 355; wir hatten andre plagen, damit im capitol ein rathsherr war umbschränckt J. Chr. Hallmann die göttl. rach 28; (entzieh) mich aller angst und müh, so täglich mich umschräncken Chr. Fr. Cunold in Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 4, 183; ich will hin, mit weh umschränckt Besser schr. (1732) 2, 583.
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Cotta, M. (2026). „umschranken". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/umschranken/dwb?formid=U04079
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Cotta, Marcel. „umschranken". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/umschranken/dwb?formid=U04079. Abgerufen 19. May 2026.
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