Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
ultra
ultra
ultra- Bestimmungswort in gelehrten Zusammensetzungen mit der Bedeutung ‘jenseits von, über … hinaus, das (übliche Maß) übersteigend, hinausgehend über’. Zugrunde liegt lat. ultrā Adv. ‘jenseits, darüber hinaus, weiterhin’, Präp. ‘jenseits, über … hinaus, außerdem’, erstarrter Ablativ Fem. des Adjektivs lat. ulter ‘jenseitig, drüben befindlich’, abgeleitet von lat. ultis, älter uls Präp. ‘jenseits’. Als erstes Kompositionsglied begegnet ultrā im Lat. nur selten, hingegen im Mlat. häufig. – Ultramarin n. kornblumenblaue Mineralfarbe, relatinisiert und substantiviert (Anfang 16. Jh.) aus ital. (älter) azzurro oltramarino ‘Lazurblau’; das ital. Adjektiv beruht auf mlat. ultramarinus ‘(von) jenseits des Meeres’ (vgl. lat. marīnus ‘zum Meer gehörig’, zu lat. mare ‘Meer’), da die Bestandteile der Farbe ‘von jenseits des Meeres’, d. h. ‘von weit her’ (aus Asien) eingeführt werden. ultramontan Adj. ‘jenseits der Alpen (wohnend, befindlich), von jenseits der Alpen stammend’, sowohl von Deutschland als auch von Italien aus gesehen (1. Hälfte 18. Jh.), aus gleichbed. ital. oltramontano, älter auch ultramontano (vgl. frz. ultramontain ‘jenseits der Alpen liegend, italienisch’), dieses aus mlat. ultramontanus ‘jenseits der Berge’ (zu lat. mōns, Genitiv montis, ‘Berg, Gebirge’); übertragen ‘düster, barbarisch’ (aus italienischer Sicht), ‘südländisch’ (aus deutscher Sicht); dann im Hinblick auf die katholische Kirchenpolitik ‘im Gegensatz zu protestantischen und nationalen Interessen stehend’ (18. Jh.), verallgemeinert ‘streng katholisch, römisch, päpstlich gesinnt’ (19. Jh.); auch ultramontanisch (2. Hälfte 18. Jh.). Im Bereich von Technik und Physik entstehen Zusammensetzungen mit ultra- wie ultrarot Adj. ‘jenseits des roten Endes des Lichtspektrums liegend, infrarot’ und ultraviolett Adj. ‘im Spektrum jenseits des sichtbaren Violetts liegend’ (Ende 19. Jh.); Ultrakurzwelle f. elektromagnetische Welle mit besonders kurzer Wellenlänge und Ultraschall m. Schallschwingungen, die oberhalb der Hörbarkeitsgrenze liegen (1. Hälfte 20. Jh.).