trübung,
f., nomen actionis zu trüben,
vgl. auch trübe,
f.; mhd. noch nicht bezeugt. trübung
steht an häufigkeit des gebrauchs hinter trüben
zurück und ist im wesentlichen ein wort der schriftsprache. 11)
zu trüben I A 1-4,
mehr oder minder starke '
unklarheit, undurchsichtigkeit'. 1@aa)
von flüssigen körpern, vgl. trüben I A 1;
vereinzelt in älterer sprache für '
strömung'
eines flusses, vgl. auch trübe,
f., 1 a: aber mit laussen ... in die schelte, usserhalp der truebunge zu gehen, sei den fischern auch nit leidlich (
v. j. 1551)
quell. z. rechtsgesch. d. st. Marburg 1, 388
Küch. als zustandsbezeichnung für eine verunreinigung, unklarheit u. s. w.: bei ruhigem meere erkennt man ... an der trübung des wassers schon eine grosze strecke des meeres hinaus, dasz man der mündung des ... stromes sich nähert Ritter
erdkde (1822) 17, 1111; es rinnt kein bach, er nimmt in seinem lauf durch stein und erdreich leichte trübung auf Geibel
ges. w. (1888) 2, 123
Cotta; bildlich mit anspielung auf im trüben fischen (
s. sp. 1186): wem kann sie verborgen geblieben sein, die gewaltige strömung der gemüther jetzt nach dem ... tiefern sinn des lebens hin! kluge ... menschenfischer sehen wir genug von der trübung dieses stromes vortheil ziehen Gutzkow
ges. w. (1872) 11, 384;
besonders geläufig in naturwissenschaftlicher fachsprache: durchsichtige liquoren, welche zum brennen geneigt sind, werden leicht gelb,
d. h. mit andern worten, sie gehen leicht in eine gelinde trübung über Göthe II 1, 206
W.; hier (
bei kaliwasser) ist eine trübung kein zeichen einer verwerflichkeit J. Liebig
hdb. d. chemie (1843) 352; entsteht (
bei zusatz von natronlauge) eine trübung (
der wässerigen lösung) ..., so deutet dieses auf lithium Muspratt
chemie4 5, 767; salpetersäure und salpetersaures silber
[] bewirkten nur eine schwache trübung (
der in gallertgeschwülsten enthaltenen schleimigen masse) Sömmerring
menschl. körper (1839) 8, 1, 205. 1@bb)
von der atmosphäre und lichtdurchlässigen festen körpern, vgl. trüben I A 2-4: seind sy (
zirkel um sonne oder mond) graw tunckel und erdfarb, bedeut trübung des luffts durch kellt und wind Reynmann
wetterbüchlein (1510) 2
a; die stets wechselnden verdeckungen und trübungen unserer atmosphäre A. v. Humboldt
kosmos (1845) 3, 544;
ophthalmologisch für mangelnde klarheit der durchsichtigen teile des auges (
hornhaut, linse, glaskörper): grauer star beim pferde, eine trübung der linse des auges v. Alten
hdb. (1909) 4, 353. 22)
zu trüben I A 5 '
mangel an helligkeit, glanz'
von licht, farben u. ähnl.: die da sehen uff die drübung des monds und der sternen Cl. Ziegler
von dem tauf (1525) c 3
a;
in der physikalischen optik, vgl. trübe I D 4,
dämpfung des lichts durch trübe mittel: welche modifikation ... das licht, sei es durch zerlegung in seine bestandteile oder durch trübung ... erleiden müsse, um farbe zu zeigen Schopenhauer 5, 196
Gr.; hiebey würde vortheilhaft seyn, wenn man ... das violet darstellen könnte, welches nicht leicht geschehen kann, weil der erste zarteste grad von trübung hiezu erfordert wird Göthe IV 28, 134
W.; von farben, '
verdichtung': es ist ... vorher bestimmt worden, dasz alle farben ... zu weisz und schwarz (zu weisz als einer erhellung und schwächung, zu schwarz als einer verdunkelung oder trübung) in einem allgemeinen verhältnisz stehen Ph. O. Runge
hinterl. schr. (1840) 1, 117;
verdunkelung: eine trübung der hautfarbe, von ledergelb bis zum tiefen braun Peschel
völkerkde (1874) 369;
mangel an glanz: um einige nur ihr wahrnehmbare trübungen des bodenfirnisses durch ... streicheln wieder in lauter glanz zu verwandeln
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 352. 33)
zu trüben I B
in übertragenem gebrauch; hierher drubunge
