überquer,
adverbiell ,
zusammenrückung aus präp. über
und acc. quer:
über die quere hin. nebenform überquerch. (15.
jahrh. s. Schmidt
els. wb. 272
b und bei Luther)
s. o. th. 7
sp. 2355
u. 2360
das simplex und unten überzwerch;
secundär in die adj.-klasse übergeführt, flectiert u. attributiv gebraucht (
s. u. 3). 11) gott sihet nicht die zeyt nach der lenge, sonder nach der quer, als wenn du eynen langen baum, der fur dyr ligt, über quer ansihest Luther 14, 71
Weim.; die trugen einen balcken daher, wol auff den achseln überquer, hin zu eim engen geszlein klein, da wolten sie gestracks hinein, quer über, das michs in meim hertzen, verdros, und sahe ihn zu mit schmertzen, und war das geszlein doch so enge
M. Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 31,
v. 725
neudr. in weiterer verwendung: schauet drausz die weiszen flocken, wie sie streichen hin und her, wie sie sich zusammen stocken, wie sie stürmen überquer! Harsdörffer
gesprechspiele 2, 248; der vorhang schwebet hin und her bei meiner nachbarin. gewis, sie lauschet überquer, ob ich zu hause bin Göthe I 1, 29
Weim.; da kam der sohn ganz überquer gestolpert über sterne her 38, 58
Weim.; metaphorisch: dis ist eyne ursach, warumb gott spaltung und secten unter uns schickt, die gleych über querh reyn gehet Luther (
pred. 30. juli 1525) 17
1, 357
Weim. in gleicher bedeutung auch über querfeld (16.
u. 17.
jahrh.),
vgl.über quer feld gehen, lauffen Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 245
c,
wofür wir heute querfeldein
sagen. s. o. querfeld
th. 7
sp. 2359.
bildlich: darumb gedencke und diene dem nehsten darinne, sonst komen andere über querg felt einher geplumpet und dringen sich in empter, darein sie nicht beruffen sind Luther 16, 33
Weim. metaphorisch: lieber, du furest solchs über quer felt einher,
tu ista peregrina longe petis Luther 18, 622
Weim. überkreuz: sie lehnt den rücken leichthin an den schreibtisch, kreuzt zierlich überquer die kleinen füsze D. v. Liliencron
sämtl. werke 8, 125; eine widerspricht ja stets der andern heftig, überquer die andern ihr Göthe I 15
1, 205
Weim. einen über quer ansehen,
guardar' uno per traverso con occhio Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 245
b; sie trank es (
das fläschchen) halb aus ... und sah den Dietrich dabei überquer ganz holdselig an G. Keller 4, 255.
meist für scheel, feindselig, verachtungsvoll: sondern der lewe, wolf und beer dürfte mich nicht ansehn über quer
Froschmeuseler 1, 2, 10 k 6
b. 22)
in der verkehrssprache: es geht etwas überquer
u. ä. für fehlschlagen: es gehet mir alles ü. Kramer
a. a. o.; ü. kommen
für ungelegen kommen, miszglücken: ja, es ist mir halt alles im leben so überquer gekommen, immer eines auf das andere Anzengruber
ges. werke 2, 14; Heinrich, dem diese frage in diesem augenblick etwas überquer kam G. Keller
der grüne Heinrich (1854/55) 2, 443. 33)
als flectiertes adj.: trotzdem hatten die überqueren tischreden eine gute frucht für beide W. H. Riehl
ein ganzer mann 109.