turteltäubchen,
n. ,
diminutivum zu turteltaube,
s. dort u. vgl. turteltäublein
u. mndl. tortelduyvelkijn;
über das verhältnis der suffixe -lein
und -chen
in der literar. überlieferung s. Henzen
dt. wortbildg. (1947) 150. turteltäubchen
tritt im frühnhd. neben älteres (
obd.) turteltäublein
und drängt dies in der schriftsprache allmählich zurück. mundartlich wird es nur vereinzelt üblich: turdeldeifchen (
mit entrundung des äu) Ph. Laven
ged. i. Trierer ma 280.
gelegentlich findet sich in älterer sprache die unsynkopierte form turteltäubichen
bei Liscow (
s. u. 1,
sowie bei Henzen
a. a. o. 148)
und die mittel- u. niederrhein. suffixgestalt -gen (
s. Henzen 152)
in turtel-täubgen J. G. Schmidt
gestrieg. rocken-philos. 1 (1706) 202. —
bedeutungsmäszig entspricht turteltäubchen (
wie turteltäublein
s. u.)
völlig dem grundwort turteltaube;
das diminutivsuffix verstärkt lediglich den affektischen beiton, der durch die besonderen eigenschaften der turteltaube (
zierlichkeit, anmut, zärtlichkeit u. ä.)
hervorgerufen, auch beim grundwort mitklingt. 11)
wie turteltaube (
u. -täublein): der sperling vnd das turteltäubchen (
überschrift) Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder (1767) 21; ein turteltAeubichen, das in der einsamkeit des waldes vor sich girrte, bracht ihn bey dem geheimen kummer zu einem unvermerkten schlummer Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739) 396; bächlein, das so kühle rauschet, tröstet alle vögelein, nur das turteltäubchen trauert, weils verwittwet und allein Eichendorff
s. w. (1864) 1, 712; er fing ihr ein paar (
zwei) turteltäubchen Ch. v. Schmid
ges. schr. (1858) 7, 69;
vereinzelt auch als ornithologische bezeichnung: columba turtur Linn. turteltäubchen Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 6, 233. 22)
bildlich und im vergleich. 2@aa)
wie turteltaube (
u. -täublein) 2 b: ich für jetzt einen betrübten mut, gleich wie das turteltäubchen tut, das seinen bulen verloren hat, so sitzt es auf einem dürren ast
liederbuch a. d. 16. jh. 98
Goedeke-Tittmann; denn da ist er an muth ein löwe, ob er gleich sonst so sanft wie ein turteltäubchen ist Chr.
F. Weisze
lustsp. 1 (1783) 228; sie, schon ein sanftes weibchen, wie sonsten nirgend ist, kehrt wie ein turteltAeubchen sich zAertlich um und kszt Gleim
s. schr. (1798) 2, 211; du bist ja so hübsch glatt und anmuthig wie ein turteltäubchen Brentano
ges. schr. (1852) 5, 100; ... das schnäbelt ja, wie turteltäubchen! Bauernfeld
ges. schr. 1 (1871) 164. 2@bb)
wie turteltaube (
u. -täublein) 2 c;
für zärtliche liebesleute: seht doch! meine verliebten turteltäubchen! Chr.
F. Weisze
lustsp. 3 (1783) 271; an ... turteltäubchen ... ist (
bei dem brautpaar) gar nicht zu denken Lichtenberg
erkl. d. Hogarthischen kupferstiche (1794) 4, 22; gegen euch zärtliche turteltäubchen Schroeder
dram. w. (1831) 2, 128;
als kosename: nur herein, mein turteltäubchen! sie musz nicht von weitem stehn Göthe I 12, 137
W.; nun will ich süsze künste dich, mein turteltäubchen, lehren Brentano
ges. schr. (1852) 2, 147; heuchelei, du süszes, süszes turteltäubchen Liliencron
s. w. (1896) 9, 11;
halb-ironisch für zwei schmollende mädchen: 'richtig, da sitzen die turteltäubchen!' ruft der professor W. Raabe
s. w. I 1, 138
Klemm. vereinzelt auch bildlich für die christliche seele, s. turteltaube u. -täublein 2 c: gieb jedem raubthier nicht dein turteltäubchen preis! (
mit bezug auf ps. 74) Moses Mendelssohn
ges. schr. (1843) 6, 238.