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trübsinnig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trübsinnig adj.

Bd. 22, Sp. 1224
trübsinnig, adj. , zu trübe II A 1 (s.trüber sinn sp. 1178f.) gebildet; erst seit der mitte des 18. jhs. bezeugt und wie die anderen adjektive auf -sinnig bildungsgeschichtlich älter als die substantive auf -sinn (der typus als solcher ist durch erweiterung alter bahuvrihi entstanden, vgl. mhd. wanwitzec aus ahd. wanwizzi). 11) aus veranlagung oder besonderer veranlassung 'schwermütig, pessimistisch, mut- oder hoffnungslos gestimmt, hypochondrisch' (vgl. trübsinn 1 und 3), auch blasser 'miszvergnügt, mürrisch, unfreundlich' u. ähnl. 1@aa) von persönlichen subjekten: wie die seele trübsinniger weisen, die in sich gekehret, an der unsterblichkeit ihrer zukünftigen dauer verzweifelt Klopstock Messias 2 (1748) 159; armer, einsamer, trübsinniger dichter (J. Balde), ist das der zweck des menschlichen lebens, zuletzt also (d. h. überzeugt von der nichtigkeit alles irdischen) umher zu blicken? Herder 27, 226 S.; trübsinnig und zur melancholie geneigt waren die Egypter nach allen nachrichten, die man von ihnen ... hat Zimmermann über d. einsamkeit (1784) 1, 318; ich begreife aber recht gut, wie man so wehmütig und trübsinnig sein kann, ohne irgend eine sichtbare ursache W. u. C. v. Humboldt in ihren briefen 6, 154; häufig adverbial: der stadtpoete ... schlich ganz trübsinnig umher Eschenburg beispielsamml. (1788) 8, 1, 257; 'ach, der ist wohl schon jenseits aller heller und millionen', sagte Heinrich trübsinnig Stifter s. w. 2, 79 S.; er (ein armer schustergeselle) ging deshalb trübsinnig vorm tor spazieren Blunck sprung über d. schwelle (1935) 195; auf das temperament von tieren übertragen: der parauaco (affenart) aber, obschon er ein trübsinniges und freudloses tier ist, übertrifft alle in der hingebung an ein menschliches wesen Brehm tierl. 1, 242 P.-L.; vereinzelt geradezu 'betrübt': die trübsinnige jungfrau Musäus volksmärchen 1, 25 (Hempel); 'unfreundlich, mürrisch': die einsamkeit des hauses, das der ... oheim mit einem alten trübsinnigen bedienten allein bewohnte E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 90 Gr. 1@bb) von düsterem, zu pessimistischer weltansicht neigendem geistes- und gemütszustand, auch mit der vorstellung des krankhaft absonderlichen verbunden, und den ergebnissen einer solchen seelischen verfassung, vgl. trübe II B 2: Oraniens warnung kam aus einer trübsinnigen verzagenden seele, und für Egmont lachte noch die welt Schiller 7, 286 G.; (Adelheid:) was macht euer bruder? (Reinhard:) wohl und auch nicht, wie ihr es nehmt, er hat ein finstres, trübsinniges gemüth, ganz das bild meines gestorbenen vaters Tieck schr. (1828) 11, 66; das trübsinnige wesen ihres kindes Fides G. Keller ges. w. (1889) 6, 59; aber diese gefahren, diese abgründe, mein freund, sind nirgends als in einer trübsinnigen einbildung Wieland I 3, 69 akad.-ausg.; diesem faulen trübsinnigen wahn (dasz menschen nicht gebessert werden können), stehet mit nichten die wahrheit zur seite Herder 17, 248 S.; doch wer mag solchen trübsinnigen betrachtungen nachhängen Göthe 46, 11 W. 1@cc) vom ausdruck der betrübnis, melancholie in antlitz und gebärde, in diesem gebrauche heute selten, vgl. trübsinnige blicke droefgeestige oogen Kramer-Moerbeek (1768) 348a: izo kam Melo zurück; mit dunkelm triebsinnigem antliz folgt ihm der herzog der Chauzer Wieland I 1, 193 akad.-ausg.; nirgends war eine hütte der dürftigkeit oder ein trübsinniges gesicht zu erblicken J. A. Fessler Abälard u. Heloisa (1810) 2, 196; adverbial: der alte dicke mann nickte trübsinnig inmitten seines neuen kanzleiraums H. Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 547. 22) von einer überwiegend krankhaften, an irresein, wahnsinn grenzenden oder dahin übergehenden geistes- und gemütsbeschaffenheit, vgl. trübsinn 2: er schlich ... in trübsinniger schwermuth einige tage hin ..., den vierten tag ward ... seine leiche (gefunden) Lenz ges. schr. 3, 169 Tieck; erhebt ihr herz, dasz aus der dunkelheit sich ihre geister aufrichten, dasz sie (Lila) nicht trübsinnig den groszen endzweck versäume Göthe 12, 58 W.; in dem hintern garten wandeln die unschädlichen gemütskranken, trübsinnig oder mit kindischen geberden Gutzkow ges. w. (1872) 11, 70; so prädikativ trübsinnig machen, werden: das (verfall des vermögens u. a.) hatte den mann ... schon seit langer zeit trübsinnig gemacht, dergestalt, dasz er manchmal sogar äuszerte, er wolle sich selbst leids anthun Aurbacher volksbüchlein (1835) 98; sie fand den schäfer, der seit dem verlust seiner herde trübsinnig geworden war, allein in seiner stube Freytag ges. w. (1886) 13, 128; substantivisch: könnte es nicht auch ein höllischer geist gewesen seyn, der dich, den trübsinnigen, zum mörder des gemahls deiner mutter machen wolle? Herder 23, 364 S. 33) in anwendung auf zeitbegriffe, zustände und erscheinungen verschiedener art 'trübsinn hervorrufend, mit trübsinn verbunden oder davon zeugend', vgl.trübe II C u. D sowie trübselig 3: die schöne, die sich ihm ... durch ihre scherze in trübsinnigen stunden ... notwendig machen kann Wieland s. w. (1794) 3, 312, vgl. Thümmel reise (1791) 8, 99; die heiterste, fröhlichste moral ist gewisz die beste, und die sauerste, trübsinnigste die schlimmste J. Wetzel sat. erzähl. (1777) 1, 114; er ... überliesz sich trübsinnigem schweigen Holtei erzähl. schr. 28, 132; ob man nicht vielmehr gefahr laufe ..., klare heitere darstellungen gegen abstruse trübsinnige allegorien umzutauschen? Göthe 49, 23 W.; Youngs nachtgedanken wirkten schon in dieser art, dasz sie die herzen der zeitgenossen mit einer trübsinnigen öde erfüllten Gutzkow ges. w. (1872) 12, 49; so trübsinnig auch meine schilderung von Polen klingt, so wenig bin ich doch mit meinem schicksal unzufrieden G. Forster s. schr. 7, 348; horch! durch die nacht ein leises schweben von ferne der trübsinnige klang der saite, wo das zarte beben des jungen minners aufwärts drang Stefan George übersetz. 1, 82. 44) in eigenwilliger verwendung bei Göthe (vgl. trübsinn 4) im sinne 'unklar, verworren': dasz so vieles (in der chemie), was unsere vorfahren in dunkeln zeiten nur zerstückelt gewahr wurden und im ganzen trübsinnig ahneten, jetzt sich ... aufklärt 34, 1, 129 W. 55) ungewöhnlich ist eine trübe I B bzw. D und trübsinnig 3 verbindende poetisch-spielerische anwendung, vgl. ähnliches reicher entwickelt bei trübselig 3 e: ich weinte mit lachendem mund (beim abschied von Göthe), denn mir schaute das feste grüne land durch den trübsinnigen nebel (der tränen) durch Bettine Göthes briefw. m. e. kinde (1835) 1, 160; er (der komet) kam immer schöner und heller, je näher, immer freundlicher und fröhlicher, und als er sich entfernte, ward er wieder blasz und trübsinnig, als ob es ihm selber zu herzen ginge Hebel 2, 302 Behaghel.
6748 Zeichen · 129 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trübsinnigadj, adv

