überwachsen,
v. II.
in untrennb. verbindung. mhd. überwahsen;
ahd. ubarwahsan (Graff 1, 686 ff.). I@AA.
über etwas hinauswachsen, bzw. im wachsen das erwartete oder zukommende masz überschreiten. I@A@11)
trans., schon ahd.: daz sin (
des adlers) obero snabel
den nideren so uberwahset, daz er in uf intuon nemag Notker
ps. 102, 5.
sodann bildlich: sô unsich unsere sunte uberwahsint
fdgr. 1, 33.
nhd.: I@A@1@aa)
platanus evincit ulmos, übertrifft, überwachszt, wirt höher Frisius 487
b s. v. evinco; einen überwachsen,
adolescendo superare, supergredi Schönsleder
prompt. (1647) M m m 1
b; alle ü.,
corporis statura vincere Steinbach 2, 914. ein ast, der den andern überwachsen will, setzt sich der gefahr aus, dasz ... der gärtner ihn wegschneidet Hippel
lebensl. (1778
ff.) 3, 2, 428; eine junge zed er wuchs schlanck auf ... und drohte die andern zu überwachsen Göthe 37, 296
W.; die schwester ü. Holtei
erz. schr. 18, 162; C.
F. Meyer
nov. 2, 300; (
vom walfisch:) alle fisch ü. Hans Sachs 22, 315
K.-G. I@A@1@bb)
bildlich: also wachsen die natürlichen ding und die tugend in ihnen ... auff, biss auff den terminum, den gott geben hat, den mögen sie nicht überwachsen Paracelsus
op. (1616) 2, 215
H.; Polimero (so hiesze der knabe) überwuchse seine jahre J. W. v. Stubenberg
Eromena (1656) 1, 1; seine (
Shakespeares) grösze, durch die er sein zeitalter überwächst Bayer
skizzenb. 329
bibl. d. schr. aus Böhmen; bisher hätte er ihm eingebildet, dasz seine sehnsucht alle andere regungen überwachsen hätte Lohenstein
Arminius 2, 417
b; wir sehen ihn (
den samen der leidenschaft) wachsen, bis er die vernunft überwächst O. Ludwig
ges. schr. 5, 53; in manchen ... städten überwuchsen die arbeitsrührigen juden das lässigere christenvolck W. H. Riehl
d. d. arbeit 64. I@A@1@cc) mit, in, an etwas jem. ü.,
übertreffen: hat sie (
die universität Löwen) doch alle andere ... mit vielen überausz köstlichen und schönen zierden überwachsen und überstigen Braun
beschr. u. contrafactur (1581) 3,
register t t 2
b; des guoten malers tochter, die iren vatter ... in diser kunste malens wyt überwuochs
N. v. Wyle
translat. 330
K.; du solt din brder in eren nit überwachsen
historienbibel 194
M.; die Franken in der kunst des schreibens ü. Gottsched
ged. (1751) 1, 458; er überwächst uns an reichthum,
opes eius validiores sunt nostris Stieler 2404; an grösze, stärke, macht Kramer (1702) 2, 1228
c; an der zahl Lohenstein
Arminius 1, 647
b; Göthe 15
1, 336
W. I@A@1@dd)
reflexiv sich ü.,
zu viel wachsen: so sy (
die bäume) sich überwachsend und ze vil äst gewünnend Frisius 1001
b s. v. petulantia; der weinstock ... dringet ... in die höhe, dasz ihn ... der wintzer musz verschneiden, damit er sich nicht überwachse
V. Herberger
hertzpost. (1613) 2, 198; Lohenstein
Arminius 2, 751; die besorgnis, dasz sich zu früh gesäeter roggen ... im herbst überwachsen werde, ist ... vorurtheil Schwerz
prakt. ackerbau (1882) 326. I@A@22)
absolut: I@A@2@aa) ein adler stirbt nit von alter ..., aber von hunger, das im das ober teil des schnabels überwachst
Terenz (1499) 80
a; (
bäume fällen,) uff dasz sy nit überwachsen
M. Herr
sittl. zuchtbücher (1536) 185
b; es ist nicht ein einziger mensch ..., dessen edle triebe ... nicht bisweilen ausgleiten, überwachsen Lavater
physiogn. fragm. 1, 137; überwachsend,
excedens: tragisches schicksal darf nur mit ... überwachsender leidenschaft ... beisammen sein O. Ludwig
ges. schr. 6, 129. I@A@2@bb)
part. überwachsen,
über das masz gewachsen, z. b. für superadulta der vulgata 1 Cor. 7, 36
erste d. bibel (Luther: wol manbar); kombt her, ihr überwachsene beschnarcher, ... ihr goliathische groszschedl Abr. a S. Clara
Judas (1686) 1, 126; überwachsene leidenschaft O. Ludwig
ges. schr. 5, 451. I@BB.
