trösterin,
f. ,
movierung von 1tröster,
wie dieses seit dem 12.
jh. bezeugt (
s. unter 1);
mit anlautendem d: drosterin
spiel v. d. 10
jungfrauen 423
in Pfeiffers Germania 10, 329; H. Folz 30, 59
Mayer; die umlautlose schreibung steht hinter der umgelauteten (
im unterschied von troster
gegenüber tröster)
stärker zurück. 11)
die zufrühest bezeugte verwendung ist die im geistlichen sinne für die jungfrau Maria gebrauchte, vgl. tröster 2: ich bite dich, ... daz du gitrostest mich in minir ivngistun stunde unde in allen min notin, heiligiv trosterin allir trurigir herzin
in einem gebet an Maria (
hs. d. 12.
jhs.)
bei Wackernagel
altdtsche pred. u. gebete nr. 83, 42;
häufig ist die wendung der (
oder aller) sünder trœsterin: du wirst der sünder trosterin und der gevangen löserin, ein muoter der erbærmde genant schweizer Wernher
Marienleben 2067; trœstærin aller sünder, milt muoter, reiniu meit
Wolfdietrich D VI 106
Amelung; Stolle
in d. minnes. 3, 3
a v. d. Hagen, vgl. auch 7
b; der werlde trœstærinne Herman Damen
ebda 166
b; Hugo v. Trimberg
renner 13101
Ehrismann; H. Folz 30, 47
Mayer; Dedekind
papista conversus (1596) a 6
a.
die bezeichnung hält sich im religiösen volkslied bis in neuere zeit: du quelle aller freuden, du trösterin in leiden, Maria hilf uns allen aus dieser groszen noth
bei Mittler
dtsche volkslieder (1865) 299. 22)
seit der zeit des höfischen minnesangs bis ins 17.
jh. findet sich trösterin
reichlich bezeugt für die geliebte, vgl. trost III 1 d
und tröster 3 b: sorgen trœstærinne, dir ist mîn jâmer kunt, trœste mîne sinne, daz ich den kus gewinne. sprich: jâ! rôter munt Gottfried v. Neifen
in minnes. 1, 51
b v. d. Hagen; liederbuch d. Hätzlerin 62
Haltaus; meister Altswert 80
lit. ver.; er schweift sein mantel in das gras, er bat sie, dasz sie zuo im sasz mit weiszen armen umbfangen: so gehab dich wol, mein trösterin! nach dir stet mein verlangen
bei Uhland
volkslieder2 239; Forster
frische teutsche liedlein 36
ndr.; ich glaub, er werd gewesen sein bei meiner braut und trösterein Joh. Episcopius
aulularia (1570) f 3
a;
häufig ist die wendung mîns (meins) herzen(s) trösterin: genâde liebu vrouwe mîn, liep, mîns herzen trœsterîn, mîner sorgen ganzer trôst Heinzelin v. Konstanz 2288
Pfeiffer; Schenke v. Limburg
in minnes. 1, 131
a v. d. Hagen; grüsz dich gott, meins hertzn trösterin Hans Sachs 20, 133, 22
K.-G.; Jac. Ayrer 2693, 21
Keller. 33) trösterin
bezeichnet sonst eine weibliche gestalt, die trost aller art gewähren kann (
vgl.tröster 3): sy (
Maria in ihrem irdischen leben) was ein milte helfferin und ein trösterin der armen
das sumerteil d. heyligen leben (1472) 144
b; witwen und weiszen was si ein grosze trosterin
Hedwigslegende (1504) g 2
a;
in einem allgemeinen frauenpreis heiszt es: sie ist auff ihr thun geflissen, ihrer kan der mann genieszen, sie ist die trösterin zu allen zeiten G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 17; aber bey dieser gelegenheit war er entschuldigt, dasz er (
in gedanken an die schöne, treulose geliebte) seine augen kaum mit halben blicken an die artige trösterin (
seines freundes frau) schieszen liesz Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 17; sie sind auf dem wege sich unglücklich zu machen. lassen sie mich lieber jezt ihren schutzengel, als nachher ihre trösterin seyn Schiller 3, 554
G. im sinne von halt, stütze: was bleibt uns noch übrig, als zu sterben, da sie (
die tochter) fort ist, unsere erhalterin, unsere trösterin, unsere einzige Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 156;
vgl. ähnliches unter tröster 3 a
α.
