Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
übertrage stv.
I. trage zu weit oder zu hoch.
1. intransitiv. das ir aller crêâtûren zuoflus swær unde bitter wirdet von übertragender minne H. zeitschr. 8,227. daʒ im alliu siniu zil gar übertruogen an dem muot daß er sehr übermütig war Ls. 1,275.
2. mit transitivem accus. biʒ mich daʒ guot übertruoc und mêre haben wolte, dan ich von rehte solte Trist. 7574.
3. mit reflex. accus. überhebe mich. wer sich selben übertreit Bon. 39,42. wer sich mit hôchvart, von hôchvart übertreit das. 67,59. 69,43.
II. trage über etwas hinaus, übertreffe.
1. intransitiv. sînen undertânen ôtmûtig, sînen ubertragenden die über ihm standen hôchmûtic Herb. 140.
2. mit accus. ein milwe eʒ übertrüege MS. 2,215. b.
III. trage hinüber, an einen andern ort oder zu einer andern person. vgl. supputo ubertragen gl. Mone 8,103. die eigen behœrige an einen übertragen Oberl. 2707.
IV. trage über etwas weg, daher
a. vertrage, schlichte (einen streit) Oberl. 2707. ein urliuge ubertragen (var. undertragen) Bon. 93,2.
b. verhüte etwas. daʒ wart vil kûme übertragen Reinh. s. 339.
c. ich ubertrage einen überhebe, verschone; bewahre, schütze. heten si beide niht übertragen die schilde krone 146. a. vgl. 162. a Sch. — mit genit. ir sult mich zornes übertragen Er. 4982. ê muoste iu vil gewerren, nu lobet unsern herren, daʒ er iuchs hât übertragen das. 6489. der mich lasters übertruoc Iw. 286. ein stein übertruoc in des daʒ im niht arges geschach das. 60. daʒ uns ze fluoche was geschehen, des hât diu minne uns übertragen MS. 2,123. a. — mit untergeordnetem satze. nieman ist der mich übertrage, mirne werde der lîp benomen Iw. 153. dar zuo er in übertruoc, daʒ er dehein arbeit von frömdem gewalte leit a. Heinr. 278.
V. ertrage. lerne eines andern gebresten güetlîche übertragen myst. 340,32.