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Trübsinnig , — er, — ste , adj . u. adv . mit Trübsinn behaftet, Trübsinn an den Tag legend, wie auch, darin gegründet, …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    trübsinnig

    Goethe-Wörterbuch

    trübsinnig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    trübsinnigAdj.

    Pfälzisches Wb.

    trüb-sinnig Adj. : wie schd. Er is triebsinnich [LU-Opp, verbr.]; vgl. tiefsinnig 1, schwer- mütig. Er geht immer t. eru…

  4. Spezial
    trübsinnig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    trüb|sin|nig adj. malinconich (-cs, -ca), dala ria.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit truebsinnig

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von truebsinnig

truebsinn + -ig

truebsinnig leitet sich vom Lemma truebsinn ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von truebsinnig 2 Komponenten

trueb+sinnig

truebsinnig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

truebsinnig‑ als Erstglied (1 von 1)

trübsinnigkeit

DWB

truebsinnig·keit

trübsinnigkeit , f. , abstractum zu trübsinnig; in denselben bedeutungen wie trübsinn, heute kaum mehr gebräuchlich: denn es ist ja zu merke…

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APA
Cotta, M. (2026). „truebsinnig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/truebsinnig/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „truebsinnig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/truebsinnig/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „truebsinnig". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/truebsinnig/dwb.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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