umfall,
m.,
daneben (
md.) umfalle,
f., Rädlein (1711) 961
a; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 595
b; Hertel
Thür. 250. 1)
das úmfallen, vgl. umfallen A 1: ain kuntschafter (
traf) ain baurn näben ihm mit solchem gewalt, das im umbfal er
auch Maximilianum umbschluog S. Franck
Germ. chron. (1538) 271; (
die störche sollen) so das gebäude einen umfall oder feuersnoth zu erwarten hat, das bevorstehende unglück von weiten gleichsam vorher wissen J. Prätorius
winterflucht (1678) 36; er fiel, so fällt, vom künstler umgehauen, der jungen ceder stam: nach ihrem umfall ein geschnitzter götze, wird weyhrauch vor ihr aufgestreut Karschin
in briefe die neueste litt. betreff. 17 (1764) 138;
weiterhin uneigentlich im sinne von '
sturz, vernichtung': ich bin in willens, ... wider die Saracenen oder Türcken, dieweil mir dieser umbfal (
sein heer ist vom feind vernichtet, als er auf der jagd war) zuhanden gangen ist, zustreitten
Aymont v. Dordon (1535) l 5
a; damit (
mit 12000
landsknechten) erobert (
herzog G. V.) wider das gantz fürstentumb Meyland ..., auf disem umbfal des hertzogthuomb Meylands beschicket konig Ludwig Stumpf
Schweizerchron. (1606) 751
a,
vgl. auch umfallen A 5
in der bedeutung '
erobert werden'; die ungezaumte gier des unglücks seugamm ist, daraus der tugend tod, der seelen umfall flieszt W. H. v. Hohberg
Ottobert (1664) Fff 6a. 2)
seuche, bei der das vieh plötzlich tod umfällt, s. Krünitz
öcon. encycl. 194, 67: umfall des viehs
mortalità trà 'l bestiame Kramer 1 (1700) 332
c; 'umfalle,
f., sterbe des viehes' Rädlein (1711) 961
a; wann der schwein umbfahl wie oftmahlen beschücht, deren etliche beim markt abkommen (1598)
österr. weist. 6, 386; im sommer kommt offt ein umfall unter die hühner Hohberg
georg. cur. 2, 329
b u. ö.; die pest und umfall unter dem vieh Abr. a
s. Clara 19, 61;
auch im steir.: umfall
tödliche schweineseuche Unger-Khull 605
b.
dial. auch als ohnmacht: omfale,
f., Hertel
Thür. 250; mer kennt gleich de imfoll krieng '
man könnte vor verwunderung, schreck, ärger gleich in ohnmacht fallen' Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 595
b;
für fallsucht, epilepsie: umfalle,
f., die schwere noth, l'epilepsia, il mal caduco Rädlein (1711) 961
a. — 3)
abfall, vgl. umfallen A 2: so bald du ... angezeigt, wie du ... wolst abfallen von der lehr, so haben sie (
die jesuiten) ... dir gleich den eid da aufferleyt ..., dasz du die wahre lehr wolst verschweren und nimmer einen umbfall thun Fischart
w. 1, 56
Kurz. in der gegenwart als schlagwort des parlamentarismus der umfall einer partei, regierung, delegation
o. ä., d. i. der abfall von einem programm, vorsatz ..., mit verächtlichem nebenton, indem die aufrichtigkeit, festigkeit des charakters bezweifelt wird.