machinatio (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 342
b ? 3@aa)
in anwendung auf die seelische lage des menschen; entsprechend trüben I B 1 a, '
erregung': wan warum wer dein gemüte in trübung oder zorn, so hüte dich icht zu reden und auch zu antworten Arigo
blumen d. tugent, in: zs. f. dt. philol. 28, 468; '
betrübnis, leid',
vgl.trüben I B 1 b: (
nach Platos Timäus) die kinder der götter ... zweierlei selen oder gemüt im menschen gemacht haben, eins göttlich und untödlich, das ander ... tödlich, mit mangerlei bekümmernüsz und trübung beladen und verbunden Joh. Adelphus
enchiridion (1520) k 1
a; '
verdüsterung': nun (
seit 1603) sehen wir eine gewisse trübung in sein (
Shakespeares) inneres einkehren Vischer
Shakespearevorträge (1899) 1, 224;
blasser: eine gewisse sentimale trübung des gemüths A. v. Humboldt
Kosmos (1845) 1, 19; verschiedenes unliebsame, das dich getroffen hat, (
ist) an mancher trübung deines geistes und herzens schuld Stifter
briefw. 5 (1928) 15. 3@bb)
von zuständen äuszerer und innerer art, verhältnissen, menschlichen beziehungen u. dgl., die eine veränderung zum schlechten erfahren, vgl. trüben I B 2 b; '
störung, beeinträchtigung': dasz immer schon trübungen des reinen verhältnisses zwischen der obrigkeit und den unterthanen eingetreten waren Schleiermacher
s. w. (1834) I 12, 273; die beziehungen (
Katharina Fröhlichs) zu Grillparzer hatten gerade damals eine starke trübung erfahren
jahrbuch d. Grillparzerges. 4, 90: was die sprache verwirrt ... und auf irgend eine weise den klaren und lauteren flusz derselben trübt, das hat auch den einflusz der verwirrung ... und trübung des ganzen volkes E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 385; wir nahmen abschied ... von einer zeit, in der es uns vergönnt war, das glück des lebens zu kosten, rein und ohne jede trübung H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 249;
selten ohne pejorativen beisinn: unaufhörlich erfährt eine nationalität durch die andere stärkung, trübung, umbildung Freytag
ges. w. (1886) 17, 25. '
verminderung, schwächung'
subjektiver zustände, gefühle u. ähnl., vgl. trüben I B 1 d: aber dennoch
[] muszte er (
John Kabys) jetzt daran mitarbeiten, was eine leise trübung seines wohlseins verursachte G. Keller
ges. w. (1889) 5, 81; die erste trübung dieser (
an den dreikaiserbund geknüpften) hoffnung wurde 1875 verursacht durch die hetzereien des fürsten Gortschakow Bismarck
ged. u. erinn. 2, 258
volksausg.; (
es) kann eine trübung des sicherheitsgefühles, eine beunruhigung merkbar werden Kolbenheyer
arbeitsnot u. wirtschaftskrise (1935) 18. 3@cc) '
entstellung, verfälschung, verzerrung',
auch '
beeinträchtigung der klarheit, deutlichkeit, schärfe',
vgl.trüben I B 2 c: der teufel selbst, dem jener sich ergeben, ist nur des gottbewusztseins trübung Lenau
s. w. 454
Barthel; so lang das reinmenschliche uns in irgend welcher trübung vorschwebt, ... so lange werden wir auch in ... verschiedener ansicht darüber befangen sein müssen, wie der mensch sein solle Rich. Wagner
ges. schr. u. dicht. 4, 72; jede zeit sieht überlegen auf solche trübungen der wahrheit (
infolge mangelhafter erkenntnisquellen und methoden) in früheren geschlechtern zurück Freytag
ges. w. (1886) 18, 318; (
die zeitferne kann bewirkt haben,) dasz sich trübungen der erinnerung einstellten und mancherlei zusammenhänge verlöscht zeigten B. Weisz
leben Jesu4 (1902) 1, 125;
von qualitativer veränderung vokalischer sprachlaute: den reinen vocalen war längst trübung, die wir durch umlaut, brechung ... bezeichnen, gefolgt J. Grimm
kl. schr. 1, 292; nachdem er (
der schulmeister) sich wieder in seinen verzweiflungsvollen bemühungen um den sinn der dünnung und trübung (
der sprachlaute) abgearbeitet hatte Immermann 1, 73
Boxb.