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übermensch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

übermensch m.

Bd. 23, Sp. 417
übermensch, m. , durch grösze, kraft, begabung, willen oder leistung den durchschnittsmenschen bzw. den menschen überhaupt überragend, demnach synonym mit heros, genie, bzw. übermenschlichem wesen. zur geschichte des wortes vgl. R. M. Meyer in zs. f. d. wortf. 1, 3 ff. und nachträge hiezu 1, 369; 2, 80. 347; 15, 102. 106. 130. 140, ferner Ladendorf schlagwörterb. 317 ff.; Büchmann 326 und Eisler 2, 539. aa) die ältesten belege für übermensch wurden aus der theolog. prosa (16. u. 17. jahrh.) nachgewiesen: sie (die anhänger Luthers) wandeln allein im geist und sind übermenschen und übermenschliche engel vielleicht oder englisch und ganz geist geworden, dasz sie menschliche werke nicht mehr üben dürfen brief des Dominicanerprovincials H. Rab (1527) bei Büchmann a. a. o.; im neuen menschen bist du ein wahrer mensch, ein übermensch, ein gottes- und christenmensch H. Müller erquickst. 412; das wort ist von den theologen aus der viel geläufigeren bildung übermenschlich (s. d.) abgeleitet worden und bedeutet ihnen einen menschen, der in seinen moralischen fähigkeiten über den menschlichen durchschnitt hinausgeht oder geradezu ein übermenschliches wesen. in diesem sinne auch noch bei Herder und im 19. jahrh., z. b.: nur bedinge ich mir eines voraus, die geistlichen als menschen, d. i. als physische triebfedern, nicht als un- und übermenschen betrachten zu dürfen Herder (a. 1774) 5, 679; weil das weltliche (in d. christl. kunst) verworfen ist, sind in wahrheit nur die wenigen der darstellung durch die höhere, d. h. die heilige kunst werth, die durch besondere ascese heilig geworden sind ... die priester sind (in der christl. kunst) übermenschen; ... bedingung des eintritts ... ist der ausdruck unendlicher ascese ... alle übrigen (sind) in den profanen vorhof (weltl. kunst) verstoszen Vischer ästhetik (1846) 1, 165. bb) Herder übernahm das wort nicht einfach, sondern bildete es gleichsam neu wie das schwanken zwischen un-, über- und auszermensch bei ihm zeigt, die theologische beschränkung auf moralisch hochwerthige und dadurch den durchschnitt überragende menschen fehlt allen anderen belegstellen bei ihm, die bedeutung nähert sich der von heros, halbgott, genie: wenn Homer summa vis und quasi mensura ingenii humani ist, so wird der, so ihn noch beurtheilen und tadeln kann, ein völliger übermensch! hervorragend über die schranken des menschlichen geistes Herder 3, 202; alle ihre fragen über den fortgang unsres geschlechts ... beantwortet ... ein einziges wort: humanität, menschheit. wäre die frage: ob der mensch mehr als mensch, ein über- ein auszermensch werden könne und solle? so wäre jede zeile zu viel, die man deshalb schriebe. nun aber, da nur von den gesetzen seiner natur, vom unauslöschlichen charakter seiner art und gattung die rede ist, so erlauben sie ... briefe z. beförd. d. humanität (1794) 17, 115; es kam eine zeit, da das wort mensch einen ganz andern sinn bekam, es hiesz ein pflichtträger, ein unterthan, ein vasall, ein diener ... und die, denen jene dienende menschen zugehörten, waren übermenschen 17, 142. von Herder übernimmt Göthe das wort im sinne von originalgenie, vollmensch, kraftmensch: welch erbärmlich grauen faszt übermenschen dich! Göthe Faust 138 (I 14, 32 Weim.); kaum bist du herr vom ersten kinderwillen, so glaubst du dich schon übermensch genug, I 1, 5 Weim. cc) in nachgöthischer zeit kommt (s. zs. f. d. wortf. a. a. o.) diese wortbildung nur gelegentlich zur verwendung. Hippel, Jean Paul und spätere gebrauchen übermensch synonym mit übermenschlichem wesen, halbgott. heros; in erstgenannter bedeutung bucht es auch Hilpert wb. 2, 641c mit der bemerkung 'rather unusual': heil uns, dasz unser loos in einen zeitpunkt fiel, wo man je länger je mehr das gesellschaftliche band, nicht für eine eingegangene verbindung eines höhern, vom himmel gekommenen geschöpfs, eines übermenschen — mit einer anzahl im staube liegender sklaven ansiehet, sondern als eine verbindung des volks unter einander Hippel 11, 108; das vulkanische, anfangs verwüstende feuer solcher übermenschen, z. b. Bonaparte Jean Paul 24/26, 230; der für Homer entscheidende preis ist wol, dasz uns mitten in unserem unglauben an seine götter, als die früheren übermenschen, doch deren machtvollkommenheiten nicht stören 49/51, 254. vgl. ferner: als übermensch (ital.: piu che omo I 16, 40) setzt' ich mich weit vor jeden, so lang ich deine (des gegners) stärke nicht gekannt, und glaubte sicher, niemand könn' in fehden stehn wider schwerdt und lanz' in meiner hand Gries Bojardos verliebter Roland (1835) 2, 14; sie sagen: 'ist er, dieser Mahomed, ein übermensch, ein gott vielleicht? er ist, so viel wir wissen, nur ein mensch wie wir, nicht weniger, nicht mehr Daumer Mahomed (1848) 89; ein übermensch, sei's teufel oder engel Grabbe, 2, 114; noch nach Nietzsche (s. u. e) vereinzelt im alten moralischen verstande, z. b.: hoch acht' ich jeden priester der's verdient; verdient weil er mit übermenschen kraft entsagend wirkt im heiligen beruf A. Pichler neue marksteine (1890) 184. dd) zu den synonymen für die im ganzen wenig beliebte wortbildung übermensch, wie kerl, kapitaljunge, kolossalmensch, unmensch u. s. w. aus göthischer u. nachgöthischer zeit belege bei R. M. Meyer, ferner: bist du der seltenen nichtmenschen einer, die an des grabes rande sich gemächlich niederlassen, um mit wohlgefallen in den abgrund hinab zu schauen? Kotzebue 5, 86. ee) prägnant gefaszt und zum schlagwort geprägt wurde das wort von Nietzsche: ich lehre euch den übermenschen: der mensch ist etwas, das überwunden werden soll ... was ist der affe für den menschen? ein gelächter oder eine schmerzliche scham. und ebendas soll der mensch für den übermenschen sein also sprach Zarathustra (1883) werke 6, 13. hiezu die compp. übermenschentum, n.: für sein ganzes verhältnis zur überstiegenen bildung und allem ... fratzenhaften übermenschentum hat Rosegger ... ein glückliches ... wort gefunden A. Stern einl. zu Roseggers Höllbart 6. —
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    übermenschm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    übermensch , m. , durch grösze, kraft, begabung, willen oder leistung den durchschnittsmenschen bzw. den menschen überha…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Übermensch

    Goethe-Wörterbuch

    Übermensch [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Übermensch

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Übermensch , nach Fr. Nietzsche (s. d.) der seinen Willen zur Macht unbedingt geltend machende, jenseit von Gut und Böse…

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Zerlegung von uebermensch 2 Komponenten

ueber+mensch

uebermensch setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

uebermensch‑ als Erstglied (3 von 3)

übermenschlich

DWB

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DWB

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