tütchen,
n. ,
diminutivum zu 1tüte (
s. dort),
seit dem frühen nhd. in mannigfacher gestalt nachweisbar: teutichen Wittich (1555,
s. u. 1
u. zur suffixgestalt Henzen
dt. wortbildg. [1947] 148); tütichen Francisci (1668,
s. u. 2); dütchen Arist
schilderungen (1764) 117 (
s. auch teil 2,
sp. 1768
s. v. dütchen); tütchen Gottsched (
s. u. 1).
mundartlich besonders im nd. u. md. verbreitet: tûtje Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 454; tütjen Richey
id. Hamburg. 318; Mensing
schles. w.-holst. 5, 211; tûdche, tûdke Frischbier
pr. 2, 415; t
oṻt
e k
en Bauer-Collitz
waldeck. 105; düt-, ditt-, deitchen (
entrundung von deutchen) Müller-Fraureuth
obers. 1, 270 (
vgl. die ins obersorb. entlehnte form titka Bielfeldt
d. dt. lehnw. i. obersorb. [1933] 272); töttche Schmidt
Westerwald 259;
im südwestdt. vereinzelt tütlein: düdle (
neben düttche)
bad. wb. 1, 619; titl, tetl Martin-Lienhart
elsäss. 2, 727. 11)
zu 1tüte 1 b: wenn gleich die h. schrifft sonst nirgendts zu dienet, so ist sie doch darzu gutt, das man aus den blettern, darauff sie geschrieben ist, teutichen mache, und pfeffer oder ander wrtze darein thue H. Wittich
kurtze u. gründtliche widderlegung (1555) J 5
a; er trat zum Amilek und gab ihm ein kleines tütchen
in: d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 4 (1754) 289
Gottsched; in einem tütchen (skarnitzel,
s. teil 10, 1,
sp. 1307) Muspratt
chemie 4 (1893) 1407; Marie kaufte ein tütchen samen A. Seghers
d. toten bleiben jung (1950) 68. Gerhard
bezeugt für die Siegerländer bergmannssprache tütchen '
lohntüte' 169,
s. auch unter 1tüte 1 b
α. 22)
zu 1tüte 1 a: weiln aber eine art des unziefers ... diesem gewAechse sehr gefehr ist, ... so nehmet einige von holtz gedrAehete ttichen, wie man sie allhier nennet, und stecket selbige bei den stock E. Francisci
alleredelste rache (1668) 44.
auch verschiedene mundartliche anwendungen schlieszen an tüte 1 a
an: so ostfries. tûtje
mäulchen, kusz (
zu tüte
trichterförmige gestalt des mundes): hê gift hum'n tûtje Doornkaat-Koolman
a. a. o.; hamb. haar-tütjen '
das ... in einen zopf zusammengewickelte haar unter den weiberhauben' Richey 318 (
zu tüt
kegelförmige haartracht)
sowie tarren(
weizen)-tütjen '
ein weisz brodt mit drey runden ecken'
ebda. 33)
zu 1tüte 2;
im ostfries., hamb., schlesw.-holst. u. bad. nachweisbar (
s. die wörterb. a. a. o. u. vgl. obers. tütchenswächter
nachtwächter, der durch ein gellendes hörnchen die halben stunden anzeigt Müller-Fraureuth
obers. 2, 766).