überschwang,
m. ,
älter überschwank,
vgl. hiezu o. th. 9
sp. 2220,
s. v. schwang. 11)
das sich hinaus, hinauf, hinüber schwingen: da tuot der geist einen überswank in das götlich abgründe Tauler
pred. 152, 35
Vetter; 252, 17;
von der bewegung der wagschale: überschwanck nehmen,
gagner le dessus Rädlein (1711) 907
b; der wage ... den überschwang geben
F. H. Jacobi 2, 398; bei überschwang auf der einen seite ist die andre schaale nie im gleichgewichte Herder 24, 157. 22)
als zustandsbezeichnung: was über das masz des gewöhnlichen oder erwarteten hinausgeht. die entwicklung aus einem fechterausdruck (
speerschwingen),
wie Hildebrand
sprachunterricht 113, 122
annahm, und die für andere compp. (swertswanc, mittelswanc)
sicher bezeugt ist, läszt sich für ü.
aus den belegen nicht deutlich machen. sinnlich zu fassen ist vielleicht noch der waʒʒer ü.
bei Türlin (
mhd. wb. 2, 2, 806
b),
sonst stets in abgezogenem sinne. a) überschwanck, überschutz, überträffenheit, überflusz Frisius
dict. 528
a; 1271
b s. vv. exuperantia, superlatio; ein eer, die man eim menschen anthuot, dorumb das man ettwas besunders in im sicht oder ein überschwangk Keisersberg
post. 3, 14
b; er (
Christus) ist nit ein schlechter prophet als Hieremias und Isaias, sunder ... ist aller propheten ein überschwanck 2, 87
a. b)
abundantia, fülle, überflusz: dasz ihr überschwang diene eurem mangel
2 Cor. 8, 14 (
vgl. hiezu Teller
beurtheilung 160
und Heynatz
antibarb. 2, 494); Schupp
schr. (1663) 46; ü. der göttlichen gnaden Keisersberg
pred. 77
b; des reichthums Treitschke
aufs.5 2, 500; kindlein, sammelt mit gesang der kartoffeln überschwang J. H. Vosz
sämtl. ged. (1802) 5, 28.
besonders ü. der gefühle O. Ludwig
ges. schr. 5, 133; Fontane I 4, 382; alle heiligen hond grosse gedult gehebt ... aber got hat einen überswanck, einen gantzen richtumb und schatz der gedult in im beschlossen Keisersberg
bilgersch. 38
a; ü. der freude
Shakespeare 4, 308; des jammers E.
M. Arndt
w. 4, 183; ü. von lieb' und edelmuth Wieland 23, 45; von himmelswonnen Rückert 305.
ferner ü. der jugend H. Laube
ges. schr. 10, 253.
ohne ergänzung der bedeutung '
begeisterung', '
ekstase'
nahe kommend, schon mhd., s. Lexer
a. a. o.; es war so herrlich, wie er voll leben, überschwang und hoffnung seinen ... kampf begann H. Hesse
Peter Camenzind 13. c)
übertreibung: der überschwang der deutschtümler schreckte könig Friedrich Wilhelm III. v. Alten
handb. für heer u. flotte 3, 93; überschwanck der red, da einer, wie man spricht, das biel ze weyt wirfft Frisius
dict. 1271
s. v. superlatio. d)
formelhaft: im überschwang, bis zum überschwang,
für '
überreichlich', '
bis zum übermasz': ungetheilter beyfall ... ward im überschwange dem willkommenen gaste zu theil Matthisson
schr. 2, 298: Lampord, der rauche, heiszt der zweite mann, denn zotten trägt sein leib im überschwange Gries
Bojardos verl. Roland 1, 28; man hat im überschwank den reichthum und die überlegenheit unsrer sprache hervorgehoben J. Grimm
kl. schr. 1, 343.