wachsend etwas überdecken, überwuchern, ohne feste abgrenzung gegen A,
vgl. den beleg aus dem veterbuch 64, 13
P. bei Lexer 2, 1678. I@B@11)
trans.: des inwendigen warnemens ... des ist grosse not, wan der mensche hat manige hut in im, die im den grunt bedeckent und überwachsen hant Tauler
pred. 275
V. nhd.: damit das grass nicht die rebstöcke überwachsse Sebiz
feldbau (1579) 515; das moos überwächst steine, dächer
u. s. w. s. Hilpert 2, 684
c; schlinggewächse, die ... die baustücke überwuchsen Stifter 3, 35; zwillinge ..., davon aber eines ... mit einem häutlein wäre überwachsen worden Lohenstein
Arminius 2, 1499
b.
bildlich: bis die clauster ... alle stett und merkt ... überwachsen und beschwärt und erfült habend Joh. Kessler
sabbata 42.
reflex.: nun hatte ... das grab sich überwachsen Storm
w. (1899) 2, 162.
bildlich: dessen (
Hildebrands) deutschtum sich durch merkwürdige schicksale ... mitteleuropäisch überwachsen hatte Bernoulli
Overbeck u. Nietzsche 2, 486. I@B@22)
absolut: sich bedecken mit etwas. die Hunen verderbten sie sollicher massen, das sie mit dornstuden überwuochse L. Friesz
underweisung u. s. w. (1530) D 3
b; ein acker, der nie geackert wird, überwächst mit distel und dorn J. Meichel
creutzschuel (1630) 71; mit bäumen J. Grimm
rechtsalterth.4 2, 48; mit dornen und nesseln Kotzebue
die Hussiten vor Naumburg (1803) 24; zur rauhen winterszeit, da ... die bäume ... mit weissen haaren überwachsen Abr. a S. Clara
mercks Wien (1680) 138; (
fuszstapfen, die) niemals ... mit gras überwuchsen Laistner
nebelsagen 284.
der bedeutung '
vernarben'
sich nähernd: (
es) fahet die wund an mit einer newen haut zu überwachsen H. Fabricius
auszzug bewerter hist. (1599) 709; Hilpert
a. a. o. bildlich: der schade verharscht und überwächst allmählich J. Grimm
kl. schr. 8, 355;
part. präs. überwachsendes fleisch, '
wildes fl.',
s. M. Herr
schachtafeln d. gesuntheit (1533) R 1
a. I@B@33)
part. prät. überwachsen,
bewachsen, überzogen: obductus Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 2, 298
b; kompt er auff ein mosigen platten mit wasen überwachsen S. Franck
chron. Germ. (1538) 268
a;
legende d. heil. Francisci (1592) Q 3
a; man hat ... etliche (
hirsche) gefangen mit ... halszbänden, die ... yetzt usz der grossen feyszte überwachsen waren Eppendorff
Plinius (1543) 67;
ebenso Heyden (1565) 176; (
der Schwarzwald ist) überal mit einem finstern dannenwald überwachsen Grimmelshausen
Simpl. 471
ndr.; G. Forster
s. schr. 1, 117; alle wege ... waren ... mit hohem grase überwachsen Eichendorf
s. w. (1864) 2, 42; mit epheu G. Keller 5, 32; das von gestrüppe überwachsene grab D. Fr. Strausz
ges. schr. 2, 244; Fontane I 4, 186; (
bücher,) von staub und schimmel überwachsen Schupp
schr. (1663) 537; ein ... mit einer dikken borke überwachsenes rosenholtz Zesen
helikon. rosentahl (1669) 110; mit haaren überwachsenes kinn Kramer (1702) 2, 1227
c; (
gesichter,) hart wie stein, mit wenig ... fleisch überwachsen Lavater
physiogn. fragm. 4, 204.
auch ohne ergänzung: überwachsene mauern Hauff
s. w. 2, 265; an einem überwachsenen zaun Fontane I 2, 325.
bildlich: mit ehrfurcht ... erfüllt es mich, wenn das kind, das in jedem braven menschen steckt, bei den meisten aber stark überwachsen ist, in W. Grimm so völlig rein herauskommt W. Scherer
kl. schr. 1, 52; Nietzsche 5, 221; in jüngern gegenden der erde, wo ... von ränken kraft und unschuld noch nicht überwachsen ist Herder 16, 127. IIII.
in trennb. verbindung selten: über eine grenze u. ä. hinüber, hinaus wachsen, intrans., z. b. der baum wächst über Adelung 4, 782.
vom gärenden wein gesagt für steigen: puch d. himml. offenb. d. heil. Birgitte (1502) 4, 24.
bildlich: das vaterherz wuchs über (=
schwoll über) Bürger 54
b B.; Becker
weltgesch. 7, 19; wäre die menschenzahl ... jemals so ungeheuer übergewachsen, so wären jene wildnisse wohl längst urbar gemacht Sintenis
br. 2, 185.