übersatz,
m. 11)
belästigung, beschwerde (
mhd. u. frühnhd.): das unsen landen ouch ein gros ubirsacz ist
urkundenbuch der vögte von Weida (
a. 1331) 337; darmit lernt yhr uns, das wyr von uns selbst künnen genug thun auch dem ungerechten ubersatz gotts (
iniquae dei tyrannidi) Luther 8, 551
Weim.; wie es den zwar geschicht, dasz je ein frauwe der andern die mägde abhalten, eine uber die ander immer mehr zu geben bewilliget und also ubersatz und beschwerung von jar zu jar auffbringen Daule
tanzteufel in theatr. diabol. 1, 182
a. 22)
unerlaubter gewinn, zu hoher zins, wucher, frühnhd. und nur mit rücksicht auf die bibelsprache Luthers noch von wbb. des 18.
jahrh. gebucht (
z. b. von Voigtel 3, 444
a;
Adelung 4, 769). wer sein gut mehret mit wucher und übersatz
sprüche Salom. 28, 8; und solt nicht wucher von im (
dem fremdling) nemen noch ubersatz
3 Mos. 25, 36 (
in einer erklärung zur stelle wird unterschieden: wucher so mit geldt geschicht, ubersatz, wen der arm man mus keuffen so tewer der geitzhals wil, weil ers haben musz zur not); solche ubirsetze aber seyn gestolen deynem nehsten widder gottis gepott Luther 6, 7
Weim.; und wer im handel und wandel grosse schinderei und grossen ubersatz treiben kan, ... das wird von solchen ... leuten für keine sünde gehalten Taurer
buszruffer (1596) N 4
b; ob wir mit wucher, übersatz und anderm vortheil unserm nächsten schaden gethan? H. Müller
thränen- u. trostquelle (1675) 106. 33)
kurszuschlag, agio: in den zahlreichen deutschen '
münzbedenken'
aus dem 16.
und den ersten jahrzehnten des 17.
jahrhunderts kommt das wort (
agio)
noch nicht vor, sondern der kurszuschlag zu gunsten der besseren münze wird mit 'aufgeld'
oder 'übersatz'
bezeichnet handwb. d. staatswissensch.3 1, 51; von überhäufung der wucherlichen übersätze, sonderlich mit den groben münzsorten ist allerhand beschwer einkommen
acta publica 3, 91
Palm. 44)
landschaftlich für übermäszigen viehauftrieb auf einer alpenweide, sodann concret das vieh selbst, das über gebühr oder gewohnheit aufgetrieben wird, belege bei Staub-Tobler 7, 1528;
hiezu übersatzgeld, n., strafgeld für das '
übersetzen'
oder '
überstoszen'
der alpen mit weidevieh ebenda 2, 264. 55)
ist eine art zu reden, welche man übersatz (
hyperbole)
nennen möchte Harsdörfer
gesprechsp. 2, 196. 66)
dasjenige, was über (
auf)
ein anderes ding gesetzt ist oder wird Voigtel
a. a. o., z. b. in der baukunst für attique Beil 1, 614;
halbgeschosz gleich unter dem dach Mothes
baulex. 4, 388;
sodann auch für die übereinandergesetzten theile eines mastbaumes, s. Adelung
a. a. o.;
vgl. ferner: welcher (
thurm) sieben übersätze oder umbgänge hat J. Neuhof
die gesantschaft (1666) 103
a; vorberührte windeltrepp führet einen zu allen stockwerken oder übersätzen Happel
relationes curiosae (1685) 2, 349
b; das gantze gebeu ist fünf übersätze hoch Ph. Zesen
beschreibung der stadt Amsterdam (1664) 182. 77)
die thätigkeit des hinübersetzens, bzw. hinüberspringens z. b. über einen flusz, einen graben (
wenig gebraucht): dasz der Tarter, wenn er bei solchem übersatze sein pferd nach dem andren ufer zurückwenden will, demselben eine handvoll wassers in die augen schütte E. Francisci
das alleredelste pferd (1670) 362; doch warn den kühnen, kühner, dasz er aus lust sich nicht des weidners graben zum übersatz aufsuche, weil Iduna dann sich etwa vermäsz' und das ziel verfehlte Klopstock
oden 2, 24, 14. 88)
für übersetzung aus einer sprache in eine andere (
occasionell): des Opitii teutscher übersatz (
der psalmen) aber möchte wol ... den vortritt (
unter den psalmenübersetzungen) in gebundener rede behalten Schottel
haubtspr. 1179; wie wir höchlich desselben übersätze aus ... frantzösischen schrifften rühmen Mühlpfort 21. 99)
metaphorisch für wiedergeburt: was er (
der mensch) vor seinem übersatz thuot, will, läszt, redt — muosz von not wegen alles flaisch, sünd und todt sein S. Franck
paradoxa (1539) 152
a.