häufig beim schmerz um verstorbene: Usong ... hütete seinen ewigen kummer (
über den tod der gattin). Nuschirwani (
die tochter) wäre vielleicht die einzige trösterin gewesen, die der liebende vater angehört hätte, sie war aber entfernt Haller
Usong (1771) 268; die stattliche frau ... legte einen arm um die mutter (
des im sarge liegenden kindes), welche sich weinend an die trösterin lehnte Freytag
ges. w. (1887) 6, 48. 44)
unpersönlich; geistige und seelische kräfte oder erscheinungen, nur noch gelegentlich personifiziert vorgestellt, als subjekt des tröstens. 4@aa)
von der religion: so ward die religion, wahr oder falsch, recht oder irre geführt, die belehrerin der menschen, die rathgebende trösterin ihres so dunkeln, so gefahr- und labyrinthvollen lebens Herder 13, 162
S.; doch wenn der erste schauderhafte eindruck des todesgedankens vorüber ist, dann beruhigt uns die holde trösterin, die religion G. Forster
s. schr. (1843) 5, 48. 4@bb) minne, trœsterinne, sinne, wie ich sender brinne von der dirne dîn Rost kilchherre ze Sarne
in minnes. 2, 132
a v. d. Hagen; die weisheit wird eine gespielin genennet derer, die eine feine seele bekommen: eine trösterin in sorgen und traurigkeit Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 468;
vgl. dazu weish. Sal. 8, 9 (
unter tröster 3 c
α); was wirkt aber nicht zuletzt die gewohnheit, diese starke trösterin in allen groszen und kleinen leiden Redwitz
Hermann Stark3 (1879) 1, 20.
von tugendhaften eigenschaften: de medelidinge uth unde inne dat is en ghutlik trosterinne se kumpt van eme guden herten, des anderen leyt sint ere smerten meister Stephan
schachbuch 2042; jedennoch hiesz mich die geduld, die trösterin der mühen, ... beherzet fort zu ziehen Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 58; die unschuld, welche in diesem gefängnisz meine höchste trösterin ware Johann Beer
teutsche winternächte (1682) 12; du beste trösterin in jedem leide, o tugend! J. A. Cramer
s. ged. (1785) 2, 70.
öfter von der hoffnung: Epimetheus: kam aber nicht durch mich die süsze trösterin hofnung auf die erde? Herder 18, 378
S.; die edle treiberin, trösterin hoffnung Göthe II 60, 78
W.; Laube
ges. schr. (1891) 3, 715.
von irgendwelchen freudigen empfindungen: du wonne, trösterin der herzen, schwebst über ihnen (
dem liebespaar) J. J. Schwabe
belustigungen (1741
ff.) 3, 515; munterkeit und scherz sind meine trösterinnen
theater d. Deutschen (1768) 2, 499; so bist du, ruhe, freundliche trösterin Hölderlin
ges. dicht. 1, 80
Litzmann; wiederholt von der freundschaft: ach, meine trösterin in meinen trübsten tagen, die freundschaft selbst wird mir ein quell von gram und schmerz J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 295; J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 305. 55)
von der kunst und künstlerischen erhebungen: wir sollen uns freuen, dasz die kunst, die grosze trösterin, vor den schrecken des krieges nicht geflohen ist
Liller kriegszeitung ausl. (1915) 2, 211; doch ward ihm, als mächtigste trösterin, eine der gefälligsten musen zugesellt J. G. Jacobi
s. w. (1807) 7, 139;
ähnlich Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 4, 37; in den unliebsamen verwickelungen ... wurde ihm die musik abermals zur holden trösterin
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 4, 126; hier ward seine harfe ihm trösterin und freundin Herder 12, 205
S.; wir überlassen Gylluspa ... den klagenden tönen ihrer laute, der schwachen trösterin ihres schmerzes Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 323. 66)
von naturerscheinungen: hast du die schöne morgenröte gesehn? ... ein stral des unvergänglichen lichts, die trösterin der menschen Herder 26, 349
S.; sanft küszt die nacht, die vielholde trösterin, die tagmüde erde Wilh. Arent
in: mod. dichtercharakt. (1885) 1, 1.
öfter auch von der zeit: doch für jede seelenwunde wie tief sie brennt, die zeit, die grosze trösterin, den wahren balsam hat Wieland I 13, 163
akad.; die zeit, die beste trösterin in widerwärtigkeiten Knigge
roman meines lebens (1781) 3, 48.